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Freitag, 16. Juni 2017

Meine Zeit




Du bist der Wind der sich im Mohnfeld wiegt,
Du bist der Sturm der jede Welle bricht.
Du bist der Schatten der im Laubwald liegt
und außerdem bist Du das Licht.

Du bist Sekunde mir und Stundenschlag,
die Nacht genauso wie mein Tag.
Und sterben einst die Sterne aus der Ewigkeit,
bin ich bei Dir, denn Du bist meine Zeit! 



























Jakob gelang, 16. Juni 2017 (Für H. M.)

Über die Liebe


Natürlich kann man ein Thema breittreten, ganz besonders eins das so schwammig ist wie die Liebe. Ich habe ja schon einmal gesagt, dass man sie nicht sehen, hören, fühlen, schmecken oder riechen kann und trotzdem denkt jeder Mensch, er könne sie identifizieren.
Liebe ist ... wie man sie empfindet. Ich formuliere diese weltbewegende Philosophie jetzt einmal so simpel und gebe allen die Möglichkeit zuzustimmen, oder zu widersprechen.
Auf FaceBook fand ich neulich diesen Eintrag:


Dazu die Aufforderung des Beitragenden, dieser einfachen Formulierung mit "Amen" beizustimmen. Es ist erstaunlich wie viele das taten. Ich nicht. Ich schüttelte nur den Kopf und dachte: `Warum wissen diese Menschen was Liebe ist, und ich nicht?´ Denn dass sie es wisseen müssen ist ja klar, sonst könnten sie nicht zustimmen, es sei denn, es geschah aus Zuneigung/Liebe zu dem der das "gepostet" hat.
Etwas das mit keinem der fünf Sinne zu identifizieren ist, ist also nicht kompliziert. Jemand der/die fünf Sinne besitzt ist kompliziert. `Interessant´ dachte ich. Wie einfach doch alles ist wenn man nicht darüber nachdenkt.
Ein Gefühl ist immer kompliziert. Trauer, Freude, Glück, Verzweiflung, etc. ... Liebe. Was ist Liebe anderes als eine Kombination sämtlicher Gefühle deren der Mensch fähig ist? So gesehen ist Liebe die Summe seiner Seele. Und die ist nun einmal kompliziert!
Ich habe einen Face Book Freund der behauptet, Liebe ist nicht eine Hezenssache, sondern eine Geisteshaltung. Vielleicht hat er recht, vielleicht muss man Liebe rational betrachten. Aber was für eine Art Liebe ist das dann? Gibt es eine Einstein'sche Formel dafür?
Liebe ist Gefühl geteilt durch Überlegung
Was kommt da unter dem Strich heraus? Gott? Ewigkeit?!
Also, ich liebe auf die altmodische menschliche Art mit allen Höhen und Tiefen und bin froh wenn es vorbei ist!

 

Samstag, 28. Januar 2017

Was ist ein Augenblick im Angesicht der Ewigkeit?


Diese Frage stellte sich heute meiner Seele, als ich die "Eisskulpturen" vor meinem Küchenfenster, in den vergangenen kalten Nächten gefroren und von mir am nächsten Morgen spontan gestaltet, beim Schmelzen beobachtete.
Und dann kam mir der Gedanke, dass selbst die Ewigkeit in solchen Augenblicken den Atem anhalten muss.



























Und von selbst landete ich mit diesen Erinnerungen wieder bei Goethe, Faust: "... wenn ich zum Augenblicke sage: `Verweile doch, Du bist so schön´." So arbeiten die Gedanken eben, zumindest bei mir: vernetzt mit meinem erinnerten Leben und dem was ich weiß.
Aber was weiß ich von der Ewigkeit? Nicht "über" sie, keine wissenschftliche Erkenntnis, sondern "von" ihr, was teilt sie mir persönlich über sich mit? Die Antwort liegt in diesen Bildern sich minimalst verändernder Eiskristalle. Ich sehe nicht in ihre Strukturen, ihren von Anfang an sehr zerbrechlichen, der Temperatur anvertrauten Aufbau, ich erkenne nur ihren Zerfall in den langsam fallenden Tropfen.



























Wie lange wird dieses hauchdünne Netzwerk aus Kristallen noch in der Lage sein die Last ihrer Gestalt zu tragen?
Und in diesen Prozess des Vergehens hineinversetzt frage ich mich, wann wohl der "Augenblick" gekommen sein wird, an dem ich die Ewigkeit bitte den Atem kurz anzuhalten.

Was weiß ich jetzt von der Ewigkeit? Nichts was ich nicht schon vorher über sie wusste: dass ich ihr anvertraut bin und sie mir. Wir tropfen gemeinsam!





















































Der Tropfen ist gefallen ...

Mittwoch, 7. Januar 2015

Der Mann im Rollstuhl lebt!


Kein Zweifel. Ich habe ihn wieder gesehen. Und das ohne irgendwelche akustische oder visuelle Nebenwirkungen. Er rollte von rechts an den Tisch in der Bahnhofshalle heran, an dem ich immer sitze, und hielt einen Zettel in der Hand, den ich offensichtlich lesen sollte. Natürlich war ich so überwältigt davon, ihn wieder zu sehen, dass ich das Gedruckte nur peripher wahrnahm. "Vom Fels abgestürzt" oder so ähnlich, und dass ihn seine Mutter unterstütz ... Ich konnte es wirklich nicht lesen, ich sah nur ihn.
Und er war genau wie beim ersten Mal, nur diesmal viel jünger. Er wirkte gepflegt, nicht so sich in Auflösung befindlich wie damals. Wobei "damals" hier eine andere Dimension annimmt. Ist Gestern Damals? Ist Zeit überhaupt noch existent in einer solchen Situation?
Er hielt also diesen Zettel in einer Klarsichthülle in der Hand. Es war die Fotokopie eines Artikels aus den STUTTGARTER NACHRICHTEN, wenn mich nicht alles täuscht, der über den Kletterunfall eines jungen Menschen berichtet. ... Erst hier fiel mir auf, dass dieser Mensch im Rollstuhl tatsächlich noch jung ist! Was dieser Unfall ihn gekostet hat, war offensichtlich. Beinahe bewegungslos, zusammengekrümmt, die Hände als hilflose Greifwerkzeuge im Schoß, nur das rechte Bein in der Lage, ihn im Rollstuhl Zentimeter um Zentimeter fortzubewegen. Und aus dem Mundwinkel rinnt unkontrollierbar der Speichelfaden, der vorn einen großen Tropfen bildet.
Ich konnte es nicht fassen! Hier war er wirklich wieder: Der Mann, den ich schon als Hirngespinst abgetan und einem Alptraum zugeordnet habe. Er hatte nicht Parkinson, wie ich bei der ersten Begegnung angenommen hatte, sonder war schwerst gelähmt, sogar in der Sprache.
Er bettelte.
Ich gebe zu, dass mir der Atem stockte. Kann das sein? dachte ich.
Ich gab ihm den Zettel zurück und dazu 10 Euro.
"Wir kennen uns." sagte ich. "Ich habe ihnen schon einmal in die Straßenbahn geholfen."
Ich kann es kaum beschreiben, dass ich in diesem Augenblick ein unvorstellbares Glücksgefühl hatte, aber es ist so! Ich war glücklich über dieses Zusammentreffen, über diese Gemeinsamkeit die wir teilten. Allerdings ohne sein Wissen. Er konnte sich nicht erinnern, lächelte aber so weit ihm das möglich war und nach ein paar weiteren Worten, an die ich mich nicht erinnere, rollte er an den Nebentisch. Hier das Bild.


Der Mann dort las den Zettel zwar interessiert, gab ihn dann aber wortlos zurück. Ich schob ihm noch 5 Euro zu, damit er sie geben könnte, aber er lallte nur: "Gibsihmdochselber."
Ich tat es. Der Mann im Rollstuhl registrierte das alles als wäre es eine Geschichte die um ihn herum geschieht, ihn aber nicht betrifft.
Er rollte weiter, sich zentimeterweise mit dem rechten Fuß anschiebend.
Was ist Mitleid?
Meines ging jetzt so tief, dass ich mich selber im Rollstuhl sitzend sah.
Dann bemerkte ich, dass der Schnürsenkel am linken Schuh nicht gebunden war, sondern auf dem Boden schleifte und immer in Gefahr geriet, sich im kleinen Vorderrad zu verfangen. Ich hielt den Mann im Rollstuhl also auf und sagte ihm, dass ich seinen Schnürsenkel binden wolle. Er war erfreut und ich kniete vor ihm nieder und band eine Schleife in sein Schuhband.
Gestern war Epiphanie.
Ich bin kein "religiöser" Mensch, ich hasse Religion, sie trennt die Menschen von Gott, aber in diesem Augenblick der Demut spürte ich die Liebe Gottes auf uns, was immer das bedeuten mag.
Ich folgte ihm dann noch, immer im Hintergrund, eine gute Stunde auf seinem mühsamen Weg durch die Bahnhofshalle.
Die meisten Menschen ignorierten ihn einfach.
Andere wandten sich angewidert ab. Der Speichelfaden aus dem Mundwinkel war wohl Schuld daran.
Niemand gab ihm etwas!




























Niemand interessierte sich dafür, was auf dem Zettel stand. Dabei konnte man dort lesen, dass er sich seit seinem Unfall ständig darum bemüht, wenigstens einige Beweglichkeit wieder zu erlangen (deshalb hatte er die Hilfe bei der ersten Begegnung abgelehnt). Aber das kostet Geld und Geld gibt es in unserer Gesellschaft nur für das, was wieder Geld bringt.
Armer Mann!



























Ich konnte später noch ein bisschen mit ihm sprechen. Die Therapie muss er selbst bezahlen und die ist teuer. Seine Mutter unterstützt ihn so weit es ihr möglich ist. Er glaubt fest daran, dass er wieder "normal" werden kann. 
"Aber das braucht Zeit." sagte er. 
Ich glaube, er wiederholte, was man ihm täglich vorlügt.
"Zeit ist nur ein Teil der Ewigkeit und die ist ja immer bei uns." sagte ich.
Danach sah er unglücklich aus.
Es tut mir leid!
Ich hoffe dass ich ihn bald wieder sehe!!!





























Samstag, 18. Oktober 2014

Torcello



Noch einmal quält ein schmaler Streifen Land
den müden Horizont zurück ins Leben,
fordert Beachtung, ohne viel zu geben,
nur flache Farben, Schilf und Sand.


Hier dürfte, außer Himmel, nichts mehr sein
als eine Stille, atemlos und blau,
die Meeresferne ungenau. ...
Und doch ist noch so vieles Stein.


Trotzdem ist keine Härte in den Dingen.
Durchsichtig wie Opal zittert das Licht.
Warum zerbersten diese Steine nicht
bei einem Glockenton, am Vogelsingen?


So wird zum Rätsel jeder neue Tag, 
die Stunden weigern sich Vernunft zu tragen,
und Jahre haben gar nichts mehr zu sagen,
wo selbst die Ewigkeit nur schweigen mag.

Doch wenn das einstürzt und vergeht,
 vom Licht ganz aufgelöst, ein Teil der Fluten,
wird dieser Horizont noch lange bluten,
der jetzt im Zeichen großer Schmerzen steht.


gelang 1975






Montag, 21. Oktober 2013

Viva Venezia! In Venezia vivere?


O Serenissima, Du wirst nie aus meinem Herz sterben können! Deine Schönheit ist zwar endlich aber unvergänglich, auch wenn Du untergehen müsstest. 
Gestern hatten wir hier jedes Wetter das es nur geben kann, außer einem Schneesturm und es war eine Offenbarung, die Veränderungen an Licht zu sehen! So langsam und so schnell, man begreift es erst, wenn es schon geschehen ist. 
Ich saß auf der Riva degli Schiavoni und tauchte ein in die Ewigkeit. Die Silhouette der Giudecca atmete Licht. In einem Moment stand sie hellblau auf seidenblauem Himmel, wie in kostbares Glas geschliffen, und nach einem Wimpernschlag war sie grau auf hellgrau gehämmert, wie angelaufenes Silber. Ich saß da und staunte, dass der Touristenstrom einfach weiter floss, dass niemand innehielt und das Wunder begriff das hier geschah. Goethes Faust hätte Schwierigkeiten gehabt, hier zu überleben, weil er zu jedem Augenblick gesagt hätte: "Verweile doch, du bist so schön:" Und er hätte es nicht bedauert, denn wer hier stirbt, stirbt direkt ins Licht. Meiner Seele würde ich das wünschen.
Wie soll man ein Wunder beschreiben? Ich werde es mit Bildern versuchen.

Santa Maria della Salute, also die Verkündigungskirche. Als ich das letzte Mal hier war und auf den Marmorstufen ausruhen wollte, standen überall Absperrungen und Schilder mit: ATTENZIONE! PERDUTI ANGELI!. Diesmal, ich war vorgestern bei Nacht dort, besteht keine Gefahr durch stürzende Engel. Das freut mich.

Hier droht die Gefahr von unten. Beinahe bei jedem Gezeitenwechsel, also bei Flut, steht der Markusplatz jetzt unter Wasser. Bei meinem letzten Besuch bedeute Aqua Alta, Hochwasser, noch die Ausnahme und war eine Attraktion, leider, aber jetzt ist das Alltag, LEIDER!


Manche Dinge kann man nur einmal kaputt machen, man sollte es also lieber erst gar nicht versuchen! Mein Venedig lebt noch!!

Mir ist schon klar, dass dies die "üblichen" Motive sind, aber es muss auch jedem klar sein, dass sie an keinem Tag, in keinem anderen Augenblick das Gleiche sind. Im Zeitalter der digitalen Fotografie ist es wunderbar, dass man zigtausend Bilder schießen kann und vielleicht einmal ein Einmaliges trifft. Ich habe Venedig beinahe 50 Jahre fotografisch begleitet, leider sind die Bilder alle verloren, aber ich habe noch kein Bild gesehen, von Niemand, von dem ich sagen könnte: Das ist Venedig! Venedig ist nicht fassbar, weder in Worten, Bildern oder Tönen. Auch Musik versagt vor dem Unvergleichlichen. Faust würde verzweifeln, wenn er sich hier für den Augenblick seines Todes entscheiden müsste. 
Ich weiß keinen Ort an dem ich lieber sterben würde.

Ich mach mal eine Pause, ehe ich zu melancholisch werde, schließlich freue ich mich ja hier zu sein! Wie sagt doch Scarlett O'Hara in "Vom Winde verweht" immer wieder?: "Ach, scheiß drauf, morgen ist auch noch ein Tag." Oder so ähnlich.