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Samstag, 29. November 2014

Ein kleines Drama im Regen




Regen fiel in Strömen. Das Wasser stand
auf dem Gehsteig in Pfützen die überflossen
und sich in die Abwasserschächte ergossen,
oder Schlaglöcher füllten am Straßenrand.

Schutz suchend an einer Häuserwand,
eben inmitten einer solchen Pfütze,
steht ein Kind in Regenmantel mit Mütze,
und eine Frau, Tragtüten und Schirm in der Hand.

Das Kind hält krampfhaft, die Arme bloß,
ein Tütchen Gebäck und die Mutter sagt:
"Leg es auf die Tasche." Es hätte gern gefragt:
"Warum?", gehorcht aber und lässt die Tüte los

Kindlich gezielt und ungern gegeben,
mit Augen die bitten und staunen und klagen,
mit Blicken die einfach alles sagen,
fällt das Tütchen ... und fällt daneben.

"Oh Schatz!" sagt sie und ihr Blick enthält,
nach oben gerichtet, die bekannte Gebärde,
die ganze Tragik dieser Erde
und das Wort alle Liebe der Welt!





gelang 1970

Samstag, 18. Oktober 2014

Venedig




So wird das einst gewesen sein,
dass eine Schönheit die der Mensch sich schuf,
entgegen den Gesetzen der Natur, 
von dieser, wie ein Widerruf
auf alles was von ihm ihr widerfuhr,
aufgelöst wird Stein um Stein.


Wenn auf den Steinen die Lagune liegt,
wird die sich kein Erinnern gönnen.
Es fallen die sanften, langen Regen,
die sich an nichts erinnern können.
Heller Himmel wird sich darauf legen ...
und nur die Schönheit siegt.


gelang 1972

Montag, 14. Juli 2014

Istanbul ist keine Stadt sondern ein Gefühl


Wer Venedig kennt, und liebt wie ich, weiß was ich meine. Der Ort ist die Hülle, die Stadt ist der Zauber, die Erscheinung ist die Seele. Was sich daraus bildet ist ein atmender, lebendiger Organismus. Sich in diesem zu bewegen, bewusst zu bewegen, ist eine Offenbarung! Mit jedem Schritt spürt man Leben, mit jedem Atemzug stirbt und wird man wieder geboren. Wer Glück hat lernt dieses Gefühl wenigstens einmal im Leben kennen. Ich habe, nach Venedig, endlich Istanbul kennen gelernt. 
Nun ist meine Seele zerrissen.
Wie ist das möglich? Bei meinem ersten Venedigbesuch vor 49 Jahren überraschte mich die Tatsache, dass eine Stadt eine solche Wirkung haben kann völlig. Die zweite Reise dorthin unternahm ich, um zu testen, ob der erste Eindruck nicht nur durch das Neue, eine Stadt die über dem Wasser schwebt, entstanden war. Nein, das Gefühl bestätigte sich. Danach war ich dann ein Süchtiger, dessen Droge Venedig hieß.





























Keine billige Droge, die man sich täglich leisten kann, höchstens einmal im Jahr. Und es war nicht der "Kick" der Sehenswürdigkeiten, Markusplatz, Dogenpalast, Seufzer- und Rialtobrücke, sondern das Behagen im Angekommen-Sein. Die Gewissheit des Sich-Kennens. Damit beschreibe ich die Wirkung von Drogen sicher zu euphorisch, zu positiv, aber ich nehme an, dass Sucht nur durch solche Erlebnisse entstehen kann. Auf jeden Fall kreist seither Venedig in meinem Blut, ist aus mir nicht mehr zu "entziehen".
Ich war 26 Jahre jung.
Und jetzt also Istanbul.
In wenigen Monaten bin ich 76 Jahre alt.
Ist das die letzte Liebe, die man im Alter noch einmal mit aller Leidenschaft erlebt? Habe ich das Glück sie erleben zu dürfen? Das hoffe ich! Es wäre eine Liebe, die nicht enttäuscht werden kann, das weiß ich aus Erfahrung. Äußerlichkeiten mögen sich ändern, Venedig heute ist nicht die Stadt von gestern, aber ihre Magie ist unverändert. Vielleicht waren es die ersten drei, vier Tage in Istanbul, die ja vom Regen beherrscht wurden, die die erste Verzauberung bewirkten. Die dunstverschleierte, sich sichtbar bewegende Luft, die allen Bildern die scharfen Konturen nimmt und das Gefühl, dass eine wunderbare Essenz die Haut benetzt und  durch diese in den Körper eindringt. Das Rieseln und Rauschen der Regentropfen auf den Blättern des Feigenbaumes im Hof. Das ist die Musik die ich höre, wenn ich an Istanbul denke und das Fallen und Klingen der Wassertropfen in der Yerebatan Zisterne, deren Wände nicht zu existieren scheinen, die sich in Dunkel auflöst.































Dahinter verbergen sich Sehnsucht und Verlangen. Die Liebe zu einer Stadt. Istanbul.

Sonntag, 25. Mai 2014

Bilder aus Istanbul


Bilder sind Augenblicke. Mit jedem Lidschlag wird eines aufgenommen und abgespeichert. Keine Kamera könnte dieses Volumen fassen. Was meine Kamera erfasst hat ist sehr wenig und von dem Wenigen muss ich viel weglassen, um diesem Blog nicht zu viel zuzumuten. Aber was lasse ich weg? Ich habe doch schon eine Auslese getroffen und alles gelöscht, was nicht gelungen war. Das aber ist der springende Punkt: Was ist gelungen? Kein Bild das die Kamera aufzeichnet ist so, wie es das Auge sieht, oder gesehen hat. Die Kamera ist viel zu langsam, um das wirklich Gesehene zu erfassen.
Inzwischen bin ich seit 13 Tagen hier und habe das Gefühl, schon immer in dieser Stadt gelebt zu haben. Die Engländer sagen dazu: "It grows on you." Und es ist wirklich ein "Zuwachsen" das sich in jedem Augenblick ereignet. Dabei hatte ich ja erst einmal 4 Tage Regenwetter und Regenwetter in Istanbul ist etwas sehr nasses. Die Nässe "fällt" nicht, sie ist da und hüllt ein. Plötzlich, ohne dass man es bemerkt hat, ist man einfach nass, von aussen nach innen und umgekehrt. Das ist nicht unbedingt angenehm, aber auch nicht unerträglich. Es wächst einem zu. Ich muss zugeben, dass es mich immer Überwindung gekostet hat das Apartment zu verlassen, aber wenn ich dann draußen war, bin ich, quasi, geschwommen.
Auf jeden Fall habe ich den Taksim Platz so erlebt, als wäre er seine Spiegelung, nicht das Original. Es war mein erster "größerer" Ausflug, weg von Aksaray und ich war gespannt, ob ich mich zurechtfinden würde. Die Tramway brachte mich bis zu der Haltestelle, an der die unterirdische Seilbahn startet und nach fünf Minuten Fahrt tauchte ich, im wahren Wortsinn, "auf" in den Taksim Meydanı.




Ich nehme an, dass die "Einheimischen" einen eigenen Schirm dabei haben, die Touristen erkennt man an den durchsichtigen Plastikschirmchen, die keinem Windstoß stand halten und oft schon an der nächsten Straßenecke Müll sind.



































































































Ich kann es schon einmal vorweg nehmen, dass es am sonnigen Tag, als ich den Platz zum zweiten Mal besuchte, auf dieser Flaniermeile (die historische Straßenbahn ist das einzige Verkehrsmittel auf das man achten muss, na ja, bis auf ein paar Motorroller und Taxis und Zulieferer …) nicht mehr belebt war und es fehlte die "Musik" der Schirmverkäufer, die ihre Ware beinahe singend anboten.

































































































































Eher im Gegenteil! Allerdings entdeckte ich diesmal die St. Anton Kirche. Es gibt überhaupt überraschend viele Kirchen in den alten Stadtteilen. Ich nehme an, dass das auf Atatürks Konto geht.































Über die Ausdehnung der Stadt habe ich mir keine Gedanken gemacht. 15 Millionen Einwohner, schon diese Zahl ergab wieder einmal kein Bild in mir. Auf wie viele Quadratkilometer aber die Wohnungen und Arbeitsplätze dieser Menschen angesiedelt sind, das war in meine Überlegungen noch nicht eingeflossen. Genau genommen habe ich ja nur die Stadtteile gesehen, die beim Anflug unter dem linken Flügel lagen. Das sah überschaubar aus. Einen Eindruck von der Ausdehnung der Alten Stadtteile bekam ich von der Galerie des Galata-Turmes aus. Aber das sprengte ja auch noch nicht alle Dimensionen der Vorstellungskraft und auch beim Besuch des Pierre Loti Cafès, hoch auf einem etwas abseits gelegenen Hügel, "hielt sich alles noch in Grenzen".

Übrigens sollte man zu den Frühaufstehern gehören, wenn man in Istanbul die Sehenswürdigkeiten wirklich sehen möchte und der Blick vom Turm über die Stadt ist sehr sehenswert. Als ich beim ersten Mal am Nachmittag versuchte hier herauf zu kommen, stand eine doppelte Menschenschlange ungefähr 30 Meter oder mehr auf den Vorplatz und die Stufen zur Kasse und den Aufzügen hinauf. Apropos die Aufzüge. Es gibt zwei davon und jeder darf höchstens zehn Personen befördern und zehn Personen sind dann aber dicht zusammengedrängt, da ist die Fahrt in der 
Tramvay noch goldig dagegen, obwohl man dort manchmal wirklich nicht weiß, auf wessen Füßen man steht und wer sich auf den eigenen einen Stehplatz sucht. Wer höflich sein will und sich jedes Mal entschuldigen möchte, wenn er jemand auf die Füße getreten ist, sollte sich das Wort "Üzgünüm" einprägen. 
Oben muss man erst noch über eine nicht sehr breite Treppe bis zum Ausgang auf die Galerie hinaufsteigen, der übrigens auch der Eingang für den Abstieg ist, breit genug für gerade mal zwei Personen.
Auf der Galerie selber, die man rechts herum begehen soll, haben nur Liebende hintereinander Platz und dann kommt natürlich niemand mehr an ihnen vorbei, und wenn sich jemand, wahrscheinlich Engländer, nicht an den Rechtsverkehr hält, geht bald gar nichts mehr. Ich war an dem Morgen der Dritte, der auffuhr zur Galerie, vor mir waren zwei Japaner. Die  hatten die Runde schon geschafft, als ich zum ersten Mal herum war. Beim zweiten Mal kamen mir prompt zwei, ich nehme an, Engländer von links entgegen. Ich habe ja nichts gegen "tight spots", aber möchte doch nicht mit Jederfrau auf Tuchfühlung gehen.
Am Nachmittag, oder wann immer der Turm "gut besucht" ist, darf man sich auch nicht zu viel Zeit zum Fotografieren nehmen! Postkarten kaufen!





Der Blick von oben lohnt aber auch dann, wenn man eben nicht anders kann, als Nachmittags zu kommen. Schließlich hat nicht jeder drei Wochen Zeit, um ganz Istanbul zu sehen. Zugegeben, drei Wochen reichen nicht dafür, aber wenn man Morgens dorthin geht, wo später Tausende sich drängen, hat man wenigstens etwas von dem Besuch, nicht nur lange Wartezeiten und einen schnellen Blick aus der vierten Reihe auf die Exponate im Museum.









































































Vom Café Pierre Loti sieht man die Stadt so quasi aus der Gegenrichtung, vielmehr, man sieht das wenige von der Stadt, rechts und links vom "Goldenen Horn", das man als Tourist für ganz Istanbul hält. Der Blick ist aber auch lohnend und der Andrang ist immer groß. Nachdem ich vergeblich nach einer Busverbindung gesucht hatte, nahm ich schließlich genervt ein Taxi, das sich auch schnell dem Ziel näherte ... und dann, bei einem Überholmanöver, einen leichten Unfall baute. Ein zweites Taxi schaffte es dann doch noch nach oben.

Man kann auch mit einem Ausflugsboot bis zum Fuß des Hügels gelangen und dann mit einer Schwebebahn hinaufgleiten, oder den Fußweg durch einen großen, alten Friedhof wählen, der allerdings kopfsteingepflastert und auch sonst ziemlich uneben ist. Alleine ist man beim Aufstieg auch nicht gerade und dem Gegenverkehr muss man ständig ausweichen. Ich erlebte das auf dem Weg nach unten. Also entweder auch wieder früh los, oder Augen auf und durch! Ich wünsche, ich bekäme einen Cent für jedes Foto das hier pro Tag geknipst wird!























































Aber um das Istanbul der 15, oder sind es 17 Millionen?, Einwohner flächenmäßig zu begreifen, muss man die Fähre, oder eines der Ausflugsschiffe nehmen, die zu den "Prinzen Inseln" fahren. Endlos zieht sich die Stadt am Ufer entlang … aber darüber berichte ich separat.






Mittwoch, 26. Februar 2014

7 Wochen Antalya - 7 Wochen Royal Wings Hotel


So hat mein Blog angefangen. Heute ist der 25. Februar 2014 und am 25. Februar im vergangenen Jahr traf ich in Antalya ein und verbrachte dort einen der schönsten und sicher den längsten Urlaub meines Lebens. Kein Wunder, dass ich nostalgisch werde und mich in Erinnerungen sonne.


































Als ich hier ankam, zog in Deutschland gerade erst der Winter ein. Am Vorabend fiel der erste Schnee und dann wurde es dort bitter kalt, es schneite und gefror und meine Nachbarin war stinksauer, weil ich niemand engagiert hatte zum Schnee räumen. Na ja, sie hat es überlebt und ich hatte ja manchmal ein schlechtes Gewissen wenn ich im Net die Live Cam vom Stuttgarter Schlossplatz öffnete  und sah, dass dort immer noch und schon wieder Schnee lag. Und ich erfreute mich des Frühlings.







































Es gab allerdings auch stürmische Tage, Tage an denen der Regen aus der Kuppel in die aufgestellten Gefäße in der Halle tropfte.


Das Meer schwemmte Unmengen von Sand an und Tonnen von Kieselsteinen, die ich sammelte und fotografierte. Zumindest kam es mir wie Tonnen vor.


































Am schönsten war der Strand morgens, bei Sonnenaufgang, wenn der frisch angeschwemmte Sand noch unberührt und weich war und unter den Füßen nachgab, so dass ich bei jedem Schritt meinte, das Ufer habe eine eigene Strömung, die mich wegträgt. Die Berge wirkten wie zart auf den Himmel getuscht und die Sonne übergoss schließlich alles mit Honiggelb.

























































Ich finde, dass diese Übergangszeit vom Winter in den Frühling die schönste in Antalya ist. Kein Tag ist wie der andere und das Wetter kann sich von einem Augenblick zum nächsten total ändern. Der peitschende Wind, der die Palmen zu zerfetzen versucht, die sintflutartigen Regengüsse, die manchmal wie eine massive Wasserwand herunterstürzen, die Rückkehr des Lichts danach sind überwältigend und die Wellen, die auf den Strand donnern, bringen die Erde zum beben. Das ist  Natur zum Anfassen mit allen Sinnen.


Auch die Stadt Antalya habe ich immer wieder gerne besucht, selbst wenn die Fahrt mit dem Dolmuş kein Vergnügen war. Aber es war Teil des Erlebnisses und bleibt eindringlich in Erinnerung.

Aber am liebsten erinnere ich mich doch an die Menschen. Hauptsächlich an Ali Ali, Turgay Ali und Meister Ali. 

Wenn ich wieder geboren werden sollte, möchte ich einen Sohn wie Ali Özcan haben und im Leben danach, einen Vater wie ihn!
Leider ist die Sprachbarriere so hoch, dass ich den Kontakt verloren habe. Aber aus meinen Gedanken verliere ich ihn nicht.








Das gilt auch für Ali Gölpınar, den Personal Trainer, dem ich meine Kondition und mein jetzt konstantes Gewicht verdanke.





Ihnen und allen  anderen, Turgay und Mehmet, Hasby Dere und Selda Bülbül, die meinen Aufenthalt im Hotel Royal Wings zu einem wirklichen "Wellness Erlebnis" machten, bin ich sehr dankbar. 


Werde ich sie wieder sehen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, wie oft ich noch eine größere Reise machen werde. Der Tremor wird immer mehr zum Problem, was Essen und Trinken betrifft. 
Im Mai werde ich Istanbul besuchen. Ich habe dort ein Apart Hotel gebucht. Dann habe ich eine kleine Kochnische, wo ich mir das Frühstück selber zubereiten kann und auch andere kleine Mahlzeiten. In Venedig habe ich nur zwei Mal im Hotel gefrühstückt, weil ich nicht in der Lage war, mir den Kaffee einzuschenken und mein Brot mit Butter zu bestreichen ...

Apropos Venedig. Das nächste Kapitel widme ich wieder der Serenissima.