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Donnerstag, 19. März 2015

Schlafen - träumen? ...



Shakespeare stellt diese Frage in Hamlets traurigem Monolog.
Letzte Nacht träumte ich von Strindbergs "Traumspiel".
Warum?
Das tut nichts zur Sache.
Weil ich an die Träume denke, vor denen sich Shakespeare's Held (?) fürchtet, sofern sie im langen Schlaf des Todes kämen?
Habe ich Todesfurcht, Lebensangst, oder bin ich lebensmüde?
Eine Frage, die sich genau so schwer klären lässt, wie das: "Wir werden es nie wissen." in einer wissenschaftlichen Fernsehsendung über das Auftauchen eines Schweinehufs auf einem frühassyrischen Lehmtäfelchen.
Letzte Nacht träumte ich also das "Traumspiel" von Strindberg. Nicht als Zuschauer, nein, ich war mitten drin.
Die Inszenierung war so konzipiert, dass wir, die Akteure, ständig an der Rampe standen. Vor uns lag ein dunkles Publikum, nicht sichtbar, nicht hörbar, nur fühlbar. Was viel unheimlicher ist als alles andere!
Ich hatte hauptsächlich die Rolle eines Wachmanns. Ob der in dem Stück vorkommt ist unwichtig. Zudem war ich der Sohn, den die Mutter, während sie Wäsche faltet, ermahnt: "Hadere nie mit Gott!" Mein Text stand auf einem weißen Blatt Papier und ich sollte ihn davon ablesen.
Das war überhaupt die Idee des Regisseurs, dass alle Texte abgelesen werden ... "So ist das Leben" sagte er. "Niemand lernt etwas auswendig, es sei denn, es ist erfunden."
Im Traum klingt so etwas logisch.
Bei der Beleuchtung gab es "Spotlights" und "Szenenlicht" und viel Dunkel im Hintergrund, auf dem manchmal Projektionen aufschienen.
Wir probten viel. Es war chaotisch. Das wird schon klappen, sagte der Regisseur immer wieder.
Dann kam der Abend der Premiere. Wir versammelten uns am Bühnenrand, jede/r in der Ausgangsposition. (Die Idee war, weil wir alle Mehrfachrollen hatten, dass wir im Dunkeln, wenn das Licht eine andere Dimension schuf, unauffällig den Standort wechselten um die neue Rolle zu verkörpern. Das fand ich gut und es hat auch funktioniert, so weit ich mich erinnere ...)
Wir standen also alle am Bühnenrand, angespannt und vom Dunkel vor uns fasziniert, als mir auffiel, dass ich meinen Mantel nicht abgelegt hatte. Einen Trenchcoat, mit Gürtel, wie ihn Detektive in alten Filmen tragen. Ich geriet in die Vorstufe von Panik, aber Ellen, eine kleine, blonde Kollegin aus einem anderem Leben und Traum half mir aus dem Mantel. Darunter trug ich ein hellgraues Sakko ... dann merkte ich, dass ich meinen Text vergessen hatte ...
dann fiel mir ein, dass ich ihn ja ablesen würde ...
dann hatte ich Harndrang, wie manche Männer in Fernsehspots ...
Ob Shakespeare den eingeplant hat?
Hamlet sagt nichts darüber.
Vielleicht meint Shakespeare das mit: "Der Rest ist Schweigen." ?


Dienstag, 25. November 2014

"Love is in the air ..."


An diesen schnulzigen alten Schlager musste ich gestern Abend denken, als ich, nach dem, wieder einmal ergebnislosen, Besuch beim Augenarzt auf dem Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs stand. Es war zwar erst 17 Uhr, aber schon Kuhnacht, was auch an dem dichten Hochnebel lag, der am Nachmittag aufgezogen war. Der Himmel war "wie ein schwarzes Tuch" (Cal Orff, Der Mond) über die Stadt gebreitet.

Es gab keinen zwingenden Grund für mich, auf den Turm zu fahren, andererseits hatte ich auch nichts anderes vor ... Es war kalt. Ich wollte nur ein paar Fotos machen, wobei ich wusste, dass sie, bei den herrschenden Lichtverhältnissen mit dem iPad mini aufgenommen, nicht von bestechender Qualität sein würden. Siehe oben. Und unten.




























Hiermit habe ich geschickt ins Bild gebracht, worum es in diesem Kapitel geht. Nämlich um das Gitter, das den Turm suizidsicher macht. Seit einigen Wochen ist es nämlich Mode, daran, wie an ähnlichen Gittern in anderen Städten (Paris!), Vorhängeschlösser anzubringen, sofern man als liebendes Paar den Turm besucht. (Wenn das so weitergeht, wird man bald nur noch Schlösser sehen und keine Aussicht. Das Gitter ist sehr hoch!)
Auf der Plattform waren, außer mir, ein junger Mann und eine junge Frau, die sich auf Englisch unterhielten. Er hatte einen leichten Akzent, sie nicht. Ich stand daneben und fotografierte und konnte gar nicht anders als mitzuhören. Die Beiden hatten sich ganz offenhörig eben erst kennen gelernt. Er erklärte ihr nämlich gerade, was die Vorhängeschlösser symbolisieren. Ob seine Erklärung stimmt, kann ich nicht beurteilen, ich hielt das einfach für einen sinnlosen Gag.
Angeblich steht jedes Schloss für einen Treueschwur: Ewige Liebe - so lange das Schloss dort hängt! Folgerichtig fragte die junge Frau, sie war noch sehr jung, ob denn das Schloss entfernt werden müsse, wenn das mit der Treue nicht funktioniert habe. Eigentlich schon, antwortete er. 
Mir war aufgefallen, dass sie sich während des Gesprächs näher gekommen waren und vermutete, dass sie sich schon unten kennen lernten und er dann den Vorschlag machte, den Turm zu besuchen, um ihr die Schlösser zu zeigen. (Früher war es die Briefmarkensammlung. Jaja, die Zeiten ändern sich. Seufz.)
Plötzlich gab ein Handy Töne von sich. Ich habe keins. Es war seins. Automatisch trat er einen Schritt beiseite.
"Hallo Liebling!° rief er erfreut ... Deutsch war seine Mutterssprache.
Es folgte eine schäkernde Erklärung dass er noch "geschäftlich aufgehalten" worden sei, "ein sehr wichtiges Gespräch" und, ja, er habe daran gedacht den Fisch mitzubringen und es würde einfach ein bisschen später werden. "Küsschen ... Bis gleiheich!" Er hatte eine leichte Hinterkopfglatze, ganz so jung war er also nicht mehr.
Inzwischen war ich leicht in den Hintergrund getreten, zeigte keinerlei Interesse an den beiden und fotografierte die öde, neu entstehende Stadtlandschaft neben den durch Stuttgart 21 langsam ganz verschwindenden Gleisen. Siehe unten.


Die junge Frau verstand kein Deutsch, das wurde mir klar, als sie seine Entschuldigung und dass ein Kollege, der noch arbeite, eine Auskunft haben wollte, ohne Einwände hinnahm. Ich zog mich noch weiter in den Hintergrund zurück, der Turm bietet dazu genügend Platz und auch Winkel. Gut, ich gebe zu, das war indiskret, aber inzwischen zu interessant um einfach weg zu gehen.
Er wandte sich ihr wieder zu und, nachdem er sich unbeobachtet glaubte, trat er hinter sie. Es kam zu Körperkontakt, dem sie nicht auswich, sogar eher noch entgegenkam. Sein vorderer Unterleib rieb sich wiegend ... dann bin ich gegangen. Es war ja ganz offensichtlich, warum die zwei auf den Turm gefahren waren. Ein Schloss sah ich sie allerdings nicht anbringen.
Ich entschloss mich, nicht den Aufzug zu nehmen, sondern die lange, schmale Wendeltreppe nach unten zu gehen. Dabei dachte ich an die Kälte auf dem Turm und dass der November doch gar nicht die Zeit für Frühlingsgefühle ist, der oben erwähnte Schlager ging mir durch den Kopf und dann dachte ich, dass wahrscheinlich der Klimawandel an allem Schuld ist. 
Auf jeden Fall bestand für den Fisch in seinem Rucksack keine Gefahr!
Ich war heute noch einmal auf dem Turm und habe ein paar Bilder gemacht, nur dammit niemand glaubt ich würde das alles erfinden!























































Übrigens habe ich mich kurz mit einer sehr netten jungen Frau am Info-Desk des Turms unterhalten und sie klärte mich über den Zweck und Sinn des Gitters auf dem Turm auf. Von wegen Suizidverhinderung, das wäre das kleinere Übel, das käme so gut wie nie vor, nein: Es ist der Müll den manche Turmbesucher über die Brüstung zu entsorgen pflegten!
"Schöne neue Welt, die solche Bürger trägt!" (Shakespeare, Der Sturm, wurde am 1. November 1611 uraufgeführt)

Bald hängt ein neues Schloss am Gitter! ...

Samstag, 16. August 2014

Sein oder ... Peter Pan ... ein Tatoo und eine neue Waschmaschine


Hamlet stellt eine rein rhetorische Frage, dazu noch an einen Toten, auf die es dann tausend und mehr Antworten gäbe, wenn man überhaupt eine haben möchte. Sein oder nicht sein. Das ist keine Frage, wer nicht ist, stellt keine Fragen. Shakespeare fragt ja auch nicht wirklich und Hamlet schäkert nur mit dem Tod, der ihn dann konsequenterweise auch ereilt. Der Rest ist Schweigen.
Wann ich angefangen habe über die Natur des Seins, über deren Möglichkeiten nachzudenken, weiß ich nicht mehr. Die Lektüre aller möglichen "Bildungsbücher", ich konnte früh lesen, noch ehe ich zur Schule ging, weckte Fantasien in mir, die mich zum unbezwingbaren Minotauros, zum fliegenden Daedalos, zum steinreichen Graf von Monte Christo machten. Bildung braucht Leitung. Ich hatte keine. Ich las und wurde zum Geschöpf der Autoren. Es war mir möglich unsichtbar durch Wände zu gehen und unermessliche Schätze anzusammeln. ... Schließlich entwendete ich, zwölfjährig, einer Schulkameradin 25 Pfennig um mir eine  Schülerzeitschrift, "Der Sommergarten" zu kaufen. Es ist das einzig Kriminelle das ich in meinem Leben begangen habe und es verfolgt mich bis in meinen Tod. Sein oder nicht Sein.  Das Gewissen ist eine schreckliche Macht. Was Ist Ist.
Vor einigen Tagen bekam ich eine neue Waschmaschine. Es war höchste Zeit. Die alte hatte 25 Jahre Dienstleistung hinter sich und aus ihrem rückwärtigen Inneren rann rostige Flüssigkeit, ganz abgesehen davon, dass die Geräusche die sie beim Schleudergang von sich gab die Wände vibrieren ließen und sich direkt auf meine Nerven übertrugen, vom Gehör ganz zu schweigen. 
Die Anlieferung und Aufstellung, nebst Entsorgung des Altgerätes, war für den 13. 8. zwischen 9 und 12 Uhr vereinbart. Kurz vor 10 Uhr klingelte es ...
Ich erinnere mich an einen Film, den ich in meiner Kindheit, während der Schulzeit, gesehen habe: "Der kleine Muck", ein Film mit vielen Tricks, die meine Fantasie in Realität umzuwandeln versuchte. Magie und Zauberei sollten mein Leben verändern. Hat natürlich nicht funktioniert. 
Dann sah ich Walt Disneys "Peter Pan" und ich war verloren. Ich wollte fliegen können. 
"Der zweite Stern von rechts und dann immer gerade aus bis zum Morgen." Dort ist Nimmerland! Dort ist meine Vergangenheit. Dort ist meine Zukunft. 




























Wir alle leben in Märchen, anders ist das Leben ja gar nicht zu ertragen. Die Fantasie gibt uns die Fähigkeit zu fliegen und in den Träumen können wir es sogar. Die Welt wird so viel weiter, bunter, reicher, je mehr wir der Wirklichkeit gestatten hinter die Wahrscheinlichkeit zurück zu treten.


Der Mann der so gegen zehn Uhr klingelte war jung, noch nicht 30, schätzte ich. Groß, athletisch, gutaussehend. Ein Adonis wie es heutzutage unzählige gibt. Er trug Jeans und ein schwarzes T-Shirt, das seinen Körper vorteilhaft betonte. Aus den Ärmeln des Hemds und über die sportliche Kragenlinie krochen die Farben, Linien und Figuren von Tatoos. Und plötzlich dachte ich an Peter Pan, an Nimmerland, den Traum vom Alles können und nicht erwachsen werden. An alles was uns das Leben vorenthält und das wir mit ein paar Arabesken auf der Haut, oder mit einem Kinobesuch herbeizuzaubern versuchen. Es bewahrt uns nicht vor dem Aufstellen von Waschmaschinen oder der Erkenntnis, dass uns nur der Tod fliegen lassen wird.
Sein ist wie nicht Sein, je nachdem auf welcher Seite man sich befindet.


Freitag, 18. April 2014

"What a piece of work is man" - Eine Zwischenbetrachtung




























Dieses Zitat aus Shakespeares "Hamlet, Prince of Denmark" spukte heute früh durch meine Gedanken, als ich nicht mehr schlafen konnte und dem Rumpeln, Zischen, Quaken und anderen Geräuschen lauschte, die Scharen ungeborener Fürze in meinem Gedärm auf ihrem Weg ins Leben verursachten. Ich sag's wie's ist!
In der deutschen Übersetzung wird das ja gleich zum "Meisterwerk" oder "Wunderwerk", je nach Bearbeitung, dabei stellt der Dichter das Wunderbare und Meisterhafte am Menschen praktisch als unfassbar, unbegreiflich heraus, in Anbetracht dass er eben nur ein Werkstück ist, eine Arbeit. Zuvor monologisiert er auch lange darüber, dass ihm alles zu viel geworden  ist und ihn das Dasein nervt.













Die Erde, mit diesem "von goldenem Feuer durchwirkten Firmament überwölbt", erscheint ihm nur noch eine Ansammlung von "fauligen, stinkenden Gerüchen" zu sein. Das passte gut zu meinen Flatulenzen! Und was verursachte diese? Kortison, hochdosiert und jetzt von gestern auf heute abgesetzt ohne es "auszuschleichen". Man könne das machen, wenn die Behandlung damit weniger als eine Woche gedauert habe, sagte der Arzt, als ich ihn, am Morgen nachdem ich mich vorzeitig, aus gutem Grund, aus der stationären Versorgung entlassen ließ. Aber die Geschichte folgt später.
Warum wurde mir überhaupt Kortison verabreicht? Auf den Verdacht eines entzündlichen Prozesses hin, der im Blut nicht nachgewiesen werden konnte. Aber als der Laborbericht eintraf, hatte man mir ja schon längst eine Nadel gestochen und 250mg Kortison intravenös verabreicht. Sicher ist sicher, sagte der Professor. 
Mit Steroiden soll man sparsam umgehen, das steht in allen Google Beiträgen zum Thema Kortison. Es hat viele Nebenwirkungen und unangenehme Folgeerscheinungen, wie Muskelschwund, Verlust der Knochendichte, Gewichtzunahme und viele mehr. Natürlich musste ich nicht gleich mit dem Schlimmsten rechnen, aber gestern hatte ich schwer mit den Folgen des Absetzens zu kämpfen.
Es fing mit starken Schmerzen in der rechten Wade an. Mein rechtes Bein erinnerte mich also sofort wieder daran, dass es den Prozess der Normalisierung noch nicht abgeschlossen hat. Das Stechen war so schmerzhaft, dass ich kaum gehen konnte. Die linke Wade erklärte sich dann mit der rechten Solidarisch, wenn auch nicht ganz so intensiv. Aber "Bewegung" wird empfohlen, also ging ich zu Kieser, um wenigstens meine Fuß- und Beinübungen durchzuführen. Als ich dort ankam, war das unmöglich. Also gab ich die Mitgliedskarte endgültig ab. Am 30. April läuft mein Vertrag aus, den ich nicht verlängert habe ... Aber das ist eine andere Geschichte.
Anzunehmen dass ich wieder "normal" sehe ist illusorisch. Ich darf das tägliche "Tropfen" nicht vergessen, das den Druck im Auge stabilisieren soll. Ständig habe ich das Gefühl, dass ich wanke, weil die Augen nicht wirklich fokusieren und mein Blick nirgendwo Halt findet. Meine Nachbarin sagt, dass sich das im Lauf der Zeit wieder einpendelt, das Hirn brauche eben Zeit um die neue Situation zu programmieren. Aber meine Nachbarin ist Antroposophin und die sehen ja die Welt ein bisschen positiver als sterbliche Menschen. Ich hoffe trotzdem, dass sie recht hat!
Entschuldigung, es ist Zeit zu tropfen ...


Am Nachmittag bekam ich dann echte Schwierigkeiten mit dem Kreislauf. Ich legte mich in meinen Stressles Sessel und schwankte zwischen Atemnot und Herzklopfen. Dazwischen nickte ich immer wieder ein und wusste manchmal nicht ob ich wache oder träume. Es war beängstigend!
Schließlich stabilisierte sich mein Zustand wieder einigermaßen, so dass ich etwas Obst, Knäckebrot und Joghurt essen konnte. Lauter "gesunde" Kost für Kortisonbehandelte. Gegen 21 Uhr ging ich zu Bett. Die Nacht zuvor hatte ich kaum geschlafen, auch wegen des Kortisons, und war jetzt so müde, dass Schlaf ganz von selber kam. 
Um Mitternacht wachte ich zum ersten Mal auf. Erst Mitternacht? Das konnte ja heiter werden! Ich hörte dann jede Stunde schlagen, schlief dazwischen aber immer wieder kurz. (Und bei jedem Aufwachen musste ich Wasser lassen, als ich um 6 Uhr aufstand, hatte ich genau 800ml geschafft. Gestern waren es über 1000ml! Wenigstens muss ich mir über Wassereinlagerungen keine Sorgen machen, auch eine Kortison-Nebenwirkung.) Dann begann das Schmerzpulsieren in meiner linken Schläfe. O Gott, dachte ich, nicht schon wieder! Nicht auch noch das linke Auge! Am besten ist ignorieren, dachte ich. Es funktionierte nur teilweise, während der kurzen Schlafphasen. Schließlich kamen die Magenschmerzen und die bereits erwähnten Begleiterscheinungen "a foul and pestilent congregation of vapours." Und deshalb sitze ich jetzt immer noch hier und blogge.