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Montag, 28. September 2015

Worte die man nicht sagen sollte.


Es gibt Worte, die ein "kultivierter", oder "gebildeter", oder ein "gesellschaftlich stabiler" Mensch, es gibt Kombinationsformen,  nicht in den Mund nimmt, nach dem Motto: sage nichts, das Du nicht schluckst.
Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, während ich meine Morgennotdurft verrichtete.
Dabei drängten sich dann geradezu diese diabolische Verse hinter meine Stirn:

So ist das nun einmal im Leben:
Was Du isst, musst Du auch von Dir geben.
Und das ist Scheiße eben.

Zu meiner Entschuldigung darf ich sagen, dass ich nicht nach diesem Gedanken suchte. Er war einfach da. Und dann überlegte ich, dass es vielleicht nur Gedankenlosigkeit ist, die ein Wort zum Tabu macht. 
Ein "anständiger Mensch" sagt: Kot, nicht Scheiße. Aber was ist denn der Unterschied im Produkt?
Darüber sollte man nachdenken als kultivierter, gebildeter und meinetwegen auch gesellschaftlich stabiler Mensch. 
Wenn ein Wort genau das ausdrückt was das Beschriebene ist, kann es nicht falsch sein! 
Muss lebendige Sprache immer Rückzug bedeuten in gesellschaftliche Zwänge? 
Denkt einmal darüber nach, ob ihr Kot schlucken würdet, nur weil ihr dieses Wort in den Mund nehmt?!
Und keine Angst vor den Gedanken beim Koten: vielleicht wird ja ein Gedicht daraus?

Freitag, 26. Juni 2015

Was ist Kultur? - Was ist ein "Pimeck"?

Spontan würde ich sagen: Sprache!
Sie vermittelt Kultur am Langzeitlichsten durch das gesprochene und das geschriebene Wort. Wobei das gesprochene Kulturgut immer noch dem Wandel der Überlieferung unterworfen ist, das geschriebene lediglich den Einfällen und Moden der Sprachdiktatoren. Zur Zeit darf Deutsch nur den Personen verständlich und ausdrückbar sein, die zwischen weiblich und männlich unterscheiden können ... Aber darum geht es hier nicht.
Aus Face Book habe ich diese Notiz herausgelöst, als ein Beispiel für sprachliche und auch "allgemeine" Kultur in unserer Zeit.

Kultur ist ein menschliches Bedürfnis, das ist klar und wer seine Bedürfnisse nicht kulturell erledigt ist und bleibt ein Barbar! In diesem Fall "VS" Bürger, was allerdings ein V als ein U vortäuscht (war im alten Rom ja üblich).
Ich, für mein Teil, bin erschüttert, dass dies noch in unserem Jahrtausend zur Sprache gebracht werden muss. Aber ich gebe dem Verfasser der Zeilen in allen Punkten recht! Kultur ist, wenn man sich nach dem Pinkeln den Pimeck und nach dem Scheissen den Arsch saeubert, etc. und auch das Küssen müsste jeder kulturell angepasste Mensch inzwischen beherrschen.
Wir leben doch wirklich nicht mehr auf dem Mond! ...

Freitag, 20. Februar 2015

Das Buch des Lebens schreibt die Liebe - Eine Elegie


Aus einer Zeit die Dich nicht kennt ward ich geboren
und brachte alles Fremde mit in Deine Welt und meine:
den Körper, dieses schwere Buch aus brüchigem Papier,
in dem Du lesen sollst als wäre alles hingeschrieben
für Dich, und auch von Dir. ... 
Nur eine Abschrift tut sich vor Dir auf. 
Und das Verstehen bleibt mir überlassen.

Die Zeit aus der Du kommst hatte mich schon beschrieben,
und staunend lese ich, dass Jahre meines Lebens in Dir sind.
Die Schrift war nie so klar, der Sinn mir so enträtselt,
wie es, in Deinem Sein, sich mir erschließt: Du bist -
und alles was in mir enthalten ist, war längst in mir ...
die Abschrift vieler Jahre ...
und wir verstehen beide was geschrieben steht.

Wir leben eingeschlossen in den Augenblick der Worte,
und unser beider Körper schreibt und liest und wird gelesen:
Erst im Vergleich wird Wort für Wort gedeutet und ergänzt.
Die ersten Bilder werden nun zu Schrift gewandelt,
Schrift wird zu Maß und Maß wird Zeit. 
Die Zeit verstehen heißt das Buch zu schließen.
Und aus dem stummen Wort wird endlich Sprache!


gelang 1974 (für Walter)




Freitag, 28. November 2014

Bitterböse Lektion - Ein Aufruf zum Analphabetentum - Ein Gedicht


Wie einfach ist die Ordnung doch im Alphabet:
A sieht nur B, B A und C, C B und D ...
es wäre müßig dieses Beispiel fortzuführen.
Der Mensch wagt diese Ordnung anzurühren,
macht Worte aus dem klaren ABC,
bis Chaos an der Harmonien Stelle steht.

Die schöne Harmonie des Alphabets!
Der Mensch hat sie zerstört als Sprache ihm gegeben.
Er hat zerstört. Er tut es stets:
die Harmonie, die Ordnung und das Leben!

gelang 1968

Freitag, 14. November 2014

Deutsche Sprache - schwere Sprache

Nehmen wir einmal das Wort wahrnehmen.
Ist das von mir wahrgenommene mein Besitz? Ich habe es auf jeden Fall, laut Wortlaut, genommen, also habe ich es irgendwo in mir ... oder so ähnlich. Es sei denn ich hätte etwas wahrhaftig genommen, dann würde es an mir haften und, hätte ich nicht dafür bezahlt, mich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht. Wahrscheinlich würde ich mit einer Bewährungsstrafe davon kommen, wenn ich eine wahrheitsgemäße Erklärung dafür abgeben könnte wie ich wahrscheinlich wirklich in den an mir haftenden Besitz gekommen bin. Das wäre aber unwa(h)rscheinlich weil ich ja nicht erklären kann, wie "Wahrhaftig" funktioniert. 
Die Deutschen haben ein Sprachproblem!
Das fängt schon bei der Wahrheit an. 
Was soll das? Was ist "heit"
Die Engländer sagen Truth, die Franzosen Veritè , oder é, und alle anderen Sprachen bemühen, so weit ich weiß, auch keine zweite Silbe um Wahr zu sagen. Nur wir Deutschen können uns nicht mit Wahr begnügen, wir brauchen noch heit. Was immer das heißen mag?
Da soll sich ein nicht der deutschen Sprache von der Mutterbrust her Mächtiger zurechtfinden?!
"Ich schwöre die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit."
Hm ...
"Ich schwöre Wahr zu sagen ..."
Oweia!
Wahrsagen! Da sind wir ja wieder bei den Druiden gelandet. Schnell her mit dem/die/das heit.
Jetzt erklärt das mal alles den Zuwanderern. 
Übrigens: Mit dem Wort wahrscheinlich habe ich die größten Probleme.

Freitag, 2. Mai 2014

Fragen die ich mir stelle

Was wurde aus meiner Neugier? Als ich fünfzehn Jahre jung war, eine meiner Schwestern "hatte einen Ami" (sie war mit einem amerikanischen Soldaten liiert ... immer mal wieder mit einem anderen, was unsere Mutter frustrierte ... andere Geschichte) fiel mir das oben abgebildete Buch in die Hände. "English" hatte ich schon in der Volksschule ein bisschen gelernt. Es war ein "freiwilliges Fach" das alle nehmen mussten. Wir waren ja "amerikanisch besetzt". Ich glaube nicht, dass sich auch nur eine/r meiner Klassenkameraden/innen (kann Deutsch noch blöder werden?) wirklich dafür interessierte und sich über "Ink in an inkpot" weiterführende, philosophische Gedanken machte, die ihr Leben verändern könnten. Ich war auch nicht so richtig bei der Sache und empfand "School is over o what fun", das wir am Ende der Unterrichtsstunde immer singen mussten, jedes mal als Befreiung. Karl Lagerfeld hat ja als sprossender Knabe freiwillig Französisch gelernt und ich glaube, zwischen seinem "freiwillig" und meinem liegt der Unterschied. Er hat es weit gebracht, im Gegenteil zu mir, deshalb trägt er auch mehr Ringe als ich. Aber ich schweife ab.
Meine mit einem amerikanischen Soldaten befreundete Schwester (später hat sie ihn, oder einen anderen, geheiratet) hatte das Buch "Forever Amber" bei sich herumliegen. Sie wohnte damals in der Hohenheimer Straße in Stuttgart und ich logierte eine Zeitlang dort bei ihr, um mir das Pendeln zwischen Waldenbuch, wo unsere Mutter wohnte (und ich auch) ... andere Geschichte. Da lag also das Buch. Warum ich angefangen habe darin zu lesen, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich aus Langeweile. Fernseher gabs ja keinen. Also las ich: THE SMALL ROOM was warm and moist.





























OK. Bis "moist". Zum Glück war das Englisch meiner Schwester auch noch nicht so firm, dass sie keine Fragen mehr hatte und deshalb lag ein "Dictionary English - German" auch so herum wie "Forever Amber". Also schlug ich "moist" nach. Heißt `feucht´, aber auch `dämpfig´ ... Und von da an ließ mich das Buch nicht mehr los. Es ist eine furchtbar kitschige Liebesgeschichte im Genre von "Vom Winde verweht", nur nicht so berühmt (wurde auch nicht verfilmt, denke ich) und ich verliebte mich in den Helden ... Na ja ...
Warum ich darauf komme? Zur Zeit lese ich




























und bin begeistert! Klar, ich bin "Harry Potter"-Fan, aber ich würde diesen Krimi auch lieben, wenn er nicht von J. K. Rowlings wäre, weil er wirklich witzig ist und nicht nur vordergründig spannend. Ja, OK, vorläufig ist er nicht wahnsinnig spannend, aber ich bin auch erst knapp hinter der Hälfte der 550 Seiten der Taschenbuchausgabe. 
"Amber" bringt es übrigens auf 652 Seiten und am Schluss steht: THE END




























Das erinnert mich an einen Aufsatz, den ich in der dritten Klasse schrieb. Das Thema war nicht sehr fordernd und ich bekam nur mit viel Mühe eine Seite im Schulheft zusammen und schrieb dann, um noch auf die nächste Seite zu kommen: Mehr weiß ich nicht, also ist dies DAS ENDE. Die Lehrerin meinte, man müsse das Offensichtliche nicht noch betonen und gab mir eine 6. Die hatte "Forever Amber" nicht gelesen!
Aber darum geht es gar nicht, sondern darum, dass sich die englische Sprache mir immer mehr entzieht. Ich lese diesen wunderbaren! Roman und stolpere immer wieder über Worte deren Bedeutung ich nicht kenne. Ich lese sie und frage mich nach ihrem Sinn, aber ich schlage nicht im Wörterbuch nach! Zugegeben, mein englischer Wortschatz ist nicht so groß wie der der Königin von England und ich habe auch vormals, als ich in den USA war, nicht jedes Wort gekannt, aber ich konnte es in den Kontext bringen und somit den Satz verstehen. Ich wäre ein miserabler Übersetzer gewesen! Jetzt aber wüsste ich gerne, was die Worte meinen. Es sind nicht viele und sie würden mir wahrscheinlich nicht unbedingt zu einem größeren Lesevergnügen helfen, aber ich denke daran, wie mich damals ein Wort wie "moist" zu anderen, ihm verwandten, führte, wie die die Sprache sich vor mir auftat als ein Wunder. 
So  habe ich Englisch gelernt ohne es zu wollen.
Ich wünsche mir die Neugier zurück und die Liebe zum Wort. 
Egal in welcher Sprache.



Dienstag, 21. Januar 2014

Manchmal denke ich,

dass nicht der Tod Gottes schlechteste Erfindung ist, sondern das Gewissen. Das Gewissen in Kombination mit der Erinnerung. Natürlich nur das schlechte Gewissen. Nachdem ich  das gedacht hatte, habe ich "Gewissen" gegoogelt, schließlich möchte ich wissen was das Gewissen ist, ehe ich darüber urteile. Wikipedia (ich habe neulich 50 Euro gespendet, also nutze ich es mit gutem Gewissen!) parenthisiert (gibt es dieses Wort im Deutschen? Wenn nicht, sollte man es einführen, es klingt so wissenschaftlich! Es bedeutet: in Klammern setzen, also so: (parenthisiert)) gleich am Anfang (lateinisch conscientia, wörtlich "Mit-Wissen/durch das Wissen") und bringt mich da gleich ins Schleudern. Conscientia? Ist das nicht die "Conscience" in der englischen Sprache und bedeutet das nicht eher "Bewusstsein"? Aber dann lese ich weiter (wird im Allgemeinen als eine besondere Instanz im menschlichen Bewusstsein angesehen) und bin jetzt völlig irritiert. Das ist der Nachteil am Zweisprachig sein, man betrachtet die Worte nicht nur aus einer Perspektive. 


Also bemühe ich meinen "Webster", der, an der Kofferwaage gewogen, ein Gewicht von 1.9 Kilo (4.2lb) hat (mein iPad Air wiegt gerade mal 478 Gramm und da ist alles Wissen der Welt drin!) obwohl mir schon eingefallen ist, dass man im Englischen ja auch zum Gewissen Conscience sagt und auch dort zwischen einer Good oder Bad Conscience unterscheidet. 
Aber ich recherchiere nun mal gern, also:



























Zerknirscht stelle ich fest, dass ich Conscience mit Conscious verwechselt habe. Na ja,  mein Englisch ist, nach ca. 50 Jahren! etwas eingerostet, da kann einem, im Eifer der rotierenden Gedanken, so ein Fehlerchen schon mal unterlaufen. Genau genommen müsste ich aber deswegen ein schlechtes Gewissenchen haben.
(Der "Webster" ist übrigens 5.5 cm dick, das iPad Air 7.5 mm dünn!)
Wie dem auch sein, zurück zum düsteren Anfang: Tod, Gewissen und Erinnerung. Ich bin der Meinung, dass ohne Erinnerung das Gewissen nicht funktionieren kann. Ist das wissenschaftlich untersucht und belegt? Oder ist das so offensichtlich, dass man keinen Gedanken daran verschwenden sollte? 
Eigentlich müsste ich jetzt wieder recherchieren, aber heute ist Kieser angesagt und ich bin schon spät dran. Also dann, bis später!










Donnerstag, 9. Januar 2014

Der Die Das


Blog. Korrektes Deutsch verlangt "das". Das Blog also. Laut Wikipedia ist aber auch "der" zulässig. Und nachdem ich "es" bisher immer als "ihn" gesehen habe, bleibe ich wahrscheinlich auch dabei. Es wäre mir nie aufgefallen, dass mein Blog etwas anderes als "er" sein könnte, ich habe es auch immer als ihn bezeichnet wenn ich ihnes (ginge ja auch) an Freunde/und/innen verlinkt habe. Dann kam in einer Mail von einer Freundin, (Deutsch)Lehrerin i. R., die unauffällige Anmerkung, dass sie es gar nicht glauben könne, dass es "das Blog" heiße. Es war nur ein kurzer Beisatz, zwischen zwei Kommas,  (Kommata) der diese Botschaft transportierte. Ich habe es sofort verstanden.
Nachdem mich Wikipedia in meiner Geschlechtswahl für Blog beruhigt und bestärkt hatte, wollte ich es auch von Duden wissen und siehe da: Übereinstimmung! Auch Duden hält beides, das und der, für korrekt. (Müsste ich in dem Fall "beides" groß schreiben? Müsste das eventuell "in diesem Fall heißen"? Die deutsche Sprache ist nicht schwierig, sie ist ein Abenteuer!) Jetzt weiß ich endlich, dass Blog die Kurzform von Weblog ist, eigentlich von World Wide Web Log. Also: wwwlog. Und Log ist selbstverständlich die Kurzform von log book, und hat nichts mit Lügen zu tun. Man könnte es also durchaus als "Internet Logbuch" (Inlo) bezeichnen. Wobei wir wieder bei "das" sind und "der" absolut falsch wäre … Der Genitiv von das Blog ist "des", also: "Wegen des Blogs mache ich mir viele Gedanken." Da gibt es bei Duden keinen Kompromiss von wegen "wegen dem Blog" ist auch nicht falsch. Übrigens erscheint das Wort Blog zum ersten Mal 2006 in der Duden Rechtschreibung. Ich erwähne das nur, weil Duden es für erwähnenswert hält.
Ob das "Log" absolut gar nichts mit "Lügen" zu tun hat sei dahingestellt. Ich loge weiter!
Neugierig wie ich bin, na ja, ehrlich gesagt, ich war mir nicht ganz sicher, ob es der oder das Genitiv (siehe oben) heißt und habe wieder Duden gegoogelt und siehe da, zwischen den Erklärungen tauchte diese, bescheidene, Anzeige auf.





























Hotel Deals in Istanbul? Aber Hallo! Woher weiß Duden, dass ich meinen nächsten Urlaub in Istanbul plane? Ach so, nicht Duden sondern Google. Alles klar, ich habe Hotels in Istanbul gegoogelt und BINGO! Da sage jemand, das Net wäre nicht hilfreich?
Nachdem die Katze aber jetzt aus dem Sack ist, werde ich selbstverständlich meine Recherche Istanbul betreffend hier öffentlich machen. Wer weiß, vielleicht liest ja ein Istanbuler … Istanbulaner? … dieses Blogs´ Seiten und lädt mich ein bei ihm zu wohnen? Es wäre nur für zwei/drei Wochen. (Verlängerung bei Gefallen nicht ausgeschlossen!)
Aber auch für gute Hotelvorschläge wäre ich dankbar! Preiswert, sauber, mit Frühstück und mit FITNESSRAUM! Freundliches Personal, (männlich bevorzugt aber kein absolutes Muss) … und natürlich möglichst in der Nähe aller Sehenswürdigkeiten: Topkapi Sarayi, Hagia Sophia, Blaue Moschee, Hippodrom, Galatabrücke … Und einige Hamams in nicht all zu großer Entfernung wären auch nicht schlecht!

Aber erst muss ich jetzt zum Kiesern. Wann erscheint dieses Wort endlich im Duden?!

Montag, 14. Oktober 2013

Ist Näher Weiter?


Je näher ich der Abreise komme, desto weiter entferne ich mich in meinen Erinnerungen. Als ich anfing den Roman `Abschied von Aschenbach´ zu realisieren, also, bevor ich etwas niederschrieb, erkundete ich den Hintergrund, auf den T. Mann seine Novelle `Tod in Venedig´ aufbaute.
Da war dieser mysteriöse `Fremde´ am Münchener Nördlichen Friedhof ...

Die "beiden apokalyptischen Tiere" gibt es nicht mehr ... vielmehr gab es, als ich dort war, nicht. Das Foto ist ja inzwischen auch schon 35 Jahre alt





"... als er, (Aschenbach) aus seinen Träumen zurückkehrend, im Portikus, oberhalb der beiden apokalyptischen Tiere, welche die Freitreppe bewachen, einen Mann bemerkte, dessen nicht ganz gewöhnliche Erscheinung ...
Ich nahm also eines Tages, obwohl es meinem Arbeitgeber ungelegen kam, weil die Auftragslage in der Druckerei, in der ich damals erst seit Kurzem arbeitete, und die sich in prekärer Finanzlage befand, zu derer  ... der Leser weiß was ich meine, T. Mann schrieb langatmig. 
Ich fuhr nach München zum Nordfriedhof. Ich suchte die Zeit und Atmosphäre des Autors T. Mann und fand nur eine fade Fassade und dahinter einen ganz gewöhnlichen Friedhof. Schon groß, aber inzwischen sind alle Friedhöfe größer geworden ... Ich erinnere mich nur noch an die in der linken, von innen gesehen, Vorhalle in Schräglage in ihren Särgen zur Schau gestellten Leichname, alles Männer in ihren Sonntagsanzügen, und an einen ungefähr zehnjährigen Buben, der aus den Gräberreihen gelaufen kam, einen nicht mehr ganz frischen Grabschmuck über seinem Kopf schwenkend, aus dem die roten Blütenblätter wie ein Strom von Blutstropfen hinter ihm zur Erde fielen. Ich war erschüttert. Na ja, ich wollte erschüttert sein, schließlich befand ich mich auf den, wenn auch nur literarischen, Spuren von T. Mann!
"Mäßig hoch gewachsen, mager, bartlos und auffallend stumpfnäsig, gehörte der Mann zum rothaarigen Typ und besaß dessen milchige und sommersprossige Haut."
Natürlich versuchte ich damals "etwas Ähnliches" zu sehen, quasi einen fremdländisch wirkenden Rothaarigen, der `den linken Unterarm in die Weiche stützte und in der Rechten einen Stock mit einer eisernen Spitze´ ... Aber da war nichts Derartiges, auch nichts andersartig Bemerkenswertes. Nur der Eingang zum Nordfriedhof und die Kälte, es war Oktober. Und die Straßenbahn, die ich zurück zum Bahnhof nahm. 
Trotzdem sammelte ich meinen literarischen Ehrgeiz um dies Wenige und fing an zu schreiben.


Der verwaiste Portikus ...
Mein Protagonist hieß Fridolin Asche, Schriftsteller mit zwar wenig, aber doch mit Erfolg. Zufällig war er gerade vierzig Jahre alt geworden, wie ich, und befand sich in einer Schreibkrise, ganz im Gegenteil zu mir. Ich schrieb in jeder freien Minute, kritzelte Gedanken oder Dialoge auf jedes sich bietende Papier, meistens waren es die unbedruckten Innentitel von Taschenbüchern, die ich zu Dutzenden im Monat las. Meistens Krimis. Krimis sind immer gut recherchiert, zeichnen präzise psychologische und soziale Umfelde, müssen logisch sein und sind nicht langweilig, wie das Meiste der `großen Literatur´. T. Mann nicht ausgenommen. Aber Stil, also Sprache, entwickelt sich ja mit der Zeit und man kann Bücher der Vergangenheit nicht mit denen der Gegenwart vergleichen. Sprachlich meine ich. Z. B.:
"Wohl möglich, dass (Damals schrieb man das dass noch mit ß, andere Wörter auch, aber ich beuge mich der neuen Rechtschreibung.) Aschenbach es bei seiner halb zerstreuten, halb inquisitiven Musterung des Fremden an Rücksicht hatte fehlen lassen; denn plötzlich ward er gewahr, dass jener seinen Blick erwiderte und zwar so kriegerisch, so gerade ins Auge hinein, so offenkundig gesonnen, die Sache aufs Äußerste zu treiben und den Blick des andern zum Abzug zu zwingen, dass Aschenbach, peinlich berührt, sich abwandte und einen Gang die Zäune entlang begann, mit dem beiläufigen Entschluss, des Menschen nicht weiter achtzuhaben. Er hatte ihn in der nächsten Minute vergessen."
Es ist durch Studien erwiesen, dass der Durchschnittsdeutsche heutzutage solche Sätze kaum lesen, geschweige denn verstehen kann. Ob das gut ist oder nicht und welche Bedeutung das für die Zukunft "Der Deutschen" hat, kann ich nicht beurteilen. Mir macht Schreiben Spaß, in nicht unbedingt einfachem Deutsch, aber in einer verständlichen Sprache. In diesem Sinne begann ich also meinen Roman zu schreiben, T. Mann als Vorbild und manchmal, wenn es mir angebracht schien, als Schablone. Ich komponierte Sätze mit mehr Kommas als Buchstaben! Zumindest kam es mir manchmal so vor.
Und das habe ich in den Papierkorb geschmissen! Es war bestimmt zum Totlachen!!!

PS. Inzwischen ist der Roman ja per Zufall wieder aufgetaucht. 
Der Prolog hebt folgendermaßen an:
Fridolin betrat den Aufzug des Campanile kurz vor den Schließen. ...

Samstag, 18. Mai 2013

Das siebente Kapitel handelt von Käsekuchen

Der von mir nicht benutzte Aufzug
Sprache dient der Verständigung, fraglos, aber ist Sprache immer verständlich? Zum Beispiel: siebente. Siebt das Kapitel? Ich weiß, dann würde man es mit d schreiben! Aber wer weiß das heutzutage noch? Rechtschreibung ist sowas von out, man glaubt es kaum. Dass es einen Unterschied zwischen dass und das gibt wissen nur noch ein paar Uraltdeutsche ... Aber darum geht es ja gar nicht in diesem Kapitel. Es geht um Sprache ganz allgemein, um das, was Menschen untereinander "verständlich" macht. In diesem Fall also um Türkisch.
"Merhaba." "Nasılsın?" "Iyim." Irgendwann hat der Türkeibesucher das drauf. "Hallo." "Wie gehts?" "Gut." Aber für ein Gespräch, eine Unterhaltung reicht das wohl kaum. Wenn man danach auf jedes Wort nur mit Schulterzucken reagieren kann, hätte man sich die drei Anfangshöflichkeiten auch sparen können. Oder? Gaukle ich meinem Gegenüber nicht vor, ich würde seine Sprache beherrschen, wenn ich ihn in ihr begrüße? Muss er sich nicht verarscht vorkommen, wenn sich herausstellt, dass (nicht das!) mein Wortschatz damit schon erschöpft ist? Ist es ein Zeichen von Höflichkeit, wenn ich mir ein paar Wörter aus der Sprache des Gastlandes aneigne, quasi um "guten Willen" zu signalisieren? Mir kommt es eher wie Betrug vor. Ich komme daher wie der Kaiser in seinen neuen Kleidern: stolz erhobenen Hauptes, aber, genau betrachtet, eben doch nackt.
Vielleicht ist es ja auch Bequemlichkeit, oder sogar eine Form von Faulheit, wenn ich statt "Merhaba" "Hallo" sage, oder Guten Tag, oder Hello, oder Hi ... Auswahl hat man ja genug und die Antwort beschränkt sich auch auf dieses Repertoire.
Bei "Nasılsın?" ist es schon ein bisschen diffiziler. Sicher, das Gegenüber versteht mich schon, auch wenn ich "Nasilsin" sage, die zwei stummen ı also auspreche, was allerdings bei Sprachpuristen, und Türken sind stolz auf ihre Sprache, nicht gut ankommt. Erst wenn man sich besser kennt, wird man dann über die Aussprache belehrt. Ich hatte da einen guten Lehrmeister in dem Kellner Ali Ö. (der beste Kellner der Welt, und inzwischen ein bester Freund!!) der beinahe verzweifelte, weil ich kein richtig rollendes rrrr zustande brachte in Wörtern, die man nun einmal mit rrrrrollendem R ausspricht, im Gegensatz zu anderen Worten, die mit einem flachen, sozusagen leichtfüßig daherschlurfenden r auskommen. Ich nehme an, dass es eine Fehlbildung meines Kehlkopfes, oder ein zu wenig gewölbter Gaumen ist, der die Schuld für dieses Versagen trägt. Abgesehen davon, oder eben deswegen, kann ich auch nicht pfeifen. Wenn ich die Lippen spitze, um durch umgeleitete, mit der Zunge geformte Luft melodische Töne zu produzieren, entweicht meinem Mund nur ein in Höhenlage und Lautstärke kaum variierendes fffffffffffffft. Ich kann damit leben. Lieber wäre es mir allerdings, wenn ich mein r so rollen könnte, dass mein Freund Ali nicht schmerzvoll sein Gesicht verziehen muss, wenn ich, zum Beispiel: "krmz renk"(da fehlen drei i ohne Punkt) sage. Das heißt übrigens rot.
Mit solchen Gedanken beschäftigt erreiche ich zu Fuß vom achten Stock in die große Halle gehend, eben diese. Dort wende ich mich nach rechts, durchschreite die Lobby der Sky Bar und erreiche die Patisserie, ehe ich mir überlegen kann, was Käsekuchen auf Türkisch wohl heißt. (Mein Übersetzungs-App auf dem iPad sagt Cheesecake. Aber Hallo, wo sind wir denn?!) Vor der Vitrine stehend, die mit süßen Köstlichkeiten so reichhaltig bestückt ist, dass mir so viel Wasser im Mund zusammen läuft, dass ich auf Tee verzichten kann, zeige ich einfach mit dem Finger auf das von mir Gewünschte. Ich bekomme anstandslos ein Stück ("Zwei" fragt der nette Mann hinter dem Tresen mit zwei gespreizten Fingern, der sich noch an mich vom November erinnert. Ich schüttle den Kopf in verneinender Gebärde.) Käsekuchen/Cheesecake. Na bitte, es geht auch ohne Sprache!
Käse heißt übrigens "Peynir" und Kuchen "Kek", wenn mich das iPad-App nicht verarscht. Somit würde Peynir Kek also Käsekuchen heißen. Aber wer weiß, was man im Türkischen unter dieser Wortkombination versteht? Leicht zu erlernen, das kann ich ohne Zögern behaupten, ist die türkische Sprache nicht!
PS. Inzwischen habe ich aus absolut sicherer Quelle, von Ali. G., erfahren, dass man zu Käsekuchen auf Türkisch "Peynirli pasta" sagt. ...
Vorausgesetzt man redet mit Käsekuchen ;-)

Die "Große Halle"