Posts mit dem Label Wald werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wald werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 24. August 2016

Von einem kleinen Jungen, seinem Vater, Brennnesseln, dem heiligen Benedikt und Lust auf Sex




























Als ich neulich wieder einmal auf meiner Lieblingsbank im Wald saß, an der viele Menschen auf dem Weg zum Fernsehturm vorbei gehen, hörte ich einen ungefähr zehnjährigen Jungen, Brillenträger, seinen Vater fragen: "Einmal angenommen dass sich jemand nackt in die Brennnesseln wirft und darin wälzt, was würde dem passieren?"
"Aber das macht doch niemand." antwortete der Vater, so Mitte 30, etwas gelangweilt. Er nahm die Frage nicht ernst, denke ich.
"Aber trotzdem, nur einmal angenommen das würde jemand machen ..." insistierte der neugierige Sohn. Dann waren sie außer Hörweite.
Spontan wollte ich ihnen nachrufen: "Der heilige Benedikt hat es getan!"
Aber ich unterdrückte den Impuls. Was hätte ich dem Knaben gesagt, wenn er gefragt hätte: "Warum hat er das gemacht?" ?
Der Weg ist übrigens rechts und links dicht mit Brennnesseln überwuchert, daher wahrscheinlich die Unterhaltung über Brennnesseln und die Frage des Kindes, deren Inhalt allerdings einen Psychologen stutzen, und hellhörig werden, lassen würde.
Dann überlegte ich mir, woher ich wusste, dass der heilige Benedikt von Nursia sich nackt in Brennnesseln und Brombeergestrüpp gewälzt hatte. Das Naheliegendste ist, dass ich katholisch bin, wenn auch nicht gerade sehr fromm, und zumindest mit einigen Heiligenlegenden vertraut, die ich aus einem dicken Wälzer kenne. Das Buch ist 6 cm dick, wiegt 1,5 Kilo und hat über 800 Seiten. Also keine leichte Lektüre!



`Das große Buch der Heiligen´ habe ich vor fünf Jahrzehnten gekauft, als ich noch ein passionierter Super 8-Filmer war und diese Filme auch vertonte. Eine Urlaubsreise führte damals meinen Freund Walter und mich in ein kleines Dorf an der Adriaküste, San Vito Chietino, wo wir auf unserem Weg nach Apulien übernachteten. San Vito ist der heilige Veit, der für Menschen die vom Veitstanz, eine Art Epilepsie, befallen sind, und auch sonst noch für und gegen alles mögliche, zuständig ist. Das alles wusste ich nicht und damals, vor Internet, www und Google, musste man sich Wissen aus Büchern holen. Ich las dann auch andere Geschichten und Legenden, darunter die von Benedikt, der schon als junger Mann sich sehr zu Gott und Frömmmigkeit hingezogen fühlte, unbedingt ein "heiliges" sündenfreies Leben führen wollte und trotzdem von "Fleischeslust" gepeinigt wurde. Als Katholik, dem die Freude und Lust an Sex schon von frühester Kindheit als vom Teufel kommend und als große große und schwere schwere  Sünde vermießt wurde, kannte ich die Pein des Heiligen aus eigener Erfahrung nur zu gut. Aber ich lasse das Buch sprechen. 

Da steht es, schwarz auf vergilbt: von Gott erleuchtet riss er sich die Klamotten vom Leib und "warf sich nackend in die spitzigen Dornen" woraufhin ihm die Lust an Sex auf immer verging. 
Hätte ich das dem Zehjährigen erzählen können, ohne mir Prügel von seinem Vater einzuhandeln? Wohl kaum.
Ich saß also auf meiner Lieblingsbank, dachte über Wissen nach, das man nicht ohne Furcht weitergeben kann und wie sich der Vater wohl aus der Schlinge zog die sein Sohn um ihn gelegt hatte. Der Knabe wirkte mit seiner Brille recht gescheit und der Ton in dem er nachgehakt hatte: "Aber trotzdem, nur einmal angenommen ...", ließ mich hoffen, dass der Vater starke Nerven hat! Oder er googelt: Sich in Brennnesseln werfen, wer ... Ich fand da allerdings nichts.



Der heilige Benedikt, der ja als eine Art Vater des organisierten Mönchtums gilt, hatte eine Zwillingsschwester, Scholastika, die er sehr liebte und mit der er sich Zeit seines Lebens eng verbunden fühlte, was bei Zwillingen ja ganz normal ist. Als Schluss hänge ich die Abbildung aus meinem Buch an. Es zeigt Benedikt und Scholastika beim Einnehmen einer kargen Mahlzeit. Mir gefällt die Verschmitzheit, mit der die Frau den Betrachter so quasi aus den Augenwinkeln mit dem Blick verführt. Kuckt ihr Bruder deshalb so säuerlich?

 
  Sieht ein bisschen aus als wären sie bei Mc Donald. Zumindest scheinen sie Coke zu trinken ...

Sonntag, 23. November 2014

Wald - eine Allegorie


Im Winter lag der Wald voll Schnee und Schweigen,


dann grünte Gold an allen Zweigen,


das langsam dunkler ward und matt,
und Sommerschatten hingen unter jedem Blatt.


Jedoch im Herbst, wenn sich die Blätter färben,
wenn alles bricht und fällt zu sterben,
jetzt erst, zu dem Vergehn,
sagt man: Ist der Wald nicht schön?


Rein äußerlich, bunt und nicht sehr klug,
das ist der Mensch im Selbstbetrug:
Er liebt die Maske, die grotesk verhüllt
was Wahrheit ist und eine Seele füllt.

gelang 1967

Donnerstag, 25. September 2014

Herbst




In Wald und Garten
ein Flirren und Schwirren,
ein Klingen, ein Schweigen,
ein Halten und Fallen, 
ein Ringen, ein Reigen,
ein Fliehen und Harren,
ein Singen, ein Weinen,
ein Knistern und Knarren,
ein Senken, ein Heben,
ein Dampfen und Tropfen
ein Nehmen, ein Geben,
ein Sterben und Warten.



(gelang - 1972)


Montag, 24. März 2014

Ich geh vor die Hunde.


Nicht wirklich, eher vor den Hunden und das jeden Tag. Hundespaziergang nennt man das.
So schnell bin ich noch nie zum Thema gekommen! 

Das sind Kiri und Isshin. Sie sind beinahe gleichaltrig, 12, wenn mich nicht alles täuscht, ich kann mir das einfach nicht merken. Isshin ist im April geboren, Kiri im Juni, aber auch dafür übernehme ich keine Garantie. Mit Zahlen stand ich schon immer auf Kriegsfuß. Vielleicht liegt es daran, dass sie bei mir keine Bilder hervorrufen und ich denke nun mal in Bildern. (Im "Digitalen Zeitalter" sind Bilder ohne Zahlen gar nicht mehr vorstellbar. Also denke ich wohl noch analog.) Zwar fand ich Geschichte ein faszinierendes Schulfach, aber da sie von Zahlen und durch sie lebt, verschließt sie Großteils vor mir. Da kann man nichts machen. Ich nehme an, dass es für dieses Defizit in meiner Intelligenz einen Fachausdruck gibt, wie Legasthenie oder ähnliches, und dass ich in der heutigen Zeit ein ärztliches  Attest für meine Zahlenschwäche bekäme, das diese entschuldigt. So habe ich lediglich schlechte Noten in Geschichte und Rechnen, diese Fächer hießen während meiner Schulzeit so, als Belege dafür vorzuweisen. Man wird immer entweder zu früh oder zu spät geboren.
Wie dem auch sei, es ändert nichts am täglichen Ritual des Hundespaziergangs. Und es ist ein Ritual, wenn auch keins in eisern festen Formen. Zuerst wird die Leckerli Dose befüllt. Das ist gar nicht sooo einfach wie es sich liest, wenn man weiß, dass zwei Katzen unbedingt dabei sein und ihren Anteil abbekommen wollen. Samir und Tamino kennen keine Grenzen wenn es um Aufdringlichkeit geht. Beim Kleinschneiden der Hühnermägen oder -herzen, muss man ständig aufpassen, dass keine Katzenzunge oder ihr Schwanz dazwischen kommt.


Bisher ging alles gut, auch wenn es auf dem zweiten Bild aussieht, als hätten sie keine Schwänze mehr. Allerdings muss ich auf jeden Fall einige Kleinteile für sie beiseite legen und ihnen anbieten, nachdem ich mich für den Spaziergang angezogen habe. Die Hunde sind dann schon ganz aufgeregt und wollen hinaus, aber die Katzen würden liebend gern mit gehen! Also gebe ich ihnen die Fleischstückchen und seh zu dass ich hinaus komme, ehe sie sie verputzt haben. Und das geht schnell!!

Hier beginnt das Draußen

Der Weg ist immer der gleiche. Zumindest bis zur Weggabelung ca. 300 Meter die Rue Principale hoch. Da kann man sich für rechts, zu den Feldern und Wiesen, oder links zum Wald entscheiden. Wenn es nicht tagelang geregnet hat, schlägt man meist den Weg nach rechts ein. Bei Regenwetter sind die Feldwege allerdings nur zu empfehlen, wenn man die Hunde gerne von Lehm und anderen Erdanhaftungen reinigt. 

Man stelle sich diesen Weg nach drei Tagen Dauerregen vor.

Landschaftlich ist die Gegend wohl unter "lieblich" einzustufen. Nichts Schroffes oder allzu Flaches, wie der Norden des Staates Indiana, USA, wo ich als 17jähriger 3 Monate auf einer Farm arbeitete. Dort ist es so flach, dass ein Maulwurfhaufen als Erhebung bezeichnet werden kann. Aber das ist eine andere Geschichte. Hier wechseln Hügel und Täler einander ab, als hätte Gott Langeweile gehabt als er  sie schöpfte. Lieblich eben, ohne unnötige Schnörkel. Den Hunden gefällt es so wie es ist und auch ich finde es ganz in Ordnung. Ein paar Beispiele:

















































Wie gesagt: Felder und Wiesen und im Tale das traute Dörflein. Wie diese neueste NASA Studie , von der ich neulich las, darauf kommen kann, dass sich die Menschheit auf ihren Abgang aus der Erdgeschichte vorbereiten muss, ist mir angesichts dieser Bilder ein Rätsel. Na ja, nicht wirklich … Ich hänge mal ein noch paar schöne Bilder an, wer weiß, wie lange es das noch gibt in Zeiten des Klimawandels, Resourcenschwunds, der Überbevölkerung und Rap-Musik.















































Über die Wiesen geht es zum Wald, immer in der Hoffnung, dass keine Rehe oder Hasen ins Blickfeld der Hunde kommen, obwohl die zusätzliche Bewegung zumindest den Hunden nicht schadet.

































































































Der Waldspaziergang ist, meiner Meinung nach, noch schöner und ich glaube, für die Hunde auch interessanter. Mehr Bäume! Seltsamerweise begegnen wir im Wald viel weniger Wild als auf freier Flur. Was die Hunde wahrscheinlich bedauern, ich aber begrüße.























































Manchmal sieht man sogar noch seltene Wildblumen, ehe sie von der nächsten "naturverbundenen" Wanderperson abgerissen oder ausgegraben werden.




























Dann sind wir wieder zuhause. Es folgt die Fütterung. Ich habe den Eindruck, dass es den Hunden nichts ausmachen würde, wenn es ohne vorherigen Spaziergang Futter gäbe und eigentlich gehen sie ja nur wegen der Leckerli mit. 
Danach sucht jeder einen Platz auf dem Sofa und meditiert. Es sind immer die üblichen Verdächtigen die sich da einfinden.





























Und irgendwann freuen wir uns auf den nächsten Spaziergang!

















Mehr oder weniger ...