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Freitag, 16. Juni 2017

Meine Zeit




Du bist der Wind der sich im Mohnfeld wiegt,
Du bist der Sturm der jede Welle bricht.
Du bist der Schatten der im Laubwald liegt
und außerdem bist Du das Licht.

Du bist Sekunde mir und Stundenschlag,
die Nacht genauso wie mein Tag.
Und sterben einst die Sterne aus der Ewigkeit,
bin ich bei Dir, denn Du bist meine Zeit! 



























Jakob gelang, 16. Juni 2017 (Für H. M.)

Montag, 6. Februar 2017

Verlier keine Zeit


Du hast ein Ziel?
Verlier keine Zeit
auf dem Weg dorthin;
der ist vielleicht weit
und Zeit ist nicht viel
auf dem Weg wohin?
...
Verlier keine Zeit!


gelang 2017
 

Montag, 18. Januar 2016

LERNEN


Trete zurück und sieh:

Du bist als Mensch aus aller Zeit entfernt.

Und wärst Du selbst zehntausend Jahre alt und mehr,
Du hättest nichts dazugelernt.

Das Lernen fällt unendlich schwer!

Du lernst es nie!!!

gelang 2016

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Einfaches Gebet der Menschheit




Gib mir mehr Zeit, damit ich lernen kann.
Gib mir die vielen Erdenjahre
die sie schon lebt und dann
gib mir die Hoffnung dass ich sie bewahre!





























gelang 2015




















Dienstag, 29. September 2015

Uhrenrätsel


Uhren sind "zeitlos" weil Zeit ein theoretischer Begriff ist, weil Zeit nur für Menschen existiert und von Menschen quasi "erfunden" wurde. Um "die" Zeit zu zähmen, ihr Form, Inhalt und eine Konsistenz zu geben, war der Mensch gezwungen Zeitmesser zu erfinden. Was der Mensch nicht messen kann treibt ihn in den Wahnsinn.
Wie lange gibt es Zeitmessgeräte? Die Babylonier erfanden den 24 Stunden Tag und die 7 Tage Woche. Aber das heißt nicht, dass sie die Zeit erfanden, nur dass sie sich intensiv mit ihr beschäftigten.
Hatte der Steinzeitmensch kein Zeitgefühl? Stonehenge spricht dagegen. Das ist wahrscheinlich "nur" eine Jahresuhr, aber warum sollte der Höhlenmensch nicht auch schon mit einem Arrangement von Steinen und Holzstäbchen den Lauf der Stunden gemessen haben? Seine "Uhren" sind auf jeden Fall verloren in der Zeit.
Uhren zerstören Zeit, das ist ihre Aufgabe!
Zeitmesser wurden erfunden, gleichgültig wann, um den Menschen die Vergänglichkeit deutlich vor Augen zu führen. Und deshalb wurden sie im Lauf der Zeit immer schöner. Das ist Vergangenheit. Heutzutage sind sie nur noch präziser, als wollte man wissen wie lang das Leben ist, indem man es in Mikrosekunden aufteilt.
Sei's drum: am Inhalt der Zeit ändert sich nichts, höchstens an ihrer Wahrnehmung durch das Auge. Und damit komme ich zu meinem Thema. (Hat ja lange genug gedauert, zeitlich gesehen.)
Sonntags ist bei mir immer "Uhrenaufziehtag". (Das habe ich von meinem Freund P. übernommen. Es ist logisch, weil man sonntags Zeit hat. Am besten geeignet ist die Zeit zwischen Viertel vor und Viertel nach 10, weil da die Zeiger nicht in Konflikt mit den Schlüsselöffnungen kommen, speziell bei Uhren mit "Westminsterschlag". Das nur als Tip für Neueinsteiger.) Zwölf Uhr geht natürlich auch. Das gilt für Uhren mit 7-Tage Laufwerken.



Wer sich mit Uhren beschäftig, vielleicht sogar sammelt, fragt sich schon manchmal, wie alt die eine oder andere ist. Im Fall einer meiner Standuhren wurde ich ja durch die Entdeckung von alten Zeitungsfragmenten in den Gewichten fündig. Das habe ich in einem anderen Kapitel eingehend geschildert. (Geheimnisse einer Uhr)
Manche Uhren, meist die sehr alten, entziehen sich dem Sonntagsrhytmus, weil ihre Laufwerke nicht für lange Zeiträume gefertigt wurden. Manche schaffen, wegen der Länge der Feder, nur zwei, höchstens drei Tage. Und dazu gehört die ganz oben abgebildete.
Ich habe sie auf dem Flohmarkt gefunden und eigentlich ist sie ja nicht gut erhalten, siehe das Zifferblatt, dem man ansieht, dass schon viele Hände beim Aufziehen darüberscheuerten.



Nun habe ich ja die Angewohnheit mit den Dingen zu reden, mit denen ich mich gerade beschäftige und so fragte ich die oben abgebildete Uhr beim Aufziehen heute am Morgen: "Wie alt bist Du eigentlich?" Sie sagte gar nichts, zeigte mir aber dieses, das mir vorher nie aufgefallen war:

Ehrlich gesagt kann ich damit nichts anfangen. Die ersten drei(?) Zeichen?: ein A ... und dann? 
FEB. 11. 1879? Was für eine Verarsche ist das denn? dachte ich. 1879? Da lebte zwar mein Großvater mütterlicherseits noch, aber das ist trotzdem schon verdammt lang her! Ich wikipediate also mal den Jahrgang 1879:


























Viele Informationen, auch ganz interessante, zum Beispiel wurde in dem Jahr das erste Deutsche Nahrungsmittelgesetz erlassen. Welches Nahrungsmittel betroffen war, steht allerdings nicht dabei. Wenn man es wissen möchte, kann man sich weiterverlinken. (Ach! I <3 die neue deutsche Sprache!!! Das <3 bedeutet ein Herz=Liebe!)
Mit meiner Uhr konnte ich nichts in Verbindung bringen. Beim 9. Mai stutzte ich kurz, da stand etwas mit Ur, war dann aber ...ologisch gemeint.
Ich liebe Rätsel, hoffe aber immer die Lösung zu finden. Also sah ich mir die Uhr noch einmal genauer an. Das Glas war ja dekoriert, aber sicher nicht handbemalt. Trotzdem nicht ganz hässlich. Siehe unten:





Aber das waren ja wieder nur neue Fragen. Kann mir das Pendel etwas verraten? fragte ich mich. Es ist ja nicht gerade "herkömmlich". Wobei ich sagen muss, dass es sich sehr penibel regulieren lässt und diese Uhr eine meiner genauestgehenden ist!





























Bleibt nur noch der Schlüssel, dachte ich. Der ist durch so viele Hände gegangen, der kann doch etwas erzählen. Ich habe ihn auch intensivste befragt, aber die Spuren sind zu sehr verwischt. Da klebt zwar der Schweiß, Rotz und sonstwas von wer weiß wie vielen Generationen dran, aber die kleinen Punzen bewahren ihr Geheimnis. Siehe unten:























































































Wie alt ist also diese Uhr? Wo wurde sie hergestellt? Das Datum FEB. 11. 1879 deute auf Amerika oder England, weil man dort das Datum so angibt. Fragen über Fragen. Werden sie je eine Antwort finden? (An dieser Stelle schalte ich bei TV Dokus immer frustriert ab. Was für eine Zeitverschwendung! denke ich dann.)
"Time waits for nobody", also dann: Gute Zeit.












Freitag, 17. Juli 2015

Zeit



















Wir sind gefangen in der Zeit, 
alle gemeinsam,
und wer alleine dagegen schreit,
bleibt ewig einsam.

Die Zeit gibt keinen frei,

es sei, 
er würde sie verlassen. ...
Weshalb wir sie hassen!




gelang 2015

Dienstag, 30. Juni 2015

Zeit ertragen


Schon ruft die Nachtigall ihr wirres Lied hinaus
in eine Stunde die den Grillen vorbehalten war,
Venus steigt auf am Himmel, hell und klar
und neuer Tag senkt sich herab aufs Haus.

Ein Tag der niemals wiederkehrt,
einer der keine Reue kennt,
der nur ein Datum für Dich nennt,
ein Tag den Du niemals begehrt.

So kommen sie und gehen, alle Tage!
Du siehst sie ohne sie zu sehn.
Und keiner bleibt je für Dich stehn.
Ertrage sie! Doch ohne Klage.

gelang 2015

Mittwoch, 24. Juni 2015

Uhr



























Du hast so viel Gelegenheit die Zeit zu kontrollieren,
den Lauf des Gehens Deines Lebens zu bestaunen;
und doch obliegt es Deinen Launen
Zeit zu gewinnen oder zu verlieren.

Du hast die Uhr dafür geschaffen,
die Deine Zeit in kleine Teile schneidet,
und trotzdem dient sie jedem Affen,
dass er sie dann mit Dir auch teilet!

Teilen heißt haben, aber hast Du Zeit?
Sie ist nie das was Du Dir denkst.
Sie ist nur das was Du ihr schenkst.
Bist Du für diese Uhr bereit?

gelang 2015

Samstag, 20. Juni 2015

Ewiger Widerstand









Ich frage Dich: "Wirst Du auf ewig bei mir sein?"
Ich sage Dir: "Und wärst Du Zeit, ich sagte trotzdem: Nein!"

Dienstag, 9. Juni 2015

Sommer - Ein Gedicht















Siehst Du die Zeit?
...

Klatschmohn und Kamille:
Farbe und Duft getrennt vereint;
Harmonie ohne Wille
und ein Moment der Stille, 
während die Sonne scheint.
...
Der Himmel ist blau und weit!
Bist Du bereit?

gelang 2015

Freitag, 15. Mai 2015

Zeitvergessen - Ein Gedicht von gelang


Schon gibt es Kirschen hier im Laden an der Ecke,
und alle Rosenfarben duften auf in jeder Dornenhecke;
zwar ist der `holde Mai´ erst halb gelaufen,
da kann man überall den Sommer kaufen!


Die Amseln füttern ihre junge Brut,
und meine Nachbarin trägt einen neuen Hut,
der sie viel jünger macht, als sie tatsächlich ist,
weil sie mit ihm, so wie das Jahr, die wahre Zeit vergisst!





























gelang 2015





Freitag, 20. Februar 2015

Das Buch des Lebens schreibt die Liebe - Eine Elegie


Aus einer Zeit die Dich nicht kennt ward ich geboren
und brachte alles Fremde mit in Deine Welt und meine:
den Körper, dieses schwere Buch aus brüchigem Papier,
in dem Du lesen sollst als wäre alles hingeschrieben
für Dich, und auch von Dir. ... 
Nur eine Abschrift tut sich vor Dir auf. 
Und das Verstehen bleibt mir überlassen.

Die Zeit aus der Du kommst hatte mich schon beschrieben,
und staunend lese ich, dass Jahre meines Lebens in Dir sind.
Die Schrift war nie so klar, der Sinn mir so enträtselt,
wie es, in Deinem Sein, sich mir erschließt: Du bist -
und alles was in mir enthalten ist, war längst in mir ...
die Abschrift vieler Jahre ...
und wir verstehen beide was geschrieben steht.

Wir leben eingeschlossen in den Augenblick der Worte,
und unser beider Körper schreibt und liest und wird gelesen:
Erst im Vergleich wird Wort für Wort gedeutet und ergänzt.
Die ersten Bilder werden nun zu Schrift gewandelt,
Schrift wird zu Maß und Maß wird Zeit. 
Die Zeit verstehen heißt das Buch zu schließen.
Und aus dem stummen Wort wird endlich Sprache!


gelang 1974 (für Walter)




Sonntag, 8. Februar 2015

Uhren aufziehen




















Dazu bedarf es eines Schlüssels. Und wenn man viele Uhren hat, braucht man auch viele Schlüssel, weil "Norm" den Uhrenbauern wohl ein Fremdwort war. Sie kreierten Individuen, nicht Lebewesen, aber lebendige Dinge. Und jedes individuelle Ding braucht einen persönlichen Zugang. Den Schlüssel.
Ich werde hier keine Geschichte der Uhren schreiben, dazu weiß ich viel zu wenig über sie. Aber werde versuchen zu schildern, was ich beim Aufziehen der Uhrwerke empfinde. Wenn ich eine Uhr aufziehe, ihr also wieder die Frist gebe, die sie braucht um mir die Zeit zu zeigen, dann gebe ich auch mir wieder eine Frist und zeige mir die Zeit. Es ist, genau betrachtet, ein philosophischer Austausch zwischen mir und einem Ding.


Uhren sind schöne Dinge. Zumindest waren sie es, als man die Zeit noch lebte, nicht maß. Zeit leben ist Ewigkeit, Zeit messen ist Tod. Das ist meine Meinung.
Der Mensch schuf die Uhr, (Sanduhren, Wasseruhren) nachdem er ZEIT als Phänomen erkannt hatte, um das Erlebte zuordnen zu können, nicht um es zu zerstückeln. Er betrachtete Zeit als eine Spirale, nicht als Kreis. 
Unsere Uhren sind ein Misskonstrukt, ein Versuch die Zeit zu "bändigen", sie zu fesseln. Aber ihre Schönheit entschuldigt diese Diskrepanz. Als Ästhet kann der Mensch die Zeit nur als "schön" empfinden, sonst wäre sie unertragbar. 
Jede Zeit erschafft sich ihre Uhren. Die Vergangenheit zeigte noch ihren ewigen U(h)rsprung, die Gegenwart erkennt noch ihre minimalisierte Existenz. Wie sieht die Uhr der Zukunft aus? Einen Zeiger der permanent auf Null steht ... Steigerung ist nur möglich wo Zeit nicht existiert! Das ist meine Meinung.
Manche meiner Uhren haben sogenannte 8-Tage-Werke, das heißt, dass die, mit einmal Aufziehen, acht Tage lang laufen. Danach bleiben sie nicht stehen, sie geben mir noch eine Chance, sie weiterhin am Laufen zu halten ... Manchmal denke ich, wenn ich sie aufziehe, dass Gott am achten Tag den Tod erschuf und dass alles danach nur eine Frage der Zeit ist.


Eine Anekdote am Rande: Einmal fuhr ich in der Straßenbahn von Stuttgart Süd nach Stuttgart Vaihingen. Die Bahn war voll, es war Rush-hour. Mir gegenüber saß ein Mann, sichtbar mit Migrationshintergrund, (ich erkannte ihn sofort als Italiener, wobei ich Italiener eher nicht als Migranten, sondern als uns besuchende Nachbarn betrachte. Das ist meine Meinung.) der ein Paket auf den Knien balancierte. Ich betrachtete beiläufig das Paket und als ich meinen Blick hob, sah ich, dass der Mann mich dabei beobachtete. Ich lächelte und er sagte: "Ist Hure. Hure für Wand." Ich wusste sofort was er meinte.


"Hure für Wand" z. B.


Samstag, 10. Januar 2015

Nur einmal angenommen


es gäbe die Zeit nicht, wo wären dann wir?

Zeit ist das Einzige das uns in diese Welt projiziert und darin bindet!

Sollten wir nicht sie "Gott" nennen? 

Ist nicht sie es, die uns "Ihn" erkennen ließ?

Sie ist Anfang und Ende unseres und, wie wir denken, allen Lebens.

Heilige Zeit!

Sie kommt nicht und sie geht nicht: Sie ist.

Im Gegensatz zu mir: Ich bin. Sonst nichts.


Möge mir Gott gnädig sein. 

Die Zeit kann es nicht!

gelang 2015

Mittwoch, 7. Januar 2015

Der Mann im Rollstuhl lebt!


Kein Zweifel. Ich habe ihn wieder gesehen. Und das ohne irgendwelche akustische oder visuelle Nebenwirkungen. Er rollte von rechts an den Tisch in der Bahnhofshalle heran, an dem ich immer sitze, und hielt einen Zettel in der Hand, den ich offensichtlich lesen sollte. Natürlich war ich so überwältigt davon, ihn wieder zu sehen, dass ich das Gedruckte nur peripher wahrnahm. "Vom Fels abgestürzt" oder so ähnlich, und dass ihn seine Mutter unterstütz ... Ich konnte es wirklich nicht lesen, ich sah nur ihn.
Und er war genau wie beim ersten Mal, nur diesmal viel jünger. Er wirkte gepflegt, nicht so sich in Auflösung befindlich wie damals. Wobei "damals" hier eine andere Dimension annimmt. Ist Gestern Damals? Ist Zeit überhaupt noch existent in einer solchen Situation?
Er hielt also diesen Zettel in einer Klarsichthülle in der Hand. Es war die Fotokopie eines Artikels aus den STUTTGARTER NACHRICHTEN, wenn mich nicht alles täuscht, der über den Kletterunfall eines jungen Menschen berichtet. ... Erst hier fiel mir auf, dass dieser Mensch im Rollstuhl tatsächlich noch jung ist! Was dieser Unfall ihn gekostet hat, war offensichtlich. Beinahe bewegungslos, zusammengekrümmt, die Hände als hilflose Greifwerkzeuge im Schoß, nur das rechte Bein in der Lage, ihn im Rollstuhl Zentimeter um Zentimeter fortzubewegen. Und aus dem Mundwinkel rinnt unkontrollierbar der Speichelfaden, der vorn einen großen Tropfen bildet.
Ich konnte es nicht fassen! Hier war er wirklich wieder: Der Mann, den ich schon als Hirngespinst abgetan und einem Alptraum zugeordnet habe. Er hatte nicht Parkinson, wie ich bei der ersten Begegnung angenommen hatte, sonder war schwerst gelähmt, sogar in der Sprache.
Er bettelte.
Ich gebe zu, dass mir der Atem stockte. Kann das sein? dachte ich.
Ich gab ihm den Zettel zurück und dazu 10 Euro.
"Wir kennen uns." sagte ich. "Ich habe ihnen schon einmal in die Straßenbahn geholfen."
Ich kann es kaum beschreiben, dass ich in diesem Augenblick ein unvorstellbares Glücksgefühl hatte, aber es ist so! Ich war glücklich über dieses Zusammentreffen, über diese Gemeinsamkeit die wir teilten. Allerdings ohne sein Wissen. Er konnte sich nicht erinnern, lächelte aber so weit ihm das möglich war und nach ein paar weiteren Worten, an die ich mich nicht erinnere, rollte er an den Nebentisch. Hier das Bild.


Der Mann dort las den Zettel zwar interessiert, gab ihn dann aber wortlos zurück. Ich schob ihm noch 5 Euro zu, damit er sie geben könnte, aber er lallte nur: "Gibsihmdochselber."
Ich tat es. Der Mann im Rollstuhl registrierte das alles als wäre es eine Geschichte die um ihn herum geschieht, ihn aber nicht betrifft.
Er rollte weiter, sich zentimeterweise mit dem rechten Fuß anschiebend.
Was ist Mitleid?
Meines ging jetzt so tief, dass ich mich selber im Rollstuhl sitzend sah.
Dann bemerkte ich, dass der Schnürsenkel am linken Schuh nicht gebunden war, sondern auf dem Boden schleifte und immer in Gefahr geriet, sich im kleinen Vorderrad zu verfangen. Ich hielt den Mann im Rollstuhl also auf und sagte ihm, dass ich seinen Schnürsenkel binden wolle. Er war erfreut und ich kniete vor ihm nieder und band eine Schleife in sein Schuhband.
Gestern war Epiphanie.
Ich bin kein "religiöser" Mensch, ich hasse Religion, sie trennt die Menschen von Gott, aber in diesem Augenblick der Demut spürte ich die Liebe Gottes auf uns, was immer das bedeuten mag.
Ich folgte ihm dann noch, immer im Hintergrund, eine gute Stunde auf seinem mühsamen Weg durch die Bahnhofshalle.
Die meisten Menschen ignorierten ihn einfach.
Andere wandten sich angewidert ab. Der Speichelfaden aus dem Mundwinkel war wohl Schuld daran.
Niemand gab ihm etwas!




























Niemand interessierte sich dafür, was auf dem Zettel stand. Dabei konnte man dort lesen, dass er sich seit seinem Unfall ständig darum bemüht, wenigstens einige Beweglichkeit wieder zu erlangen (deshalb hatte er die Hilfe bei der ersten Begegnung abgelehnt). Aber das kostet Geld und Geld gibt es in unserer Gesellschaft nur für das, was wieder Geld bringt.
Armer Mann!



























Ich konnte später noch ein bisschen mit ihm sprechen. Die Therapie muss er selbst bezahlen und die ist teuer. Seine Mutter unterstützt ihn so weit es ihr möglich ist. Er glaubt fest daran, dass er wieder "normal" werden kann. 
"Aber das braucht Zeit." sagte er. 
Ich glaube, er wiederholte, was man ihm täglich vorlügt.
"Zeit ist nur ein Teil der Ewigkeit und die ist ja immer bei uns." sagte ich.
Danach sah er unglücklich aus.
Es tut mir leid!
Ich hoffe dass ich ihn bald wieder sehe!!!





























Dienstag, 7. Oktober 2014

Wie erlebe ICH Zeit


Das ist nicht als individuelle Frage gedacht sondern als eine Überschrift, die ich als Ouverture verstanden wissen möchte, als eine Eröffnung, die schon in sich jedem Leser seine eigenen Antworten anbietet. Und schon in diesem kaum messbaren Augenblick, in dem sich die Antworten dem Bewusstsein aufdrängen, ohne formuliert zu werden, erlebt man Zeit. So einfach ist das. Und so schnell vergeht sie. 
Im Zeitalter der absoluten Messbarkeit des Vergänglichen, wo Millisekunden eine Zahl mit sieben Nullen im Vorfeld sind, ist es nicht mehr selbstverständlich über Zeit nach-zu-denken, deren Schwinden so offensichtlich dargestellt werden kann. Zeit sichtbar machen ist vergleichbar mit dem sichtbar machen eines Geruchs. Das aber ist vorläufig noch nicht möglich. Dass beide in ihrer Flüchtigkeit vergleichbar sind steht aber außer Frage.
Wie erlebe ich Zeit? Diese konkrete Frage stellte ich mir heute nachdem ich die neue Waschmaschine mit vier Kilo Wäsche beladen und sie eingeschaltet hatte. (Woher weiß ich, dass es vier Kilo sind? Ich entnahm die Wäsche dem Wäschekorb und stellte mich damit, nackt, auf die Waage, auf der ich ohne Wäsche 75,1 Kilo, mit Wäsche 79,1 Kilo wog. Warum wollte ich das wissen? Weil ich ihr Gewicht auf ca. 6 Kilo schätzte, was die Waschmaschine überlastet hätte. Gewicht schätzen ist nicht meine Stärke.) Weil die Wäsche, obwohl locker eingelegt, die Trommel ziemlich kompakt ausfüllte, zumindest für mein Dafürhalten (gibt es das Wort noch?), fragte ich mich, ob das Wasser ausreichen würde um sie überhaupt zu durchfeuchten, geschweige denn zu waschen. Also beobachtete ich den Wasserzulauf des Vorwaschgangs, der etappenweise stattfand. Beim Einschalten der Maschine sah ich, dass die Gesamtwaschzeit 1, 47 Stunden dauern würde. Als mein Blick wieder auf die Digitale Zeitanzeige fiel, sah ich, dass vier Minuten vergangen waren. Vier Minuten! Wohin? Was hatte ich in dieser Zeitspanne getan? Ich hatte nur, ohne irgend einen meiner fünf Sinne bewusst zu betätigen, darauf gewartet, dass Wasser in die Wäschetrommel zulief. Ich war bestürzt! In diesen vier Minuten waren Menschen in Syrien und in der Ukraine sinnlosen Kriegen zum Opfer gefallen, andere an Ebola und Marburg-Fieber gestorben. In Japan wüten verheerende Stürme, Hochwasser und Erdrutsche reißen Menschen in den Tod. Die Reiter der Apokalypse reiten über den Erdball! Und ich? Ich stellte mir die Frage, wie ich Zeit erlebe.
Der Zeit sind viele Eigenschaften zugeordnet von zeitlos bis zeitraubend. Verlorene Zeit, vertane Zeit, höchste Zeit (hat das etwas mit Hochzeit zu tun?), ach-du-liebe-Zeit, gute-alte-Zeit, Neuzeit usw. Und als wäre sie nicht aufgeteilt genug, gibt es auch noch die vier Jahreszeiten. Die habe ich in einer Collage so dargestellt:


Zeit darzustellen ist eine Aufgabe der Uhren. Uhren herzustellen, die dies auf eine schöne Art präsentieren, war ein Bestreben der Vergangenheit. Dem flüchtigen Moment ein beständiges Gehäuse geben. Die Zeit behutsam behandeln. Die Zeit sehen. Zeit erleben. ...



Sorry, die Waschzeit ist abgelaufen. Eine Stunde und siebenundvierzig Minuten. Es ist zwölf Uhr mittags. Mahlzeit!

Sonntag, 21. September 2014

Gezeiten - Ebbe




Ebbe


Die letzte schwere Welle fällt,
noch einmal rauscht das Meer;
den Atem aller Dinge hält
die Stille in der Schwebe ringsumher.

Die müden Wasser lassen ab vom Land,
vom Land lässt auch der müde Wind
und flüstert nur noch über glatten Sand,
in den Gezeiten ungezählt versunken sind.

So schweigt die Erde manchmal vor Gewittern,
und dunkle Engel schweigen so, die weit
entfernt von Gottes Antlitz stehn und zittern
vor den verschwiegenen Geheimnissen der Zeit.


(gelang, 27. 8. 1988)





Donnerstag, 18. September 2014

Heute


So nennt man den Tag der uns durch die Finger rinnt. Gestern ist ein Häufchen Sand und Morgen wird noch angespült. Wenn ich an meinem `neuen Arbeitsplatz´ sitze, vor meinen Augen und in meinem Rücken, rechts und links Uhren die ticken und schlagen, dann fühle ich mich als Sandkornteil dieses Zeitrieselns. Das gefällt mir und ich fühle mich wohl dabei.

Uhren sind, oder waren, noble Geschöpfe. Seit die Menschen versuchen der Zeit Gestalt und Gesicht zu geben, ein sinnloses Unterfangen, bemühen sie sich, zumindest das Äußere sicht- und hörbar zu machen. So erkennen sie, dass das Wesen der Zeit unsichtbar bleibt, wie die Seele des Menschen, aber sie geben dem Sichtbaren die Schönheit, die sie im Wesen vermuten. Darum liebe ich meine Uhren und fühle mich dem seelenverwandt, der sie schuf.



































Es kommt mir nicht darauf an, dass es teuere Uhren sind, meine stammen alle vom Flohmarkt, sie müssen mich nur `ansprechen´, müssen zeigen, dass sie eine Geschichte haben und sie müssen funktionieren. Es gibt nichts kälteres, als eine Uhr die nicht tickt. Sicher, manche sind irreparabel, aber solche besitze ich nicht. Sie können gern `eine Macke´ haben, zum Beispiel die Stunden nicht richtig schlagen, aber sie sollen mir den Fortgang der Zeit zeigen.
Sie geht fort und lässt uns zurück und ich denke, der Mensch hat die Uhr erfunden, um etwas Schönes zu haben auf das er zurückschauen kann und das nur der Zeit gewidmet ist, nicht der Erinnerung, an der wir den Rest des Lebens messen.


Warum diese Nostalgie? Heute habe ich alte Briefe zerrissen, die mir vor langer Zeit zurück geschickt wurden und in einem von diesen fand ich ein Gedicht wieder, das ich verloren glaubte. Das habe ich sehr bedauert, immer wieder, weil es in meinem Gedächtnis haftete ohne sich konkretisieren zu können. Ich konnte mich an kein einziges Wort erinnern, nur dass darin ein Staubkorn eine Rolle spielt. Es ist mein `bestes´, auch wenn es nicht wirklich `gut´ ist. Zumindest hat es etwas mit Uhren zu tun und, schlussendlich, mit Zeit die fort geht.


Dieser Collage gab ich den Titel `Vergänglichkeit´ und so könnte jede Uhr heißen, oder `Ewigkeit´, wie diese zweite Collage.

Zum Schluss noch die Ballade `Die Uhr´, von Carl Löwe. Aber den Begriff `Schluss´ kennt die Zeit nicht.