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Dienstag, 29. September 2015

Uhrenrätsel


Uhren sind "zeitlos" weil Zeit ein theoretischer Begriff ist, weil Zeit nur für Menschen existiert und von Menschen quasi "erfunden" wurde. Um "die" Zeit zu zähmen, ihr Form, Inhalt und eine Konsistenz zu geben, war der Mensch gezwungen Zeitmesser zu erfinden. Was der Mensch nicht messen kann treibt ihn in den Wahnsinn.
Wie lange gibt es Zeitmessgeräte? Die Babylonier erfanden den 24 Stunden Tag und die 7 Tage Woche. Aber das heißt nicht, dass sie die Zeit erfanden, nur dass sie sich intensiv mit ihr beschäftigten.
Hatte der Steinzeitmensch kein Zeitgefühl? Stonehenge spricht dagegen. Das ist wahrscheinlich "nur" eine Jahresuhr, aber warum sollte der Höhlenmensch nicht auch schon mit einem Arrangement von Steinen und Holzstäbchen den Lauf der Stunden gemessen haben? Seine "Uhren" sind auf jeden Fall verloren in der Zeit.
Uhren zerstören Zeit, das ist ihre Aufgabe!
Zeitmesser wurden erfunden, gleichgültig wann, um den Menschen die Vergänglichkeit deutlich vor Augen zu führen. Und deshalb wurden sie im Lauf der Zeit immer schöner. Das ist Vergangenheit. Heutzutage sind sie nur noch präziser, als wollte man wissen wie lang das Leben ist, indem man es in Mikrosekunden aufteilt.
Sei's drum: am Inhalt der Zeit ändert sich nichts, höchstens an ihrer Wahrnehmung durch das Auge. Und damit komme ich zu meinem Thema. (Hat ja lange genug gedauert, zeitlich gesehen.)
Sonntags ist bei mir immer "Uhrenaufziehtag". (Das habe ich von meinem Freund P. übernommen. Es ist logisch, weil man sonntags Zeit hat. Am besten geeignet ist die Zeit zwischen Viertel vor und Viertel nach 10, weil da die Zeiger nicht in Konflikt mit den Schlüsselöffnungen kommen, speziell bei Uhren mit "Westminsterschlag". Das nur als Tip für Neueinsteiger.) Zwölf Uhr geht natürlich auch. Das gilt für Uhren mit 7-Tage Laufwerken.



Wer sich mit Uhren beschäftig, vielleicht sogar sammelt, fragt sich schon manchmal, wie alt die eine oder andere ist. Im Fall einer meiner Standuhren wurde ich ja durch die Entdeckung von alten Zeitungsfragmenten in den Gewichten fündig. Das habe ich in einem anderen Kapitel eingehend geschildert. (Geheimnisse einer Uhr)
Manche Uhren, meist die sehr alten, entziehen sich dem Sonntagsrhytmus, weil ihre Laufwerke nicht für lange Zeiträume gefertigt wurden. Manche schaffen, wegen der Länge der Feder, nur zwei, höchstens drei Tage. Und dazu gehört die ganz oben abgebildete.
Ich habe sie auf dem Flohmarkt gefunden und eigentlich ist sie ja nicht gut erhalten, siehe das Zifferblatt, dem man ansieht, dass schon viele Hände beim Aufziehen darüberscheuerten.



Nun habe ich ja die Angewohnheit mit den Dingen zu reden, mit denen ich mich gerade beschäftige und so fragte ich die oben abgebildete Uhr beim Aufziehen heute am Morgen: "Wie alt bist Du eigentlich?" Sie sagte gar nichts, zeigte mir aber dieses, das mir vorher nie aufgefallen war:

Ehrlich gesagt kann ich damit nichts anfangen. Die ersten drei(?) Zeichen?: ein A ... und dann? 
FEB. 11. 1879? Was für eine Verarsche ist das denn? dachte ich. 1879? Da lebte zwar mein Großvater mütterlicherseits noch, aber das ist trotzdem schon verdammt lang her! Ich wikipediate also mal den Jahrgang 1879:


























Viele Informationen, auch ganz interessante, zum Beispiel wurde in dem Jahr das erste Deutsche Nahrungsmittelgesetz erlassen. Welches Nahrungsmittel betroffen war, steht allerdings nicht dabei. Wenn man es wissen möchte, kann man sich weiterverlinken. (Ach! I <3 die neue deutsche Sprache!!! Das <3 bedeutet ein Herz=Liebe!)
Mit meiner Uhr konnte ich nichts in Verbindung bringen. Beim 9. Mai stutzte ich kurz, da stand etwas mit Ur, war dann aber ...ologisch gemeint.
Ich liebe Rätsel, hoffe aber immer die Lösung zu finden. Also sah ich mir die Uhr noch einmal genauer an. Das Glas war ja dekoriert, aber sicher nicht handbemalt. Trotzdem nicht ganz hässlich. Siehe unten:





Aber das waren ja wieder nur neue Fragen. Kann mir das Pendel etwas verraten? fragte ich mich. Es ist ja nicht gerade "herkömmlich". Wobei ich sagen muss, dass es sich sehr penibel regulieren lässt und diese Uhr eine meiner genauestgehenden ist!





























Bleibt nur noch der Schlüssel, dachte ich. Der ist durch so viele Hände gegangen, der kann doch etwas erzählen. Ich habe ihn auch intensivste befragt, aber die Spuren sind zu sehr verwischt. Da klebt zwar der Schweiß, Rotz und sonstwas von wer weiß wie vielen Generationen dran, aber die kleinen Punzen bewahren ihr Geheimnis. Siehe unten:























































































Wie alt ist also diese Uhr? Wo wurde sie hergestellt? Das Datum FEB. 11. 1879 deute auf Amerika oder England, weil man dort das Datum so angibt. Fragen über Fragen. Werden sie je eine Antwort finden? (An dieser Stelle schalte ich bei TV Dokus immer frustriert ab. Was für eine Zeitverschwendung! denke ich dann.)
"Time waits for nobody", also dann: Gute Zeit.












Samstag, 15. November 2014

Abgesehen davon,

hätte ich gerne mehr Russen unter meinen Lesern. Schon als Kind, na ja, das ist lange her, fand ich Russen faszinierend. Die waren so nikolausmäßig, so vielversprechend, so ... russisch eben. Wenn mein Vater kein Schwabe (sind Schwaben nicht verkannte Russen?) gewesen wäre, hätte ich mir einen Russen als Vater gewünscht. Nicht etwa weil ich Putin sexy finde ... Okay, ich bin disqualifiziert. Schade!
Fortsetzung
Selbstverständlich bin ich mit meinem Vater zufrieden, auch wenn er kein Russe war. Ich habe das Wort Russe und Russen und Russland nur hier eingebracht, weil ich sehen wollte, wie viele Klicks mein Post dadurch mehr bekommt. Oder ob der Verfassungsschutz bei mir vorbei schaut. Aber heute ist/war ja Sonntag, da arbeiten die doch hoffentlich auch nicht. Auf jeden Fall hat niemand geklingelt. Jetzt aber einmal ehrlich: Da wird ständig davor gewarnt, dass man vorsichtig sein soll mit dem was man im www veröffentlicht, oder was man googelt und ich poste hier fünf Zeilen in denen von Russen, Russe, Russland, russisch, sogar Putin die Rede ist und keiner kommt um mich zu fragen, warum mein Hibiskus immer noch vor dem Fenster steht. Kann ich erklären. Er hatte plötzlich Wollläuse und ich habe ihn wieder hinaus gestellt, damit die erfrieren. Übrigens hatte ich aus der Russischen Föderation nur 3 Aufrufe, also nix mit Reklame. Ich könnte ja, nur interessehalber ob sich da jemand in meiner Statistik meldet, den Mars erwähnen. Sogar der Mars Riegel wäre einen Eintrag wert. "Gestern aß ich einen Mars Riegel.", zum Beispiel. Habe ich natürlich nicht gemacht, ich muss auf meine Figur achten. Wobei Riegel doppelt zählt. Das ist doch auch irgend so etwas Astronomisches. Kam nicht dieser gummibärchenähnliche E. T. aus der Gegend? Der wollte immer nach Hause. Nach Riegel? Oder war es Betelgeuse? Wäre nett, wenn dort jemand meinen Blog lesen würde, nur weil ich Betelgeuse geschrieben habe. Jetzt probiere ich es noch mit USA und Obama. Wenn darauf kein Geheimdienst reagiert, dann kann ich getrost meine Memoiren im www verbreiten, weil sie ja doch niemand liest! Obwohl viel Sex and Crime drin vorkommen ... Ich melde mich wieder. 

Freitag, 26. September 2014

Der Mensch im Sinkflug - Ein Nachtrag zum "Flemming"


"What a piece of work is man?" fragt Hamlet, zählt alle wunderbaren Eigenschaften des Menschen auf und kommt, obwohl alles so harmonisch zusammen wirkt, trotzdem zu dem Resultat, dass er , Hamlet, weder Lust "am Weibe noch am Manne" habe, und dass die Erde nichts als ein "Morast aus üblen Gerüchen" ist. Das Leben macht ihm keinen Spaß mehr. Kein Wunder, dass er dann seinen Tod herbeiführt, obwohl er ihm kurz zuvor noch bewusst zu entgehen verstand ... Die Geschichte ist kompliziert.
Man kann Hamlet googeln, ist von William Shakespeare und wurde 1602 uraufgeführt.
Seither wurde die "Psychologie" erfunden, die Lehre von der Seele. Eine Lehre über etwas, das genau so wenig fassbar ist wie Gott, für den man die "Theologie", allerdings schon früher, erfand. Der Forschungsdrang des Menschen ist unstillbar und er wird noch andere, unbegreifliche Dinge in der Natur finden, denen er dann eine Logie zuordnen wird. 
Zuordnen, das ist das Zauberwort! Es darf nichts geben, das es nicht gibt und es gibt nur das was einen Namen hat. Gott hat das im Paradies quasi Adam aufgetragen. (Man kann die Bibel googeln. 1. Mose, Kapitel 2, Verse 19 und 20). Gott konnte ja nicht wissen ... Entschuldigung, natürlich wusste er es, nur konnte er nichts mehr gegen den Namensgebungsdrang des Menschen tun ohne ihm seine Identität, seiner eigenen vergleichbar, wieder zu nehmen, die er ihm ja mit großer Liebe eingehaucht hatte. 
Inzwischen ist der Mensch autonom geworden, `Human United Kingdom´, und Gott ist nur noch so eine Art zerbröselnder Rahmen um ein immer digitalisierteres Bild. Das Bild wird Megapixel um Gigapixel schärfer und das "Piece of work", der Mensch, verliert seinen Charme, sein Wunder und seine Identität als Gottes Geschöpf, indem er zum Resultat von immer detailierteren Studien wird. Das alles hat selbstverständlich wirtschaftliche Gründe. Etwas womit kein Geld verdient werden kann gibt es nicht!
So hat man auch `seelische Erkrankungen´ typisiert und katalogisiert und es gibt Tabellen über den `Wert´ einer solchen `Störung´ die von leichtem Dachschaden bis zu schwerer Psychose reichen. Die Zuordnung trifft der Psychologe und der Kranke ist glücklich, wenn er endlich seine Schublade gefunden hat. Oder? Diese Notiz klebte am Eingang zu einer psychiatrischen Privatklinik. Sie spricht Bände!



Was aber macht man, wenn es nicht mehr darum geht, eine Krankheit der Seele zu diagnostizieren und zu behandeln, sondern, weil sich damit ja auch Geld machen lässt, einfach den `normalen´ Menschen in einem Katalog aufzulisten?
"Sage mir was Du isst und ich sage Dir wer Du bist" "Dein Auto ist Deine Persönlichkeit" "In der Wahl Deines Urlaubsziels offenbart sich Dein Lebensziel" Daraus lassen sich dann Syndrome konstruieren, die man "heilen" kann ... Es ist zum Kotzen! Siehe oben.
Gestern präsentierte nun eine gestylte Frau in irgend einem Dritten Programm eine ganz neue Studie aus Amerika, womit man immer die USA meint und dem Rest Unrecht tut, in der irgend ein Professor, Psychologe, an irgend einer Universität (das lässt sich sicher auch googeln) mit ca. 86 Studenten testete, was ihre Wohnung/Unterkunft über sie aussagt. So weit die Präambel. Dann kommt bei solchen Sendungen immer der Hammer, indem die moderierende Person sagen muss:
"Und das Resultat ist erstaunlich."
Käme dieser Satz nicht, hätte die Meldung keine Sendeberechtigung. Wer möchte schon etwas nicht Erstaunliches erfahren, das ein Professor in Amerika (USA) herausgefunden hat.
Also der erstaunte Professor fand heraus, dass, zum Beispiel, die Sauberkeit einer Bleibe etwas über den Charakter des Bewohners offenbart. Ob dessen Staubsauger gerade nicht funktionierte, oder seine Reinigungskraft im Urlaub war, spielte keine Rolle. Fazit:
Schmutz in der Wohnung = Schmutz im Geist.
Ist die Wohnung allerdings sauber und aufgeräumt, leidet der/die (Frauen werden gern als zwanghaft eingestuft) sie Bewohnende unter "Zwanghaftigkeit". Wie es im Geist einer solchen Person aussieht, will man gar nicht wissen. Allerdings kann man anhand von vergleichenden Profilen feststellen, ob sich so jemand zum Massenmörder oder nur zum Serientäter eignet.
Wer viele Bücher hat, ist entweder sehr wissbegierig und dadurch auch, das Beweismaterial steht in den Regalen, intelligent und besserwisserisch (das kann man heilen) ... oder ein Kleptomane der Bücher ausleiht und nicht zurück gibt. Das kann man heilen und bestrafen. Bringt beides Geld.
Eines hat der Professor auch festgestellt (und in einem Buch veröffentlicht das man kaufen kann!): Der auffälligste Gegenstand in einer Wohnung sagt am wenigstens über den Charakter des Bewohners aus.
Gott sei Dank!
Jetzt kann ich meine Guillotine wieder aus dem Keller holen und die Harfe dort deponieren. (Ich leide unter Persönlichkeitsspaltung und dem Peter-Pan-Syndrom.)
Mein Fazit?
Je mehr der Mensch, dieses wunderbare "piece of work", meint über sich selbst zu wissen, oder wissen zu wollen, desto kleiner wird er und versinkt schließlich im "Haufen übler Gerüche".
Das ist wie bei einer Zwiebel die man so lange häutet, bis nur noch Tränen übrig sind.


Freitag, 10. Januar 2014

Warum ausgerechnet Istanbul?

Gute Frage, einfache Antwort: weil ich schon mehrmals dort war und die Stadt mag. Ich wollte ja "liebe" schreiben, aber ich kenne sie zu wenig, um sie mehr als oberflächlich zu lieben. Also mag ich sie vorläufig. Und das seit … ca. 55 Jahren?! Ja, so lange ist das her, seit ich zum ersten Mal in Istanbul war. Als "Ambassador of Good Will", als Angehöriger der USNavy. Es war 1958 und die politischen  Verhältnisse im Mittelmeerraum … lassen wir das, sie sind nicht besser geworden seither. Der Captain sagte damals, ehe wir an Land gehen durften, wir sollen uns "zivilisiert" benehmen. "Amis", hauptsächlich als Militärs vertreten, hatten in Europa keinen guten Ruf. … (Ich klammere die Gegenwart aus. Amerikaner, die Bürger der USA, sind als Volk ok, als politische Macht zweifelhaft. So sieht das aus.)
Ich war also noch nicht ganz 20, gut aussehend und "in the Navy" …


Wir waren im Mittelmeer, für mich, der vor der Auswanderung in die USA nie im Ausland war, so gut wie "auf dem Mond"! Auf der Überfahrt von South Carolina, USA, nach Cadiz, Spanien, wurde ich zum ersten und einzigen Mal seekrank. Das gehöre dazu, trösteten mich die Kameraden. Im Hafen von Gibraltar schob uns ein Schlepper in die Breitseite unseres Schwesterschiffs … das ist eine andere Geschichte. ...
Ich war ja mit 17 in die USA ausgewandert, aber für mich war das Mittelmeer Griechenland, Mythos und Zivilisation. Ich fühlte mich daheim! Als wir durch die Dardanellen und den Hellespont fuhren, hätte ich bestimmt Rotz und Wasser geheult vor Glück, wäre ich damals so alt wie heute gewesen.
Istanbul erreichten wir früh morgens. Es herrschte dichter, wirklich sehr dichter! Nebel. Aus der undurchdringlichen Milchsuppe ringsum gröhlten fortwährend Nebelhörner. Je mehr desto näher wir dem Hafen kamen. Wir standen "on parade", also in Paradeuniform und in Reih und Glied entlang der Reling und auf dem Helikopter Landedeck ausgerichtet, wie es sich für inoffizielle "Botschafter des Guten Willens" ziemte, und erlebten ein nicht enden wollendes Wunder, als sich der Nebel, durch die  zunehmende Kraft der Morgensonne, langsam rosa färbte und Minarette und Kuppeln am Horizont über unseren Köpfen in der Luft auftauchten, wie Truggebilde einer Fata Morgana. So erlebte ich Istanbul zum ersten Mal! Schöner geht nicht!
Wir waren drei Tage lang dort und ich unternahm einige Ausflüge. Zum Beispiel eine Fährfahrt zum Schwarzen Meer. Damals noch ein Abenteuer, weil dort doch die UDSSR angrenzte!

Amerikaner, Bürger der USA, sind (oder waren?) ein "Rudelvolk". Zusammenbleiben, Kontakt halten, nicht ausscheren … Ohne es zu wollen, war ich dann doch plötzlich alleine auf weiter Flur. Vor mir das Schwarze Meer … Ich kann mich erinnern, dass es mir unheimlich war. Na ja, man lässt sich viel einreden. In einem Dorf ließ ich mich fotografieren. Ich hatte ja keine richtige Ahnung, wie unbeliebt die "Amis" dort damals waren. Die meisten US Amerikaner werden das auch heute nicht wissen.


Zurück nach Istanbul fuhr ich in einem total überfüllten Omnibus. Vielleicht war es ein Vorläufer des Dolmuş? In der Rückschau würde ich sagen, dass nur Männer an Bord waren. Ich habe auf jeden Fall keine Frau gesehen. Sehen wollen? Sardinen können nicht dichter gepackt in einer Blechdose liegen, als wir in diesem Omnibus standen. Man konnte kein Glied rühren, aber auch nicht umfallen. Es war beängstigend schön! Apropos Glied: dieser junge, mit seinem schwarzen Schnurrbart sehr "türkisch" aussehende Armeeoffizier aus der Kaserne, die ich am Schwarzen Meer aus der Ferne gesehen hatte, wurde mit solcher Kraft in meine Rückenpartie gepresst, dass ich seine Männlichkeit … aber das ist auch eine andere Geschichte. Auf jeden Fall hatte und habe ich Istanbul in bester Erinnerung!
Das zweite Mal besuchte ich die Stadt ungefähr 10 Jahre später auf einer Kreuzfahrt mit meinem Freund W., der am 23. Dezember 2013 starb. Es war eine schöne Zeit. Das Schiff war klein genug, dass wir die Straße von Korinth passieren konnten. Auch das ist eine andere Geschichte …
In Istanbul wurde das Schiff mit Musik und Volkstanz empfangen und später sahen wir Tanzbären auf der Galatabrücke und auch in der Stadt … Das gibt es natürlich nicht mehr. Für die Bären ist das auf jeden Fall besser! Die Brücke hat inzwischen einmal gebrannt, wenn mich nicht alles täuscht … Kurz vor der Stadtrundfahrt mit einer sehr netten, sehr gut Deutsch sprechenden Fremdenführerin, entlud sich ein gewaltiges Gewitter über der Stadt und die Straßen verwandelten sich in reißende, lehmige Bäche. Der Omnibus musste anhalten! "Da muss irgendwo irgendwas verstopft sein." meinte die nette junge Frau, ich glaube sie hieß Eisel oder so ähnlich, und fügte hinzu: "Normal ist das nicht!" Neulich sah ich im Fernsehen eine Reportage über die Wasserversorgung Istanbuls. Unter anderem wurden Straßen nach einem heftigen Regen gezeigt, sie glichen Sturzbächen aus lehmiger Brühe. Ich hatte ein Deja-vue! Das ganze Wassersystem sei völlig veraltet, sagte der Reporter. ...
Ich bin gespannt auf Istanbul!
Übrigens ist Istanbul durchaus mit Venedig vergleichbar, wegen ihrer (ich nenne Istanbul auch "Sie", wenn auch nicht Serenissima) unvergleichlichen Lage auf zwei Kontinenten. Sie neu zu erleben wird wunderbar!

Sonntag, 17. November 2013

Eindrücke in Bildern von der Biennale





























Es hat mich schon ein bisschen überrascht, dass so verhältnismäßig viele Besucher hierher kommen, im Vergleich zu den Massen, die nur bis zum Markusplatz finden. Auch die Tatsache, dass keine Gruppen und Grüppchen mit Führerperson mit hochgehaltenem Erkennungszeichen, Regenschirme, Fähnchen, etc. durchgeschleust wurden, bewerte ich positiv. Vielleicht schreckte diesen Personenkreis ja das hohe Eintrittsgeld ab? Trotzdem bildeten sich vor manchen Pavillons kleine Schlangen, weil die Kunst im Innenraum begrenzt begehbar ist. Im Ägyptischen Pavillon ist das zwar nicht der Fall, deshalb wirkt der einsame, mystisch beleuchtete "Derwisch" (?) auch sehr intensiv auf mich.

















































Ein bisschen hat es mich ja auch gewundert, dass Ägypten überhaupt in diesen Zeiten der Unruhe vertreten ist. Aber Kunst ist ja angeblich nicht politisch ...
Der amerikanische Pavillon, also der der ESTATI UNITI, ist schon außen zum Kunstwerk verfremdet an dem es viel zu rätseln und entschlüsseln gibt. Allerdings wird man nur in Grüppchen von begrenzter Anzahl eingelassen, es sei denn, es bildet sich gerade kein Außenstau. Ich verzichtete auf die Innenansicht. Enge Räume und erdrückende Menschenmassen sind nicht so mein Ding, es sei denn, die Situation hat eine erotische Komponente ...





















































In manchen Pavillons gab es wenig zu sehen und das Wenige fand ich nicht immer interessant. Kunst findet ja im Kopf des Betrachters statt, denke ich und manches hinterlässt eben keinen bleibenden Eindruck. Dieses "Gespinnst" (mein Titel) in einem der brasilianischen Räume gefällt mir auf jeden Fall, weil es mit Licht und Schatten erst komplett ist.

Venedig hat ja einen eigenen Pavillon in dem verschiedene italienische Künstler ihre Arbeiten präsentieren. Mir haben sie viele Bilder im Kopf hinterlassen, nicht nur in der Kamera, wobei mich der "Blutfluss" der gewebten Roten Frau gleich hinter dem Eingang an die Plastinate von Gunther von Hagens erinnert.


























































































































































































Ich nenne diesen Kunstraum einfach salopp "Das Windei", weil in seinem verspiegelten Inneren, das den Eindruck der Unendlichkeit sehr real vermittelt, Wind- beinahe schon Sturmlaute erklingen. Die Kombination von "Innen" das "Außen" zu hören ist, oder wirkt auf mich, beruhigend. Auch der optische Eindruck des endlich Unendlichen, schließlich befinde ich mich ja in einem imaginären Kreis, lässt keine Platzangst zu. Dazu kommt das sehr positiv wirkende Sonnensymbol, das "wärmende" Gold und die blauen "Durchbrüche", die den Wind plausibel erscheinen lassen, ihn beinahe fühlbar machen, die eine "schöne, weite Welt" auf sehr engem Raum erschaffen. 
Die im folgenden Raum ausgestellten übergroßen Fotogemälde und die Plastik der zwei Figuren empfand ich als (h)eis(s)/kaltes Rätsel. Schon allein dieser Pavillon ist genug "Erlebnis" für einen ganzen Tag.
























































Viele Länder, inklusive Deutschland, im französischen Pavillon, sind mit musikalischen Installationen vertreten, die ich allerdings alle nicht so fesselnd finde, dass ich mich für längere Zeit darauf einlasse, was die Natur der Darbietung ja erfordern würde.

Im rumänischen Pavillon wird "lebendige Kunst" ausgestellt. Zehn junge Menschen, in verschiedenen Gruppen, erscheinen als eine Installation in Bewegung, wenn ich es richtig verstanden habe, den "Zustand der Biennale" (An Immaterial Retrospective of the Venice Biennale) in immer wieder wechselnden Posen und Bewegungen zu zeigen. Es werden 100 "Kunstwerke" seit der Gründung der  Biennale bis heute nachgestellt. Dass die Besucher Teile dieser Bilder werden bleibt dem Fotografen überlassen. Ich fand es "sehenswert". Finde das immer noch. Siehe unten.


















































English Magic nennt der Künstler Jeremy Deller seinen Beitrag zur Biennale. Der großformatige Raubvogel mit dem roten Auto in der Kralle signalisiert einen guten Tag für Radfahrer, A Good Day For Cyclists. Der Vogel scheint durch den Eingang zum Pavillon auf den Besucher zuzufliegen. Das macht neugierig. Der überlebensgroße Reeder(?), der ein Schiff auf die in milchigem Dunst verblassende Silhouette von Venedig schleudert, trägt den Titel We Sit Starving Amidst Our Gold. An der Wand sind eine große Anzahl von Aktien angebracht ...













































































































Vielleicht möchte der Künstler ja bewusst auf die Bedrohung Venedigs durch die Schifffahrt aufmerksam machen? Wie dem auch sei, diese Feder, wahrscheinlich von einem mit Humor begabten Besucher an die Außenwand geklebt, hat auch etwas Optimistisches und ich verlasse die Giardini mit genügend Bildern und "Visionen" angereichert für die nächste Zeit.





































































Inzwischen hat die Sonne wieder übernommen, Venedig zeigt sich im vorteilhaftesten Licht und der Rückweg zum Markusplatz wird zum Bilderbuch.













































































































Wer die diesjährige Biennale noch besuchen möchte und nicht schon in Venedig ist, sollte möglichst bald anreisen. Die Kunst-Schau schließt ihre Tore am 24. November 2013. Der Besuch lohnt sich.