Wenn sie so dasitzt, die Hände ruhig im Schoß,
vergilbt wie Pergament und auch so rar,
und lächelnd im Erinnern blättert,
das eine klein, das andere gespenstisch groß,
so nahe ist es noch und wahr,
dann kämpft die Zeit in ihren Zügen
um jedes Fältchen, das sich plötzlich glättet
und schilt das Glänzen ihrer Augen dumm,
aus Angst sie könnte fliehen und es trügen
Vergangenheiten sie davon um sie zu retten
vor Jahren die meist sinnleer sind und stumm.
Doch wenn sie lächelt, und sie tut es oft,
ahnt man wie schön sie einmal war,
nicht graziös und nicht mit aufgesetzten Dingen,
groß nur und schlank und weiß
mit blauen, grünen, violetten Schatten
an den Schläfen ... und mit schwarzem Haar.
Es fällt mir schwer, sie so zu schildern,
dass es ihr auch gerecht würde in jenen Tagen,
die spurlos schienen, doch nicht an ihr vorüber gingen ...
Kostbar war sie, wie kombiniert aus Bildern:
von Cezanne, Signac, Manet, Renoir!
Sie lächelt wieder, langsam, lange, leicht
und um sie spielt ein klarer Schimmer,
dem ich verfalle, als strahle sie Vergangenheiten aus.
Sie schaut in ihre Hände ... Auf die Uhr ...
(So endlos war der Tag schon lang nicht mehr)
Sie sitzt und sinnt und wartet nur,
dass jemand eine Hand ihr reicht
und sie hinaus führt in ein and'res Zimmer ...
Ach! Ohne sie ist dieses hier so leer
und Dunkel im ganzen Haus!
gelang 1964


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