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Sonntag, 23. November 2014

Wald - eine Allegorie


Im Winter lag der Wald voll Schnee und Schweigen,


dann grünte Gold an allen Zweigen,


das langsam dunkler ward und matt,
und Sommerschatten hingen unter jedem Blatt.


Jedoch im Herbst, wenn sich die Blätter färben,
wenn alles bricht und fällt zu sterben,
jetzt erst, zu dem Vergehn,
sagt man: Ist der Wald nicht schön?


Rein äußerlich, bunt und nicht sehr klug,
das ist der Mensch im Selbstbetrug:
Er liebt die Maske, die grotesk verhüllt
was Wahrheit ist und eine Seele füllt.

gelang 1967

Sonntag, 9. November 2014

Die Wartenden - Eine Beobachtung im Herbst



Sie sitzen beisammen auf einer Terrasse,
Zwei Mädchen - jung wird keine mehr lange sein,
Zwar hübsch und doch schon ohne Allüren 
Von Charme und anderen Dingen die verführen,
Fremd sich zuerst - jede allein,
Und nippen unschlüssig an der Tasse.

"Er wird vielleicht erst später kommen,"
Sagt eine, ohne sich viel Hoffnung zu machen jetzt.
"Vielleicht zum Essen, möglich wäre es ja." -
"Fest steht: Er kam nicht, ist nicht da,
Hat Dich wahrscheinlich vergessen, versetzt!
Wie ein Gentleman hat er sich nicht benommen."

"Du tust ihm Unrecht. Er ward aufgehalten.
Oder er ist krank, bei dem Wetter weiß man ja nie. -
Vielleicht musste er seine Mutter abholen. -
Oder, denkst Du, sein Auto wurde gestohlen?"
Fragt sie die Freundin besorgt, aber die
Zuckt nur mit der Schulter und legt die Stirn in Falten.




"Wenn es schön ist am Sonntag, komm doch zu mir
Und wir fahren ein bisschen hinaus. -
Freitags könnten wir zur Sternwarte gehn
und, wenn es regnet, in  die Museen. -
Oder wir bleiben bei mir Zuhaus. -
Wenn es Dir lieber ist, komme ich gerne zu Dir." -



Sie sitzen beisammen auf vielen Terrassen,
Mit mehr und mehr Plänen, immer für zwei.
Gestern noch jung, Morgen schon ältere Damen, -
Die manchmal an Herren denken die nicht kamen. -
Und die Liebe geht achtlos an ihnen vorbei,
Als wären sie leere Tassen.































gelang (1967/2014)




Samstag, 11. Oktober 2014

Oktobertage




Und wieder krallt der wilde Wein
die Jahresrune in den Stein,
schreibt mit der langgeübten Hand
das alte Zeichen an die Wand.



Der Ahorn fängt das gelbe Licht,
das nun durch seine Blätter bricht
in diesen auf und hält es zart,
als wäre es dort aufgebahrt.



An Silberfäden hängt der Tag,
der schattenschwer auf allem lag,
was man zu fassen sucht mit Händen
sind abgespulte Jahresenden.



Greif nicht nach ihnen, sie verweh'n
ein blitzend schimmernd Untergeh'n,
ein hingehauchtes, letztes Wort:
"Auf bald! Auf ..." ... und sind fort.


gelang 1965

Sonntag, 28. September 2014

Herbstgedanken



Mein Garten, trauern sollst du nicht!
Himmel, du verbirgst das Sonnenlicht.
Nur weil das Jahr vergeht, wir Abschied nehmen,
gebärdet ihr euch so 
als ob wir niemals wieder kämen.

Der Apfelbaum ist feuchtgeschwärzt und leer,
es zieren weder Blatt noch Frucht die Äste mehr,
nur schwere Tropfen fallen aus dem kahlen Haus,
als wäre es gesäubert 
und jemand schütte volle Eimer aus.

Noch eine Rose, die sich am Hause wiegt,
bangt, wenn der Wind vom Dach herunterfliegt, 
um jedes seidenzarte Blatt,
das sie bis jetzt
dem Plünderer entzogen hat.

Doch es wird fallen, fest steht der Beschluss,
dass alles mit der Zeit vergehen muss.
Weshalb dann diese Trauer überall?
Auch sie bewahrt nicht
vor dem letzten, leichten Fall.

Der Garten trauert nicht, er folget nur
den ewigen Gesetzen der Natur.
Er stirbt weil sie es ihm gebot
und akzeptiert 
den Abschied und den kurzen Tod.

Du weinst? O könntest Du, wie dieser Garten,
geduldig auf den neuen Frühling warten.
Es würde selbst der letzte Winter Dir nicht schwer,
weil das danach
ein Frühling dann auf immer wär'.


gelang - 1966


Donnerstag, 25. September 2014

Herbst




In Wald und Garten
ein Flirren und Schwirren,
ein Klingen, ein Schweigen,
ein Halten und Fallen, 
ein Ringen, ein Reigen,
ein Fliehen und Harren,
ein Singen, ein Weinen,
ein Knistern und Knarren,
ein Senken, ein Heben,
ein Dampfen und Tropfen
ein Nehmen, ein Geben,
ein Sterben und Warten.



(gelang - 1972)