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Samstag, 11. April 2015

Abend am Elly Heuss-Knapp Brunnen im Park der Karlshöhe































Still ist es nun.
Mütter nahmen das Lärmen
an schmutzigen kleinen Händchen mit.
Zurück bleibt Vogelruf und leiser Schritt,
Sonnenstrahlen die wärmen
und Dinge die ruhn.





















Wasser zittert in Schalen, 
obwohl die Brunnen jetzt schweigen,
als wäre der Wind aus Versehen,
beim letzten Darübergehen,
oder darüber neigen,
in das Becken gefallen.

Stumme bronzene Frauen, 
ein offenes Buch in der Hand,
das sie gemeinsam studieren
und das schwindende Licht absorbieren,
sitzen lächelnd am Brunnenrand
ohne hinein zu schauen.





















Nacht wird es nun.
Der Wind hat sich losgerungen,
unter den Bäumen weht er kalt.
Die leisen Schritte sind verhallt,
der Vogelruf ist auch verklungen ...
Alle ruhn.

























gelang 1967


Freitag, 31. Oktober 2014

Mein Augenklinik-Jahr





























Hier hat es angefangen, ich weiß schon gar nicht mehr wann. Es war im März, denke ich, als ich zum Augenarzt ging, weil ich manchmal für kurze Zeit alles wie durch eine Milchglasscheibe sah. Glaukom, diagnostizierte dieser und gleich auch noch Katarakt, im Volksmund bekannt als grüner und grauer Star. Es sei nicht alarmierend, meinte der Arzt, man könne das eventuell mit Tropfen in den Griff bekommen. Das war am Montag oder Dienstag. Eventuell war dann am Freitag vorbei, als ich einen Glaukom-Anfall erlitt, der "Wurst Käs" (worst case) für das Auge und extrem schmerzhaft! Da meldete ich mich dann hier und ... Ja, steht alles in meinem Blog. Das Kapitel dazu, "Grau oder grün" überschrieben, mit dem alles anfängt. Veröffentlicht habe ich das am 9. April ... 
Heute ist der 31. Oktober. Gestern hatte ich einen Termin in der anderen Klinik, zu der ich wechselte, weil in der ersten ein Fernseher hoch oben an der Wand war und ich, nach 4 Tagen allein im Zimmer, einen `Zimmerkollegen´ bekommen sollte, der sich gleich bei seiner Ankunft freute, dass er dann  "Fußball kucken" könne. Noch bevor er das Gerät einschalten konnte, habe ich mich selbst entlassen ...
Zurück in die Zukunft.



























Ich war pünktlich, sogar eher zu früh, 7:40, und dachte schon, ich müsste vor verschlossenen Türen warten. Das Wartezimmer war voll! Ich nahm Platz und vor mir erstreckte sich wieder einmal die Öde eines Klinik Flurs. `Willkommen daheim.´ dachte ich.






Über das Warten in Augenkliniken habe ich schon in einem anderen Kapitel geschrieben. Daran hat sich nichts geändert, außer dass ich diesmal in dieser Klinik extrem lange warten musste, was ich nicht gewohnt war. 1 ½ Stunden bis ich in das erste Behandlungszimmer gerufen wurde, nachdem ich schon eine halbe Stunde in der Anmeldung, siehe oben, auf die obligatorischen Voruntersuchungen gewartet hatte. Es war also inzwischen 9:45.









Den Arzt kannte ich schon und er erinnerte sich sogar an mich. Mein Charisma? Kleiner Scherz. Er ist, oder wirkt zumindest, sehr jung. Ich bin in letzter Zeit immer wieder verblüfft, wie jung die Leute alle sind, die Berufe ausüben, die ich mit `Alter´ in Verbindung bringe. Mein Hausarzt ist zwar auch nicht übermäßig alt, hat aber schöne, weiße Haare. ... Der junge Herr Doktor rekapitulierte den Befund meiner Augen im Allgemeinen, nichts Neues, und meinte abschließend, dass man eine Gesichtsfeldmessung machen müsse und wir uns dann wieder sehen würden. Danke Herr Doktor.
In Shakespeare-Dramen folgt auf eine dramatische, schwere, oft eine komische, leichte Szene, um das Ganze aufzulockern. Das funktioniert sogar bei "Romeo und Julia".
Gesichtsfeldmessung ist anstrengend und dauert, gefühlt, recht lang. Danach ist man froh, wenn man wieder warten darf. Inzwischen war die Kapazität des Warteraums bis an seine Grenzen erschöpft. Sitzplätze mussten schon beinahe per Los vergeben werden. Da war man über jede/n Patient/in im Rollstuhl dankbar.



Die ältere Frau, ich schätzte sie allerdings auf Anfang 60, wurde von ihrer Tochter, so um die 35, und deren Sohn, etwa 16, begleitet. Wenn ein Migrationshintergrund vorlag, dann höchstens ein badischer. Die Kleidung war provinziell einfach und die Sprache laut und ... (Ich übersetze ins Hochdeutsche.)
Patientin zur Tochter: "Hast Du ein Bonbon?"
Tochter zur Mutter: "Nein, einen Bonbon habe ich nicht, aber einen Kaugummi. Möchtest Du einen Kaugummi?"
Mutter: "Nein, einen Kaugummi möchte ich nicht. Gibt es keinen Bonbon?"
Der Sohn der Tochter zur Mutter seiner Mutter: "Doch, da vorn in der Anmeldung gibt es Bonbons. Ich hole welche wenn ihr wollt."
Seine Mutter: "Ja, tu das. Geh shopping." Er geht.
Die Patientin, kaum dass der Sohn der Tochter fort ist: "Jetzt ist es in die Hose gegangen."
Tochter, holt tief Luft: "Warum hast Du denn nichts gesagt?!"
Ihre Mutter: "Das geht so schnell."
Anmerkung des Autors: Wo sie recht hat hat sie recht!
Tochter holt wieder tief Luft, bleibt aber sprachlos. 
Ihr Sohn kommt zurück mit Bonbons und wickelt schon eins für die Oma aus.
Tochter: "Lass das. Wir gehen jetzt erst einmal auf die Toilette. Setz Du Dich hier her und wenn wir aufgerufen werden, sagst Du, dass wir auf der Toilette sind." Sie schiebt die Mutter zur Toilette.
Es wir "Herr Piel" aufgerufen.
Die Dame neben mir: "Ja! Hier!"
Die Dame neben ihr: "Nein, das war doch Herr Piel."
Die Dame neben mir. "Ach so. ... Der gleiche Name ... Obwohl, ich heiße ja Pill. So können Verwechslungen entstehen, die verheerende Folgen haben können." 
Die Dame neben ihr: "Jaja."
Die Dame neben mir: "Es kommt auch auf die Aussprache an. ... Und wie der Name geschrieben wird. ... Der Herr könnte ja auch P i e h l heißen. ... Aber wenn es schlampig ausgesprochen wird, kann sich Piel wie Pill anhören."
Die Dame neben ihr: "Ja Frau Pill. Aber es hieß ja `Herr´ Piel."
"Herr Lang!"  wird aufgerufen. ... Ich gehe ungern.





Der junge Herr Doktor kommt mir entgegengeeilt (so ein langes Wort mit fünf "e" Buchstaben! WOW!) und sagt: "Setzen Sie sich doch bitte schon einmal in das Behandlungszimmer da vorne, links. Ich komme gleich. Und weg ist er. Ich setze mich. Auf den Monitoren sind Daten und Bilder und auf dem Tisch liegen meine Sehfeld-Aufzeichnungen. Soll ich mal ein bisschen blättern und scrollen? Bin doch ich. 


Macht man natürlich nicht! Und irgendwann kommt der Herr Doktor wieder. Jaaaaaaaa, also an Ihrem Gesichtsfeld hat sich nicht viel verändert. Genau gesagt: es hat sich gar nichts verändert. Aber sie sehen besser als vor der OP. War das die gute Nachricht? Anscheinend ja. Für den Rest möchte er den Chefarzt dazurufen. Der ist auch gleich da und bedenkt mich mit einem streifenden Blick.
Der streifende Blick von Ärzten ist wohl weltweit gleich. Ich nehme an, dass er ein Teil ihres Studiums ist. Er beinhaltet zuerst einmal allgemeines Anerkennen des Menschlichen, ohne dieses positiv zu klassifizieren. Gleichzeitig fragt der Blick: Wird der mich verklagen? und sagt synchron: Wehe Du verklagst mich.
Der Chef streift mich also mit diesem Blick, sieht dann meine Akte ein und sagt: "O Gott, das ist ..." Er erinnert sich und ich bestärke ihn in seiner Annahme, dass ich der Patient bin, zu dem er während der OP dringend gerufen wurde, nachdem der Chirurg gesagt hatte: "Das ist eine Katastrophe!" Das war immerhin schon vor beinahe zwei Monaten! Ich scheine einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Beliebt gemacht habe ich mich allerdings nicht.
Und dann kommt die schlechte Nachricht. Meine Iris ist permanent geschädigt. Beim Versuch sie wieder in den Griff zu bekommen und zu befestigen, entstanden kleine Löcher. Durch diese Perforationen fällt nun Licht in das Auge und produziert dort, neben dem Bild der Pupille, eigene Bilder. Deshalb sehe ich doppelt, oder versetzte Konturen. Auch die Strahlen und Lichtblitze werden dadurch verursacht. Und meine Pupille schließt sich nicht mehr über einen gewissen Punkt hinaus. Deshalb ist die Lichtempfindlichkeit auch unumkehrbar. Man könnte, sollte es mir wirklich, wirklich und absolut unmöglich sein, mit dieser Situation zu leben, versuchen die Regenbogenhaut zu nähen ... ABER ... Allerdings ist mein Augendruck immer noch zu hoch. Wenn ich nicht für den Rest meines Lebens meine Augen tropfen möchte, was wegen meines Tremors nicht gut möglich ist, sollte man da beide Augen noch einmal lasern ...
Ich erklärte mich damit einverstanden, unterschrieb und ließ mir Termine geben. Am 11. 11. ist der erste. Zum Glück sind wir nicht im Rheinland! Am 2. 12 wäre ich dann fertig. Da kann ich wohl mit Recht sagen: Mein Augenklinik-Jahr. Um 11:30 verließ ich die Klinik. Allerdings entschuldigte sich der junge Doktor dafür, dass es so lange gedauert hatte. 
Draußen ist Herbst und ich kann ihn sehen, was will man mehr?



Übrigens ist das mein zukünftiger Outdoor Look. Die Mütze brauche ich für die Licht- und Sonneneinstrahlung von oben. Von der Notwendigkeit gestylt kann ich da nur sagen.































Freitag, 26. September 2014

Der Mensch im Sinkflug - Ein Nachtrag zum "Flemming"


"What a piece of work is man?" fragt Hamlet, zählt alle wunderbaren Eigenschaften des Menschen auf und kommt, obwohl alles so harmonisch zusammen wirkt, trotzdem zu dem Resultat, dass er , Hamlet, weder Lust "am Weibe noch am Manne" habe, und dass die Erde nichts als ein "Morast aus üblen Gerüchen" ist. Das Leben macht ihm keinen Spaß mehr. Kein Wunder, dass er dann seinen Tod herbeiführt, obwohl er ihm kurz zuvor noch bewusst zu entgehen verstand ... Die Geschichte ist kompliziert.
Man kann Hamlet googeln, ist von William Shakespeare und wurde 1602 uraufgeführt.
Seither wurde die "Psychologie" erfunden, die Lehre von der Seele. Eine Lehre über etwas, das genau so wenig fassbar ist wie Gott, für den man die "Theologie", allerdings schon früher, erfand. Der Forschungsdrang des Menschen ist unstillbar und er wird noch andere, unbegreifliche Dinge in der Natur finden, denen er dann eine Logie zuordnen wird. 
Zuordnen, das ist das Zauberwort! Es darf nichts geben, das es nicht gibt und es gibt nur das was einen Namen hat. Gott hat das im Paradies quasi Adam aufgetragen. (Man kann die Bibel googeln. 1. Mose, Kapitel 2, Verse 19 und 20). Gott konnte ja nicht wissen ... Entschuldigung, natürlich wusste er es, nur konnte er nichts mehr gegen den Namensgebungsdrang des Menschen tun ohne ihm seine Identität, seiner eigenen vergleichbar, wieder zu nehmen, die er ihm ja mit großer Liebe eingehaucht hatte. 
Inzwischen ist der Mensch autonom geworden, `Human United Kingdom´, und Gott ist nur noch so eine Art zerbröselnder Rahmen um ein immer digitalisierteres Bild. Das Bild wird Megapixel um Gigapixel schärfer und das "Piece of work", der Mensch, verliert seinen Charme, sein Wunder und seine Identität als Gottes Geschöpf, indem er zum Resultat von immer detailierteren Studien wird. Das alles hat selbstverständlich wirtschaftliche Gründe. Etwas womit kein Geld verdient werden kann gibt es nicht!
So hat man auch `seelische Erkrankungen´ typisiert und katalogisiert und es gibt Tabellen über den `Wert´ einer solchen `Störung´ die von leichtem Dachschaden bis zu schwerer Psychose reichen. Die Zuordnung trifft der Psychologe und der Kranke ist glücklich, wenn er endlich seine Schublade gefunden hat. Oder? Diese Notiz klebte am Eingang zu einer psychiatrischen Privatklinik. Sie spricht Bände!



Was aber macht man, wenn es nicht mehr darum geht, eine Krankheit der Seele zu diagnostizieren und zu behandeln, sondern, weil sich damit ja auch Geld machen lässt, einfach den `normalen´ Menschen in einem Katalog aufzulisten?
"Sage mir was Du isst und ich sage Dir wer Du bist" "Dein Auto ist Deine Persönlichkeit" "In der Wahl Deines Urlaubsziels offenbart sich Dein Lebensziel" Daraus lassen sich dann Syndrome konstruieren, die man "heilen" kann ... Es ist zum Kotzen! Siehe oben.
Gestern präsentierte nun eine gestylte Frau in irgend einem Dritten Programm eine ganz neue Studie aus Amerika, womit man immer die USA meint und dem Rest Unrecht tut, in der irgend ein Professor, Psychologe, an irgend einer Universität (das lässt sich sicher auch googeln) mit ca. 86 Studenten testete, was ihre Wohnung/Unterkunft über sie aussagt. So weit die Präambel. Dann kommt bei solchen Sendungen immer der Hammer, indem die moderierende Person sagen muss:
"Und das Resultat ist erstaunlich."
Käme dieser Satz nicht, hätte die Meldung keine Sendeberechtigung. Wer möchte schon etwas nicht Erstaunliches erfahren, das ein Professor in Amerika (USA) herausgefunden hat.
Also der erstaunte Professor fand heraus, dass, zum Beispiel, die Sauberkeit einer Bleibe etwas über den Charakter des Bewohners offenbart. Ob dessen Staubsauger gerade nicht funktionierte, oder seine Reinigungskraft im Urlaub war, spielte keine Rolle. Fazit:
Schmutz in der Wohnung = Schmutz im Geist.
Ist die Wohnung allerdings sauber und aufgeräumt, leidet der/die (Frauen werden gern als zwanghaft eingestuft) sie Bewohnende unter "Zwanghaftigkeit". Wie es im Geist einer solchen Person aussieht, will man gar nicht wissen. Allerdings kann man anhand von vergleichenden Profilen feststellen, ob sich so jemand zum Massenmörder oder nur zum Serientäter eignet.
Wer viele Bücher hat, ist entweder sehr wissbegierig und dadurch auch, das Beweismaterial steht in den Regalen, intelligent und besserwisserisch (das kann man heilen) ... oder ein Kleptomane der Bücher ausleiht und nicht zurück gibt. Das kann man heilen und bestrafen. Bringt beides Geld.
Eines hat der Professor auch festgestellt (und in einem Buch veröffentlicht das man kaufen kann!): Der auffälligste Gegenstand in einer Wohnung sagt am wenigstens über den Charakter des Bewohners aus.
Gott sei Dank!
Jetzt kann ich meine Guillotine wieder aus dem Keller holen und die Harfe dort deponieren. (Ich leide unter Persönlichkeitsspaltung und dem Peter-Pan-Syndrom.)
Mein Fazit?
Je mehr der Mensch, dieses wunderbare "piece of work", meint über sich selbst zu wissen, oder wissen zu wollen, desto kleiner wird er und versinkt schließlich im "Haufen übler Gerüche".
Das ist wie bei einer Zwiebel die man so lange häutet, bis nur noch Tränen übrig sind.