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Dienstag, 15. September 2015

Mehr Bilder aus der Wilhelma







































"Der König ist tot, es lebe sein Werk!" Ich bin zwar kein Royalist, aber auch kein Anhänger einer Feudalherrschaft des Kapitalismus, der die Monarchie nahtlos übernommen und noch perfektioniert hat. "Alle Macht den Großen" (dem Geld), die werden sie schon gerecht ihrer Auffassung verteilen. Sie bauen Stadien, wie einst in Rom. Vergessen ist die Zeit der hängenden Gärten der Sereamis, das Paradies ist endgültig verloren. In Stuttgart existiert ein lebendiges Modell dessen, was einst das Ideal der Schöpfung war. Jetzt muss ich aber auch gleich sagen, dass ich kein "Bibelfundamentalist" bin. Ich denke, dass Darwin richtig lag mit der Idee der Evolution. Wir "evolven" noch immer und zwar in Richtung "weit verbreitet, aber höchst gefährdet". Willkommen in der "Wilhelma Erde"!






































Ich besuche die Wilhelma gerne: nirgendwo sonst kann man besser Menschen in freier Wildbahn beobachten, in einer Umgebung die sie für natürlich und deshalb ihrer Natur für am angemessensten halten. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein." (Goethe) Kein Wunder schleppen Mütter ihre Kinder schon im Brustsaugalter hierher (kann man sehen, aber besser schnell wegsehen, sonst ist man ein Spanner!) Kinderwägen werden kolonnenweise durch die Gewächshäuser geschoben, als würden sich Klein- und Kleinstkinder für Orchideen, oder Kakteen interessieren.
Jetzt werde ich sicher als kinderfeindlich eingestuft. Aber in diesem Fall bin ich eher bewusst elternfeindlich. So lernt das Kind nichts als Langeweile! Was schlafende oder quängelnde Kinder zuhauf beweisen. Es kann nicht schaden, sich mit der eigenen Spezies intensiv zu befassen, bevor man einen Zoo besucht, um sein Kind mit der Natur zu konfrontieren.






































Das ist ein hoher Grundsatz! Wird er erfüllt? Wenn ich Kinder und Jugendliche beobachte, die auf einer jahrhundertalten Magnolie herumturnen, ohne zu bedenken, ohne überhaupt zu wissen, wie zerbrechlich eine Pflanze ist, dann zweifle ich an dieser Ideologie. In den Ferien wird die Wilhelma mehr und mehr zu einem "Freizeit und Abenteuerpark", der von den Eltern nicht mehr gesteuert wird. "Mein Kind darf alles!" ist die Devise. "Sie sollen es besser haben als wir." Ich kann das schon verstehen, nur: wie viel besser ist nötig um etwas zu zerstören? Und wie wenig Moral bedarf es um zu sagen: Ich muss ja nicht dafür bezahlen.






































Die Wilhelma ist ein Wunderland, ein kleines Paradies. Man sollte ihr den Respekt erweisen, den jeder Mensch für sich reklamiert.
Wenn ich auf meinen Rundgängen in die Augen der Tiere sehe, die mir begegnen, und denen ich bewusst in die Augen schaue, dann sehe ich Zweifel und manchmal Hoffnung, aber meistens völliges Missverständnis, als würden sie sagen: Du gehörst nicht zu uns.
Das Paradies ist sehr, sehr fern.


Dienstag, 28. April 2015

Zwei Schwäbische "G'schichtlâ" für Liebhaber der Sprache


Als ich mir heute Gedanken über die Sonderbuchstaben im schwäbischen Alphabet gemacht hatte, geriet ich in Nostalgie und mir fiel eine Geschichte aus meiner Kindheit ein. 
Wir waren aus Stuttgart nach Waldenbuch evakuiert worden, wo wir im "Gasthof Post" mehr oder weniger beengt notuntergebracht waren. Als der Krieg vorbei war, siedelte man uns in die Liebenau, einen Vorort von Waldenbuch, um. Es gab dort nur eineinhalb Dutzend Häuser und Villen und alle wurden von pensionierten Lehrerinnen, Studienräten, Fabrikanten und evangelischen Pfarrern mit unverheirateten Töchtern komfortabel bewohnt. In einer Villa lebte sogar ein wahrhaftiger Dichter, H. H. Ehrler! Eines seiner Gedichte, ein gnädig kurzes, es heißt "Heimat", stand sogar im Lesebuch der 8. Klasse! Es hieß damals, dass das nur vorübergehend sei, dass man später wieder nach Stuttgart übersiedeln könne ... 
In der Villa des Fabrikanten O. Sch. wohnte eine wohlhabende Familie, die es aus Norddeutschland dorthin verschlagen hatte. Sie hatte mehrere Kinder. (Jürgen war so alt wie ich und wir besuchten  zusammen die Schule, bis die Familie nach Norddeutschland zurückkehrte.) Das jüngste war ein Mädchen, vier Jahre alt, das von allen nur "Puppchen" genannt wurde. Ich glaube ich habe ihren Namen nie erfahren. 
Für dieses Kind hatte die Familie ein "Kindermädchen" aus einer ureingesessenen Waldenbucher Bauernfamilie rekrutiert. Bis zum Krieg war Waldenbuch ein verschlafenes Nest und Hochdeutsch galt dort allgemein, bis auf ein paar "vornehme" Familien, als Fremdsprache. Natürlich wurde in Puppchens Kreisen nur Hochdeutsch gesprochen. Um so faszinierter war das Mädchen von der exotischen, unverständlichen Ausdrucksweise ihrer ständigen Begleiterin, die Eltern waren meistens irgendwo unterwegs.
Abends ging Hilde, nennen wir sie einfach so, immer nach Hause. Sie hatte keine Kammer in der Villa, sehr zu Puppchen's Kummer. Und so bettelte das Kind immer, dass Hilde sie doch mit zu sich nehmen solle. 
Eines Tages wurde Hilde sehr ernst und sagte zu dem Kind, in dem was sie für reinstes Hochdeutsch hielt, jedes Wort deutlich ausgesprochen: "Aber des g°aht doch ned. Was däte da Deine Muader sagen? Die däte heulen und fragen: Ja, wo ischt aber au mai Puppchen °ahne!"
Zufällig hörte die "Muader" diese Ermahnung, erzählte sie, köstlich amüsiert, am nächsten Tag dem Oberstudienrat i. R., Herr R., ihr nächster Nachbar, dieser trug die Geschichte weiter an seine Hausdame, Frau Sch. ... und irgendwann erzählte man sie meiner Mutter und so bekam auch ich sie zu hören. Ich hatte keine Ahnung warum alle darüber lachten, aber ich habe sie nie vergessen!
Zurück in die Gegenwart. Erst kürzlich erzählte mir ein Nachbar, der einen fünfjährigen Enkel hat, dass dieser ihn fragte: "Opa, was isch eigentlich an Enertscheißer genau?"
Der Opa war perplex. "Ha Buâ, was isch denn des fir a Wort, des kenn i j°a gar ned. Wo h°asch denn des her?"
"Vom Fernsähr, von dr Werbông, wenn se saget dass die oine Badderiâ besser send als die andere, nô saget se emmer Enertscheißer dazuâ."
Jetzt wusste Opa zwar Bescheid, aber wie erklärt man einem 5jährigen das Wort "Energizer"? Er versuchte es erst gar nicht und sagte: "Woisch Kend, des isch Englisch fir Hosâscheißer, des brau'sch dr ned mergâ."
`Hoffentlich merkt er es sich nicht und prahlt mit seinen Englischkenntnissen im Kindergarten.´ dachte ich.

Samstag, 11. April 2015

Abend am Elly Heuss-Knapp Brunnen im Park der Karlshöhe































Still ist es nun.
Mütter nahmen das Lärmen
an schmutzigen kleinen Händchen mit.
Zurück bleibt Vogelruf und leiser Schritt,
Sonnenstrahlen die wärmen
und Dinge die ruhn.





















Wasser zittert in Schalen, 
obwohl die Brunnen jetzt schweigen,
als wäre der Wind aus Versehen,
beim letzten Darübergehen,
oder darüber neigen,
in das Becken gefallen.

Stumme bronzene Frauen, 
ein offenes Buch in der Hand,
das sie gemeinsam studieren
und das schwindende Licht absorbieren,
sitzen lächelnd am Brunnenrand
ohne hinein zu schauen.





















Nacht wird es nun.
Der Wind hat sich losgerungen,
unter den Bäumen weht er kalt.
Die leisen Schritte sind verhallt,
der Vogelruf ist auch verklungen ...
Alle ruhn.

























gelang 1967


Mittwoch, 25. Februar 2015

Für Kinder die auf den Frühling warten - Ein Gedicht



























So grimmig ist der Winter nur,
wenn er den Frühling spürt
und durch den Vogelruf erfuhr,
dass er die Herrschaft nicht mehr lange führt.

Dann drückt er sich den Wind aufs Haupt
und führt den Frost als Schwert,
weil er, wie andere Tyrannen, glaubt,
dass nur Gewalt am längsten währt.

Doch in der Hitze des Gefechts
schmilzt fort des Hasses kalter Hauch,
und blühend meldet sich der Sieg des Rechts
an jedem kahlen Baum und Strauch.



Ist also dieser Winter noch
vorübergehend sehr gemein,
so singt die erste Amsel doch
und süß wird ihre Stimme sein. 

Muss Dir das Herz nicht freier schlagen,
wenn Du beim Anblick dieses Eises denkst,
dass Pflaumenbäume bald schon Blüten tragen,
und Du Zitronenfalter fängst!





Zitronenfalter sind die einzigen Schmetterlinge die in unseren Breiten überwintern. Deshalb sind sie die ersten die man im Frühling sieht.

gelang 1975 


Samstag, 15. November 2014

Schwarze Schmetterlinge


Wie kalt empfundener Wind
wehen sie den Serpentinenpfad entlang,
acht Menschen, Hand in Hand,
Kinderstimmen in unartikuliertem Gesang.

"Aus der Anstalt da oben." sagt jemand.

"Zurückgebliebene." ein Zweiter.

"Idioten." 
und dann: 
"Das gehört verboten!
Wer weiß ob die nicht gefährlich sind?"

Auch sie wissen es nicht,
sie lachen und singen
und flattern vorbei mit unschuldigem Gesicht:
Ein Schwarm von schwarzen Schmetterlingen.