Der Titel sagt alles. Eine Art Tagebuch ohne Datum, Erinnerung wie sie gerade daherkommt. Verschiedene Themen meine Befindlichkeit beschreibend ... Viel Spaß beim Lesen!
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Montag, 6. Februar 2017
Mittwoch, 11. Januar 2017
Uhrmacher - gibt's die noch?
Jedem Uhrensammler stellt sich diese Frage irgendwann einmal, spätestens wenn eine seiner "Schätze" plötzlich nicht mehr geht. Eine "stehende" Uhr ist tot und wer möchte schon einen "Uhrenkadaver" an der Wand hängen oder auf dem Regal stehen haben? Ich nicht!
Diese Jahresuhr mit Federaufzug gab vor einigen Wochen den Zeitgeist auf, aus unerfindlichen Gründen. Im Nachhinein glaube ich zwar mich an einen lauten "Rums" zu erinnern, den ich mit einer Uhr in Verbindung brachte, aber nur mit dem spontanen "Nachschnalzen" einer Feder, das manchmal vorkommt aber keinen Schaden verursacht. Erst als mir auffiel dass die Jahresuhr nicht mehr ihre Pendelrunden ausführte und ein Neustart nichts brachte, dämmerte mir, dass mit ihr etwas nicht in Ordnung sein kann. Ich versuchte noch mehrmals sie wieder in Gang zu bringen, das Pendel rotierte auch einwandfrei und die Zeiger bewegten sich normal, aber es fehlte der Federantrieb. Nach einigen Minuten ging sie nicht mehr. Irgend etwas war kaputt, aber was?
Hier kam dann die Überlegung: lasse ich sie reparieren oder schmeiße ich sie in den Müll? Zwar bin ich zur Zeit dabei meine Sammlung zu reduzieren, einige Tischuhren und eine Wanduhr habe ich schon verschenkt und verkauft, eine sogar wirklich im Restmüll entsorgt, aber das nur, weil ich Platz an der Wand über meinem Schreibtisch brauche, an der ich meine Arseniy Lapin-Bildersammlung anbringen möchte. Diese Uhr wird davon aber nicht tangiert, da sie auf einem Regal steht, zweite Etage von oben, rechts.
Und, ehrlich gesagt, ich finde sie zu schade für den Müll! Also reparieren lassen. Aber von wem? Mein Bekannter, ein Uhrmacher im Ruhestand, der mir bisher die Uhren in Schuss hielt, hat das Handwerk endgültig aufgegeben. Na ja, er ist über 80 und da lässt die Ruhe der Hand, auf die es in diesem Beruf ja besonders ankommt, schon mal nach. Also musste ich einen Uhrmacher finden. Aber wo und wie? Klare Antwort: googeln!
Hocherfreut stellte ich fest, dass es 159.000 (hundertneunundfünfzigtausend!) Ergebnisse gab, aber im Endeffekt blieben nur fünf Adressen zur Auswahl. Eine fiel dann weg, weil man dort nur Batterien und Armbänder austauscht. Bei der nächsten sprang gleich der Anrufbeantworter an, und das an einem Dienstag Vormittag zu normalen Geschäftszeiten. ... Schließlich blieb nur noch "Cornehl Uhren" übrig. Ich war schon sehr entmutigt und dachte, wenn das nicht klappt, dann wird die Uhr entsorgt. Aber am Telefon meldete sich wirklich ein Mann und es war der Uhrmacher selber. Da fasste ich sofort Vertrauen. Nachdem ich ihm mein Problem geschildert hatte, sagte er natürlich, dass er sich die Uhr anschauen müsse. Wir vereinbarten einen Termin gleich am Nachmittag, zwischen 14:00 und 15:00 Uhr. Perfekt!
Die Adresse in Stuttgart Ost, Roßbergstraße 4c, war zwar nicht leicht zu finden, aber ich verirrte mich doch nicht auf dem Weg dorthin. Herr Cornehl ist ein junger Uhrmachermeister der Uhren liebt! Wer mehr über ihn erfahren möchte sollte sich seine Webseite anschauen. Ein erstaunlicher Mensch! Wenn ich mich mit der Webseite näher befasst hätte, ehe ich bei ihm anrief, hätte mich höchst wahrscheinlich der Mut verlassen. So aber befindet sich meine Uhr jetzt in seiner Obhut und ich bin sicher, dass sie fachmännisch begutachtet und, wenn ich mit den Kosten einverstanden bin, repariert wird. Ich bin gespannt!
Mittwoch, 24. Juni 2015
Uhr
Du hast so viel Gelegenheit die Zeit zu kontrollieren,
den Lauf des Gehens Deines Lebens zu bestaunen;
und doch obliegt es Deinen Launen
Zeit zu gewinnen oder zu verlieren.
Du hast die Uhr dafür geschaffen,
die Deine Zeit in kleine Teile schneidet,
und trotzdem dient sie jedem Affen,
dass er sie dann mit Dir auch teilet!
Teilen heißt haben, aber hast Du Zeit?
Sie ist nie das was Du Dir denkst.
Sie ist nur das was Du ihr schenkst.
Bist Du für diese Uhr bereit?
gelang 2015
Sonntag, 8. Februar 2015
Uhren aufziehen
Dazu bedarf es eines Schlüssels. Und wenn man viele Uhren hat, braucht man auch viele Schlüssel, weil "Norm" den Uhrenbauern wohl ein Fremdwort war. Sie kreierten Individuen, nicht Lebewesen, aber lebendige Dinge. Und jedes individuelle Ding braucht einen persönlichen Zugang. Den Schlüssel.
Ich werde hier keine Geschichte der Uhren schreiben, dazu weiß ich viel zu wenig über sie. Aber werde versuchen zu schildern, was ich beim Aufziehen der Uhrwerke empfinde. Wenn ich eine Uhr aufziehe, ihr also wieder die Frist gebe, die sie braucht um mir die Zeit zu zeigen, dann gebe ich auch mir wieder eine Frist und zeige mir die Zeit. Es ist, genau betrachtet, ein philosophischer Austausch zwischen mir und einem Ding.
Uhren sind schöne Dinge. Zumindest waren sie es, als man die Zeit noch lebte, nicht maß. Zeit leben ist Ewigkeit, Zeit messen ist Tod. Das ist meine Meinung.
Der Mensch schuf die Uhr, (Sanduhren, Wasseruhren) nachdem er ZEIT als Phänomen erkannt hatte, um das Erlebte zuordnen zu können, nicht um es zu zerstückeln. Er betrachtete Zeit als eine Spirale, nicht als Kreis.
Unsere Uhren sind ein Misskonstrukt, ein Versuch die Zeit zu "bändigen", sie zu fesseln. Aber ihre Schönheit entschuldigt diese Diskrepanz. Als Ästhet kann der Mensch die Zeit nur als "schön" empfinden, sonst wäre sie unertragbar.
Jede Zeit erschafft sich ihre Uhren. Die Vergangenheit zeigte noch ihren ewigen U(h)rsprung, die Gegenwart erkennt noch ihre minimalisierte Existenz. Wie sieht die Uhr der Zukunft aus? Einen Zeiger der permanent auf Null steht ... Steigerung ist nur möglich wo Zeit nicht existiert! Das ist meine Meinung.
Manche meiner Uhren haben sogenannte 8-Tage-Werke, das heißt, dass die, mit einmal Aufziehen, acht Tage lang laufen. Danach bleiben sie nicht stehen, sie geben mir noch eine Chance, sie weiterhin am Laufen zu halten ... Manchmal denke ich, wenn ich sie aufziehe, dass Gott am achten Tag den Tod erschuf und dass alles danach nur eine Frage der Zeit ist.
Eine Anekdote am Rande: Einmal fuhr ich in der Straßenbahn von Stuttgart Süd nach Stuttgart Vaihingen. Die Bahn war voll, es war Rush-hour. Mir gegenüber saß ein Mann, sichtbar mit Migrationshintergrund, (ich erkannte ihn sofort als Italiener, wobei ich Italiener eher nicht als Migranten, sondern als uns besuchende Nachbarn betrachte. Das ist meine Meinung.) der ein Paket auf den Knien balancierte. Ich betrachtete beiläufig das Paket und als ich meinen Blick hob, sah ich, dass der Mann mich dabei beobachtete. Ich lächelte und er sagte: "Ist Hure. Hure für Wand." Ich wusste sofort was er meinte.
"Hure für Wand" z. B.
Samstag, 10. Januar 2015
Nur einmal angenommen
es gäbe die Zeit nicht, wo wären dann wir?
Zeit ist das Einzige das uns in diese Welt projiziert und darin bindet!
Sollten wir nicht sie "Gott" nennen?
Ist nicht sie es, die uns "Ihn" erkennen ließ?
Sie ist Anfang und Ende unseres und, wie wir denken, allen Lebens.
Heilige Zeit!
Sie kommt nicht und sie geht nicht: Sie ist.
Im Gegensatz zu mir: Ich bin. Sonst nichts.
Möge mir Gott gnädig sein.
Die Zeit kann es nicht!
gelang 2015
Mittwoch, 8. Oktober 2014
Geheimnisse einer Uhr
Es fing damit an, dass diese schöne Standuhr, deren Entstehungszeit ich in den frühen 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vermute, sich immer wieder weigerte zu schlagen. Dann musste ich ihre Tür aufschließen und leicht öffnen, damit der Schlagwerkmechanismus in Gang gesetzt wurde. Schon als ich sie vor 25 Jahren bei "Emmaus" kaufte, warnte man mich, dass "der Schlag Mucken hat". Wenn schon, dachte ich und begnügte mich 25 Jahre lang damit, entweder auf ihr Schlagen zu verzichten, oder eben Tür auf/Tür zu anzuwenden. Während all dieser Jahre vermutete ich, dass es am Gewicht liegen müsse. Allerdings brachte das Tauschen der Gewichte keinen Erfolg. Es hätte ja sein können, dass das eine einen Muckenseckel (das Geschlechtsteil einer männlichen Mücke, schwäbisch für ein ganz kleines bisschen) schwerer als das andere ist. Ist es nicht. Im Gegegenteil, das andere wiegt nur 3,1 Kilo, während das eine mit 4,2 Kilo punktet. Mir war klar, dass die Messinghülsen eine Füllung aus schwerem Metall haben. Bei einer anderen Uhr waren es Bleikügelchen. Also dachte ich, ich füge einfach ein bisschen mehr Metall hinzu und man wird sehen ob das die Fehlfunktion behebt. Zum Glück ist das Öffnen der Hülsen problemlos. Ein durch den Kern der Füllung geführter Metallstab mit Schraube hält die Einzelteile zusammen. Also schraubte ich auf und siehe da, um den Metallstab zu stabilisieren, hatte der Hersteller einfach altes Zeitungspapier in den oberen Teil der Hülse gestopft.
Sofort erwachte der wahrscheinlich jedem Mann eigene Archäologen-Instinkt in mir. Vorsichtig entknüllte ich eines der stark vergilbten Papierknäuel. (Oder heißt es der Knäuel? Die deutsche Sprache ist ja so beängstigend geschlechtsspezifisch, da muss man vorsichtig sein. Allerdings hörte ich neulich wie eine Gruppe von Schulmädchen sagte: "Gehn wir Breuninger?" "O ja, lass uns Breuninger gehn, da könn wir ...") Das Papier war zwar sehr trocken, aber doch nicht so mürb, dass es zerfiel, auch wenn es an manchen Stellen ein bisschen bröselte.
Zum Glück waren die Fragmente gerade so groß, dass sie in den Scanner passten und das Resultat kann sie lesen lassen. Mir gefällt die Unterscheidung zwischen "Herren" und "Burschen" Garderobe. auf Seite 2, und die Art wie der Aufmacher der Anzeige auf Seite 3 dieses "Der Teckbote" getextet ist.
"... und deshalb mit großer Freude kaufen." ist das Sahnehäubchen! Leider entdeckte ich nirgendwo eine Jahreszahl, die mir das Baujahr meiner Uhr verraten würde, und auch den Standort der Inserenten konnte ich nicht ausfindig machen. Allerdings habe ich inzwischen gegoogelt, dass es die Zeitung immer noch gibt, vielleicht kann mich ja dort geholfen werden ...
Das englische Sprichwort sagt zwar "Curiosity killed the cat", was so viel heißt wie "Rauchen kann tödlich sein", aber jetzt wollte ich natürlich wissen, ob das andere Uhrengewicht nicht auch einen Schatz enthält. Ich wurde nicht enttäuscht!
Auch hier wieder durchaus Kurioses und seltsam Anmutendes, aber, auf den ersten Blick, kein Hinweis auf das Jahr des Erscheinens der Zeitung. Nicht einmal ob es sich um die gleiche Zeitung, die selbe Nummer eben dieser handelt, ist zu erkennen, weil keine identifizierenden Kopfzeilen darüber Auskunft geben.
Es ist nicht meine Art, aber vorläufig gab ich mich damit zufrieden. Bis ich zu dieser Stelle "Ich wurde nicht enttäuscht!" in diesem Post kam und ich mir sagte: "Das ist doch nicht Deine Art, etwas einfach so stehen zu lassen, das durch Nachforschung eventuell geklärt werden könnte."
Deshalb kann ich jetzt stolz sein!
Ich bediente mich einer Lupe und durchforstete jede Seite Zeile für Zeile. Irgend einen Hinweis muss es geben! (Ich bin Krimi-Leser!) Als gelernter Buchdrucker wusste ich natürlich, dass die Anzeigen aus einer Zeit stammen müssen, in der es schon "moderne" Schriften gab. Zwar waren viele Anzeigen noch in "Gothik" gesetzt, aber es standen denen auch solche gegenüber, die nicht nur eine nicht "gebrochene" Schrift zeigten, sondern sogar solche ohne Serife, sogenannte Sans Serif oder "Grotesk" Schriften.
(Als Serife bezeichnet man die (mehr oder weniger) feinen Linien, die einen Buchstabenstrich am Ende,(siehe diese Courier Schrift) quer zu seiner Grundrichtung, abschließen. Wikipedia)
Grotesk Schriften gibt es zwar schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts, sie wurden hauptsächlich für Plakate und andere Werbung eingesetzt, aber das doch mehr in England, wo sie entwickelt wurden.
Um 1920 entstanden in Deutschland auf der Suche nach "der Schrift unserer Zeit" (...)dagegen geometrische Serifenlose wie 1927 die Futura.(Wikipedia)
So weit so gut. Aber ich hatte die Uhr ja schon so um 1920 eingeschätzt, ging das nicht genauer? Und dann sah ich durch die Lupe diese Zeile:
DLG, dachte ich, das gibt's doch immer noch, die sind, wenn mich nicht alles täuscht, auch am Stuttgarter Volksfest beteiligt. Also googelte ich und, auf gut Glück, inklusive Dortmund und Datum und: BINGO! Die Ausstellung fand in Dortmund vom 24. - 29. Mai 1927 statt!
Also wurden zumindest die Gewichte meiner Uhr nach dem 29. 05. 1927 irgendwo in der Nähe von Kircheim/Teck zusammengebaut. Moderne Archäologie in Vollendung!
Jetzt hatte ich aber ein schlechtes Gewissen, weil ich die Zeitungsfragmente einfach wieder in die Hülsen, wahre Zeitkapseln!, zurück gestopft hatte. Geht man so mit der Vergangenheit um? Habe ich nicht eben erst über "Universelles Wissen ", über den Zusammenhang aller Erinnerung, gepostet?
Also nahm ich die Gewichte wieder auseinander. Siehe unten.
Jetzt liegen die Zeugen ihrer Zeit bei mir und ich frage mich: "Was mache ich damit?" Ach so, ja, ich habe eine Handvoll Kupfermünzen in die Hülse des Schlagwerk-Gewichts getan. Jetzt wiegt es 4,4 Kilo und die Uhr schlägt einwandfrei, wann immer es angebracht ist!
Übrigens war diese Ausgabe des "Der Teckbote" überregional und auch, in bescheidenem Umfang, International verbreitet, wie sich an den Anzeigen leicht ablesen lässt. Von Berlin bis München ist alles vertreten und eine Anzeige aus dem damaligen Böhmen gefällt mir ganz besonders gut!
Für nur 4, 5, 6 (Reichs)M(ark): "feinste geschlissene Halbflaum=Herrschaftsfedern", wenn das kein Schnäppchen war,?!
Oder das Angebot von diesem Buchversand (Amazon war schon gestern!).
Ich habe zwar keine Ahnung was "Bierschwaben" sind (Google weiß es auch nicht!), aber alles andere in diesem Paket verspricht doch Riesenspaß! Und das für 3.- Mark, portofrei ...
Ach ja, die gute alte Zeit.
Am 1. Juli 1927 wurde, laut "Der Teckbote", die von Preußen beantragte Erhöhung des Kartoffelzolls, und des Zuckerzolls abgelehnt. Dagegen wurde der Ermäßigung der Zuckersteuer auf 10,50 Mark pro Doppelzentner zugestimmt.
Ebenfalls am 1. Juli veranstaltete das Reichspatentamt eine Festsitzung anlässlich seines 50jährigen Bestehens, auf der Reichsjustizminister Dr. Hergt die Glückwünsche der Reichsregierung und der Preußischen Staatsregierung überbrachte "und feierte der Deutschen Tüchtigkeit, deutschen Fleiß und deutsche Gewissenhaftigkeit".
Jetzt gibt es deutsche Technologie made in China. So vergeht die Zeit ...
Danke, liebe Uhr!
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