Der Titel sagt alles. Eine Art Tagebuch ohne Datum, Erinnerung wie sie gerade daherkommt. Verschiedene Themen meine Befindlichkeit beschreibend ... Viel Spaß beim Lesen!
Ich habe es in anderen Kapiteln schon erwähnt, dass der "Peter Pan"-Film von Walt Disney zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählt, den ich mir auch heute noch immer wieder anschaue. Aber damals, als Kind, identifizierte ich mich mit dem Jungen der fliegen kann. Dass er nicht erwachsen werden wollte registrierte ich nicht.
Heutzutage dreht einem die Psychologie daraus einen Strick, nennt es "Peter Pan Syndrom" und betrachtet es als heilbar. Als ob Fliegenkönnen heilbar wäre! Und erwachsen werden ist es schon gleich gar nicht!!
Ich bin erwachsen geworden, das Leben bestand darauf, aber den Wunsch fliegen zu können habe ich nicht aufgegeben. Ein nicht erwachsener Teil von mir suchte immer die Welt in der das möglich ist. Jetzt habe ich sie gefunden: in den Bildern von Arselap! Eine Welt mit Drachen, Einhörnern, sprechenden Fischen, beflügelten Pferden, fliehenden Städten und Menschen auf Fahrrädern, Motorrädern, in Autos und Lokomotiven die nichts als Freude am Leben haben. Eine fantastische Bilderwelt, die unheimlich nah an der Wirklichkeit liegt, mit ihr verwoben ist und den Betrachter einbezieht, so dass er auf einem Drachen oder Flügelpferd reiten kann ohne den Boden zu verlassen und ohne abzustürzen.
Kommt mit in die wunderbare Welt von Arseniy Lapin!
Ich habe mich gern auf diese Welt eingelassen, die uns bei Tag und Nacht inmitten der Milchstraße zeigt, umflirrt von Sternen, Kometen, Monden und Sonnen. So nah ist man dem unendlichen Universum sonst nirgendwo, sich dessen so bewusst und fühlt sich gerade deshalb auf der Erde so beheimatet. Jedes Bild sagt mir: Willkommen im Leben. Darum umgebe ich mich gern mit diesem vielfältigen Kosmos, betrachte mich als ein Teil der Fantasie des Künstlers und wünsche seinen Bildern viele abenteuerbereite Betrachter. Man kann ihn übrigens googeln. Arseniy Lapin.
Als ich um exakt 03:15 Uhr aufwachte und in Richtung des Wohnzimmerfensters blickte, also nach rechts, da ich auf der rechten Seite lag, meinte ich, der Spitzenvorhang würde bluten.
Anfangs wollte ich es einfach ignorieren und schloss die Augen um weiterzuschlafen.
Da meldete sich der Harndrang und ich wusste, dass das Schicksal mich aufforderte nach dem blutenden Vorhang zu sehen.
Natürlich war es nur eine optische Täuschung, hervorgerufen durch die orangefarbene, übrigens völlig unnatürliche Straßenbeleuchtung, und die Schatten, die durch den Faltenwurf des Vorhangs entstanden. Aber selbst ein Foto (siehe oben), das ich noch schnell vor dem Gang zur Toilette schoss, vielmehr auf dem Weg dorthin, konnte die Illusion des Blutes, das ich deutlich gesehen hatte, dunkelrot, als wäre es an manchen Stellen schon getrocknet, nicht bestätigen.
Ich war beruhigt.
Danach lag ich im Bett und wusste, dass ich nicht mehr einschlafen würde, obwohl ich die Augen schloss, um dem Hirn zu signalisieren, dass ich schlafbereit bin. Jedoch, ohne das Angebot anzunehmen, begann es zu "googeln".
"Aber klar doch! So ist Google entstanden!" sagte mein Hirn. "Du denkst an das Eine und kommst auf das Andere. Egal wie fadenscheinig die Verknüpfung ist, sie ist da und Du folgst ihr automatisch."
`Ist das ein bahnbrechender Gedanke?´, dachte ich. `Wohl eher nicht, Andere sind sicher auch schon darauf gekommen.´ Kurze Pause und dann: `Das muss ich mal googeln.´
Wie ich dann automatisch auf Lakritz kam, will ich hier nicht näher erläutern. Vor einigen Tagen hatte ich, im Zusammenhang mit Mundhygiene und Zahnpflege "Lakritze" gegoogelt. Fragt mich nicht, wie es dazu kam. Das ganze Leben scheint sich auf Google zu reduzieren! "Lebst Du noch, oder bist Du schon Google?"
Auf jeden Fall las ich da, dass Lakritze (Süßholz, kann man googeln) tatsächlich so eine Art Naturmedizin für die Zähne ist ... und dass sie, eventuell, Impotenz fördert. Wobei ich wieder bei mir im Bett bin. Aber da googelte mein Hirn schon längst wieder nach "Onkel Franz", der mit unserer Mutter (3 Kinder) während und nach dem Krieg in "wilder Ehe" lebte und für unser Überleben hauptverantwortlich war, ständig, so lange ich mich erinnern kann, Lakritze lutschte.
Und zwar nicht die leichte, süße Variante aus der Bonbonbar (die gab es ja nicht), sondern die scharfe, beinahe ätzende Originalversion. Er ließ sie mich einmal probieren, nur einen winzigen Splitter (man konnte sie zertrümmern wie Kandiszucker). Ich dachte, ich wäre für immer geheilt!
Auf jeden Fall bekam mein googelndes Hirn jetzt plötzlich die Idee, dass er bewusst Lakritz lutschte, um seine Libido in Schach zu halten. Wäre ja möglich ... Na ja, vielleicht mochte er Lakritz einfach? Und ich? Um ehrlich zu sein, habe bald eine Vorliebe für Lakritze entwickelt, wenn es um Süßigkeiten ging. Richtig süchtig wurde ich zwar nicht, aber, wer weiß, vielleicht reicht schon wenig um mich jetzt im Bett ...
Da muss ich dann wieder eingeschlafen sein.
Der Schlaf ist mein bester Freund, auch wenn die Träume die er mir schenkt nicht immer die Besten sind.
Fernsehen bildet also doch. Zumindest indirekt. Gestern kam, spät abends, auf Bayern 3 ein Film, der mich nachdenklich machte. Es war ein Spielfilm, keine Doku, und es war Science Fiction insoweit, dass es um einen Krankheitserreger ging, den es, Gottseidank, noch nicht gibt. Die Krankheit wird durch ein Virus ... `HALT!´ dachte ich, heißt es EIN Virus oder EINEN Virus? Und da fing dann die Bildung an, indem ich googelte. Das Resultat war erleuchtend aber auch ein bisschen fragwürdig.
Gibt es das eigentlich auch in einer anderen als der deutschen Sprache, dass sich ein Wort sein Geschlecht aussuchen kann? (Der Mensch kann das ja anscheinend nicht.) Es hat mich zwar interessiert, aber gegoogelt habe ich das dann doch nicht. Man verliert sich leicht im www. Wer will, kann.
In dem Film ging es ja auch um etwas ganz anderes. In dem Titel kam "Liebe" vor. Ich habe mich leider sehr spät in die Handlung eingezappt und wollte eigentlich auch gar nicht hängen bleiben, aber dann war es gerade überraschend überraschend, weil ein Mann, der eben noch sprach, sich selbst und auch nichts anderes mehr hören konnte. Er war ganz plötzlich taub geworden. Man sah ihn schreien, hörte aber nichts.
An dem Punkt klickte ich mich in die Info ein und las, dass es um ein/en Virus ging, das/der die gesamte Menschheit befallen hatte und schlicht und ergreifend nacheinander die fünf Sinne des Menschen ausschaltete. Ich war mir zwar sicher, dass ich die Fünf Sinne kenne, googelte sie aber trotzdem. Das Resultat ist ja nicht ohne sinnliche Reize ...
Die Handlung des Films konnte ich nicht mehr nachvollziehen, aber es geht anscheinend um zwei mitteljunge Menschen, Mann und Frau, aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, die sich verlieben und dann durch die Krankheit, oder Missverständnisse, getrennt werden. Wichtig ist das allerdings für die Aussage des Films nicht.
Der Mann ist Koch von Beruf, sie forschende Wissenschaftlerin. Das muss einer der Drehpunkte des Films sein, weil durch die Krankheit zuerst der GESCHMACK die Menschen verlässt. (Besser gesagt das Schmecken, der Geschmack hat sie ja längst verlassen.) Für den Koch natürlich die Katastrophe. Danach wird der GERUCHSINN verloren. (Vielleicht arbeitet sie ja in einem Parfümlabor?) Dann verabschiedet sich das SEHEN, dann das HÖREN ... und eben da schaltete ich mich dazu.
Es gab beeindruckende Bilder von Blinden die Blinde über verrostende Bahngeleise führen, einer die Hand auf der Schulter des anderen. Es wurde gezeigt, wie die Gehörlosen unter Quarantäne gestellt werden, die nur noch vor dem Fernseher sitzen, auf dem Anweisungen gezeigt werden (weiße Schrift auf schwarzem Grund): Bleiben Sie zuhause. Gehen Sie nicht hinaus. Bleiben Sie vor dem Fernseher. Schalten Sie den Fernseher nicht aus.. Menschen in Schutzanzügen bringen Essen. Es wird geplündert, von den Labilen, Undisziplinierten, und die Normalen gehen ganz selbstverständlich verantwortungsbewusst ihrer täglichen Arbeit und Routine nach. Das Leben geht trotz allem weiter, sozusagen. Nachdem die Frau auch das Gehör verloren und dann in einem Wutanfall ihr Büro verwüstet hat (in dem auch zwei Kaninchen und ein Kapuzineräffchen, oder ähnliches, untergebracht waren, die dann putzig auf dem Boden hocken und sich beschnüffeln, wobei klar wird, dass der Affe mit den Hasen nichts zu tun haben möchte) setzt sie sich in ihr Auto, um zu ihrem Geliebten zu fahren. Zur selben Zeit verlässt der seine Küche, schwingt sich aufs Fahrrad und fährt zu ihr. Natürlich verpassen sie sich auf dramatische Art, da hilft auch kein lautes Schreien, weil ja beide nichts mehr hören. ...
Okay, ich verrate den Schluss. Sie finden sich, quasi in letzter Sekunde!
Die Liebenden gehen auf einander zu (Zeitlupe), Glückseligkeit im Blick, heben die Hände um sich zu berühren und DUNKEL Beide blind.
Die erzählende Stimme meint dann, dass, wenn es noch jemand geben würde der sehen könnte, man sehen würde, dass sie sich zärtlich umarmen, küssen und mit den Händen ihre Gesichter erkunden, wie ganz normale Liebende. So ist das Leben.
ENDE
Ende? Aber Hallo! Ich denke da wütet ein Virus derdiedas alle Sinne der Menschen vernichtet?! Wie ist das dann mit dem TASTSINN? Wo bleibt das SPÜREN, das GREIFEN, das HALTEN? Ich will ja nicht behaupten, dass ich ein Pionier im Erforschen dieses Phänomens bin, aber ich hatte, in seeeeehr jungen Jahren ein Erlebnis, das mich an die Grenze des bewusst Erlebbaren führte.
Ich war Abends noch in der Stuttgarter Altstadt unterwegs, wo man von einer Kneipe in die andere fiel, ohne einen Tropfen Bier zu verschütten. Auf dem sehr verschlungenen Heimweg griff ich mutig ein Weinglas, das auf einem Fensterbrett stand gegen welches sich ein junger Mann lehnte, und nuschelte ihm augenzwinkernd: "Du hasch doch nix dagegen." zu, ehe ich einen tüchtigen Schluck nahm. Der junge Mann hatte nichts dagegen und als einer seiner Kumpels fragte, ob bei uns da alles in Ordnung wäre, antwortete er nur. "Alles klar. Kein Problem."
Das Problem hatte ich, so geschätzte zwei Stunden später, zuhause. Ich versank im Fussboden. Meine Füße waren weg und unter mir war nur nachgebendes Nichts. Ich fühlte keinen Halt mehr. Vor Schreck fiel ich auf die Knie und stützte mich mit den Händen auf. Aber auch die waren nicht mehr da und es gab nichts, das sie greifen können hätten. Auch als ich schließlich im Bett lag, gab dieses unter mir nach. Ich geriet in scharlachrote Panik ... war aber zum Glück so besoffen, dass ich einschlief.
An diese Erfahrung (auf welcher Droge war der junge Mann wohl?) musste ich am Ende des Films denken. Was passiert, wenn der Mensch den Tastsinn verliert? Wenn er nichts mehr in Händen hält? Wenn die Erde unter ihm nicht mehr existiert? Gibt es ein Leben nach dem Tod, oder lauert dort der blanke Wahnsinn? ...
Ein PS: Gestern sah ich eine Sendung (BBC) über Lepra. Darin kam zur Sprache, dass Leprakranke, durch das Absterben der Nerven in den betroffenen Gliedmaßen das Gefühl verlieren, den Tastsinn also. Deshalb stürzen sie häufig ... kay, ich verrate den Schluss, waEinhrscheinlichs sich sowieso niemand diesen Film an E
Endlose Flure sind typische Krankenhausmerkmale. Sie eignen sich vorzüglich zur Erhaltung der Beinmuskulatur bei längeren Aufenthalten. Ihre Wirkung ist aber immer einschüchternd oder sogar beängstigend, finde ich.
"Um elf Uhr ist ihre Operation eingeplant." hatte die freundliche Frau im Glaskäfig gesagt und: "Noch vor dem Mittagessen." hinzugefügt, als wäre das eine besondere Vergünstigung. Es wurde nichts daraus. Das Mittagessen kam um 11:30. Es war genießbar, bis auf das panierte Putenschnitzel. Das war so zäh und trocken, dass ich vermute, dass der Vogel hundertjährig an Altersschwäche verendete. (Frühstück und Abendbrot sind wohl in allen Krankenhäusern gleich. Langweilig. Beim Mittagessen ist zwar der Speiseplan auch sehr ähnlich, aber in Zubereitung und Geschmack kann die Küche des CK der des KH nicht das Wasser reichen! Dem Essen im KH habe ich ein ganzes Kapitel gewidmet, hier breite ich den Mantel des Schweigens darüber.)
Irgendwann kam dann die freundliche Schwester mit dem süßen Akzent und fur mit mir im Aufzug zur OP Ebene. "Mechten Sie noch auf Tolette?" fragte sie während wir auf den Aufzug warteten, und fügte hinzu: "Unten ist keine."
Ich befragte meine Blase, die, wie man weiß, nicht gerade unproblematisch ist und sie gab mir grünes Licht. `Hoffentlich hat sie mich nicht angelogen.´, dachte ich.
Die Vorbereitung zur OP ging zügig vor sich, außer mir wurden noch mehrere andere Patienten "zurechtgelegt". Blutdruck messen, Kanüle für die Beruhigungsspritze legen, mehrmals die Frage nach eventuellen Allergien verneinen, auf meinen Tremor hinweisen, der ja auch den Kopf betrifft ... und schon wurde ein grünes Tuch über mein Gesicht gebreitet: "Keine Angst, es wird Sauerstoff darunter gepumpt." Danke.
Die Operationen, es wurde die Linse heraus genommen und mit einer neuen, aus Kunststoff, ersetzt (Katarakt) und gleich danach ein Kanal für den besseren Druckausgleich zwischen innerer und äußerer Augenkammer gelegt, oder so ähnlich (Glaukom). Man kann das googeln, sollte aber den Abschnitt über eventuelle Komplikationen lieber nicht lesen. Während der ganzen Zeit hielt die Anästhesistin meine rechte Hand, die sie manchmal leicht drückte, was ich als sehr angenehm empfand. Der Chirurg sagte immer wieder: "Schauen Sie ins Licht. Das ist sonst schwierig zu machen" Anscheinend wanderte mein Blick, sofern man das was mein Auge da tat noch so nennen kann. Ich "sah" ja nichts mehr außer Licht". Gottseidank! Das sagte ich, außer dem Gottseidank!, nach dem Eingriff dem Doktor, aber ich glaube nicht, dass er das hören wollte. Mir kam es vor, als habe der ganze Eingriff nur 10 Minuten gedauert, wahrscheinlich irre ich mich da. Auf jeden Fall wurde ich in den Vorraum gerollt, in Sitzposition gebracht und gebeten, mich in einen daneben stehenden Rollstuhl zu setzen. Fünf Minuten später kam schon die nette ... "Kennen Sie aufstehen?" fragte sie. Ich konnte. Sie begleitete mich in den 3. Stock. "Sie finden Zimmer?" ... Und das war´s.
Vielleicht kennt noch jemand außer mir den Film "Ein andalusischer Hund" von Luis Bunuel und Salvador Dali. Er wird nur noch selten in kleinen Programm-Kinos gezeigt und kleine Programm-Kinos werden immer seltener. Es ist ein ungefähr 16 Minuten kurzer, surrealistischer Film, der auf zwei Träumen basiert. Bunuel träumte von einer langezogenen Wolke, die den Mond durchschnitt "wie ein Rasiermesser ein Auge". Ich habe das gegoogelt.
Auf Wikipedia kann man eine Kopie des Films in guter Qualität sehen. Auf jeden Fall hatte ich diese Szene des "Augenschnitts" lebendig vor meinem bandagierten, inneren Auge! Manche Bilder vergisst man eben nie.
Schmerzen hatte ich keine, zumindest nicht am Auge. Später kam allerdings in der rechten, oberen Kopfhälfte ein Schmerz auf, mit leichtem Druck im Auge. Ich bat die Schwester um ein Kopfschmerzmittel. Sie ließ sich den Schmerz beschreiben und sagte, dass sich "die Ärztin das besser einmal anschaut." Die Ärztin war dann ziemlich, ja erstaunlich schnell auf der Station und maß den Augendruck. 60! SECHZIG! Das ist alarmierend hoch! So hoch war er, als ich bei dem Anfall in die Notaufnahme kam. Da hilft nur eines: Kammerwasser ablassen durch Punktion der Vorderkammer. Ich hatte keine Zeit in Panik zu geraten: es piekste zwei mal ein bisschen am Auge, Wasser floss ab und danach war der Druck auf 10 mmHg, also an der unteren Grenze von "normal".
"Manchmal steigt der Druck nach einer Operation." erklärte die Ärztin.
Der Kopfschmerz war weg. Der Druck normalisierte sich dann und blieb im Normwert. Weitere Krisen hatte ich nicht. (Einen Tag später sah ich einen Patienten, dessen Auge sich entzündet hatte. Sein Gesicht sah aus wie für einen Horrorfilm geschminkt!)
Es began die Zeit des Tropfens und Wartens. Jede Stunde je ein Tropfen Antibotikum und ein Tropfen Kortison, zur Vermeidung von Infektionen. Man konnte das Zimmer nicht verlassen, wenn man nicht Gefahr laufen wollte, einmal nicht getropft zu werden. Herr S. nutzte die Zeit indem er Herrn F. in Wortbäder eintauchte. Er redete und redete und redete! Zauberbergfeeling.
Ich lag auf dem Bett und döste vor mich hin. Später spielte ich dann einäugig "Free Cell" auf meinem iPad. Zauberbergfeeling.
Beim Warten auf das Augendruckmessen, 4 mal am Tag, traf man dann immer auf die selben Personen, die am selben Tag operierten worden waren. Man tauschte "Seherfahrungen" aus, zum Beispiel die unterschiedliche Wahrnehmung von Farben mit dem operierten Auge verglichen mit dem nicht operierten. Den Fortschritt des wieder scharf Sehenkönnens ... Zauberbergfeeling.
Ansonsten änderte sich nur der Verband, je nach Pflegerin.
Nachdem ich das iPad mini gekauft hatte fragte ich mich: "Wozu?" Zu dem Zeitpunkt eine berechtigte Frage, schließlich hatte ich schon zwei PCs, einen uralten, auf dem noch Windows XP Home Edition endlos langsam läuft, meinen iMac mit der superschnellen Apple Software, ein Notebook mit Windows Vista, auch in die Jahre gekommen, das Mac Book Air (11 Zoll), das ganz normale iPad (Air gab's da noch nicht) und nun also auch noch das Mini! Jetzt kenne ich die Antwort: "Damit ich beim Bloggen, wenn etwas gegoogelt werden soll, nicht immer von einer Seite zu einer anderen surfen muss, sondern alles auf einen Blick vor mir habe!"
Jetzt aber, nachdem ich diese Einleitung so elegant verfasst habe, frage ich mich wie es weiter gehen soll in diesem Kapitel, das den nicht weniger eleganten Schlusssatz haben soll: "Ich denke dass ich ein Phönix bin!"
Angefangen hat es mit Insomnia am frühen Morgen, der Phase in der man nicht wach ist und nicht schläft, in der Grauzone des Bewusstseins. Grau war der Himmel hinter den Vorhängen noch nicht, nehme ich an, schließlich war es erst kurz vor vier Uhr an diesem 24. Januar Morgen, wie mir ein halbherziger Blick auf die Wanduhr zeigte, die übrigens immer noch, ja immer, auf Sommerzeit läuft, weil mich die ewige Umstellerei ankotzt. Auf ihr war es also kurz vor Fünf. `Das hast Du jetzt vom frühen zu Bett gehen.´ dachte ich vorwurfsvoll und rutschte dann in einen kurzen, heftigen Traum.
Ich steige steil bergan. Wie hoch ich hinauf muss ist nicht absehbar. Schwärzeste Dunkelheit folgt mir wie eine Schleppe, die mir vom Hinterkopf hängt und sich von dort her ausbreitet. Zeit spielt keine Rolle. Ich steige also endlos lange und gleichzeitig überhaupt nicht nach oben. Dann bin ich auf einem Plateau angekommen und blicke auf eine von der Mittagssonne hell erleuchtete Stadt an einem Fluss, der am Horizont in ein unendliches Meer mündet. Stadt, Fluss Meer: alles in hellen Gelbtönen. Eine Kirchturmuhr beginnt zu schlagen und mit dem ersten Ton fällt das erste Haus auseinander, klappt auf wie eine Schachtel, nach vier Seiten. Und dann schlagen immer mehr Turmuhren, die Stadt hat jetzt unzählige Kirchtürme, und mit dem Uhrenschlagen klappen alle Häuser, alle Kirchen auf. Ihr Inneres ist aber nur weiß, so dass sich schließlich eine weiße Fläche vom Fuß der Höhe, auf der ich immer noch stehe, bis zum Horizont erstreckt. Und dann geschieht das unerwartete. Die Dunkelheit hinter mir schwappt quasi über meinen Kopf, die Schwärze ist überall. Dann schlägt noch einmal eine Uhr und mit einem Fauchen wird am Horizont ein großes Feuer entfacht auf das ich zugehe. "Ich denke dass ich ein Phoenix bin." sagt ein Gedanke laut zu mir.
Dann bin ich wieder halbwach und höre gerade noch den Nachhall einer der vielen Uhren in meiner Wohnung, (Über dreißig, die alle die Stunden schlagen, wenn sie aufgezogen sind.) die Vier Uhr geschlagen hat und registriere, dass die Gasheizung wieder angesprungen ist, weil der Thermostat das für nötig hielt. Daher das Glockenschlagen und Fauchen. Wer für die Bilder verantwortlich ist, weiß ich nicht. Wohl mein Unterbewusstes, das mir irgend etwas sagen will, es aber unverständlich formuliert. Apropos Uhren: Hier eine Kostprobe
Meine Gedanken fangen an zu kreisen und ich komme automatisch auf den als Kapitelüberschrift genannten Titel eines Liedes, das ich von einer Schallplatte von Katja Epstein kenne. Ich habe es gegoogelt:
Das ist übrigens ein Druckfehler (gibt es das auf einer virtuellen Seite?) da oben. Der Adler "schreit" nicht die Spiralen, er "schreibt" sie.
Wie ein Kreisel den die Peitsche übers Straßenpflaster treibt, wie Spiralen die …".
So am Rande frage ich mich: Wer kennt noch Kreisel (wir sagten übrigens "Tänzer" dazu) die man mit Peitschenhieben in Drehung hält? Gibt es das noch? Muss ich gleich mal googeln! … Ach so, nein, ich bleibe beim Thema. Nachdem ich an die deutsche Version des Liedes gedacht habe, fällt mir die englische ein, von der ich nur die Fassung kannte, in der es heißt:
When you knew that it was over, you were suddenly aware,
that the autumn leaves were turning to the color of despair.
Diese colors of despair, also Farben der Verzweiflung, hatten mich sehr beeindruckt. In Wirklichkeit ist das Lied ja ein Duett, Französisch, wenn mich nicht alles täuscht (googeln) das die Gefühle zweier Liebenden ausdrückt. In der englischen Duett Version singt er:
When you knew that it was over
you were suddenly aware
that the autumn leaves were turning
to the color of her hair.
Und sie hält dagegen:
When you knew that it was over
in the autumn of goodbyes
for a moment you could not recall
the color of his eyes.
Auch nicht schlecht.
Auf meinem Schreibtisch sieht das dann so aus.
Nachdem ich mit meinen Gedanken so weit gekommen war, also bis zu den Windmühlen, wurde mir bewusst, dass ich nicht mehr schlief.
Insomnia, dachte ich und da fiel mir ein, dass ich einmal, vor wieviel tausend Jahren? ein Gedicht mit diesem Titel geschrieben hatte.
Ich war unsterblich in einen Straßenbauarbeiter mit Migrationshintergrund verliebt. Er und seine Kollegen rissen den Gehweg vor der Firma auf, in der ich damals arbeitete. Direkt unter dem Fenster an dem sich mein Arbeitsplatz befand. … Schließlich kam es zu der Nacht, in der ich bei ihm schlief. Bei ihm, wohlgemerkt, nicht mit ihm! Es war in der Unterkunft in der er und seine Kollegen wohnten. Übrigens war sein jüngerer Bruder auch bei dieser Truppe. Sie kamen aus dem muslimischen Teil des damaligen Jugoslawien und waren beide verheiratet, ihre Frauen allerdings nicht in Deutschland, und beide Vollheteros. Trotzdem spielte er, den Namen habe ich vergessen, ein bisschen mit dem Feuer. … Er hatte ein eigenes Zimmer und wir lagen zusammen auf seinem, nicht sehr breiten Bett. Die Tür blieb allerdings einen 10 Zentimeter breiten Spalt offen. … Ich habe in dieser Nacht kein Auge zugetan und das Heraufdämmern des Tages in allen Details erlebt. So entstand dann das:
Soll ich mich schämen? Ein bisschen. Aber, wie gesagt, das ist mehr als dreißig Jahre her, beinahe schon vierzig! Uralt!
Übrigens lud ich einmal die Brüder zum Essen ein. Ich war fasziniert. Sie hingen mit den Köpfen dicht über dem Teller, schaufelten die Speisen in den Mund und schmatzen dann das zu Essende zu Brei. Sie schmatzten laut und deutlich! Sehr laut und weithin hörbar! Ich war peinlich berührt. Man sah zu uns herüber. Sie merkten nichts. Ich sagte nichts. Vielleicht war es in ihrem Kulturkreis ja höflich beim Essen zu schmatzen? Sie kamen aus irgend einem winzigen Bergdorf. … Ich fuhr irgendwann dann nach Venedig und dort habe ich diese Liebe verloren. Einfach so. Ich war erstaunt darüber, aber auch froh.
Schlaflos.
Zur Zeit habe ich das Gefühl in einem riesigen Raum zu hängen, der mich unsäglich einengt. Absurde Vorstellung, aber realer Zustand. Hat mich der Tod meines Freundes Walter, dessen Sterben sich über zwei Jahre hinzog wie ein lähmender Alptraum, an diesen Punkt gebracht, an dem ich erkenne, dass dieser Teil meines Lebens ein ständiges Abschied nehmen ist? Plane ich deswegen die Reise nach Istanbul, immer bedenkend, dass ich sie vielleicht nicht antreten werde? Habe ich deshalb keine Reiserücktritt-Versicherung abgeschlossen, den Verlust des Gepäcks nicht abgesichert? Vielleicht. Aber wenn man anfängt darüber nachzudenken ist der wahre Grund nicht mehr fest zu machen. In Worte gefasst sind Gedanken nie mehr das was sie waren, nur ungenaue Abbilder dessen was sie sein wollten.
Ein anderes Gedicht fiel mir ein, das ich, noch sehr, sehr jung! geschrieben hatte. Es handelte davon, wie ich mich, abends, am Strand einer griechischen Insel, auf ein selbstgebautes Floß begebe, auf das ich einen Scheiterhaufen schichtete, vom Ufer abstoße, mich mit Benzin übergieße, mich betrinke und schließlich in Brand stecke. So fahre ich dann, als helles Feuer, auf den dunklen Horizont zu.
Vielleicht war das ja der Traumhintergrund?
Wer sagt's denn, ich hab's geschafft! Hier kommt er, der elegante, letzte Satz:
Ich denke ich bin ein Phönix!
Ein Post Scriptum. Noch ein Gedicht zum Thema, das im Jahr 1968 entstand, als ich 30 Jahre alt war:
Nur einmal möchte ich in meinem Leben
die Sonne halten und mit der freien Hand
das Universum schütteln bis die Sterne beben -
Ein Strom sein und ein Baum und eine Felsenwand.
Und dann, am Ende, wie Kristall
der vor dem Wind zerfällt in tausend Scherben -
Das blitzt und klingt, auch noch im Fall:
So möchte ich sterben.
Man sieht, ich habe mich schon öfter mit dem Thema befasst.