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Freitag, 26. September 2014

Der Mensch im Sinkflug - Ein Nachtrag zum "Flemming"


"What a piece of work is man?" fragt Hamlet, zählt alle wunderbaren Eigenschaften des Menschen auf und kommt, obwohl alles so harmonisch zusammen wirkt, trotzdem zu dem Resultat, dass er , Hamlet, weder Lust "am Weibe noch am Manne" habe, und dass die Erde nichts als ein "Morast aus üblen Gerüchen" ist. Das Leben macht ihm keinen Spaß mehr. Kein Wunder, dass er dann seinen Tod herbeiführt, obwohl er ihm kurz zuvor noch bewusst zu entgehen verstand ... Die Geschichte ist kompliziert.
Man kann Hamlet googeln, ist von William Shakespeare und wurde 1602 uraufgeführt.
Seither wurde die "Psychologie" erfunden, die Lehre von der Seele. Eine Lehre über etwas, das genau so wenig fassbar ist wie Gott, für den man die "Theologie", allerdings schon früher, erfand. Der Forschungsdrang des Menschen ist unstillbar und er wird noch andere, unbegreifliche Dinge in der Natur finden, denen er dann eine Logie zuordnen wird. 
Zuordnen, das ist das Zauberwort! Es darf nichts geben, das es nicht gibt und es gibt nur das was einen Namen hat. Gott hat das im Paradies quasi Adam aufgetragen. (Man kann die Bibel googeln. 1. Mose, Kapitel 2, Verse 19 und 20). Gott konnte ja nicht wissen ... Entschuldigung, natürlich wusste er es, nur konnte er nichts mehr gegen den Namensgebungsdrang des Menschen tun ohne ihm seine Identität, seiner eigenen vergleichbar, wieder zu nehmen, die er ihm ja mit großer Liebe eingehaucht hatte. 
Inzwischen ist der Mensch autonom geworden, `Human United Kingdom´, und Gott ist nur noch so eine Art zerbröselnder Rahmen um ein immer digitalisierteres Bild. Das Bild wird Megapixel um Gigapixel schärfer und das "Piece of work", der Mensch, verliert seinen Charme, sein Wunder und seine Identität als Gottes Geschöpf, indem er zum Resultat von immer detailierteren Studien wird. Das alles hat selbstverständlich wirtschaftliche Gründe. Etwas womit kein Geld verdient werden kann gibt es nicht!
So hat man auch `seelische Erkrankungen´ typisiert und katalogisiert und es gibt Tabellen über den `Wert´ einer solchen `Störung´ die von leichtem Dachschaden bis zu schwerer Psychose reichen. Die Zuordnung trifft der Psychologe und der Kranke ist glücklich, wenn er endlich seine Schublade gefunden hat. Oder? Diese Notiz klebte am Eingang zu einer psychiatrischen Privatklinik. Sie spricht Bände!



Was aber macht man, wenn es nicht mehr darum geht, eine Krankheit der Seele zu diagnostizieren und zu behandeln, sondern, weil sich damit ja auch Geld machen lässt, einfach den `normalen´ Menschen in einem Katalog aufzulisten?
"Sage mir was Du isst und ich sage Dir wer Du bist" "Dein Auto ist Deine Persönlichkeit" "In der Wahl Deines Urlaubsziels offenbart sich Dein Lebensziel" Daraus lassen sich dann Syndrome konstruieren, die man "heilen" kann ... Es ist zum Kotzen! Siehe oben.
Gestern präsentierte nun eine gestylte Frau in irgend einem Dritten Programm eine ganz neue Studie aus Amerika, womit man immer die USA meint und dem Rest Unrecht tut, in der irgend ein Professor, Psychologe, an irgend einer Universität (das lässt sich sicher auch googeln) mit ca. 86 Studenten testete, was ihre Wohnung/Unterkunft über sie aussagt. So weit die Präambel. Dann kommt bei solchen Sendungen immer der Hammer, indem die moderierende Person sagen muss:
"Und das Resultat ist erstaunlich."
Käme dieser Satz nicht, hätte die Meldung keine Sendeberechtigung. Wer möchte schon etwas nicht Erstaunliches erfahren, das ein Professor in Amerika (USA) herausgefunden hat.
Also der erstaunte Professor fand heraus, dass, zum Beispiel, die Sauberkeit einer Bleibe etwas über den Charakter des Bewohners offenbart. Ob dessen Staubsauger gerade nicht funktionierte, oder seine Reinigungskraft im Urlaub war, spielte keine Rolle. Fazit:
Schmutz in der Wohnung = Schmutz im Geist.
Ist die Wohnung allerdings sauber und aufgeräumt, leidet der/die (Frauen werden gern als zwanghaft eingestuft) sie Bewohnende unter "Zwanghaftigkeit". Wie es im Geist einer solchen Person aussieht, will man gar nicht wissen. Allerdings kann man anhand von vergleichenden Profilen feststellen, ob sich so jemand zum Massenmörder oder nur zum Serientäter eignet.
Wer viele Bücher hat, ist entweder sehr wissbegierig und dadurch auch, das Beweismaterial steht in den Regalen, intelligent und besserwisserisch (das kann man heilen) ... oder ein Kleptomane der Bücher ausleiht und nicht zurück gibt. Das kann man heilen und bestrafen. Bringt beides Geld.
Eines hat der Professor auch festgestellt (und in einem Buch veröffentlicht das man kaufen kann!): Der auffälligste Gegenstand in einer Wohnung sagt am wenigstens über den Charakter des Bewohners aus.
Gott sei Dank!
Jetzt kann ich meine Guillotine wieder aus dem Keller holen und die Harfe dort deponieren. (Ich leide unter Persönlichkeitsspaltung und dem Peter-Pan-Syndrom.)
Mein Fazit?
Je mehr der Mensch, dieses wunderbare "piece of work", meint über sich selbst zu wissen, oder wissen zu wollen, desto kleiner wird er und versinkt schließlich im "Haufen übler Gerüche".
Das ist wie bei einer Zwiebel die man so lange häutet, bis nur noch Tränen übrig sind.


Samstag, 16. August 2014

Sein oder ... Peter Pan ... ein Tatoo und eine neue Waschmaschine


Hamlet stellt eine rein rhetorische Frage, dazu noch an einen Toten, auf die es dann tausend und mehr Antworten gäbe, wenn man überhaupt eine haben möchte. Sein oder nicht sein. Das ist keine Frage, wer nicht ist, stellt keine Fragen. Shakespeare fragt ja auch nicht wirklich und Hamlet schäkert nur mit dem Tod, der ihn dann konsequenterweise auch ereilt. Der Rest ist Schweigen.
Wann ich angefangen habe über die Natur des Seins, über deren Möglichkeiten nachzudenken, weiß ich nicht mehr. Die Lektüre aller möglichen "Bildungsbücher", ich konnte früh lesen, noch ehe ich zur Schule ging, weckte Fantasien in mir, die mich zum unbezwingbaren Minotauros, zum fliegenden Daedalos, zum steinreichen Graf von Monte Christo machten. Bildung braucht Leitung. Ich hatte keine. Ich las und wurde zum Geschöpf der Autoren. Es war mir möglich unsichtbar durch Wände zu gehen und unermessliche Schätze anzusammeln. ... Schließlich entwendete ich, zwölfjährig, einer Schulkameradin 25 Pfennig um mir eine  Schülerzeitschrift, "Der Sommergarten" zu kaufen. Es ist das einzig Kriminelle das ich in meinem Leben begangen habe und es verfolgt mich bis in meinen Tod. Sein oder nicht Sein.  Das Gewissen ist eine schreckliche Macht. Was Ist Ist.
Vor einigen Tagen bekam ich eine neue Waschmaschine. Es war höchste Zeit. Die alte hatte 25 Jahre Dienstleistung hinter sich und aus ihrem rückwärtigen Inneren rann rostige Flüssigkeit, ganz abgesehen davon, dass die Geräusche die sie beim Schleudergang von sich gab die Wände vibrieren ließen und sich direkt auf meine Nerven übertrugen, vom Gehör ganz zu schweigen. 
Die Anlieferung und Aufstellung, nebst Entsorgung des Altgerätes, war für den 13. 8. zwischen 9 und 12 Uhr vereinbart. Kurz vor 10 Uhr klingelte es ...
Ich erinnere mich an einen Film, den ich in meiner Kindheit, während der Schulzeit, gesehen habe: "Der kleine Muck", ein Film mit vielen Tricks, die meine Fantasie in Realität umzuwandeln versuchte. Magie und Zauberei sollten mein Leben verändern. Hat natürlich nicht funktioniert. 
Dann sah ich Walt Disneys "Peter Pan" und ich war verloren. Ich wollte fliegen können. 
"Der zweite Stern von rechts und dann immer gerade aus bis zum Morgen." Dort ist Nimmerland! Dort ist meine Vergangenheit. Dort ist meine Zukunft. 




























Wir alle leben in Märchen, anders ist das Leben ja gar nicht zu ertragen. Die Fantasie gibt uns die Fähigkeit zu fliegen und in den Träumen können wir es sogar. Die Welt wird so viel weiter, bunter, reicher, je mehr wir der Wirklichkeit gestatten hinter die Wahrscheinlichkeit zurück zu treten.


Der Mann der so gegen zehn Uhr klingelte war jung, noch nicht 30, schätzte ich. Groß, athletisch, gutaussehend. Ein Adonis wie es heutzutage unzählige gibt. Er trug Jeans und ein schwarzes T-Shirt, das seinen Körper vorteilhaft betonte. Aus den Ärmeln des Hemds und über die sportliche Kragenlinie krochen die Farben, Linien und Figuren von Tatoos. Und plötzlich dachte ich an Peter Pan, an Nimmerland, den Traum vom Alles können und nicht erwachsen werden. An alles was uns das Leben vorenthält und das wir mit ein paar Arabesken auf der Haut, oder mit einem Kinobesuch herbeizuzaubern versuchen. Es bewahrt uns nicht vor dem Aufstellen von Waschmaschinen oder der Erkenntnis, dass uns nur der Tod fliegen lassen wird.
Sein ist wie nicht Sein, je nachdem auf welcher Seite man sich befindet.


Freitag, 18. April 2014

"What a piece of work is man" - Eine Zwischenbetrachtung




























Dieses Zitat aus Shakespeares "Hamlet, Prince of Denmark" spukte heute früh durch meine Gedanken, als ich nicht mehr schlafen konnte und dem Rumpeln, Zischen, Quaken und anderen Geräuschen lauschte, die Scharen ungeborener Fürze in meinem Gedärm auf ihrem Weg ins Leben verursachten. Ich sag's wie's ist!
In der deutschen Übersetzung wird das ja gleich zum "Meisterwerk" oder "Wunderwerk", je nach Bearbeitung, dabei stellt der Dichter das Wunderbare und Meisterhafte am Menschen praktisch als unfassbar, unbegreiflich heraus, in Anbetracht dass er eben nur ein Werkstück ist, eine Arbeit. Zuvor monologisiert er auch lange darüber, dass ihm alles zu viel geworden  ist und ihn das Dasein nervt.













Die Erde, mit diesem "von goldenem Feuer durchwirkten Firmament überwölbt", erscheint ihm nur noch eine Ansammlung von "fauligen, stinkenden Gerüchen" zu sein. Das passte gut zu meinen Flatulenzen! Und was verursachte diese? Kortison, hochdosiert und jetzt von gestern auf heute abgesetzt ohne es "auszuschleichen". Man könne das machen, wenn die Behandlung damit weniger als eine Woche gedauert habe, sagte der Arzt, als ich ihn, am Morgen nachdem ich mich vorzeitig, aus gutem Grund, aus der stationären Versorgung entlassen ließ. Aber die Geschichte folgt später.
Warum wurde mir überhaupt Kortison verabreicht? Auf den Verdacht eines entzündlichen Prozesses hin, der im Blut nicht nachgewiesen werden konnte. Aber als der Laborbericht eintraf, hatte man mir ja schon längst eine Nadel gestochen und 250mg Kortison intravenös verabreicht. Sicher ist sicher, sagte der Professor. 
Mit Steroiden soll man sparsam umgehen, das steht in allen Google Beiträgen zum Thema Kortison. Es hat viele Nebenwirkungen und unangenehme Folgeerscheinungen, wie Muskelschwund, Verlust der Knochendichte, Gewichtzunahme und viele mehr. Natürlich musste ich nicht gleich mit dem Schlimmsten rechnen, aber gestern hatte ich schwer mit den Folgen des Absetzens zu kämpfen.
Es fing mit starken Schmerzen in der rechten Wade an. Mein rechtes Bein erinnerte mich also sofort wieder daran, dass es den Prozess der Normalisierung noch nicht abgeschlossen hat. Das Stechen war so schmerzhaft, dass ich kaum gehen konnte. Die linke Wade erklärte sich dann mit der rechten Solidarisch, wenn auch nicht ganz so intensiv. Aber "Bewegung" wird empfohlen, also ging ich zu Kieser, um wenigstens meine Fuß- und Beinübungen durchzuführen. Als ich dort ankam, war das unmöglich. Also gab ich die Mitgliedskarte endgültig ab. Am 30. April läuft mein Vertrag aus, den ich nicht verlängert habe ... Aber das ist eine andere Geschichte.
Anzunehmen dass ich wieder "normal" sehe ist illusorisch. Ich darf das tägliche "Tropfen" nicht vergessen, das den Druck im Auge stabilisieren soll. Ständig habe ich das Gefühl, dass ich wanke, weil die Augen nicht wirklich fokusieren und mein Blick nirgendwo Halt findet. Meine Nachbarin sagt, dass sich das im Lauf der Zeit wieder einpendelt, das Hirn brauche eben Zeit um die neue Situation zu programmieren. Aber meine Nachbarin ist Antroposophin und die sehen ja die Welt ein bisschen positiver als sterbliche Menschen. Ich hoffe trotzdem, dass sie recht hat!
Entschuldigung, es ist Zeit zu tropfen ...


Am Nachmittag bekam ich dann echte Schwierigkeiten mit dem Kreislauf. Ich legte mich in meinen Stressles Sessel und schwankte zwischen Atemnot und Herzklopfen. Dazwischen nickte ich immer wieder ein und wusste manchmal nicht ob ich wache oder träume. Es war beängstigend!
Schließlich stabilisierte sich mein Zustand wieder einigermaßen, so dass ich etwas Obst, Knäckebrot und Joghurt essen konnte. Lauter "gesunde" Kost für Kortisonbehandelte. Gegen 21 Uhr ging ich zu Bett. Die Nacht zuvor hatte ich kaum geschlafen, auch wegen des Kortisons, und war jetzt so müde, dass Schlaf ganz von selber kam. 
Um Mitternacht wachte ich zum ersten Mal auf. Erst Mitternacht? Das konnte ja heiter werden! Ich hörte dann jede Stunde schlagen, schlief dazwischen aber immer wieder kurz. (Und bei jedem Aufwachen musste ich Wasser lassen, als ich um 6 Uhr aufstand, hatte ich genau 800ml geschafft. Gestern waren es über 1000ml! Wenigstens muss ich mir über Wassereinlagerungen keine Sorgen machen, auch eine Kortison-Nebenwirkung.) Dann begann das Schmerzpulsieren in meiner linken Schläfe. O Gott, dachte ich, nicht schon wieder! Nicht auch noch das linke Auge! Am besten ist ignorieren, dachte ich. Es funktionierte nur teilweise, während der kurzen Schlafphasen. Schließlich kamen die Magenschmerzen und die bereits erwähnten Begleiterscheinungen "a foul and pestilent congregation of vapours." Und deshalb sitze ich jetzt immer noch hier und blogge.