Der Titel sagt alles. Eine Art Tagebuch ohne Datum, Erinnerung wie sie gerade daherkommt. Verschiedene Themen meine Befindlichkeit beschreibend ... Viel Spaß beim Lesen!
Es gibt keinen besseren Zeitpunkt über den Tod nachzudenken, als an einem Geburtstag. Heute ist meiner, also ergreife ich die Gelegenheit und denke ein bisschen darüber nach.
Der Tod. (Im Französischen "die", aber die Franzosen sagen ja auch "die Mond" und "der Sonne" ... aber darüber denke ich ein andermal nach.)
Alle kennen ihn, den Tod, zumindest dem Namen nach, aber niemand zählt ihn zu seinen/ihren Freunden. Warum eigentlich nicht? Er begleitet uns von Geburt an, ständig present, bis zum ... na ja, eben dem Tod. Das ist der Moment wo er aus uns heraustritt und endlich sein Eigenleben beginnt. Hört sich makaber an, ist aber nachvollziehbar, wenn man sich einmal in ihn hineinversetzt. Erst immer eingeengt von der menschlichen Hoffnung, nicht sterben zu müssen, dann langsam Raum gewinnend in deren Denken und schließlich Besitz ergreifen zu dürfen von dem, was ihn immer ablehnte, der Körper.
"Hier bin ich! Willkommen, Bienvenue, Welcome ..."
Ab hier muss man mit ihm Freund sein. Aber hat er sich nicht schon einmal vorher ganz kurz, wie ein aufflammendes und verlöschendes Blitzlicht im Hirn gemeldet? War da nicht dieser erschreckend dunkle Augenblick irgendwann im Leben, als man sich des Todes so gewiss war, als hätte man ihn eben erlebt? Mir ging das so. War das ein Privileg, ihn, so quasi, von innen zu sehen? Also das war vor beinahe 40 Jahren, eine Ankündigung seiner baldigen Befreiung aus meinem Leben war es nicht.
Ich hatte auch gar nicht den Eindruck einer Bedrohung, es war eher eine Einladung: "Komm, sieh Dich um, das bist Du in mir irgendwann in der Zukunft." Zugegeben, es war ein bisschen gruselig, und es hat mir nicht geschadet. Aber Aufmerksam gemacht hat es mich schon und wenn ich an den Tod dachte, oder denke, dann weiß ich, dass wir uns kennen und nicht Feinde sondern Freunde sind.
In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag!
Der Tag war hell und voll von schnellen Dingen, die um Dich her nur Last und Hektik schufen: die Stunden ausgelegt wie Fallenschlingen, die Du gefordert warst alleine zu bezwingen. ... Hörst Du die Nacht jetzt nach Dir rufen? Erhöre sie. Hör auf mit ihr zu ringen!
gelang 2015
"Wofür brennt diese Kerze?" wurde ich gefragt. "Für Tag, Nacht, Leben, Tod." hab ich gesagt. Ist dieser Mensch so dumm?! Wie kann man eine solche Frage stellen? ...
Es fragt sich: Wer hat sie gestellt? Und auch: Warum? ... Ihm sei sie erlaubt! Das Licht wird sie erhellen! gelang 2015
Du wirst den Tod nicht fassen können, er ist noch flüchtiger als Leben, und trotzdem hängst Du fest an seinen Füßen: Ihr müsst zusammen durch sie beide schweben! gelang 2015
Dies sei gesagt: Wenn Du Dich fragst warum Du sterben musst, Bedenke dass der Tag nicht fragt Warum er stets die Nacht erjagt. - Das Leben ist nur unbewusst Bis dass der Tod uns tagt. gelang 2015
Es heißt, man könne aus "der Geschichte" lernen. Aber nirgendwo steht, dass man das muss. Leider! Russland ist das beste Beispiel. Erst Stalin, jetzt Putin. Wo ist der Unterschied? Und was macht die Russen, das Volk, so anfällig einem Diktator zu folgen? Hätten sie nicht von Deutschland "lernen" können?
Hat überhaupt jemand von, und in, Deutschland etwas gelernt?
Die Welt stürzt in einen Abgrund und ahnt nicht, was unten auf sie wartet!
"Das Innerste des Bösen ist der Tod."
Wir sind dem Innersten bedenklich nahe.
Heute schrieb mir meine Schwester, wahrscheinlich 86 Jahre alt, vielleicht älter, vielleicht jünger, ich achte da nicht sehr darauf, dass ihr Lebensgefährte verstorben ist.
Wenn ich wüsste wie das geht, und irgendwie muss es ja digital möglich sein, würde ich hier eine große, weiße Fläche einfügen, wie ein weißes Segel,
als Zeichen der Trauer.
Weiß, nicht Schwarz.
So wie die alten Griechen die Nachricht vom Tod und die Trauer sahen.
Weiß, wie die unbeschriebene Fläche auf der Tafel des Schicksals.
Weiß wie JA ... weil nur der Tod NEIN kennt.
Ich liebe meine Schwester, wenn auch distanziert, weil wir zu verschieden sind, aber ich weiß, dass wir Geschwister sind! Was immer uns trennt ist das Leben. Ich hoffe, dass wir uns noch oft getrennt begegnen!
Trost? Was könnte sie trösten? Trost ist Verschwendung, denn er bewirkt nichts. Vielleicht erreichen ja die Klageweiber ursprünglicher Kulturen, dass der oder die Trauernde den Schmerz des Verlusts momentan nicht mehr wahrnimmt, wegen der von außen kommenden Eindrücke, aber die tiefe, unüberbrückbare Stille im Inneren übertönen sie nicht. Das wissen alle die getrauert haben. Verlust ist nicht "tröstbar". Dort wo er eintritt steht etwas still und das kann niemand mehr bewegen! Und nichts kann ihn mindern. Wo das trotzdem hilft, ist der Verlust bald vergessen.
Ich werde versuchen hier ein Video hochzuladen, das ich für unsere Mutter und den Mann gemacht habe, der unser Leben gerettet hat. Franz Peters. Liebe kann man nicht nachholen, aber bereuen, dass man sie nicht gegeben hat.
Was kann man mehr sagen als: Es tut mir leid, dass ich nicht vorher mehr gesagt habe? Nach dem Tod bleibt nur Reue über vertane Gelegenheiten und eine ungeheure Last von Liebe, die man nicht mehr geben kann!
Die Frage ist berechtigt, denn selbst wenn die Hoffnung tot ist, lebt ja der Mensch noch der sie hatte. Heute starb eine meiner Hoffnungen. Es war nur eine kleine, oder, wie man wohl eher sagt, eine geringe. Aber wenn sie gestorben ist, kann sich die Meinung über ihre Größe leicht ändern und die Enttäuschung über ihr nicht mehr Vorhandensein ist proportional um so größer. So wird aus einer kleinen Hoffnung eine große Enttäuschung.
Vielleicht erinnert sich der ein oder die andere noch daran, dass ich an einem essentiellen Tremor leide der den ganzen Körper betrifft: mein Kopf wackelt, meine Hände und Beine zittern und auch mein Atem geht nicht gleichmäßig sondern in kleinen, spitzigen Wellen, wie die des Herzschlags auf dem Bildschirm über dem Bett eines Patienten auf der Intensivstation. Das sieht man Gottseidank nicht, das fühle ich nur. Aber das Sichtbare, das was die Menschen wahrnehmen, das verunsichert mich ... Na ja, ich habe in anderen Kapiteln schon davon berichtet.
Nachdem bei meinem letzten Besuch beim Neurologen meine Frage, ob es inzwischen neue und wirksame Medikamente für diese Nervenstörung gäbe, negativ beantwortet wurde, mein Tremor aber inzwischen so lästig ist, dass ich nicht einmal mehr die Buchstaben der Tastatur auf Anhieb richtig treffe, entschloss ich mich, dem Mittel das zwar beim ersten Versuch keine Wirkung zeigte, aber auch keine Nebenwirkungen zu haben schien, noch eine zweite Chance zu geben. Es könnte ja sein, dass es diesmal wirk, dachte ich. Die geringe Hoffnung war geboren.
Das Medikament heißt TREMARIT.
Da es mir der Neurologe schon verschrieben hatte und der Bericht dem Hausarzt vorliegt, konnte ich mir den Gang zum Neurologen sparen und gleich zum Hausarzt gehen, um mir ein Rezept ausstellen zu lassen. Nur um sicher zu gehen, dass ich den Namen richtig im Gedächtnis habe, googelte ich danach. Alles war richtig bis auf den letzten Buchstaben. Ich hatte TREMARIL eingegeben. Wie gut dass Google alles besser weiß! Und so erfuhr ich:
So erlebte ich den Tod einer Hoffnung ganz bewusst!
Da sich alle anderen in Frage kommenden Mittel auch nach längerer Anwendung als wirkungslos erwiesen haben, sehe ich der Geburt einer neuen Hoffnung auf diesem Gebiet mit Spannung und Ungeduld entgegen.
Ein Affe, der sein Spiegelbild noch nie gesehen, kam an den klaren Quell um dort zu trinken, wie angewurzelt blieb er davor stehen, dann sah man ihn auf seine Knie sinken. In Andacht liegt er vor dem schönen Bild und wagt nicht mit dem Mund es zu berühren, sein Durst bleibt dadurch ungestillt und er fängt an ein Selbstgespräch zu führen: "Du überirdische Vision vor meinem Auge, Du Herrlichstes das je sich meinen Blicken bot, Du bist der Gott an den ich glaube!" Dann fiel er um vor Durst und war bald tot. Ein and'rer Affe kam und sah den Toten, er schaut ins Wasser und was dann geschah? Er schlug hinein mit beiden Pfoten, weil er den Teufel ihm entgegenblicken sah. Das Bild verschwand, er trank, dann ging er heim. Er wurde alt. Das hat dann die Moral ergeben: Gott zu erblicken kann leicht tödlich sein, Angst vor dem Teufel hilft zu überleben. gelang 1965
Hamlet stellt eine rein rhetorische Frage, dazu noch an einen Toten, auf die es dann tausend und mehr Antworten gäbe, wenn man überhaupt eine haben möchte. Sein oder nicht sein. Das ist keine Frage, wer nicht ist, stellt keine Fragen. Shakespeare fragt ja auch nicht wirklich und Hamlet schäkert nur mit dem Tod, der ihn dann konsequenterweise auch ereilt. Der Rest ist Schweigen.
Wann ich angefangen habe über die Natur des Seins, über deren Möglichkeiten nachzudenken, weiß ich nicht mehr. Die Lektüre aller möglichen "Bildungsbücher", ich konnte früh lesen, noch ehe ich zur Schule ging, weckte Fantasien in mir, die mich zum unbezwingbaren Minotauros, zum fliegenden Daedalos, zum steinreichen Graf von Monte Christo machten. Bildung braucht Leitung. Ich hatte keine. Ich las und wurde zum Geschöpf der Autoren. Es war mir möglich unsichtbar durch Wände zu gehen und unermessliche Schätze anzusammeln. ... Schließlich entwendete ich, zwölfjährig, einer Schulkameradin 25 Pfennig um mir eine Schülerzeitschrift, "Der Sommergarten" zu kaufen. Es ist das einzig Kriminelle das ich in meinem Leben begangen habe und es verfolgt mich bis in meinen Tod. Sein oder nicht Sein. Das Gewissen ist eine schreckliche Macht. Was Ist Ist.
Vor einigen Tagen bekam ich eine neue Waschmaschine. Es war höchste Zeit. Die alte hatte 25 Jahre Dienstleistung hinter sich und aus ihrem rückwärtigen Inneren rann rostige Flüssigkeit, ganz abgesehen davon, dass die Geräusche die sie beim Schleudergang von sich gab die Wände vibrieren ließen und sich direkt auf meine Nerven übertrugen, vom Gehör ganz zu schweigen.
Die Anlieferung und Aufstellung, nebst Entsorgung des Altgerätes, war für den 13. 8. zwischen 9 und 12 Uhr vereinbart. Kurz vor 10 Uhr klingelte es ...
Ich erinnere mich an einen Film, den ich in meiner Kindheit, während der Schulzeit, gesehen habe: "Der kleine Muck", ein Film mit vielen Tricks, die meine Fantasie in Realität umzuwandeln versuchte. Magie und Zauberei sollten mein Leben verändern. Hat natürlich nicht funktioniert.
Dann sah ich Walt Disneys "Peter Pan" und ich war verloren. Ich wollte fliegen können.
"Der zweite Stern von rechts und dann immer gerade aus bis zum Morgen." Dort ist Nimmerland! Dort ist meine Vergangenheit. Dort ist meine Zukunft.
Wir alle leben in Märchen, anders ist das Leben ja gar nicht zu ertragen. Die Fantasie gibt uns die Fähigkeit zu fliegen und in den Träumen können wir es sogar. Die Welt wird so viel weiter, bunter, reicher, je mehr wir der Wirklichkeit gestatten hinter die Wahrscheinlichkeit zurück zu treten.
Der Mann der so gegen zehn Uhr klingelte war jung, noch nicht 30, schätzte ich. Groß, athletisch, gutaussehend. Ein Adonis wie es heutzutage unzählige gibt. Er trug Jeans und ein schwarzes T-Shirt, das seinen Körper vorteilhaft betonte. Aus den Ärmeln des Hemds und über die sportliche Kragenlinie krochen die Farben, Linien und Figuren von Tatoos. Und plötzlich dachte ich an Peter Pan, an Nimmerland, den Traum vom Alles können und nicht erwachsen werden. An alles was uns das Leben vorenthält und das wir mit ein paar Arabesken auf der Haut, oder mit einem Kinobesuch herbeizuzaubern versuchen. Es bewahrt uns nicht vor dem Aufstellen von Waschmaschinen oder der Erkenntnis, dass uns nur der Tod fliegen lassen wird.
Sein ist wie nicht Sein, je nachdem auf welcher Seite man sich befindet.
Noch neun Tage, dann fliege ich. Bin ich bereit? Ehrlich gesagt: Jein. Aber das betrifft nicht nur die vor mir liegende Reise, mit all ihren Unwägbarkeiten, sondern an meiner ganzen Sicht auf die Zukunft, nah oder fern. Ich habe das Gefühl, dass ich darauf zu gehe wie auf eine Nebelwand. Aber dieses Gefühl ist nicht neu, es begleitet mich jetzt seit ein paar Jahren schon, als wäre irgendwann schlagartig das Ziel aus meinem Blickfeld gerückt worden, auf das ich bis dahin zugegangen bin. Was fehlt ist die Neuorientierung, die Sichtbarkeit einer Sicherheit, die die Gewissheit des Todes mildert. So alt bin ich geworden. Jetzt stehe ich mit meinem unentschlossenen, wackeligen rechten Bein, das geradezu symbolisch geworden ist für "das Leben", in der Freude und dem sicheren, meinem Körper harmonisch angepassten linken Bein im Zweifel. Also: Schritt für Schritt wohin?
Kieser Training habe ich aufgegeben. Es hat meinen Tremor nicht zu mildern vermocht, was ja mein Ziel und meine Hoffnung war. Die Anstrengung während des Trainings steigerte das Zittern so sehr, dass ich manche Übungen nur schwer oder gar nicht beenden konnte. Zum Schluss musste ich alle Gewichte reduzieren, um überhaupt das Gefühl zu haben, dass ich etwas Sinnvolles mache. Eigentlich tut es mir ja Leid darum, die Stunde im Studio war nicht langweilig und die Übungen für die Beine, zumindest die die Anpassung der Kraft des rechten an das linke, scheinen Fortschritte gemacht zu haben. Zumindest habe ich jetzt Schmerzen im rechten Fuß, die ich vorher nicht hatte. Ich muss also etwas finden, ein Training das ich ohne Gerät machen kann, das meine Standfestigkeit und die Balance fördert und auf Dauer behält. Ich bin sicher, dass es so ein Training gibt, aber habe ich meine Bequemlichkeit so fest im Griff, dass ich das ohne "Zwang" auch mache? Mein linkes Bein sagt: vielleicht.
Die schlagartige Blindheit des rechten Auges war meinem Optimismus natürlich auch nicht gerade förderlich und die Diagnose "Grüner Star" lässt jeden zittern, zumindest seelisch. Blindheit zu simulieren, indem man die Augen schließt, ist eine Sache, sich damit auseinandersetzen als, wenn auch nur eventuelle, Realität eine andere. Vorläufig bin ich ja "stabilisiert", aber die Notwendigkeit einer Operation in der Zukunft, nah oder fern, wurde von ärztlicher Seite schon angemahnt. Also stehen meine Augen jetzt, sozusagen, auch auf wackeligen Beinen. Bei längeren Spaziergängen lässt die Wahrnehmung der Ferne mehr und mehr nach und ich habe das Gefühl, dass entweder ich taumle oder die Umwelt schwankt. Das verunsichert und ermüdet. Wie wird das in Istanbul sein? Ich hatte/habe vor dort viel zu Fuß zu erkunden. Das Mögliche wird sich finden, denke ich.
Dann steht da noch ein Wort im Raum, das sich selbst isoliert:
Inkontinenz.
Wer redet schon überhaupt darüber, von gern ganz zu schweigen? Man könnte meinen, es wäre eine Geschlechtskrankheit oder ein Verbrechen. Aber wie sollte es auch anders sein, wo doch selbst die Betroffenen alles tun, um das Thema nicht anzusprechen. Nur beim Urologen findet man das offene Ohr, das man wie in einem Beichtstuhl nutzt. Aber das Problem bleibt was es ist: "Das Problem". Da hilft auch witzige Werbung im Fernsehen nicht, wo der Harndrang jungen, blonden Frauen auf der Schulter sitzt und ihnen ins Ohr schreit: "Schnell! Finde die nächste Toilette!". Da haben wir schon das nächste Problem: öffentliche Toiletten werden immer seltener und die Bedürfnisautomaten in Form von Litfasssäulen, von Bänken gesäumt auf denen Einkaufsmüde sitzen, sind meistens "Außer Betrieb". Harndrang ist eine Frage der Körperbeherrschung. Na ja. Es gibt viele blöde Sprüche, die man sich nicht zu merken braucht. Zum Beispiel den von Goethe: "Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen." Nur was man zu Fuß rechtzeitig erreichen kann nützt! Ich nehme jetzt seit drei Wochen die vom Arzt verschriebenen Kapseln mit wenig Nebenwirkungen. Wirkung? Mal sehen. Vielleicht nach weiteren drei Wochen?
Dann bin ich schon beinahe wieder aus Istanbul zurück ...
Nachdem ich das iPad mini gekauft hatte fragte ich mich: "Wozu?" Zu dem Zeitpunkt eine berechtigte Frage, schließlich hatte ich schon zwei PCs, einen uralten, auf dem noch Windows XP Home Edition endlos langsam läuft, meinen iMac mit der superschnellen Apple Software, ein Notebook mit Windows Vista, auch in die Jahre gekommen, das Mac Book Air (11 Zoll), das ganz normale iPad (Air gab's da noch nicht) und nun also auch noch das Mini! Jetzt kenne ich die Antwort: "Damit ich beim Bloggen, wenn etwas gegoogelt werden soll, nicht immer von einer Seite zu einer anderen surfen muss, sondern alles auf einen Blick vor mir habe!"
Jetzt aber, nachdem ich diese Einleitung so elegant verfasst habe, frage ich mich wie es weiter gehen soll in diesem Kapitel, das den nicht weniger eleganten Schlusssatz haben soll: "Ich denke dass ich ein Phönix bin!"
Angefangen hat es mit Insomnia am frühen Morgen, der Phase in der man nicht wach ist und nicht schläft, in der Grauzone des Bewusstseins. Grau war der Himmel hinter den Vorhängen noch nicht, nehme ich an, schließlich war es erst kurz vor vier Uhr an diesem 24. Januar Morgen, wie mir ein halbherziger Blick auf die Wanduhr zeigte, die übrigens immer noch, ja immer, auf Sommerzeit läuft, weil mich die ewige Umstellerei ankotzt. Auf ihr war es also kurz vor Fünf. `Das hast Du jetzt vom frühen zu Bett gehen.´ dachte ich vorwurfsvoll und rutschte dann in einen kurzen, heftigen Traum.
Ich steige steil bergan. Wie hoch ich hinauf muss ist nicht absehbar. Schwärzeste Dunkelheit folgt mir wie eine Schleppe, die mir vom Hinterkopf hängt und sich von dort her ausbreitet. Zeit spielt keine Rolle. Ich steige also endlos lange und gleichzeitig überhaupt nicht nach oben. Dann bin ich auf einem Plateau angekommen und blicke auf eine von der Mittagssonne hell erleuchtete Stadt an einem Fluss, der am Horizont in ein unendliches Meer mündet. Stadt, Fluss Meer: alles in hellen Gelbtönen. Eine Kirchturmuhr beginnt zu schlagen und mit dem ersten Ton fällt das erste Haus auseinander, klappt auf wie eine Schachtel, nach vier Seiten. Und dann schlagen immer mehr Turmuhren, die Stadt hat jetzt unzählige Kirchtürme, und mit dem Uhrenschlagen klappen alle Häuser, alle Kirchen auf. Ihr Inneres ist aber nur weiß, so dass sich schließlich eine weiße Fläche vom Fuß der Höhe, auf der ich immer noch stehe, bis zum Horizont erstreckt. Und dann geschieht das unerwartete. Die Dunkelheit hinter mir schwappt quasi über meinen Kopf, die Schwärze ist überall. Dann schlägt noch einmal eine Uhr und mit einem Fauchen wird am Horizont ein großes Feuer entfacht auf das ich zugehe. "Ich denke dass ich ein Phoenix bin." sagt ein Gedanke laut zu mir.
Dann bin ich wieder halbwach und höre gerade noch den Nachhall einer der vielen Uhren in meiner Wohnung, (Über dreißig, die alle die Stunden schlagen, wenn sie aufgezogen sind.) die Vier Uhr geschlagen hat und registriere, dass die Gasheizung wieder angesprungen ist, weil der Thermostat das für nötig hielt. Daher das Glockenschlagen und Fauchen. Wer für die Bilder verantwortlich ist, weiß ich nicht. Wohl mein Unterbewusstes, das mir irgend etwas sagen will, es aber unverständlich formuliert. Apropos Uhren: Hier eine Kostprobe
Meine Gedanken fangen an zu kreisen und ich komme automatisch auf den als Kapitelüberschrift genannten Titel eines Liedes, das ich von einer Schallplatte von Katja Epstein kenne. Ich habe es gegoogelt:
Das ist übrigens ein Druckfehler (gibt es das auf einer virtuellen Seite?) da oben. Der Adler "schreit" nicht die Spiralen, er "schreibt" sie.
Wie ein Kreisel den die Peitsche übers Straßenpflaster treibt, wie Spiralen die …".
So am Rande frage ich mich: Wer kennt noch Kreisel (wir sagten übrigens "Tänzer" dazu) die man mit Peitschenhieben in Drehung hält? Gibt es das noch? Muss ich gleich mal googeln! … Ach so, nein, ich bleibe beim Thema. Nachdem ich an die deutsche Version des Liedes gedacht habe, fällt mir die englische ein, von der ich nur die Fassung kannte, in der es heißt:
When you knew that it was over, you were suddenly aware,
that the autumn leaves were turning to the color of despair.
Diese colors of despair, also Farben der Verzweiflung, hatten mich sehr beeindruckt. In Wirklichkeit ist das Lied ja ein Duett, Französisch, wenn mich nicht alles täuscht (googeln) das die Gefühle zweier Liebenden ausdrückt. In der englischen Duett Version singt er:
When you knew that it was over
you were suddenly aware
that the autumn leaves were turning
to the color of her hair.
Und sie hält dagegen:
When you knew that it was over
in the autumn of goodbyes
for a moment you could not recall
the color of his eyes.
Auch nicht schlecht.
Auf meinem Schreibtisch sieht das dann so aus.
Nachdem ich mit meinen Gedanken so weit gekommen war, also bis zu den Windmühlen, wurde mir bewusst, dass ich nicht mehr schlief.
Insomnia, dachte ich und da fiel mir ein, dass ich einmal, vor wieviel tausend Jahren? ein Gedicht mit diesem Titel geschrieben hatte.
Ich war unsterblich in einen Straßenbauarbeiter mit Migrationshintergrund verliebt. Er und seine Kollegen rissen den Gehweg vor der Firma auf, in der ich damals arbeitete. Direkt unter dem Fenster an dem sich mein Arbeitsplatz befand. … Schließlich kam es zu der Nacht, in der ich bei ihm schlief. Bei ihm, wohlgemerkt, nicht mit ihm! Es war in der Unterkunft in der er und seine Kollegen wohnten. Übrigens war sein jüngerer Bruder auch bei dieser Truppe. Sie kamen aus dem muslimischen Teil des damaligen Jugoslawien und waren beide verheiratet, ihre Frauen allerdings nicht in Deutschland, und beide Vollheteros. Trotzdem spielte er, den Namen habe ich vergessen, ein bisschen mit dem Feuer. … Er hatte ein eigenes Zimmer und wir lagen zusammen auf seinem, nicht sehr breiten Bett. Die Tür blieb allerdings einen 10 Zentimeter breiten Spalt offen. … Ich habe in dieser Nacht kein Auge zugetan und das Heraufdämmern des Tages in allen Details erlebt. So entstand dann das:
Soll ich mich schämen? Ein bisschen. Aber, wie gesagt, das ist mehr als dreißig Jahre her, beinahe schon vierzig! Uralt!
Übrigens lud ich einmal die Brüder zum Essen ein. Ich war fasziniert. Sie hingen mit den Köpfen dicht über dem Teller, schaufelten die Speisen in den Mund und schmatzen dann das zu Essende zu Brei. Sie schmatzten laut und deutlich! Sehr laut und weithin hörbar! Ich war peinlich berührt. Man sah zu uns herüber. Sie merkten nichts. Ich sagte nichts. Vielleicht war es in ihrem Kulturkreis ja höflich beim Essen zu schmatzen? Sie kamen aus irgend einem winzigen Bergdorf. … Ich fuhr irgendwann dann nach Venedig und dort habe ich diese Liebe verloren. Einfach so. Ich war erstaunt darüber, aber auch froh.
Schlaflos.
Zur Zeit habe ich das Gefühl in einem riesigen Raum zu hängen, der mich unsäglich einengt. Absurde Vorstellung, aber realer Zustand. Hat mich der Tod meines Freundes Walter, dessen Sterben sich über zwei Jahre hinzog wie ein lähmender Alptraum, an diesen Punkt gebracht, an dem ich erkenne, dass dieser Teil meines Lebens ein ständiges Abschied nehmen ist? Plane ich deswegen die Reise nach Istanbul, immer bedenkend, dass ich sie vielleicht nicht antreten werde? Habe ich deshalb keine Reiserücktritt-Versicherung abgeschlossen, den Verlust des Gepäcks nicht abgesichert? Vielleicht. Aber wenn man anfängt darüber nachzudenken ist der wahre Grund nicht mehr fest zu machen. In Worte gefasst sind Gedanken nie mehr das was sie waren, nur ungenaue Abbilder dessen was sie sein wollten.
Ein anderes Gedicht fiel mir ein, das ich, noch sehr, sehr jung! geschrieben hatte. Es handelte davon, wie ich mich, abends, am Strand einer griechischen Insel, auf ein selbstgebautes Floß begebe, auf das ich einen Scheiterhaufen schichtete, vom Ufer abstoße, mich mit Benzin übergieße, mich betrinke und schließlich in Brand stecke. So fahre ich dann, als helles Feuer, auf den dunklen Horizont zu.
Vielleicht war das ja der Traumhintergrund?
Wer sagt's denn, ich hab's geschafft! Hier kommt er, der elegante, letzte Satz:
Ich denke ich bin ein Phönix!
Ein Post Scriptum. Noch ein Gedicht zum Thema, das im Jahr 1968 entstand, als ich 30 Jahre alt war:
Nur einmal möchte ich in meinem Leben
die Sonne halten und mit der freien Hand
das Universum schütteln bis die Sterne beben -
Ein Strom sein und ein Baum und eine Felsenwand.
Und dann, am Ende, wie Kristall
der vor dem Wind zerfällt in tausend Scherben -
Das blitzt und klingt, auch noch im Fall:
So möchte ich sterben.
Man sieht, ich habe mich schon öfter mit dem Thema befasst.