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Mittwoch, 11. Januar 2017

Uhrmacher - gibt's die noch?


Jedem Uhrensammler stellt sich diese Frage irgendwann einmal, spätestens wenn eine seiner "Schätze" plötzlich nicht mehr geht. Eine "stehende" Uhr ist tot und wer möchte schon einen "Uhrenkadaver" an der Wand hängen oder auf dem Regal stehen haben? Ich nicht!


Diese Jahresuhr mit Federaufzug gab vor einigen Wochen den Zeitgeist auf, aus unerfindlichen Gründen. Im Nachhinein glaube ich zwar mich an einen lauten "Rums" zu erinnern, den ich mit einer Uhr in Verbindung brachte, aber nur mit dem spontanen "Nachschnalzen" einer Feder, das manchmal vorkommt aber keinen Schaden verursacht. Erst als mir auffiel dass die Jahresuhr nicht mehr ihre Pendelrunden ausführte und ein Neustart nichts brachte, dämmerte mir, dass mit ihr etwas nicht in Ordnung sein kann. Ich versuchte noch mehrmals sie wieder in Gang zu bringen, das Pendel rotierte auch einwandfrei und die Zeiger bewegten sich normal, aber es fehlte der Federantrieb. Nach einigen Minuten ging sie nicht mehr. Irgend etwas war kaputt, aber was? 
Hier kam dann die Überlegung: lasse ich sie reparieren oder schmeiße ich sie in den Müll? Zwar bin ich zur Zeit dabei meine Sammlung zu reduzieren, einige Tischuhren und eine Wanduhr habe ich schon verschenkt und verkauft, eine sogar wirklich im Restmüll entsorgt, aber das nur, weil ich Platz an der Wand über meinem Schreibtisch brauche, an der ich meine Arseniy Lapin-Bildersammlung anbringen möchte. Diese Uhr wird davon aber nicht tangiert, da sie auf einem Regal steht, zweite Etage von oben, rechts.

Und, ehrlich gesagt, ich finde sie zu schade für den Müll! Also reparieren lassen. Aber von wem? Mein Bekannter, ein Uhrmacher im Ruhestand, der mir bisher die Uhren in Schuss hielt, hat das Handwerk endgültig aufgegeben. Na ja, er ist über 80 und da lässt die Ruhe der Hand, auf die es in diesem Beruf ja besonders ankommt, schon mal nach. Also musste ich einen Uhrmacher finden. Aber wo und wie? Klare Antwort: googeln!

Hocherfreut stellte ich fest, dass es 159.000 (hundertneunundfünfzigtausend!) Ergebnisse gab, aber im Endeffekt blieben nur fünf Adressen zur Auswahl. Eine fiel dann weg, weil man dort nur Batterien und Armbänder austauscht. Bei der nächsten sprang gleich der Anrufbeantworter an, und das an einem Dienstag Vormittag zu normalen Geschäftszeiten. ... Schließlich blieb nur noch "Cornehl Uhren" übrig. Ich war schon sehr entmutigt und dachte, wenn das nicht klappt, dann wird die Uhr entsorgt. Aber am Telefon meldete sich wirklich ein Mann und es war der Uhrmacher selber. Da fasste ich sofort Vertrauen. Nachdem ich ihm mein Problem geschildert hatte, sagte er natürlich, dass er sich die Uhr anschauen müsse. Wir vereinbarten einen Termin gleich am Nachmittag, zwischen 14:00 und 15:00 Uhr. Perfekt!
Die Adresse in Stuttgart Ost, Roßbergstraße 4c, war zwar nicht leicht zu  finden, aber ich verirrte mich doch nicht auf dem Weg dorthin. Herr Cornehl ist ein junger Uhrmachermeister der Uhren liebt! Wer mehr über ihn erfahren möchte sollte sich seine Webseite anschauen. Ein erstaunlicher Mensch! Wenn ich mich mit der Webseite näher befasst hätte, ehe ich bei ihm anrief, hätte mich höchst wahrscheinlich der Mut verlassen. So aber befindet sich meine Uhr jetzt in seiner Obhut und ich bin sicher, dass sie fachmännisch begutachtet und, wenn ich mit den Kosten einverstanden bin, repariert wird. Ich bin gespannt!



Dienstag, 29. November 2016

In einem Zimmer


Still. Ganz still und nicht bewegen.
Es ist genug dass sich die Luft bewegt,
die gestern noch auf Deiner Stirn gelegen
und sich nun sanft auf meine legt.

Die Uhren raunen an den Wänden
und schauen mich nachdenklich an -
in ihnen ist von Deinen Händen
mehr Zärtlichkeit als ich erwarten kann.

Dort hängt Dein Blick und hier ein Wimpernschlag.
Aus allen Büchern hört man die Gedanken rauschen,
die Du in sie versenkt. An ihnen liegt und lag
so vieles Dir ... Ich würde gern mit ihnen tauschen.

Ein Staubkorn fällt und glimmt im Licht,
die Weltzeit ist in ihm versammelt.
Das Uhrenschlagen schreckt uns nicht,
und nicht was Uhrenschlagen je gestammelt.

Es ist nicht viel von mir in diesem Zimmer,
nur dort und da ein Stück Papier.
Ich bliebe gerne länger, auch für immer ...
Still. Ganz still: ich war ja einmal hier!
 

 (gelang, am 17. Februar 1988)

Die Zeit verging und schrieb
was von der Liebe übrig blieb. 

gelang, am 29. November 2016

Dienstag, 29. September 2015

Uhrenrätsel


Uhren sind "zeitlos" weil Zeit ein theoretischer Begriff ist, weil Zeit nur für Menschen existiert und von Menschen quasi "erfunden" wurde. Um "die" Zeit zu zähmen, ihr Form, Inhalt und eine Konsistenz zu geben, war der Mensch gezwungen Zeitmesser zu erfinden. Was der Mensch nicht messen kann treibt ihn in den Wahnsinn.
Wie lange gibt es Zeitmessgeräte? Die Babylonier erfanden den 24 Stunden Tag und die 7 Tage Woche. Aber das heißt nicht, dass sie die Zeit erfanden, nur dass sie sich intensiv mit ihr beschäftigten.
Hatte der Steinzeitmensch kein Zeitgefühl? Stonehenge spricht dagegen. Das ist wahrscheinlich "nur" eine Jahresuhr, aber warum sollte der Höhlenmensch nicht auch schon mit einem Arrangement von Steinen und Holzstäbchen den Lauf der Stunden gemessen haben? Seine "Uhren" sind auf jeden Fall verloren in der Zeit.
Uhren zerstören Zeit, das ist ihre Aufgabe!
Zeitmesser wurden erfunden, gleichgültig wann, um den Menschen die Vergänglichkeit deutlich vor Augen zu führen. Und deshalb wurden sie im Lauf der Zeit immer schöner. Das ist Vergangenheit. Heutzutage sind sie nur noch präziser, als wollte man wissen wie lang das Leben ist, indem man es in Mikrosekunden aufteilt.
Sei's drum: am Inhalt der Zeit ändert sich nichts, höchstens an ihrer Wahrnehmung durch das Auge. Und damit komme ich zu meinem Thema. (Hat ja lange genug gedauert, zeitlich gesehen.)
Sonntags ist bei mir immer "Uhrenaufziehtag". (Das habe ich von meinem Freund P. übernommen. Es ist logisch, weil man sonntags Zeit hat. Am besten geeignet ist die Zeit zwischen Viertel vor und Viertel nach 10, weil da die Zeiger nicht in Konflikt mit den Schlüsselöffnungen kommen, speziell bei Uhren mit "Westminsterschlag". Das nur als Tip für Neueinsteiger.) Zwölf Uhr geht natürlich auch. Das gilt für Uhren mit 7-Tage Laufwerken.



Wer sich mit Uhren beschäftig, vielleicht sogar sammelt, fragt sich schon manchmal, wie alt die eine oder andere ist. Im Fall einer meiner Standuhren wurde ich ja durch die Entdeckung von alten Zeitungsfragmenten in den Gewichten fündig. Das habe ich in einem anderen Kapitel eingehend geschildert. (Geheimnisse einer Uhr)
Manche Uhren, meist die sehr alten, entziehen sich dem Sonntagsrhytmus, weil ihre Laufwerke nicht für lange Zeiträume gefertigt wurden. Manche schaffen, wegen der Länge der Feder, nur zwei, höchstens drei Tage. Und dazu gehört die ganz oben abgebildete.
Ich habe sie auf dem Flohmarkt gefunden und eigentlich ist sie ja nicht gut erhalten, siehe das Zifferblatt, dem man ansieht, dass schon viele Hände beim Aufziehen darüberscheuerten.



Nun habe ich ja die Angewohnheit mit den Dingen zu reden, mit denen ich mich gerade beschäftige und so fragte ich die oben abgebildete Uhr beim Aufziehen heute am Morgen: "Wie alt bist Du eigentlich?" Sie sagte gar nichts, zeigte mir aber dieses, das mir vorher nie aufgefallen war:

Ehrlich gesagt kann ich damit nichts anfangen. Die ersten drei(?) Zeichen?: ein A ... und dann? 
FEB. 11. 1879? Was für eine Verarsche ist das denn? dachte ich. 1879? Da lebte zwar mein Großvater mütterlicherseits noch, aber das ist trotzdem schon verdammt lang her! Ich wikipediate also mal den Jahrgang 1879:


























Viele Informationen, auch ganz interessante, zum Beispiel wurde in dem Jahr das erste Deutsche Nahrungsmittelgesetz erlassen. Welches Nahrungsmittel betroffen war, steht allerdings nicht dabei. Wenn man es wissen möchte, kann man sich weiterverlinken. (Ach! I <3 die neue deutsche Sprache!!! Das <3 bedeutet ein Herz=Liebe!)
Mit meiner Uhr konnte ich nichts in Verbindung bringen. Beim 9. Mai stutzte ich kurz, da stand etwas mit Ur, war dann aber ...ologisch gemeint.
Ich liebe Rätsel, hoffe aber immer die Lösung zu finden. Also sah ich mir die Uhr noch einmal genauer an. Das Glas war ja dekoriert, aber sicher nicht handbemalt. Trotzdem nicht ganz hässlich. Siehe unten:





Aber das waren ja wieder nur neue Fragen. Kann mir das Pendel etwas verraten? fragte ich mich. Es ist ja nicht gerade "herkömmlich". Wobei ich sagen muss, dass es sich sehr penibel regulieren lässt und diese Uhr eine meiner genauestgehenden ist!





























Bleibt nur noch der Schlüssel, dachte ich. Der ist durch so viele Hände gegangen, der kann doch etwas erzählen. Ich habe ihn auch intensivste befragt, aber die Spuren sind zu sehr verwischt. Da klebt zwar der Schweiß, Rotz und sonstwas von wer weiß wie vielen Generationen dran, aber die kleinen Punzen bewahren ihr Geheimnis. Siehe unten:























































































Wie alt ist also diese Uhr? Wo wurde sie hergestellt? Das Datum FEB. 11. 1879 deute auf Amerika oder England, weil man dort das Datum so angibt. Fragen über Fragen. Werden sie je eine Antwort finden? (An dieser Stelle schalte ich bei TV Dokus immer frustriert ab. Was für eine Zeitverschwendung! denke ich dann.)
"Time waits for nobody", also dann: Gute Zeit.












Dienstag, 7. Oktober 2014

Wie erlebe ICH Zeit


Das ist nicht als individuelle Frage gedacht sondern als eine Überschrift, die ich als Ouverture verstanden wissen möchte, als eine Eröffnung, die schon in sich jedem Leser seine eigenen Antworten anbietet. Und schon in diesem kaum messbaren Augenblick, in dem sich die Antworten dem Bewusstsein aufdrängen, ohne formuliert zu werden, erlebt man Zeit. So einfach ist das. Und so schnell vergeht sie. 
Im Zeitalter der absoluten Messbarkeit des Vergänglichen, wo Millisekunden eine Zahl mit sieben Nullen im Vorfeld sind, ist es nicht mehr selbstverständlich über Zeit nach-zu-denken, deren Schwinden so offensichtlich dargestellt werden kann. Zeit sichtbar machen ist vergleichbar mit dem sichtbar machen eines Geruchs. Das aber ist vorläufig noch nicht möglich. Dass beide in ihrer Flüchtigkeit vergleichbar sind steht aber außer Frage.
Wie erlebe ich Zeit? Diese konkrete Frage stellte ich mir heute nachdem ich die neue Waschmaschine mit vier Kilo Wäsche beladen und sie eingeschaltet hatte. (Woher weiß ich, dass es vier Kilo sind? Ich entnahm die Wäsche dem Wäschekorb und stellte mich damit, nackt, auf die Waage, auf der ich ohne Wäsche 75,1 Kilo, mit Wäsche 79,1 Kilo wog. Warum wollte ich das wissen? Weil ich ihr Gewicht auf ca. 6 Kilo schätzte, was die Waschmaschine überlastet hätte. Gewicht schätzen ist nicht meine Stärke.) Weil die Wäsche, obwohl locker eingelegt, die Trommel ziemlich kompakt ausfüllte, zumindest für mein Dafürhalten (gibt es das Wort noch?), fragte ich mich, ob das Wasser ausreichen würde um sie überhaupt zu durchfeuchten, geschweige denn zu waschen. Also beobachtete ich den Wasserzulauf des Vorwaschgangs, der etappenweise stattfand. Beim Einschalten der Maschine sah ich, dass die Gesamtwaschzeit 1, 47 Stunden dauern würde. Als mein Blick wieder auf die Digitale Zeitanzeige fiel, sah ich, dass vier Minuten vergangen waren. Vier Minuten! Wohin? Was hatte ich in dieser Zeitspanne getan? Ich hatte nur, ohne irgend einen meiner fünf Sinne bewusst zu betätigen, darauf gewartet, dass Wasser in die Wäschetrommel zulief. Ich war bestürzt! In diesen vier Minuten waren Menschen in Syrien und in der Ukraine sinnlosen Kriegen zum Opfer gefallen, andere an Ebola und Marburg-Fieber gestorben. In Japan wüten verheerende Stürme, Hochwasser und Erdrutsche reißen Menschen in den Tod. Die Reiter der Apokalypse reiten über den Erdball! Und ich? Ich stellte mir die Frage, wie ich Zeit erlebe.
Der Zeit sind viele Eigenschaften zugeordnet von zeitlos bis zeitraubend. Verlorene Zeit, vertane Zeit, höchste Zeit (hat das etwas mit Hochzeit zu tun?), ach-du-liebe-Zeit, gute-alte-Zeit, Neuzeit usw. Und als wäre sie nicht aufgeteilt genug, gibt es auch noch die vier Jahreszeiten. Die habe ich in einer Collage so dargestellt:


Zeit darzustellen ist eine Aufgabe der Uhren. Uhren herzustellen, die dies auf eine schöne Art präsentieren, war ein Bestreben der Vergangenheit. Dem flüchtigen Moment ein beständiges Gehäuse geben. Die Zeit behutsam behandeln. Die Zeit sehen. Zeit erleben. ...



Sorry, die Waschzeit ist abgelaufen. Eine Stunde und siebenundvierzig Minuten. Es ist zwölf Uhr mittags. Mahlzeit!

Donnerstag, 18. September 2014

Heute


So nennt man den Tag der uns durch die Finger rinnt. Gestern ist ein Häufchen Sand und Morgen wird noch angespült. Wenn ich an meinem `neuen Arbeitsplatz´ sitze, vor meinen Augen und in meinem Rücken, rechts und links Uhren die ticken und schlagen, dann fühle ich mich als Sandkornteil dieses Zeitrieselns. Das gefällt mir und ich fühle mich wohl dabei.

Uhren sind, oder waren, noble Geschöpfe. Seit die Menschen versuchen der Zeit Gestalt und Gesicht zu geben, ein sinnloses Unterfangen, bemühen sie sich, zumindest das Äußere sicht- und hörbar zu machen. So erkennen sie, dass das Wesen der Zeit unsichtbar bleibt, wie die Seele des Menschen, aber sie geben dem Sichtbaren die Schönheit, die sie im Wesen vermuten. Darum liebe ich meine Uhren und fühle mich dem seelenverwandt, der sie schuf.



































Es kommt mir nicht darauf an, dass es teuere Uhren sind, meine stammen alle vom Flohmarkt, sie müssen mich nur `ansprechen´, müssen zeigen, dass sie eine Geschichte haben und sie müssen funktionieren. Es gibt nichts kälteres, als eine Uhr die nicht tickt. Sicher, manche sind irreparabel, aber solche besitze ich nicht. Sie können gern `eine Macke´ haben, zum Beispiel die Stunden nicht richtig schlagen, aber sie sollen mir den Fortgang der Zeit zeigen.
Sie geht fort und lässt uns zurück und ich denke, der Mensch hat die Uhr erfunden, um etwas Schönes zu haben auf das er zurückschauen kann und das nur der Zeit gewidmet ist, nicht der Erinnerung, an der wir den Rest des Lebens messen.


Warum diese Nostalgie? Heute habe ich alte Briefe zerrissen, die mir vor langer Zeit zurück geschickt wurden und in einem von diesen fand ich ein Gedicht wieder, das ich verloren glaubte. Das habe ich sehr bedauert, immer wieder, weil es in meinem Gedächtnis haftete ohne sich konkretisieren zu können. Ich konnte mich an kein einziges Wort erinnern, nur dass darin ein Staubkorn eine Rolle spielt. Es ist mein `bestes´, auch wenn es nicht wirklich `gut´ ist. Zumindest hat es etwas mit Uhren zu tun und, schlussendlich, mit Zeit die fort geht.


Dieser Collage gab ich den Titel `Vergänglichkeit´ und so könnte jede Uhr heißen, oder `Ewigkeit´, wie diese zweite Collage.

Zum Schluss noch die Ballade `Die Uhr´, von Carl Löwe. Aber den Begriff `Schluss´ kennt die Zeit nicht.



Montag, 3. März 2014

Frühjahrsputz


Nein, nicht mit Staubsauger, Eimer und Schrubber, eher ohne. Genau genommen ist es kein Putzen, sondern Ordnung schaffen. Allerdings nicht mit Dinge von hier nach da und von da nach dort räumen, mehr ein Ballast abwerfen. Sperrmüll entsorgen sagt man wohl dazu. Wobei mein "Müll" durchaus noch zu gebrauchen ist. Siehe unten.

Dieser Zweisitzer ist noch wie neu, wenn man so sagen darf über ein mehr oder weniger dreißig Jahre altes Möbel. Ja, gut, es ist verstaubt, aber dazu kann man: "Es hat Patina" sagen. An manchen Stellen mehr, an anderen etwas weniger mehr. Die Falten hatte es neu auch, nur nicht ganz so viele und ein bisschen anders verteilt ... Na gut, es wird vom Sohn der netten Türkin um die Ecke abgeholt, sie hat ein Entrümpelungsunternehmen mit Antiquitätenhandel nebenbei, oder umgekehrt. 
Ein paar alte Uhren nimmt er auch mit. Die gehen zwar alle einwandfrei, nur eine hat beim Schlagen eine Macke, die ganz vorne auf dem Tisch. Sie rattert die Schläge herunter schneller als man zählen kann. Die beiden anderen haben Westminsterschlag. Die in der Mitte tut sich beim Stundenschlag etwas schwer. Um zwölf Uhr denke ich manchmal: "Hoffentlich schafft sie es noch vor dem Viertel-nach-Schlagen". Ist ein Scherz!

Sie ist übrigens 65 cm lang, also nicht gerade für eine Ein-Zimmer-Wohnung geeignet. Der Schlag ist auch ziemlich laut, da kann man in hellhörigen Neubauten Ärger mit den Nachbarn bekommen.
Die Dritte ist aber ganz ok bis auf das abgewetzte Zifferblatt und das fehlende Glastürchen davor. Der Schlüssel fehlt auch. Das Furnier wird langsam rissig an manchen Stellen. ... Aber ich verschenke sie ja alle und dazu noch die antike Briefwaage, die aber wirklich total in Ordnung ist! Ich mache allerdings jede Wette, wenn die im Laden steht, dass jemand fragt, wo man denn da die Batterie einlegt.
Schwierig wird es mit dem "Elektronik-Schrott", der sich schneller ansammelt als Staubmäuse unterm Sofa! Ich habe einen Schrank voll davon, der auf andere Möbel überquillt. Ganz zu schweigen von den Verpackungsmaterialbergen, die meinen Keller unzugänglich machen.




Kaum hat man sich den neuesten Walkman gekauft, schon kommt der MP3 Player auf den Markt und so geht das Schlag auf Schlag, ob das ein Fernsehgerät ist, oder ein PC. Alles wird Super-Scharf und Ultra-Dünn und Air-Leicht. Wohin aber mit Super-8 Filmkameras, Transistorradios und meinem allerersten Notebook, das so schwer ist, dass ich es zum Gewichtheben benutzen könnte, wenn es einen Griff hätte? So wird man zum Elektronik-Messy! Das Absurde an der Sache ist, dass ich das teuer Eingekaufte jetzt auch noch gebührenpflichtig entsorgen lassen muss. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass der junge Türke, der jetzt dann gleich da sein sollte, gnadenlos gut aussieht!