Donnerstag, 4. Dezember 2014

Fabel - Ein Gedicht

Ein Affe, der sein Spiegelbild noch nie gesehen,
kam an den klaren Quell um dort zu trinken,
wie angewurzelt blieb er davor stehen,
dann sah man ihn auf seine Knie sinken.

In Andacht liegt er vor dem schönen Bild 
und wagt nicht mit dem Mund es zu berühren,
sein Durst bleibt dadurch ungestillt
und er fängt an ein Selbstgespräch zu führen:

"Du überirdische Vision vor meinem Auge,
Du Herrlichstes das je sich meinen Blicken bot,
Du bist der Gott an den ich glaube!"
Dann fiel er um vor Durst und war bald tot.

Ein and'rer Affe kam und sah den Toten,
er schaut ins Wasser und was dann geschah?
Er schlug hinein mit beiden Pfoten,
weil er den Teufel ihm entgegenblicken sah.

Das Bild verschwand, er trank, dann ging er heim.
Er wurde alt. Das hat dann die Moral ergeben:
Gott zu erblicken kann leicht tödlich sein,
Angst vor dem Teufel hilft zu überleben.


gelang 1965

Keine Kommentare: