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Dienstag, 9. Juni 2015

Der fehlende Reim - Ein Gedicht


Was, wenn ich eines Tages weinen müsste
um einen Augenblick den ich versäumt, 
vom dem ich immer schon geträumt, 
und der mich wirklich einmal küsste?

Von mir ganz unbemerkt und auch vergessen,

mich streifend wie ein Sonnenstrahl. 
Ich frage mich: kommt er nochmal?
Kann man den Traum in Tränen messen?

Und kann man Tränen, die man nicht vergossen,

aus einem tiefen Brunnen heben,
damit die Träume endlich leben?
Sind sie nur einmal unverschlossen?

Nein, keine Träne die ich jemals weinte,

war überflüssig und vergebens,
sie war ein Inhalt meines Lebens
und nichts das ich bewusst verneinte!

Soll ich die ungeweinte Träne weinen

dem Augenblick der mir entrann,
noch eh' ich mich auf ihn besann?
...
Verschließt den Brunnen jetzt mit Steinen!

gelang 2015

Samstag, 11. April 2015

Abend am Elly Heuss-Knapp Brunnen im Park der Karlshöhe































Still ist es nun.
Mütter nahmen das Lärmen
an schmutzigen kleinen Händchen mit.
Zurück bleibt Vogelruf und leiser Schritt,
Sonnenstrahlen die wärmen
und Dinge die ruhn.





















Wasser zittert in Schalen, 
obwohl die Brunnen jetzt schweigen,
als wäre der Wind aus Versehen,
beim letzten Darübergehen,
oder darüber neigen,
in das Becken gefallen.

Stumme bronzene Frauen, 
ein offenes Buch in der Hand,
das sie gemeinsam studieren
und das schwindende Licht absorbieren,
sitzen lächelnd am Brunnenrand
ohne hinein zu schauen.





















Nacht wird es nun.
Der Wind hat sich losgerungen,
unter den Bäumen weht er kalt.
Die leisen Schritte sind verhallt,
der Vogelruf ist auch verklungen ...
Alle ruhn.

























gelang 1967