Sonntag, 28. September 2014

Herbstgedanken



Mein Garten, trauern sollst du nicht!
Himmel, du verbirgst das Sonnenlicht.
Nur weil das Jahr vergeht, wir Abschied nehmen,
gebärdet ihr euch so 
als ob wir niemals wieder kämen.

Der Apfelbaum ist feuchtgeschwärzt und leer,
es zieren weder Blatt noch Frucht die Äste mehr,
nur schwere Tropfen fallen aus dem kahlen Haus,
als wäre es gesäubert 
und jemand schütte volle Eimer aus.

Noch eine Rose, die sich am Hause wiegt,
bangt, wenn der Wind vom Dach herunterfliegt, 
um jedes seidenzarte Blatt,
das sie bis jetzt
dem Plünderer entzogen hat.

Doch es wird fallen, fest steht der Beschluss,
dass alles mit der Zeit vergehen muss.
Weshalb dann diese Trauer überall?
Auch sie bewahrt nicht
vor dem letzten, leichten Fall.

Der Garten trauert nicht, er folget nur
den ewigen Gesetzen der Natur.
Er stirbt weil sie es ihm gebot
und akzeptiert 
den Abschied und den kurzen Tod.

Du weinst? O könntest Du, wie dieser Garten,
geduldig auf den neuen Frühling warten.
Es würde selbst der letzte Winter Dir nicht schwer,
weil das danach
ein Frühling dann auf immer wär'.


gelang - 1966


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