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Montag, 5. Dezember 2016

In solcher Nacht




In solcher Nacht,
die lautlos kommt und geht,
schrie eine Seele auf:
"Was ist des Lebens Sinn?!"
Die Antwort kam darauf:
"Du bist. Ich bin."
Die Nacht verweht ...
und ich bin aufgewacht.
"Wohin?"


Freitag, 15. Januar 2016

Wie? - Homage an ein altes Lied - Gedicht


























Wie spät ist es in einem Leben
wenn alle Fragen keine Antwort geben?

Wie weit sind wir gekommen ...

die nicht gegangen sind?

"Die Antwort kennt ganz allein der Wind."

Wie viele Stunden hat ein Tag
den niemand mag?

Wie traurig ist das Leben?

Was hat man uns genommen?

Wer kann die Lösung geben?

"The answer is blowing in the wind."



gelang 2016

Mittwoch, 6. Januar 2016

Im Alter



Wenn Du Dich selbst nicht mehr erkennst,
wenn alle Jahre Dir entfliehen,
wenn Du nur gegen sie noch rennst:
Gehe mit ihnen!

Es gibt ein Wort mit viel Gewicht,
mach es Dir nicht zur Bürde,
Du must, wie alle, gehn! Doch nicht
ohne Deine Würde!

Das Leben zieht nicht nur an Dir vorbei 
in immer wieder neuen Bildern;
es reißt Dich mit! Wie dem auch sei:
Alter soll es mildern. 



















gelang 2016




Freitag, 9. Oktober 2015

Frage an Omar Kahyyâm


Omar, Du sagst, das Leben wär' der Vers eines Gedichts,
in dem sich Tag auf Tag und Jahr zu Jahren reimt.
In meinem Leben reimt sich nichts.
Was also bleibt?

Sonntag, 20. September 2015

Leben - im Sinne von Omar Khayyam


Ach wäre ich in einen Tag geboren ohne Stunden
und wäre dann ein Ding das Liebe nie empfunden:
die Sonne wäre nicht und nicht der Mond am Firmament,
und nicht das Tier, das man "die Menschen" nennt.

Ihr seht die Sonne die am Himmel flammt,
den blassen Mond und seid verdammt
euch nur allein zu lieben: deshalb eben
niemals zu wissen, was es heißt zu leben!

gelang 2015

Freitag, 10. Juli 2015

Tag und Nacht - Leben und Tod - Insomnia


Der Tag war hell und voll von schnellen Dingen,
die um Dich her nur Last und Hektik schufen:
die Stunden ausgelegt wie Fallenschlingen, 
die Du gefordert warst alleine zu bezwingen.
...
Hörst Du die Nacht jetzt nach Dir rufen?
Erhöre sie. Hör auf mit ihr zu ringen!

gelang 2015

Donnerstag, 25. Juni 2015

Kerze - Ein Gedicht ohne Reim aber mit Inhalt!


"Wofür brennt diese Kerze?" wurde ich gefragt.

"Für Tag, Nacht, Leben, Tod." hab ich gesagt.

Ist dieser Mensch so dumm?!
Wie kann man eine solche Frage stellen? ...

Es fragt sich: Wer hat sie gestellt? Und auch: Warum? ...

Ihm sei sie erlaubt! Das Licht wird sie erhellen!

gelang 2015

Samstag, 20. Juni 2015

Leben und Tod - möge mir Omar verzeihen




Du kannst den Becher immer wieder heben,
Du kannst ihn leeren bis zum Grund
und trotzdem lechzt dein trock'ner Mund 
nach einem einz'gen Tropfen Leben!

gelang 2015

Freitag, 19. Juni 2015

Leben und Tod


Du wirst den Tod nicht fassen können,
er ist noch flüchtiger als Leben,
und trotzdem hängst Du fest an seinen Füßen:
Ihr müsst zusammen durch sie beide schweben!

gelang 2015

Samstag, 13. Juni 2015

Sonne und Wein - Ein Rausch


Seht dort die Sonnenscheibe, 
wie sie erstrahlt in voller Pracht;
Hier meinen vollen Becher Wein,
den ich mit Freuden leere.

Ich sage beiden gern: "Ach bleibe!"
Sie aber sinkt in das was ich gedacht.
Mir bleibt nur Wein, den ich verehre!

Doch wenn der letzte Tropfen ausgetrunken,
erhebt die Sonne sich aus tiefer Nacht,
in welche ich dann ganz versunken.
Mögen mir beide gnädig sein!

gelang 2015

Leben und Tod - Gedicht im Stil und Sinn von Omar Khayyâm

Dies sei gesagt:
Wenn Du Dich fragst warum Du sterben musst,
Bedenke dass der Tag nicht fragt
Warum er stets die Nacht erjagt. -
Das Leben ist nur unbewusst
Bis dass der Tod uns tagt.

gelang 2015

Freitag, 12. Juni 2015

Leben - Nach Omar dem Zeltmacher


Hast Du geschlafen? Etwa auch geträumt?
Drang in Dein Träumen etwas Leben ein?
Sei unbesorgt, der Traum war echt,
Dein Leben ist nur Schein!

gelang 2015

Donnerstag, 11. Juni 2015

Antwort?


"Nenn mir ein Rätsel das nicht zu lösen ist!"
"Sage mir wer Du bist?"

gelang 2015

Freitag, 1. Mai 2015

Lebensangst oder Todessehnsucht?


Was von den Beiden, wenn ich wählen müsste, würde ich haben wollen? Natürlich sagt Jede/r: keins von ihnen! Aber einmal angenommen ich müsste mich entscheiden, sei es auch nur um irgend einen psychologischen Test zu absolvieren.
Lebensangst:
Also Angst vor dem physischen Leben, vor seinen Aufgaben, seinen Ritualen, seinen Zwängen und  Ängsten und seiner Unausweichbarkeit. Leben müssen als Horror! Neulich sah ich ein Graffito, das in einem Wort zwei Zustände zusammenfasst: Zwang und Angst. 
Das beschreibt Leben in seinen Grundzügen sehr genau.

Das ist keine pessimistische Auffassung, sondern eine realistische. Wer sich diesen beiden Maximen  in dieser komprimierten Form stellt und sie akzeptiert, wird sein Leben meistern. Wer sie auseinander dividiert und in jedem Wort den jeweiligen Inhalt sucht, und sein Leben dazwischen einrichtet, muss scheitern. Zwang ist das Grundprinzip der Geburt, Angst die Folge. Lebensfreude resultiert aus der Fähigkeit Zwang und Angst anzunehmen ohne zu überlegen.
Lebensangst ist schlussendlich ein Resultat der Ablehnung von Zwangst.
Abgesehen davon, würde ich mich, sollte ich oben genannte Entscheidung treffen müssen, wohl kaum für etwas etwas begeistern, das das Wort Angst beinhaltet! 
Ganz im Gegensatz zu:
Todessehnsucht:
Sehnsucht wird immer positiv bewertet, oder irre ich mich da? Sie ist das Licht am Horizont, die Musik hinter geschlossenen Türen, die rettende Hand, der Geruch im Wind. Sicher, sie zielt auf etwas nicht Vorhandenes, etwas Begehrtes hin. Aber sie ist ein Versprechen.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass das Wort auch "Sucht" beinhaltet, einen Seelenzustand der immer in der Katastrophe endet. Ist Sehnsucht nicht die Gefährtin der Angst? Sind also Lebensangst und Todessehnsucht Zwillinge? Enden nicht beide, wenn sie sich erschöpft haben, in Suizid? 
In einem Roman habe ich gelesen, dass die junge Frau, die sich das Leben genommen hatte und die ihrem sterbenden Bruder begegnet, auf seine Frage hin, warum sie sich das Leben genommen habe, sagt, sie sei nicht am Sterben interessiert gewesen, sondern am Tod. Wie der Tod denn sei, fragt er sie. Das wirst Du bald selber wissen, antwortet sie.
Wofür würde ich mich also entscheiden, sollte man mich fragen?
Was soll die blöde Frage, würde ich sagen.

Donnerstag, 6. November 2014

Mehr als Vergänglich



Da ist nicht nur
Gerüst und Struktur,
Schatten und Licht,
"Stirb und werde"
...
und nicht
nur die Erde.


Hier sind wir.

...


Und wo seid ihr?




Das Universum hat uns geboren.

...
 Ihr seid Erde,
"Stirb und werde"

...
lernt
oder


Ihr seid verloren.




 gelang Calcit und Labradorit, 2014

Freitag, 10. Oktober 2014

Was siehst du, wenn du denkst, dass du das siehst, das zu sehen ist ...


Ich habe mich lediglich ausgezogen weil ich schlafen gehen wollte, wobei ich zugeben muss, dass die Formulierung: ich will Schlafen gehen absolut absurd ist, weil ich nicht bewusst irgend wohin gehe, wo ich dann abgeschaltet bin ... Na schön, das ist eine andere Überlegung. Auf jeden Fall legte ich  im Vorfeld dazu meine Kleidung ab.
Was ist der Mensch? Eine Hülle unter einer Hülle unter einer ... Siehe den Rest meines Blogs (z. B. Hamlet).
Aber heute sah ich, ohne es sehen zu wollen, dass in der Hülle manchmal der Inhalt dargestellt sein kann, von dem man keine Ahnung hat. Wobei der Inhalt dann doch Anlass zur Besorgnis geben kann. Ich präsentiere: mein Unterhemd nachdem ich es sorglos abgestreift hatte.

Ist dem Menschen überhaupt bewusst, was er mit seiner Kleidung, die sein bewusstes Leben begleitet, ablegt? Betrachtet er das was er abstreift als Teil seines tag-täglichen Erlebens. Ich lege hier einige Bilder vor, die mich nachdenklich stimmen.

Da war es, ein Gesicht, zweifellos. Warum? Hoffnung erweckte es nicht. 

Schön war es trotzdem, auf seine Art, auf die Art die nur der Begriff "Schönheit" zum  Ausdruck bringt.
Aber dann betrachtete ich es auch noch von der anderen Seite. Einfach auf den Kopf gestellt.

Unglaublich? Ja ... So ist das Leben!
Und das ist nur mein zum Schlafen gehen abgestreiftes Unterhemd.

Das Universum ist riesig ... ist riesig noch ein Wort dafür?

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Gezeiten - Flut





Flut

Sie kommt, wie Morgen, das nie sein Selbst vergisst,
so unauffällig wie die nächste Stunde,
die auf der Uhr nur einen Kreis durchmisst
 und haltlos sich in einen Tag ergießt,
ein Quell aus nie erschöpftem Grunde,
dem Drängen sich ergebend, der Sekunde,
die immer wartet und doch ständig fließt. 

Wenn du sie kommen siehst
ist es zu spät, 
und wenn du fliehst
holt sie dich ein 
und schließt 
die Runde.



gelang

Freitag, 22. August 2014

"Die Antwort kennt ganz allein der Wind ..."


Die deutsche Übersetzung des Song-Titels "The answer is blowing in the wind" ist unrichtig. Die Antworten werden "im Wind umhergeblasen", er `kennt´ sie genau so wenig wie wir. Wahrscheinlich weil er keine Fragen stellt. Aber, sei's drum, es gibt nie nur eine Antwort auf eine Frage, sondern so viele wie Diejenigen sind, die eine Antwort suchen. 
Wie kam mir das Lied plötzlich in den Sinn, während ich heute Morgen zwischen Traum und Wachen, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, auf den "Aufstehen" Impuls wartete? Ich habe keine Ahnung. Die Antwort hat der Wind auch mitgenommen.
Während ich also so da lag wurde mir bewusst, wie sehr ich diese Zeit vor dem Aufstehen genieße. Viel Zeit. Zeit für mich, ohne Zwang, ohne Verpflichtung. Zeit die mich "in Ruhe" lässt. Dabei war es schon halb Zehn! 
"Ein Leben totaler Freiheit", wie Dietmar Schönherr es sich als alter Mensch wünschte, und das erst `im Alter´ möglich wird. Sich nicht mehr unterordnen, die eigene Meinung sagen dürfen ohne vor den Konsequenzen Angst haben zu müssen. Das Leben so leben, wie man es sich immer vorgestellt hat.
"Alt, alt zu sein, was heißt das? Es heißt dass man nicht mehr im Fußball mitspielt, aber es heißt auch, dass man gewisse Freiheit hat, also man kann sich erlauben eine gewisse Arroganz ... alt zu sein, das ist ja ein bisschen Abbauen ..." sagt der dänische Maler Per Kirkeby in einem Portrait-Film des BR, in Bezug auf seine Malerei, und fügt hinzu, dass man sich, weil die Karriere, das Erreichte hinter einem liegt, eine: "... gewisse Rücksichtslosigkeit erlauben kann. Und das ist eine große Freiheit."




























Freiheit also. 
Das ist ein Wunsch des Alters. 
Wirklich? 
Also nicht etwa: Unterbringung im Pflegeheim? Betreutes Wohnen? Animation? Struktur? Ständige Überwachung? Zweifel an der geistigen Zurechnungsfähigkeit?
Gegen Ende des Films stellt die Interviewerin dem Künstler Markus Lüpertz eine quasi-Frage: "Kirkeby sagte,  das Alter ... mm ... das Älterwerden, macht ihn radikaler?" 
Und der Künstler antwortet, nach kurzem Überlegen: "Mm ... er ist eben ein intelligenter Mann."
Diese Antwort kennt also nicht allein der Wind, aber sie wirft natürlich wieder tausend Fragen auf.
Eine ist: Wie ist mein "Alter"?
Eine Antwort ist: Ich kann froh sein, dass ich nicht verheiratet oder verpartnert bin. Dazu eine kleine, illustrierende Anekdote. Ein Mann, 80 Jahre alt, feierte letztes Jahr goldene Hochzeit, (oder war das schon vor zwei Jahren?) lebt immer noch mit seiner nicht wesentlich jüngeren, aber sehr aktiven Frau zusammen. Ehe eben. Neulich traf sie ihn morgens, nach dem Frühstück, vor dem Fernseher an. 
"Was? Du siehst fern? Um diese Zeit? Es gibt so viel zu tun und Du sagst immer Dir fehle die Zeit! Jetzt kannst Du aber fernsehen?" sagte sie. Genau genommen waren das ja keine Fragen, sondern Feststellungen. Drohungen. Bösartigkeiten. Ehe eben.
Er sah noch einige Minuten fern, ging dann aber an das was "so viel zu tun" war. 
Ist das lustig? Wirft das ein positives Licht auf die Frau? Spricht das überhaupt für die Ehe? Wo ist die ersehnte, erhoffte, erträumte "totale Freiheit"?!
Ich habe mich neulich kurz mit dem Mann unterhalten. Er wirkte resigniert und verbraucht. Andere finden das auch, aber sie bedauern dafür die Frau, die so einen Klotz am Bein hat. Dabei spürt man, wenn man ihm zuhört, dass etwas in ihm braust und rauscht wie ein gewaltiger Strom ... auf dessen Quelle leider eine Kröte hockt.
Ich liege gern um halb Zehn im Bett, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und lasse die Antworten im Wind treiben. Wäre das in einer "Beziehung" möglich? Nicht strukturierte Zeit? Sich treiben lassen im Nichts?
In letzter Zeit träume ich viel von Wassern aller Art, und Wasser bedeutet ja in Träumen "Das Leben" schlechthin. In einem dieser Träume bestand selbst das Land aus Wasser. Land unter, quasi, aber da war das Wissen in mir, dem Träumenden, dass das so richtig und nie anders war. Ich interpretiere das so, dass das Land der Körper ist, den das Leben umspült. Ist wahrscheinlich gar nicht soooo falsch. Allerdings war dieser unendlich große See von höchst merkwürdigen Lebewesen belebt. Manche schienen lebendige Pflanzen zu sein in deren Innerem, (in ihrer Seele?) sich ein Tier befand, das aber seine Gestalt mit der der Pflanze teilte. Es gab große und kleine lebendige Formen, sie waren neugierig und gleichzeitig abweisend, suchten Kontakt und bedrohten mich dabei. Als ich mich in tieferem Wasser befand sah ich mächtige Fischgestalten, die sich in beängstigender Nähe vorbei wälzten. Aber ich wurde nicht angegriffen. Auch nicht von dem Krokodil, das in grellstem Leuchtfarbengrün, mit weißem Schuppenmuster, aus dem ansonsten einheitlich dunklen Olivebraungrün der anderen Lebendigen auftauchte und sein Maul aufriss, in dem blendend weiße Zähne standen. ...
Es war ganz schön unheimlich. Das Leben eben.






Wie viel Zeit bleibt mir noch? Zeit mit Freiraum, ohne Fragen, ohne Erklärungen, ohne Kritik! Glückliche Zeit! Zeit der Teilnahme am Leben in "totaler Freiheit"? 
Demnächst läuft eine Sendung im Fernsehen über alte Menschen und wie man "mit ihnen umgehen" soll. Schon die Bilder der Vorschau verursachen mir Gänsehaut! Da wird massiert, gesportelt, gelacht, das volle Programm "aktiver" alter Menschen. ... 
Ich liebe die Stille und den Rückzug in "meine" Einsamkeit. Bin ich deshalb asozial und egoistisch? Und ich mag die uneingeschränkte Verwirklichung meiner Pläne, keine Ratschläge, keine Eingriffe, kein Verkleinern des Großen das mir vorschwebt, wie klein das auch immer sein mag. ... Ich habe so viele Jahre darauf gewartet. Jetzt habe ich das "radikale" Alter erreicht. Es gibt keinen Weg zurück.

Nachdem ich endlich meine Hände hinter dem Kopf weggenommen habe, aufgestanden bin, mich nackt gewogen habe, 74,1 kg, das ist ok, gehe ich, nackt, in die Küche und mache Kaffee. Die Kaffeemaschine ist über 30 Jahre alt und funktioniert noch immer  tadellos. Allerdings gibt es schon längst keine Filtertüten für dieses Modell mehr, zumindest nicht in den Läden in denen ich einkaufe, wahrscheinlich weil man mit diesem Automat "nur" 3-4 Tassen Kaffee machen kann und das war irgendwann nicht gesellschaftsfähig. "Single" galt als Schimpfwort. Aber die Maschine arbeitet noch immer einwandfrei, ich falte und schneide ähnliche Filtertüten auf das gewünschte Format, und ich liebe das Gluckern und Blubbern, wenn das kochende Wasser in dem kleinen Rohr hoch steigt und das Wasser in den Filterbehälter fließt und irgendwann danach dann der Kaffee, dunkel und duftend, in die Glaskanne tröpfelt und rinnt. Alter ist Reflektion, das hält jung.




























Nach dem Kaffeetrinken hatte ich frei. Am Vortag habe ich Bettwäsche gewaschen, inklusive die Steppdecke. Sie war allerdings mit Daunen gefüllt. Die neue Waschmaschine hat das Waschen zwar mühelos geschafft, der alten wäre das auch gelungen, aber sie hatte wirklich das Alter der totalen Freiheit überschritten und wäre nicht einmal auf einer Intensivstation wieder funktionsfähig geworden, und die Daunen ballten sich zu übel riechenden Klumpen in einer Ecke des Tuches zusammen. Ich entsorgte sie, zu einem erstaunlich kleinen Paket gepresst, so klein, dass sie in eine normale Supermarkt-Plastiktüte passte, in die Hausmülltonne. Bei Shakespeare wäre hier eine längere Ansprache an ein Deckbett, das einen Körper von 180cm Länge und manchmal 88kg schwer, jahrelang rundum gewärmt hatte, fällig gewesen. Ich sagte kein Wort außer: "Mein Gott, das stinkt."
Wer die Freiheit hat über seine Zeit zu verfügen, darf spontan sein. Ich entschied mich so gegen Mittag spontan für einen Ausflug nach Waldenbuch. Im Internet recherchierte ich die Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und um 12:07 saß ich im ersten Omnibus, der mich zum ersten Umsteigepunkt brachte. Alles klappte Fahrplanmäßig! Ich war erstaunt!! Nachdem auch die beiden anderen Umsteigetermine erreicht wurden, hörte ich auf zu staunen und war nach 57 Minuten tatsächlich in Waldenbuch im Schönbuch.

Auf den Fildern




























Der Schönbuch am Horizont




























Waldenbuch im Schönbuch

Na ja, Waldenbuch, Ort meiner Kindheit ... das ist ein ganz anderes Kapitel ... aber ich habe viel nachgedacht. Über die Enge der Zeit.
In einem netten Café habe ich eine Tasse Kaffee getrunken. Die Wirtin, oder wie auch immer man heute dazu sagt, (Betreiberin?) schenkte mir den Kaffee in eine große Tasse, als ich ihr meinen Tremor erklärte und der Zwetschgenkuchen mit Streusel war vorzüglich! Und das Motto der Bäckerei passte genau in meinen Tag.






















Samstag, 11. Januar 2014

Warum? Warum ich? Warum das Leben?


Also gleich mal zum Anfang: dies ist keine dramatische Abrechnung mit meinem Leben. 
So fängt man eine Lüge an.
Um, jetzt wieder, nach Istanbul zu kommen, was ich demnächst zu erreichen hoffe, muss ein gewisser lebenszeitlicher Vorlauf stattgefunden haben. 
Das (den) bisherige/n Blog sehe ich als eine Art Ansatz im Anfang. 
Zurück zum Nabel sozusagen. 
1938, genau gesagt am 18. Oktober damals, wurde ich … was? … 
Geboren ist ein rein praktischer Begriff, der das Ausscheiden aus dem Mutterleib meint. 
Ich wurde in die Welt gebracht. 
Neugeborener Bruder zweier Schwestern, die fünf und sechs Jahre älter waren. 
Die Mutter war erst jüngst, ungefähr 2 Monate vor meiner Geburt, zur Witwe geworden. Deshalb trägt sie in diesem Bild schwarz.


Der Vater verstarb an Magenkrebs. Er war Lokomotivführer. Traum eines jeden Knaben bis Jahrgang … 

Die folgenden Jahre waren für mich unbedeutend, aber kriegsbedingt prägend. (Als ich einmal in jüngster Zeit im Urlaub in der Türkei einem Kellner gegenüber erwähnte, dass mein "essentieller Tremor" vielleicht "im Krieg" seinen Ursprung haben könnte, (eine Theorie die mein Neurologe entschieden von sich weist, weil der Körper/Geist nicht so langzeitlich reagiere … Vielleicht lernt er ja noch irgendwann dazu, der Neurologe) … fragte mich besagter Kellner, 26 Jahre jung/alt: "Welcher Krieg?") 
Na gut, eben jener Krieg, 1939 - 1945. 
Damals, als ich Kind war. 
Und … es muss ja gesagt werden um mein späteres "Da sein" zu erklären … ich wurde "missbraucht". Jetzt fragt jede/r: "Wer wurde eigentlich nicht missbraucht?"
Keine Ahnung. Sollen die sich endlich auch einmal melden!
Es war ein marokkanischer Soldat, Teil einer französischen Truppe, die damals den kleinen Ort besetzte, in den unsere Familie evakuiert worden war. Er war sehr zärtlich und forcierte nichts, obwohl er meinen Anus manipulierte. Ich habe den Vorfall völlig vergessen, bis er an einem Nachmittag im Militärgefängnis in Norfolk, Virginia, wo ich wegen des homosexuell Seins, nach beinahe vier Jahren vorbildlichen Betragens, und drei Mal in einen höheren Dienstgrad befördert werdens, interniert war und schließlich als "Undesirable" ausgestoßen wurde, in einer Art "Erinnerungsblase" als ein in diesem Moment stattfindendes Erlebnis auftauchte. 
Es war atemberaubend.
Unfassbar. 
Schön.
Bin ich deshalb schwul?
Ich habe es in  meinem Roman, verfremdet, verarbeitet.
Das Ereignis lag 22 Jahre lang unter der Asche.
Ich war nicht nur wegen meiner Homosexualität interniert, sondern weil ich kein US Staatsbürger war und während meiner Militärzeit Zugang zu "Geheimdokumenten" hatte. Na ja, was man eben so darunter verstand. Ich arbeitete als Drucker im Print Shop des Schiffes. (Ich hatte ja eine abgeschlossene Druckerlehre als ich auswanderte.) Wir waren ein "Flag Ship", hatten einen Admiral an Bord, wenn es notwendig schien, und manchal 200 Marines … ok, das war geil! Aber kein Grund für Spionage. Wir druckten nur ein einziges Mal Seekarten für ein Manöver. Völlig unbedeutend. Ansonsten druckte ich Einladungen und Visitenkarten für den Kapitän und die anderen Offiziere. Und deshalb saß ich dann drei Monate lang im Militärgefängnis in Norfolk Virginia. 
Ganz egal was man für Gefängnisfantasien hat: es war stink langweilig!
Habe ich deshalb angefangen zu schreiben? Habe ich wirklich geglaubt, ich könnte "mich befreien"? Wahrscheinlich schon, sonst würde ich hier nicht meine Seele aus dem Leib blogen.
Hier noch ein paar Bilder aus meiner "Militärzeit"



Ja, und so kam ich, mehr oder weniger, zum ersten Mal nach Istanbul.