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Dienstag, 2. Juni 2015

Parterrewohnung bei Sonnenaufgang - Ein "Gedicht"




Sonnenhaut überwandert die Außenwand.

Jeder Riss im Verputz,
jede Pore im Stein wirft ein sichtbares Dunkel.

Selbst Schatten zerbröseln im scharfen Licht!

Nur hinter den Fenstern,
in ihren entrückten und einsamen Tiefen,
wacht ewigscheinende Stille
und nichts als blinde Nacht.





gelang 2015

Sonntag, 19. April 2015

Im Siebenmühlental - Ein Gedicht




























Noch lehnt die Sonne an den Tannenstämmen
die hangwärts Haupt in Haupt verschlungen stehn.
Sie ist bemüht die Strahlenflut zu dämmen, 
es ist schon spät, sie vor dem Untergehn.

Der Wind kommt leise, hier will er nicht stören,
und streift den Wald wie Saiten einer Harfe, sacht.
Da summt und tönt es in den Wipfeln ohne aufzuhören:
stumm geht der Tag und klingend naht die Nacht.

Das Firmament glüht auf in weiter Himmelsrunde,
die Sterne leuchten hell im Tannenreigenhaar.
Die bleichen Stämme schimmern selbst zur Mittnachtstunde
wie schlanke Kerzen, hoch und klar.

Steht dann der neue Tag, heut so wie gestern,
im Osten zitternd auf des Messers Schneide,
dann webt der Nebel Schleier für die Tannenschwestern
und streut Tauperlen auf die kühle Weide.

Ich will hier warten noch und träumen,
bis durch den Nebel Morgensonne bricht
und in den längst verstummten Bäumen
der erste Vogel einen Segen spricht.




















gelang 1964








Samstag, 11. April 2015

Abend am Elly Heuss-Knapp Brunnen im Park der Karlshöhe































Still ist es nun.
Mütter nahmen das Lärmen
an schmutzigen kleinen Händchen mit.
Zurück bleibt Vogelruf und leiser Schritt,
Sonnenstrahlen die wärmen
und Dinge die ruhn.





















Wasser zittert in Schalen, 
obwohl die Brunnen jetzt schweigen,
als wäre der Wind aus Versehen,
beim letzten Darübergehen,
oder darüber neigen,
in das Becken gefallen.

Stumme bronzene Frauen, 
ein offenes Buch in der Hand,
das sie gemeinsam studieren
und das schwindende Licht absorbieren,
sitzen lächelnd am Brunnenrand
ohne hinein zu schauen.





















Nacht wird es nun.
Der Wind hat sich losgerungen,
unter den Bäumen weht er kalt.
Die leisen Schritte sind verhallt,
der Vogelruf ist auch verklungen ...
Alle ruhn.

























gelang 1967


Mittwoch, 6. November 2013

Venedig am Morgen, Mittag, Abend, bei Nacht ... Sie ist unvergleichlich "La Serenissima"!


Wenn jemand es versteht Licht in Sprache auszudrücken, dann bitte ich sie/ihn sich zu melden. Und wenn es jemand gelingt diese Stadt in all ihren Erscheinungsformen wiederzugeben, dann würde ich "jemand" gerne kennen lernen. Man kann tausende Fotos machen, das Eine, Wahre, das den Augenblick einfängt ist nie dabei! Jedes Bild Venedigs versinkt sofort in den Wassern der Kanäle und der Lagune. Man muss immer wieder zurück kommen, um diese Augenblicke zu erleben, nicht, sie festzuhalten ...

Licht atmet, es lebt von Luft, ihre molekulare Zusammensetzung bestimmt seine Erscheinung. Darum ist "klares" Licht in Venedig immer seltener. Luftfeuchtigkeit und Abgase bestimmen das Bild.

Die Wand dann zu "erwischen", wenn sie genau die Farbe hat, die man sieht, wenn sie sich mit ihrem Bild auf die Seele legt, ist sehr schwierig. Eigentlich unmöglich. Man lügt sich selbst an und sagt: "Ja, das ist es ... Genau so habe ich es gesehen! ..."

Wenn man aber bereit ist, die Stadt so zu sehen, wie Rilke das in Worten ausdrückt: "... und Reih'n von Spiegelbildern ziehn aus dem Kanale ..." Dann gibt sie sich wirklich zu und sagt zu Dir: "Ich bin da!"

Nicht nur am Rialto, oder an der Piazza San Marco. Ich bin eine Stadt mit Menschen die in mir leben und die wissen, dass meine Fundamente aus Holz bestehen und im Wasser verankert sind.

Keine Stadt ist so "vergänglich" wie Venedig und trotzdem wird sie so behandelt, als könnte eine Versicherung sie retten. Ehrlich gesagt kann nur Geld sie retten, aber "ehrliches" Geld, nicht das von Reedereien, die ihre Riesenschiffe tagtäglich in die Stadt lotsen lassen und die Fundamente aushöhlen und mit den Abgasen die Steine schädigen.



Der Bürgermeister sagt, dass diese Schiffe Geld bringen, aber sie bringen mehr Schaden als Geld und das zählt im Endeffekt. Es denkt wohl jeder: Sie steht doch noch! ...







Venedig muss man sehen, wirklich sehen, mit den Augen und der Seele erleben. Die Stadt, ihre Substanz, ihre Inhalte, ihr unvergleichliches Äußeres und Inneres weiß das und sie lässt es jeden Besucher, der es haben möchte, miterleben ... Ach, ich wünsche mir, ich könnte es besser beschreiben!