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Dienstag, 26. Januar 2016

Der Dattelkern - "Ein unerwarteter Todesfall" - (eine Kurzgeschichte von gelang)




"Nach dem Abendessen, es gab leichte Kost, sagte er zu mir: 
`Ich gehe noch einmal kurz um den Block.´ setzte seinen Hut auf und ging. 
Ich machte den Abwasch, es war nicht viel, wie gesagt, es gab nichts aufwändiges, sah mir die Nachrichten an und ging zu Bett. Es war nach 20:15 Uhr!"
...
"Am nächsten morgen fand ich ihn dann auf dem Küchenboden! Den Hut hatte er noch auf ..."





























"Er sah friedlich aus, als wäre er nur eingeschlafen. 
Aber ich wusste dass er tot war. 
So unschuldig sieht kein Lebender aus, auch nicht im Schlaf. Irgendetwas ist da immer noch, das wie ein Tier lauert. 
Der Traum vom Leben? 
Wahrscheinlich."
...




























"Ich war entsetzt! Denn vom Kopf (mit Hut) her ging er schon in Unschärfe über! Seine Aura hatte den Hut genommen, oder so ähnlich.
... 
`Du must ihn entsorgen.´ dachte ich. Und tat es."




gelang 2016

Mittwoch, 1. Juli 2015

Frage nicht, ein Zeitgedicht


Würdest Du Morgen Gestern fragen
warum es Heute war?
Eines ist klar:
die Antwort kann Dir niemand sagen!

Die Zeit vergeht auf ihre Weise
und Du gehst einfach mit.
Begleite sie auf ihrer Reise
und halte Schritt!

gelang 2015

Montag, 22. Juni 2015

Der Stuhl - Omar Khayyâm und ich, ein Spiegelbild


Siehst Du die Feige die am Ast dort reift
und Deine Hand die nach ihr greift?
Noch im Erschauen welken sie dahin:
Sieh in den Spiegel, der ich für Dich bin!

Du denkst in Versen so wie ich es tat

das Leben ist prosaisch, leider,
Nimm's wie es ist, das ist mein Rat,
und dichte ruhig weiter.


Denk an den Stuhl auf dem Du oft verweilt,
die Stirn tief im Poem gefaltet,
den Vers, der sich so schwer gestaltet,
hat er mit Dir bedrückt geteilt!

Wenn man Dich liest, dann hast Du Glück,

liest man Dich nicht, bist Du doch nicht vergessen.
Du bist auf diesem Stuhl gesessen,
ziehe ihn nicht im Zorn zurück.

Stoße nicht von Dir was einst kostbar war,
ob es ein Vers oder ein Möbel sei,
dem Schicksal ist es einerlei:
Dir wird es fehlen, das ist klar!






gelang 2015


Mittwoch, 10. Juni 2015

Heute ist alles


Heute ist alles was uns treibt,
Morgen ist alles was uns bliebe, 
Gestern ist alles was uns bleibt
Heute ist alles.

gelang 2015

Dienstag, 2. Juni 2015

Parterrewohnung bei Sonnenaufgang - Ein "Gedicht"




Sonnenhaut überwandert die Außenwand.

Jeder Riss im Verputz,
jede Pore im Stein wirft ein sichtbares Dunkel.

Selbst Schatten zerbröseln im scharfen Licht!

Nur hinter den Fenstern,
in ihren entrückten und einsamen Tiefen,
wacht ewigscheinende Stille
und nichts als blinde Nacht.





gelang 2015

Sonntag, 3. Mai 2015

Ewiger Flieder - Ein Gedicht von gelang






Der Flieder stürzt, in weichen Wogen sich verschwendend,
aus hohen Gartenräumen in die Straße nieder,
betörend süßen Duft verströmend und die Amsellieder.
Ein Wunsch erwacht nach Frühling niemals endend,
und ewig blühend sei der Flieder!








gelang 2015

Samstag, 11. April 2015

Abend am Elly Heuss-Knapp Brunnen im Park der Karlshöhe































Still ist es nun.
Mütter nahmen das Lärmen
an schmutzigen kleinen Händchen mit.
Zurück bleibt Vogelruf und leiser Schritt,
Sonnenstrahlen die wärmen
und Dinge die ruhn.





















Wasser zittert in Schalen, 
obwohl die Brunnen jetzt schweigen,
als wäre der Wind aus Versehen,
beim letzten Darübergehen,
oder darüber neigen,
in das Becken gefallen.

Stumme bronzene Frauen, 
ein offenes Buch in der Hand,
das sie gemeinsam studieren
und das schwindende Licht absorbieren,
sitzen lächelnd am Brunnenrand
ohne hinein zu schauen.





















Nacht wird es nun.
Der Wind hat sich losgerungen,
unter den Bäumen weht er kalt.
Die leisen Schritte sind verhallt,
der Vogelruf ist auch verklungen ...
Alle ruhn.

























gelang 1967


Samstag, 4. April 2015

Lethargie - ein "Denk-mal"

























Werde ich morgen das tun,
was heute zu tun
ich mir gestern vornahm?

Oder werde ich morgen bedauern,
dass ich heute tat,
was ich nie wieder zu tun
mir gestern vorgenommen hatte?

Oder werde ich morgen,
wenn ich mir über Heute und Gestern
im Klaren bin,
noch Zeit haben
um überhaupt etwas zu tun?

Ich denk mal drüber nach ...





















gelang 1968













Mittwoch, 1. April 2015

Spaziergang im März - ein "Gedicht"


Beim Verlassen des Hauses
beschlägt milder Dunst die Sinne.
Im Eibengezweig lärmen Vögel
schon nicht mehr winterlaut.

Dann wölbt sich
die vielversprechende Einsamkeit
der unbestellten Gärten zum Horizont.

Wie Lerchengesang wärmt die Sonne.

Im Wald steht Ruhe 
und blickt starrschweigend geradeaus.

Doch wenn ein toter Zweig fällt,
ein windvergessenes dürres Blatt,
bricht Verzweifeln die Stille
und krallt sich hilflos
in die kalten Schatten.

Alles hält den Atem an.


gelang 1974

Freitag, 20. Februar 2015

Eine Fabel über die Liebe - Gedicht




Einst fing ein Mann ein schönes wildes Tier,
das frei sein Leben an den Himmel schrieb,
band es mit Gold und sprach: "Gehöre mir!
Jetzt respektiere mich und hab mich lieb."

Das Tier, das frei sein Leben in den Wind geschrieben,
trug Fesseln schwer und nur mit Widerwillen. 
Wie sollte es den Unterdrücker da noch lieben
und dessen Durst nach Macht und Haben stillen?

Er war in den Besitz total vernarrt ...
Da starb es, ohne sich ihm zu ergeben.
Er weinte sehr. Dann hat er es verscharrt
und starb. Er konnte ohne es nicht leben.

So geht es Liebe die besitzen will und muss,
und Liebe die nicht geben will und kann.
Es folgt ein tragischböser Schluss,
für Tier und Mann.




gelang, 1968

Das Buch des Lebens schreibt die Liebe - Eine Elegie


Aus einer Zeit die Dich nicht kennt ward ich geboren
und brachte alles Fremde mit in Deine Welt und meine:
den Körper, dieses schwere Buch aus brüchigem Papier,
in dem Du lesen sollst als wäre alles hingeschrieben
für Dich, und auch von Dir. ... 
Nur eine Abschrift tut sich vor Dir auf. 
Und das Verstehen bleibt mir überlassen.

Die Zeit aus der Du kommst hatte mich schon beschrieben,
und staunend lese ich, dass Jahre meines Lebens in Dir sind.
Die Schrift war nie so klar, der Sinn mir so enträtselt,
wie es, in Deinem Sein, sich mir erschließt: Du bist -
und alles was in mir enthalten ist, war längst in mir ...
die Abschrift vieler Jahre ...
und wir verstehen beide was geschrieben steht.

Wir leben eingeschlossen in den Augenblick der Worte,
und unser beider Körper schreibt und liest und wird gelesen:
Erst im Vergleich wird Wort für Wort gedeutet und ergänzt.
Die ersten Bilder werden nun zu Schrift gewandelt,
Schrift wird zu Maß und Maß wird Zeit. 
Die Zeit verstehen heißt das Buch zu schließen.
Und aus dem stummen Wort wird endlich Sprache!


gelang 1974 (für Walter)




Mittwoch, 11. Februar 2015

Im Lehnstuhl (Erinnerung an Fräulein Jankovsky, 1964) - Gedicht


Wenn sie so dasitzt, die Hände ruhig im Schoß, 
vergilbt wie Pergament und auch so rar,
und lächelnd im Erinnern blättert,
das eine klein, das andere gespenstisch groß,
so nahe ist es noch und wahr,
dann kämpft die Zeit in ihren Zügen
um jedes Fältchen, das sich plötzlich glättet
und schilt das Glänzen ihrer Augen dumm,
aus Angst sie könnte fliehen und es trügen
Vergangenheiten sie davon um sie zu retten
vor Jahren die meist sinnleer sind und stumm.

Doch wenn sie lächelt, und sie tut es oft,
ahnt man wie schön sie einmal war,
nicht graziös und nicht mit aufgesetzten Dingen,
groß nur und schlank und weiß
mit blauen, grünen, violetten Schatten
an den Schläfen ... und mit schwarzem Haar.
Es fällt mir schwer, sie so zu schildern,
dass es ihr auch gerecht würde in jenen Tagen,
die spurlos schienen, doch nicht an ihr vorüber gingen ...
Kostbar war sie, wie kombiniert aus Bildern:
von Cezanne, Signac, Manet, Renoir!

Sie lächelt wieder, langsam, lange, leicht
und um sie spielt ein klarer Schimmer,
dem ich verfalle, als strahle sie Vergangenheiten aus.
Sie schaut in ihre Hände ... Auf die Uhr ...
(So endlos war der Tag schon lang nicht mehr)
Sie sitzt und sinnt und wartet nur,
dass jemand eine Hand ihr reicht
und sie hinaus führt in ein and'res Zimmer ...
Ach! Ohne sie ist dieses hier so leer
und Dunkel im ganzen Haus!




gelang 1964




Mittwoch, 24. Dezember 2014

Ein Lied im Winter - Gedicht




Ich sah ihn nicht, den kleinen Schreier,
und dachte: `Ungerecht ist es, doch freier
schlüge mein Herz wenn er
die Nachtigall und nicht ein Spatz im Winter wär'.´


Dann streute ich ihm Sonnenblumenkerne:
`Singt er auch schlecht, er tut es gerne,
und Lohn gebührt dem Sänger, nicht
dem Schweigen, das er mit seinem Singen bricht.´



gelang, 1965

Samstag, 13. Dezember 2014

Letztes Gebet - ein Gedicht



Laub fällt und Barometertendenz,
Friedhöfe  gewinnen erneut Prominenz,
der Gräber stummes Mahnen
lässt den Winter ahnen.

Morgennebel und Drachen steigen
in die Wälder tritt das große Schweigen,
das, auch vom Eichelhäher erschreckt
kein Echo mehr erweckt.

In den kahlen Bäumen steht
Sonnenlicht, ein letztes Gebet:
"Herr, behüte den Samen
auch diesen Winter, Amen"


gelang 1966

Sonntag, 7. Dezember 2014

Zum Geburtstag - Ein Gedicht für Margarete



Morgen würde sie 80 Jahre alt. Ich glaube nicht, dass sie das jemals werden wollte. Für sie waren Jahre nicht Zeichen des Lebens, sondern Runen der Vergänglichkeit. Sie liebte das Leben intensiv und deshalb verließ sie es, als es nur noch unerträgliche Last war.
Hier ein Gedicht zu Deinem Geburtstag. Ich glaube, dass es Dich irgendwo erreicht. Du warst 28 als Du gingst, für mich bist Du es immer noch! Und Du lebst.

Zum Geburtstag

Wie Tage sich zu Wochen binden
und Wochen sich zu Jahren winden,
so finden Hände sich im Tanz
und Blumen schlingen sich zum Kranz.

Wir wollen uns mit Blumen schmücken
und, tanzend, fest die Hände drücken:
so, Tag für Tag ganz hingegeben,
wird aus den Jahren unser Leben!

gelang

 Stuttgart Hauptbahnhof, 1955

Samstag, 29. November 2014

Ein kleines Drama im Regen




Regen fiel in Strömen. Das Wasser stand
auf dem Gehsteig in Pfützen die überflossen
und sich in die Abwasserschächte ergossen,
oder Schlaglöcher füllten am Straßenrand.

Schutz suchend an einer Häuserwand,
eben inmitten einer solchen Pfütze,
steht ein Kind in Regenmantel mit Mütze,
und eine Frau, Tragtüten und Schirm in der Hand.

Das Kind hält krampfhaft, die Arme bloß,
ein Tütchen Gebäck und die Mutter sagt:
"Leg es auf die Tasche." Es hätte gern gefragt:
"Warum?", gehorcht aber und lässt die Tüte los

Kindlich gezielt und ungern gegeben,
mit Augen die bitten und staunen und klagen,
mit Blicken die einfach alles sagen,
fällt das Tütchen ... und fällt daneben.

"Oh Schatz!" sagt sie und ihr Blick enthält,
nach oben gerichtet, die bekannte Gebärde,
die ganze Tragik dieser Erde
und das Wort alle Liebe der Welt!





gelang 1970

Am Mittag






























Es it gleich 
gültig
ob sich die Dinge von den Schatten
oder die Schatten von den Dingen lösen.
Oder?


gelang 1967

Freitag, 28. November 2014

Bitterböse Lektion - Ein Aufruf zum Analphabetentum - Ein Gedicht


Wie einfach ist die Ordnung doch im Alphabet:
A sieht nur B, B A und C, C B und D ...
es wäre müßig dieses Beispiel fortzuführen.
Der Mensch wagt diese Ordnung anzurühren,
macht Worte aus dem klaren ABC,
bis Chaos an der Harmonien Stelle steht.

Die schöne Harmonie des Alphabets!
Der Mensch hat sie zerstört als Sprache ihm gegeben.
Er hat zerstört. Er tut es stets:
die Harmonie, die Ordnung und das Leben!

gelang 1968

Sonntag, 23. November 2014

Wald - eine Allegorie


Im Winter lag der Wald voll Schnee und Schweigen,


dann grünte Gold an allen Zweigen,


das langsam dunkler ward und matt,
und Sommerschatten hingen unter jedem Blatt.


Jedoch im Herbst, wenn sich die Blätter färben,
wenn alles bricht und fällt zu sterben,
jetzt erst, zu dem Vergehn,
sagt man: Ist der Wald nicht schön?


Rein äußerlich, bunt und nicht sehr klug,
das ist der Mensch im Selbstbetrug:
Er liebt die Maske, die grotesk verhüllt
was Wahrheit ist und eine Seele füllt.

gelang 1967

Samstag, 4. Oktober 2014

Aus Venedigs Himmeln stürzen nach dem Regen Engel in die Menschenseelen ...




Der Himmel ist so klar ins Wolkentuch hineingewoben, ... 
man ahnt den nächsten Himmel, weiter oben, ...
und noch einen ... und immer mehr, ...
als ob der Himmel nirgendwo ein Ende wär'.




Aus diesen Himmeln, diesem Licht,
 stürzen Engel in die Menschenseelen. ...

 ... Und die Engel fragen nicht. 

Sie befehlen!





gelang