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Samstag, 24. Januar 2015

Wohin?


In den noch nicht so lange vergangenen Tagen, dachte ich oft an den Film "Wenn die Gondeln Trauer tragen". Es gab keinen Anlass, der Film war einfach da. Und hauptsächlich die Szenen in denen der Hauptdarsteller (Donald Southerland) das Wesen verfolgt, das er für seine ertrunkene Tochter hält, das sich dann aber als kleinwüchsigen Raubmörder herausstellt. 
Warum ich an diese Szenen denken musste ist mir schleierhaft. Es gab keinen Anlass, außer dem, dass ich gerne in Venedig bin und an die Stadt oft denke.
Und heute Nacht zappte ich im Fernsehen in ein Programm, in dem ausgerechnet dieser Film lief und zwar die letzten Szenen, an die ich so oft gedacht habe. Was hat das zu bedeuten?


Wohin führt mein Weg? Was ist diese "Vorsicht" wert?

Samstag, 18. Oktober 2014

Torcello



Noch einmal quält ein schmaler Streifen Land
den müden Horizont zurück ins Leben,
fordert Beachtung, ohne viel zu geben,
nur flache Farben, Schilf und Sand.


Hier dürfte, außer Himmel, nichts mehr sein
als eine Stille, atemlos und blau,
die Meeresferne ungenau. ...
Und doch ist noch so vieles Stein.


Trotzdem ist keine Härte in den Dingen.
Durchsichtig wie Opal zittert das Licht.
Warum zerbersten diese Steine nicht
bei einem Glockenton, am Vogelsingen?


So wird zum Rätsel jeder neue Tag, 
die Stunden weigern sich Vernunft zu tragen,
und Jahre haben gar nichts mehr zu sagen,
wo selbst die Ewigkeit nur schweigen mag.

Doch wenn das einstürzt und vergeht,
 vom Licht ganz aufgelöst, ein Teil der Fluten,
wird dieser Horizont noch lange bluten,
der jetzt im Zeichen großer Schmerzen steht.


gelang 1975






Venedig




So wird das einst gewesen sein,
dass eine Schönheit die der Mensch sich schuf,
entgegen den Gesetzen der Natur, 
von dieser, wie ein Widerruf
auf alles was von ihm ihr widerfuhr,
aufgelöst wird Stein um Stein.


Wenn auf den Steinen die Lagune liegt,
wird die sich kein Erinnern gönnen.
Es fallen die sanften, langen Regen,
die sich an nichts erinnern können.
Heller Himmel wird sich darauf legen ...
und nur die Schönheit siegt.


gelang 1972

Samstag, 4. Oktober 2014

Aus Venedigs Himmeln stürzen nach dem Regen Engel in die Menschenseelen ...




Der Himmel ist so klar ins Wolkentuch hineingewoben, ... 
man ahnt den nächsten Himmel, weiter oben, ...
und noch einen ... und immer mehr, ...
als ob der Himmel nirgendwo ein Ende wär'.




Aus diesen Himmeln, diesem Licht,
 stürzen Engel in die Menschenseelen. ...

 ... Und die Engel fragen nicht. 

Sie befehlen!





gelang

Freitag, 19. September 2014

An ein venezianisches Glas




Ganz zart musst Du sie fassen,
mit ahnenden Fingern welche
sich sorgend schließen um Stiele
altvenezianischer Kelche.
Und dann Dich gehen lassen ...

Spürst Du wie viele
Gedanken hier Eingang gefunden?
Die langersehnte Kühle
nach all den formenden Feuerstunden?
Nur Licht ist noch in hingehauchten Wänden ...

Du bist am Ziele,
hältst meine Seele in Deinen Händen
und alle Gefühle!

(gelang)

Montag, 14. Juli 2014

Istanbul ist keine Stadt sondern ein Gefühl


Wer Venedig kennt, und liebt wie ich, weiß was ich meine. Der Ort ist die Hülle, die Stadt ist der Zauber, die Erscheinung ist die Seele. Was sich daraus bildet ist ein atmender, lebendiger Organismus. Sich in diesem zu bewegen, bewusst zu bewegen, ist eine Offenbarung! Mit jedem Schritt spürt man Leben, mit jedem Atemzug stirbt und wird man wieder geboren. Wer Glück hat lernt dieses Gefühl wenigstens einmal im Leben kennen. Ich habe, nach Venedig, endlich Istanbul kennen gelernt. 
Nun ist meine Seele zerrissen.
Wie ist das möglich? Bei meinem ersten Venedigbesuch vor 49 Jahren überraschte mich die Tatsache, dass eine Stadt eine solche Wirkung haben kann völlig. Die zweite Reise dorthin unternahm ich, um zu testen, ob der erste Eindruck nicht nur durch das Neue, eine Stadt die über dem Wasser schwebt, entstanden war. Nein, das Gefühl bestätigte sich. Danach war ich dann ein Süchtiger, dessen Droge Venedig hieß.





























Keine billige Droge, die man sich täglich leisten kann, höchstens einmal im Jahr. Und es war nicht der "Kick" der Sehenswürdigkeiten, Markusplatz, Dogenpalast, Seufzer- und Rialtobrücke, sondern das Behagen im Angekommen-Sein. Die Gewissheit des Sich-Kennens. Damit beschreibe ich die Wirkung von Drogen sicher zu euphorisch, zu positiv, aber ich nehme an, dass Sucht nur durch solche Erlebnisse entstehen kann. Auf jeden Fall kreist seither Venedig in meinem Blut, ist aus mir nicht mehr zu "entziehen".
Ich war 26 Jahre jung.
Und jetzt also Istanbul.
In wenigen Monaten bin ich 76 Jahre alt.
Ist das die letzte Liebe, die man im Alter noch einmal mit aller Leidenschaft erlebt? Habe ich das Glück sie erleben zu dürfen? Das hoffe ich! Es wäre eine Liebe, die nicht enttäuscht werden kann, das weiß ich aus Erfahrung. Äußerlichkeiten mögen sich ändern, Venedig heute ist nicht die Stadt von gestern, aber ihre Magie ist unverändert. Vielleicht waren es die ersten drei, vier Tage in Istanbul, die ja vom Regen beherrscht wurden, die die erste Verzauberung bewirkten. Die dunstverschleierte, sich sichtbar bewegende Luft, die allen Bildern die scharfen Konturen nimmt und das Gefühl, dass eine wunderbare Essenz die Haut benetzt und  durch diese in den Körper eindringt. Das Rieseln und Rauschen der Regentropfen auf den Blättern des Feigenbaumes im Hof. Das ist die Musik die ich höre, wenn ich an Istanbul denke und das Fallen und Klingen der Wassertropfen in der Yerebatan Zisterne, deren Wände nicht zu existieren scheinen, die sich in Dunkel auflöst.































Dahinter verbergen sich Sehnsucht und Verlangen. Die Liebe zu einer Stadt. Istanbul.

Sonntag, 18. Mai 2014

Istanbul sehen und … ewig leben wollen!

Das heißt nicht, dass ich Venedig untreu werde, aber ich werde meine Seele Venedig schenken, mein Herz aber Istanbul! Diese Stadt lebt, trotz des überall sichtbaren Verfalls, während die Serenissima dem Tod entgegenzufiebern scheint. Was hier im Regen an Glanz gewinnt, wird dort zum Trauerschleier. Das klingt vielleicht ein bisschen übertrieben, bringt aber die Gefühle, die ich bisher "erlebt" habe, auf den Punkt. Das mag der Reiz des noch Neuen, Unbekannten sein, aber es wird nicht aus momentaner Stimmung gesagt, sondern aus inzwischen erlangter Überzeugung. Eigentlich hätte mich die endlose, fruchtlose Suche nach meiner Herberge depressiv und daher negativ stimmen müssen. Hat es nicht. In den drei Stunden suchend Umherwanderns, immer und immer wieder die selben Straßen entlang zu gehen, die gleichen alten Pflastersteine spürend, den geborstenen Gehwegrändern ausweichend, gab mir ein Gefühl des Kennenlernens und Vertrautwerdens. Als ich dann in meiner Wohnung für drei Wochen aus den Fenstern sah, Hinterhof und Straßenseite, kam mir das alles sehr bekannt vor. Venedig lässt grüßen! Bröckelnde Fassaden, abgeplatzter Verputz, geborstene Fensterscheiben, verblassende Farben, das ist das Istanbul in dem die Menschen leben, nicht in herausgeputzten Vorzeigegebäuden und Hotels. Dies ist "Altstadt", "Mittendrin", kein mit langweiligen, uniformen Bauten verschandelter Vorort, wie ich sie beim Landeanflug sah. Aber jetzt sollen Bilder sprechen, denn das "Erlebnis" beginnt in den Augen und sucht sich von dort seinen Weg in die Nischen der Erinnerung.























































Den Blick nach vorne habe ich ja schon in der Sandgeschichte gezeigt. Hier hinten sieht alles nach vielen Funden für zukünftige Archäologen aus! Auch der von Stacheldraht bewehrte Wall, der den "Garten" unter meinem "french balcony" ziert, fällt in diese Kategorie. Die Abendstimmung  und die Nacht tauchen dann aber alles in romantische Verklärung.









































































































































Am Tag beginnt dann das nächste Abenteuer: Dinge entdecken, von denen ich nichts im Reiseführer gelesen habe. Die meisten sind nicht spektakulär und haben es wahrscheinlich deshalb nicht geschafft überhaupt einen Eintrag zu bekommen. Mich faszinieren sie alle. Vielleicht müsste ich aber auch einfach ausführlichere Literatur schmökern, um darauf zu stoßen. Der riesige Aquädukt, zum Beispiel, der langsam am Horizont auftauchte, als ich einen Hügel hinaufging, und durch dessen Bögen Tag und Nacht der Verkehr flutet, ist sicher bekannt. Details darüber mag sich jeder selbst googeln, der Interesse daran hat. Ich verfasse ja keinen Reiseführer, sondern führe ein Bilder-Tagebuch. Also, folgt mir in das wunderbare Kaleidoskop Istanbul! Überraschungen warten an jeder Ecke. Man muss nur aufpassen, dass man nicht über sie stolpert! Und manchmal steht man vor einem kleinen Rest Byzanz.













































































































Die Tücken des Wi-Fi haben mich daran gehindert, hier einen weiteren Eintrag zu posten. In der ersten Woche funktionierte es so einwandfrei, wie man das in diesem Land gewohnt ist, wenn man schon mehrmals damit zu tun hatte. Das ist ja jetzt schon mein vierter Besuch in der Türkei. Ja, und dann auf einmal funktionierte es überhaupt nicht mehr! Kein bisschen. Ich hätte es ja gern dem netten Besitzer gesagt, aber der war nie anzutreffen. Inzwischen weiß ich, dass er jeden Tag im Krankenhaus mehrere Stunden am Bett seiner Nichte wacht, die vor einer Woche operiert wurde, Brustkrebs, und aus der Narkose nicht aufwachte. Sie liegt im Koma und soll heute nach Deutschland ausgeflogen werden, wo man auf solche Fälle besser eingehen kann, sagt er. Wie schon erwähnt, habe ich kein Handy und konnte also auch den Geschäftspartner des Besitzers nicht anrufen. Dann kam ein fb Freund aus Erzurum angereist, um mich zu besuchen und nach zwei Tagen fiel mir plötzlich ein, dass ich ja sein Telefon benutzen könnte, er war ja an einer Tour darauf am herumtippen und führte Gespräche, die nicht immer nach Freude klangen und ziemlich laut wurden. "Tamam, tamam, tamam!" brüllte er ein über das andere Mal, was zu "Deutsch" OK heißt. Also rief ich an, Herr Ögün, das ist der Vorname, kam auch prompt am nächsten Morgen, wahrscheinlich auch angespornt durch den Umstand, dass ich ihn wissen ließ, dass ich meine Rechnung bezahlen wolle. Am Anreisetag sagte er, das könnte ich tun, wann mir danach sei. So ergab eben das Eine das Andere und er zeigte mir im Treppenhaus eine etwas unprofessionell wirkende Kabelverbindung, bei der ich nur den Stecker herausziehen müsse, ein paar Sekunden warten, wieder verbinden und: Voila!, Internet läuft wie geschmiert … na ja, so wie "wie geschmiert" hier eben läuft.





























Jetzt werde ich diesen Teil veröffentlichen, nicht dass noch alles im Äther verschwindet, so wie neulich die Aufnahmen von der Bosporus Rundfahrt, die aber, o Wunder Digitales, plötzlich im Fotostream erschienen. Sie haben wohl einen Umweg über den Mars genommen. Dass es auch "Schönes" in Istanbul zu sehen gibt, illustriere ich mit einem Bild der "Blauen Moschee". Bis zum nächsten Mal.


Samstag, 1. März 2014

Venedig


Dies ist ein Nachtrag in Bildern. Wie bereits geschildert, waren diese Fotos spurlos verschwunden und sind, ebenso spurlos, nämlich aus dem Nichts, wieder aufgetaucht. Hier sind sie.





























































































Die Ponton-Brücke wurde für den Venezia Marathon über den Canale Grande geschlagen.


Arrivederci Venezia!