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Montag, 12. Oktober 2015

Zu meinem siebenundsiebzigsten Geburtstag (Danke Omar!)




Nun ist der süße Honig abgeflossen,
den Dir der Herbst noch schenkt.
Das Jahr ist somit abgeschlossen,
das uns die Sonne ewig lenkt.

Trink Wein und lass Dich nicht verdrießen
was dunkle Monate bescheren!
Es wird auch wieder Honig fließen,
wenn sich die Sonnenstunden mehren.

Sehr viel geschah in diesem einen Jahr,
ein ganzes Leben könnte man so fassen:
dass alles nur eine Sekunde war,
die wir nun einfach gehen lassen.

Ein Jahr vergeht, es gehen viele,
Dein Leben wird in Zeit gemessen.
Bald findest Du Dich an dem Ziele:
Der Tod ist honigsüß und hat Dich nicht vergessen!

gelang 2015

Sonntag, 20. September 2015

Leben - im Sinne von Omar Khayyam


Ach wäre ich in einen Tag geboren ohne Stunden
und wäre dann ein Ding das Liebe nie empfunden:
die Sonne wäre nicht und nicht der Mond am Firmament,
und nicht das Tier, das man "die Menschen" nennt.

Ihr seht die Sonne die am Himmel flammt,
den blassen Mond und seid verdammt
euch nur allein zu lieben: deshalb eben
niemals zu wissen, was es heißt zu leben!

gelang 2015

Samstag, 20. Juni 2015

Madonnenlilie































Du solltest niemals auf die Sonne warten,
sie kommt und geht und wartet nie auf Dich!
Gehe hinaus wo Lilien blühn im Garten
und warte dort auf mich.

Ich werde dort sein, jeden Tag,
sei Sonnenschein oder auch nicht,
ich warte dort ... weil ich Dich mag:
Du bist mein Sonnenlicht!

Wenn Du mich anschaust mit verklärtem Blick
und mehr als Weiß und Ocker in mir siehst,
dann flutet alles Licht in Dich zurück,
das aus der Sonne durch mich fließt.




















gelang 2015









Samstag, 13. Juni 2015

Sonne und Wein - Ein Rausch


Seht dort die Sonnenscheibe, 
wie sie erstrahlt in voller Pracht;
Hier meinen vollen Becher Wein,
den ich mit Freuden leere.

Ich sage beiden gern: "Ach bleibe!"
Sie aber sinkt in das was ich gedacht.
Mir bleibt nur Wein, den ich verehre!

Doch wenn der letzte Tropfen ausgetrunken,
erhebt die Sonne sich aus tiefer Nacht,
in welche ich dann ganz versunken.
Mögen mir beide gnädig sein!

gelang 2015

Dienstag, 9. Juni 2015

Sommer - Ein Gedicht















Siehst Du die Zeit?
...

Klatschmohn und Kamille:
Farbe und Duft getrennt vereint;
Harmonie ohne Wille
und ein Moment der Stille, 
während die Sonne scheint.
...
Der Himmel ist blau und weit!
Bist Du bereit?

gelang 2015

Sonntag, 19. April 2015

Im Siebenmühlental - Ein Gedicht




























Noch lehnt die Sonne an den Tannenstämmen
die hangwärts Haupt in Haupt verschlungen stehn.
Sie ist bemüht die Strahlenflut zu dämmen, 
es ist schon spät, sie vor dem Untergehn.

Der Wind kommt leise, hier will er nicht stören,
und streift den Wald wie Saiten einer Harfe, sacht.
Da summt und tönt es in den Wipfeln ohne aufzuhören:
stumm geht der Tag und klingend naht die Nacht.

Das Firmament glüht auf in weiter Himmelsrunde,
die Sterne leuchten hell im Tannenreigenhaar.
Die bleichen Stämme schimmern selbst zur Mittnachtstunde
wie schlanke Kerzen, hoch und klar.

Steht dann der neue Tag, heut so wie gestern,
im Osten zitternd auf des Messers Schneide,
dann webt der Nebel Schleier für die Tannenschwestern
und streut Tauperlen auf die kühle Weide.

Ich will hier warten noch und träumen,
bis durch den Nebel Morgensonne bricht
und in den längst verstummten Bäumen
der erste Vogel einen Segen spricht.




















gelang 1964