Montag, 3. April 2017




Liebeskummer!

Aus allen Sternen rieselt Staub in meine Seele
und sammelt sich im Grund des Denkens;
und während ich mich mit der Liebe quäle,
fließt er in Gesten ein des Schenkens.

Ein Strom von Sternenstaub stiebt um mich her,
der durch die langen Wartetage funkelt,
der heller wird und mehr und mehr,
je tiefer mich der Liebesschmerz verdunkelt.

 gelang 3. April 2017

Sonntag, 2. April 2017

Von sprechenden Akkus




























Das ist der Monteur eines Telekommunikationsunternehmens. Er rief neulich an und informierte mich, dass mein Telefon und Internet jetzt auf IP umgestellt wären. "Sie müssen es nur noch aktivieren." meinte er.
"Ich lege jetzt also auf und dann ist es aktiviert." sagte ich so quasi abschließend, hängte dann aber doch noch so ein angedeutetes Fragezeichen in die Leitung.
Und prompt sagte er: "Neiiiiin, so einfach ist es nicht."
`Aha!´ dachte ich.
"Sie müssen das aktivieren indem sie sich an die Anleitung halten."
"Welche Anleitung?"
"Sie haben doch eine Anleitung bekommen."
...
Ich kürze hier mal so Einiges ab worüber ich mich aufregte, besonders den Teil als er sagte, dass sein Besuch um die Aktivierung durchzuführen 99.95 €uro kosten würde. "Nein, Sie brauchen nicht bar zu zahlen, das kommt auf Ihre Telefonrechnung. Ich bin in zehn Minuten bei Ihnen."
Ehrlich gesagt kam ich mir abgezockt vor! Um in zehn Minuten bei mir zu sein musste er ja irgendwo in der Nähe gelauert haben, weil er genau wusste, dass ich mit dem Problem nicht alleine fertig würde. Er war dann auch wirklich da, kaum dass ich das Gespräch beendet hatte. Insgeheime hoffte ich ja, dass er wenigstens wie George Clooney aussehen würde. Fehlanzeige. Ich sagte ihm dann aber auch, dass sein Aussehen nicht meinen Erwartungen entspräche, was ihn kurz verdutzte.
Er brauchte dann 35 Minuten um die Aktivierung durchzuführen, musste sogar in irgend einer Zentrale anrufen, weil etwas partout nicht "geschaltet" wurde.
Und so etwas soll ein 79jähriger bewältigen!
Während er also am Werkeln war, machte ich ihn darauf aufmerksam, dass das Telefon, kaum habe ich es von der Basis genommmen, ganz schnell den Strom verliert.
"Das liegt an den Akkus." sagte er fachmännisch.
"Aber an denen habe ich doch gar nichts gemacht." informierte ich ihn laienhaft.
"Haben sie das Mobilteil denn immer auf der Basis gehabt?" fragte er.
"Ja." antwortete ich im Brustton der Überzeugung dass ich nichts falsch gemacht habe.
"Sehen Sie, das war falsch." meinte er zufrieden.
Und dann sagte er: "Sehen Sie, wenn das Mobilteil immer auf der Basis liegt, dann sagt der Akku ..."
Also was genau der Akku in solch einem Fall sagt bekam ich gar nicht mehr richtig mit. Ich war baff! Noch nie hatte der Akku ein Sterbenswörtchen an mich gerichtet!
Und der Mann berichtete noch einiges was der Akku in solchen  oder ähnlichen Fällen sagt.
Da verlor ich das Vertrauen in ihn. Ich hielt ihn für einen Trickbetrüger der mir die 99.95 doch noch bar abverlangen würde.
Zum Glück war er dann bald fertig und sagte: "So, jetzt funktioniert das einwandfrei. Kaufen Sie neue Akkus und dann legen Sie das Telefon einfach mal daneben." Er ging ohne Bares einzufordern.
Das Telefon und das Internet funktionierten, und funktionieren, einwandfrei.
Nachmittags kaufte ich dann neue Akkus (8.95€ für vier. Ein Schnäppchen.)
Ich fragte den jungen Verkaufsberater ob das auch die sprechenden Akkus wären.
Er sah mich irritiert an, schüttelte den Kopf und sagte: "Die Kasse ist oben."
Ja, und jetzt liegt mein Telefon neben der Basis und ich warte dass mir die Akkus sagen was ich tun soll ...

Freitag, 24. Februar 2017

Auf dünnem Eis



Die Spiegel werden alle blind,
die Uhren stumm und selbst die Engel
tasten sich fühllos mir entgegen.

Jetzt bricht die karge Wahrheit
aus dem tiefen Grund des Liebens
und taumelt in mein starres Leben.

Begreifen füllt das Innerste des Meinens
... und schauernd fällt der erste Frühlingsregen
ins unfassbare Äußerste des Weinens.

gelang 1991/2017

Egoismus hat auch Vorteile!


 Hänge Dein Herz nie an den Wind!
Er wirbelt vorbei wie ein spielendes Kind.
Du drehst Dich vergebens nach ihm um und um:
das macht Dich schwindelig und krumm!

Hänge Dein Herz nie an ein Ding!
An keine Kette und keinen Ring.
Ketten und Ringe fesseln Dich schwer:
liebe nicht Dinge zu sehr!

Hänge Dein Herz an niemand und nichts!
Denn ist es zerbrechlich, so zerbrichts!
Ist es beständig wie ewiges Gut:
rinnt es davon wie verlorenes Blut.

Hänge Dein Herz an Dich ganz allein!
Sei Wind und Kette, Ring und Blut.
Sei Alles und Jedes, vollbringe es gut:
dann wirst Du am ehesten glücklich sein!


gelang 2017

Dienstag, 14. Februar 2017

Hotel St. Georges, Beyrouth, 1958 ...


Erinnerungen sind tückisch! Sie überfallen Dich, wenn Du an etwas ganz anderes denkst. Gestern am Nachmittag, zum Beispiel. Ich wollte nur ein Foto von einem Herz aus fünfzehn Rubinen machen, für den Valentin's Tag, der ja heute ist. Das Licht fiel schräg streifend durch das Südfenster und der Staub leuchtete auf, als würden unendlich viele Galaxien geboren. Und auch das Kästchen mit meinen "Preziosen" geriet ins Flutlich ...



























Darin steckte, in eine der Falten eingeklemmt, ein Ring an den sich viele Erinnerungen knüpfen!



















































Der Heilige Georg den Drachen tötend. ... Saint Georges ... Das Hotel Saint Georges in Beyrouth, 1958, Die "erste Libanonkrise" und ich war "life" dabei. Damals schenkte mir ein Taxifahrer diesen billigen Silberring, und daran knüpfen sich sehr viele Erinnnerungen  ...


Ich war gerade mal ein halbes Jahr bei der US Navy, nicht weil ich ein militaristisch veranlagter Mensch bin, ganz im Gegentei!, aber ich hatte mich bei der Überfahrt, als ich auswanderte, auf der SS Untited States, in den Ozean verliebt! Ein Jahr nach meiner Einwanderung trat ich freiwillig in die Navy ein. (Anders war das damals gar nicht möglich. Nur in die Army konnte man "verpflichtet" werden.) Es war meine erste "Cruise" ins Mittelmeer (Kurz vor Gibraltar wurde ich so seekrank, dass ich sterben wollte! Später nie wieder. Da muss man eben durch.) Dann kam der Befehl aus Washington, dass wir dort eingestzt würden ...

Der Rest ist Geschichte. Für mich war es das erste Abenteuer, der Eintritt ins "männliche Leben". Angst hatte ich keine, ich war zu jung dafür und fand das nur aufregend, aber nicht gefährlich ... 

Aber um auf den Ring zurück zu kommen. Die Admiralität schlug ihr Hauptquartier im Hotel Saint Georges auf. Wunderbare Lage, äußerster Komfort: Herz was begehrst Du noch mehr?!

Für uns "normale" Matrosen war es natürlich strengst "Off Limits!" Als Schiffsmitglied der Admiralscrew und als gewöhnlicher "Matrosenanwärter" musste ich aber des öfteren Botengänge ins Saint Georges absolvieren. Was für eine Welt! Luxus der in Kristallleuchtern von der Decke tropfte und in dem man in orientalischen Teppichen beinah knöcheltief versank!! Es war ein Traum. Dadurch dass die Navy aber nicht als Militärpräsenz von den "Rebellen" angegriffen werden konnte, nutzte ich immer nur ein ganz gewöhnliches Taxi für meine Botengänge. Wurde natürlich von der Navy bezahlt.
Irgendwie bekam ich immer den selben Taxifahrer und es entwickelte sich eine Art Freundschaft zwischen uns ... Na ja ... sagen wir mal: er war an Amerikanischen Zigaretten interessiert und ich schmuggelte sie für ihn von Bord. Dafür fuhr er mit mir durch absolute Tabuzonen der Stadt in denen die Rebellen Barrikaden errichtet hatten und ich musste mich auf den Boden des Taxi legen ... 

Einmal brachte er mich in ein Restaurant hoch über den Hügeln der Stadt, wo ich die unglaublichsten Speisen aß, die mir vorher völlig unbekannt waren. Ich fühlte mich wirklich im Orient angekommen!  Daran und an das Hotel Saint George dachte ich, als ich den Ring sah. Ich habe es dann gegoogelt und fand dieses traurige Bild. Wahrscheinlich hat der Protest nichts genützt und es ist inzwischen längst abgerissen?

So viele Erinnerungen, die mich aus der Gegenwart in eine Vergangenheit reißen, die ich nicht vermissen möchte. Armes, reiches altes Beyrouth, wo bist Du?

Danke, namenloser Taxifahrer. Du hast mir mehr geschenkt als einen Ring!!!


















Montag, 6. Februar 2017

Verlier keine Zeit


Du hast ein Ziel?
Verlier keine Zeit
auf dem Weg dorthin;
der ist vielleicht weit
und Zeit ist nicht viel
auf dem Weg wohin?
...
Verlier keine Zeit!


gelang 2017
 

Samstag, 28. Januar 2017

Was ist ein Augenblick im Angesicht der Ewigkeit?


Diese Frage stellte sich heute meiner Seele, als ich die "Eisskulpturen" vor meinem Küchenfenster, in den vergangenen kalten Nächten gefroren und von mir am nächsten Morgen spontan gestaltet, beim Schmelzen beobachtete.
Und dann kam mir der Gedanke, dass selbst die Ewigkeit in solchen Augenblicken den Atem anhalten muss.



























Und von selbst landete ich mit diesen Erinnerungen wieder bei Goethe, Faust: "... wenn ich zum Augenblicke sage: `Verweile doch, Du bist so schön´." So arbeiten die Gedanken eben, zumindest bei mir: vernetzt mit meinem erinnerten Leben und dem was ich weiß.
Aber was weiß ich von der Ewigkeit? Nicht "über" sie, keine wissenschftliche Erkenntnis, sondern "von" ihr, was teilt sie mir persönlich über sich mit? Die Antwort liegt in diesen Bildern sich minimalst verändernder Eiskristalle. Ich sehe nicht in ihre Strukturen, ihren von Anfang an sehr zerbrechlichen, der Temperatur anvertrauten Aufbau, ich erkenne nur ihren Zerfall in den langsam fallenden Tropfen.



























Wie lange wird dieses hauchdünne Netzwerk aus Kristallen noch in der Lage sein die Last ihrer Gestalt zu tragen?
Und in diesen Prozess des Vergehens hineinversetzt frage ich mich, wann wohl der "Augenblick" gekommen sein wird, an dem ich die Ewigkeit bitte den Atem kurz anzuhalten.

Was weiß ich jetzt von der Ewigkeit? Nichts was ich nicht schon vorher über sie wusste: dass ich ihr anvertraut bin und sie mir. Wir tropfen gemeinsam!





















































Der Tropfen ist gefallen ...

Mittwoch, 11. Januar 2017

Uhrmacher - gibt's die noch?


Jedem Uhrensammler stellt sich diese Frage irgendwann einmal, spätestens wenn eine seiner "Schätze" plötzlich nicht mehr geht. Eine "stehende" Uhr ist tot und wer möchte schon einen "Uhrenkadaver" an der Wand hängen oder auf dem Regal stehen haben? Ich nicht!


Diese Jahresuhr mit Federaufzug gab vor einigen Wochen den Zeitgeist auf, aus unerfindlichen Gründen. Im Nachhinein glaube ich zwar mich an einen lauten "Rums" zu erinnern, den ich mit einer Uhr in Verbindung brachte, aber nur mit dem spontanen "Nachschnalzen" einer Feder, das manchmal vorkommt aber keinen Schaden verursacht. Erst als mir auffiel dass die Jahresuhr nicht mehr ihre Pendelrunden ausführte und ein Neustart nichts brachte, dämmerte mir, dass mit ihr etwas nicht in Ordnung sein kann. Ich versuchte noch mehrmals sie wieder in Gang zu bringen, das Pendel rotierte auch einwandfrei und die Zeiger bewegten sich normal, aber es fehlte der Federantrieb. Nach einigen Minuten ging sie nicht mehr. Irgend etwas war kaputt, aber was? 
Hier kam dann die Überlegung: lasse ich sie reparieren oder schmeiße ich sie in den Müll? Zwar bin ich zur Zeit dabei meine Sammlung zu reduzieren, einige Tischuhren und eine Wanduhr habe ich schon verschenkt und verkauft, eine sogar wirklich im Restmüll entsorgt, aber das nur, weil ich Platz an der Wand über meinem Schreibtisch brauche, an der ich meine Arseniy Lapin-Bildersammlung anbringen möchte. Diese Uhr wird davon aber nicht tangiert, da sie auf einem Regal steht, zweite Etage von oben, rechts.

Und, ehrlich gesagt, ich finde sie zu schade für den Müll! Also reparieren lassen. Aber von wem? Mein Bekannter, ein Uhrmacher im Ruhestand, der mir bisher die Uhren in Schuss hielt, hat das Handwerk endgültig aufgegeben. Na ja, er ist über 80 und da lässt die Ruhe der Hand, auf die es in diesem Beruf ja besonders ankommt, schon mal nach. Also musste ich einen Uhrmacher finden. Aber wo und wie? Klare Antwort: googeln!

Hocherfreut stellte ich fest, dass es 159.000 (hundertneunundfünfzigtausend!) Ergebnisse gab, aber im Endeffekt blieben nur fünf Adressen zur Auswahl. Eine fiel dann weg, weil man dort nur Batterien und Armbänder austauscht. Bei der nächsten sprang gleich der Anrufbeantworter an, und das an einem Dienstag Vormittag zu normalen Geschäftszeiten. ... Schließlich blieb nur noch "Cornehl Uhren" übrig. Ich war schon sehr entmutigt und dachte, wenn das nicht klappt, dann wird die Uhr entsorgt. Aber am Telefon meldete sich wirklich ein Mann und es war der Uhrmacher selber. Da fasste ich sofort Vertrauen. Nachdem ich ihm mein Problem geschildert hatte, sagte er natürlich, dass er sich die Uhr anschauen müsse. Wir vereinbarten einen Termin gleich am Nachmittag, zwischen 14:00 und 15:00 Uhr. Perfekt!
Die Adresse in Stuttgart Ost, Roßbergstraße 4c, war zwar nicht leicht zu  finden, aber ich verirrte mich doch nicht auf dem Weg dorthin. Herr Cornehl ist ein junger Uhrmachermeister der Uhren liebt! Wer mehr über ihn erfahren möchte sollte sich seine Webseite anschauen. Ein erstaunlicher Mensch! Wenn ich mich mit der Webseite näher befasst hätte, ehe ich bei ihm anrief, hätte mich höchst wahrscheinlich der Mut verlassen. So aber befindet sich meine Uhr jetzt in seiner Obhut und ich bin sicher, dass sie fachmännisch begutachtet und, wenn ich mit den Kosten einverstanden bin, repariert wird. Ich bin gespannt!



Samstag, 24. Dezember 2016

Chanukkah - Weihnachten und was damals wirklich geschah ...




Man darf nicht alles glauben was geschrieben wurde! Zumindest wenn man es nicht durch eigenes Erleben bezeugen kann. Ich kann das.
Mein Name ist Jakob und ich lebe seit undenklichen Zeiten. Jede Seele lebt so, haltet mich also nicht für etwas besonderes. Nur GOTT ist besonders, sonst niemand und nichts.
Zu jener Zeit damals, also als Augustus Kaiser in Rom und die Welt so ziemlich unübersichtlich war, wegen vorhergegangener Kriege, da saßen wir am Chanukkah Abend um unsere Feuer bei den Schafen auf der Weide. Es war saukalt und wir tranken heiße vergorene Schafmilch um uns auch von innen warm zu halten. Heron, einer von den Griechenjuden, kam von Bethlehem herauf und erzählte, dass dort so viele Ausheimische eingetroffen wären, dass kein Platz mehr in irgend einer Herberge sei.
(Na ja, der Kaiser Augustus hatte eine Volkszählung befohlen, weil er, vordergründig, endlich wissen wollte wie groß die Bevölkerung in seinem Herrschaftsbereich ist, aber, hauptsächlich, woher die Menschen stammten! Es gab nämlich Regionen in denen sich der Widerstand gegen die Römer mehr manifestierte als in anderen. Von dort infiltrierte sich Terror in alle Gebiete Israels. Dem wollte Augustus ein Ende machen. Kein dummer Plan!)
"Stellt euch vor" erzählte Heron, "Da ist eine hochschwangere Frau, übrigens noch ziemlich jung, die muss mit ihrem Mann, also ehrlich gesagt bezweifle ich dass der der Vater des Ungeborenen ist, der ist einfach zu bieder und alt, in einem Stall übernachten. Schnallt ihr das: In einem Stall! Bei Ochs und Esel! Hochschwanger! Na also da seh ich schwarz für das Kind wenn es heute geboren wird!" Heron war ganz schön außer sich deswegen. So waren die Griechenjuden: Immer emotional und nie fähig etwas zu verändern das auch Bestand hat.
Wir hatten ihm zugehört und auf irgend eine Pointe zu seiner Geschichte gewartet. Fehlanzeige. Er vertraute auf den "philosophischen Gehalt" seiner Schilderung. Wir hatten zwar Anfangs versucht ihm klar zu machen, wie extrem langweilig sich das auf eine Erzählung auswirkt, es aber aufgegeben, als wir merkten wie verbohrt starrköpfig diese Art von Menschen ist. Nichts für Ungut!
"Jeder nach seiner Facon und jede Facon nach seinem Leben." sagte mein Vater immer.
Die Nacht zog sich hin. Die Sterne kreisten. Die Feuer knisterten. Es war anödend öde! Die Schafe blökten immer noch, was unüblich war. Eigentlich sollten sie schlafen. Ich hatte ja den Eindruck, dass es nicht richtig dunkel werden wollte und sagte das auch, aber die anderen meinten, ich hätte zu viel Schafmilch intus.
Bis es dann am Himmel BINGO! machte, einen Blitz kann man das nicht mehr nennen, weil es zu lange hell blieb. Trommeln dröhnten, Flöten quietschten und Trompeten schmetterten ...
Und dann hing da dieser Engel in der Luft und rief: "Fürchtet euch nicht!"
Also ich kann euch sagen, der hatte vielleicht Nerven! "Fürchtet euch nicht!"? Wir pissten uns alle erst einmal in die Hosen! Ganz zu schweigen von den Schafen, die in hellster Panik die Gatter niedertrampelten und in Richtung Bethlehem davonstürmten.
"Hey! Ich verkünde euch eine große Freude." rief der Engel und "Blah, blah, blah!" den Rest seiner Botschaft, der keinen von uns mehr interessierte.
Wir rannten den Schafen hinterher. Und die stürmten zu ihrem angestammten Stall, in dem just ein paar Augenblicke vorher die von Heron erwähnte junge Frau einen Knaben zur Welt gebracht hatte.
So kam es, dass wir die ersten sein durften die nach der Geburt anwesend waren. Wenn auch angepisst und völlig außer Atem.
Später hieß es dann dass da Engelein herum schwirrten und "Gloria" sangen, aber vergorene Schafmilch, erhitzt, in großen Mengen konsumiert und eine Schar blökender Schafe haben seltsame Auswirkungen auf Männer die eben einen steilen Abhang herunter gerannt sind, im Bestreben ihre fliehende Schafherde einzufangen. Heron sagte, das sei der "philosophische Gehalt" im Alkohol. Mir verursachte er nur Kopfschmerzen!
Eigentlich ist dies das Ende der Geschichte. Aber irgendwie geriet der Junge, bei dessen Geburt wir beinahe anwesend waren, immer wieder in die Schlagzeilen. Angeblich vollbrachte er sogar Wunder, aber daran glaube ich nicht. Schließlich wurde er als Topterrorist verhaftet, verurteilt (er behauptete der Sohn Gottes zu sein und alles nur in Seinem Namen getan zu haben) und gekreuzigt. Es war DIE Sensation. Das Bild geht heute noch rund um die Welt!


Donnerstag, 8. Dezember 2016

An den Mond



Der Mond ist aufgegangen,
die gold'nen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.


Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind gar manche Sachen
die wir getrost belachen, 
weil unsre Augen sie nicht sehn.


Matthias Claudius, 1779

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Warum nennt man einen Trojaner "Trojaner" und nicht "Grieche"?


Manche Fragen kommen von Ungefähr, diese nicht. Gestern erhielt ich eine eMail von PayPal die mich warnte, dass Fremde versucht hätten auf mein Konto zuzugreifen. Dann forderte mich die Mail auf mein Konto zu öffnen und Änderungen vorzunehmen, die es "sicher" machen würden. Vielleicht fälllt ja ein Internet-Neueinsteiger auf so etwas herein, aber ich nicht. Hätte ich den Anhang geöffnet und mein Passwort eingegeben, wäre mein Konto dem Absender der Mail von da ab zugänglich geworden.
Daran dachte ich heute Früh kurz nach dem Aufwachen. Und dann schweiften meine Gedanken zum "Trojaner" und dann ... Dann fragte ich mich: "Warum Trojaner"? Und schon war ich mitten in der griechischen Mythologie.
Wie war das doch gleich? Paris, ein trojanischer Prinz, fällt ein fatales Urteil, das der Göttin Aphrodite absolute Schönheit bescheinigt, nur weil ihm diese die Hand der schönsten Frau der Welt verspricht. Das war seinerzeit Helena, die Tochter der Leda und des Zeus, Schwester der Dioskuren Castor und Pollux ... die Gattin des Menelaos, König von Sparta ... Komplikationen sind da schon vorprogrammiert.
Dabei hätte Paris gar nicht leben dürfen. Seine Mutter Hekabe, ihr Mann war Priamos, König von Troja, hatte nämlich vor der Geburt des Knaben den Traum, sie würde eine brennende Fackel gebären. Der Traumdeuter Aisakos meint dann auch prompt, das Kind würde den Untergang Trojas herbeiführen. Also beschlossen die Eltern das Kind auszusetzen und übergaben es dem Sklaven Agelaos, der es auf dem Berg Ida der Natur überließ. Als er, von schlechtem Gewissen geplagt, nach einiger Zeit zurück ging, fand er den Säugling quietschfidel vor. Eine Bärin hatte ihm die Brust gereicht. (Man sieht, dass die griechische Mythologie von Namen strotzt und sehr weitläufig ist.) 
Das Schicksal nahm weiterhin seinen verschlungenen Lauf (Paris wächst als Hirte auf und heiratet Oinone, die er dann zugunsten Helenas verlässt ...) und es kam zum trojanischen Krieg ... aber Halt! Warum "Trojanisch"? Warum nicht "Hellenisch"? Sie war doch die Ursache des ganzen Schlamassels! (Übrigens soll Menelaos ganz froh gewesen sein, dass er Helena los wurde. Sie ging ihm mit ihrer Eitelkeit tierisch auf den Sack und kostete viel Geld!)
So weit war ich auf meinen frühmorgenlichen Gedankengängen gekommen, als mich die Überlegung ansprang, warum man einen Trojaner einen "Trojaner" nennt. 
Jetzt musste ich aufstehen um zu googeln. 
Die Erklärung ist ganz banal: Daniel Edwards bezeichnete 1972 ein theoretisches Konzept um eine besondere Rechnersicherheitsbedrohung (was für ein Wort!) zu charakterisieren als "Trojan horse", also "trojanisches Pferd". Schließlich wurde der Begriff in "Trojan" verkürzt und so heißt er jetzt auf Deutsch: Trojaner, was natürlich völlihg falsch ist! Heißt er aber zu Recht "Trojaner"?
Wie war das doch gleich nochmal damals zu Troja? Man hatte 10 Jahre lang erbittert gekämpft, viele Helden mit großen Namen und noch viel mehr Namenlose kamen ums Leben und kein Ende des Sterbens war in Sicht. Da kam Odysseus die glorreiche Idee, die Griechen zum Schein abrücken zu lassen und ein hölzernes Pferd, in dessen Hohlraum griechische Soldaten steckten, als "Geschenk" am Strand aufzustellen. (Daher stammt übrigens, im weitläufigsten Sinn, der Spruch: "Hüte Dich vor Griechen, `Danaer´, die Geschenke bringen!") Die Trojaner waren verzückt und schleppten das Ungetüm in die Stadt, entgegen den Warnrufen der Königstochter Kassandra, einer Schwester des Paris. Der war da übrigens schon lange Tod, ein vergifteter Pfeil hat ihn getroffen. Aber das ist eine andere Geschichte. (Helena soll seinen Tod sehr bejammert haben, heißt es.)
So, jetzt ist das Pferd also in Troja und der Rest ist ja bekannt. Aber: Das Pferd enthält keine "Trojaner"! Sondern Griechen!! Also dürfte die Mail die das Virus enthält zwar verkürzt "Trojan" heißen, der Virus, (ja! beide Formen sind gebräuchlich und korrekt!) also das Schadprogramm, ist eigentlich ein "Grieche", womit wir wiedder beim "Danaergeschenk" wären. ...
Ich trinke jetzt erst mal einen Kaffee.
Ach, noch etwas: Menelaos, der einzig überlebende der Griechenfürsten, abgesehen von Odysseus, nahm Helena wieder mit nach Sparta, wo das Leben ja bekanntlich entbehrungsreich war, was ihr gar nicht passte, und sie lebten mehr oder weniger glücklich bis an ihr natürliches Lebensende ... Manche haben eben kein Glück im Unglück!

  

Montag, 5. Dezember 2016

In solcher Nacht




In solcher Nacht,
die lautlos kommt und geht,
schrie eine Seele auf:
"Was ist des Lebens Sinn?!"
Die Antwort kam darauf:
"Du bist. Ich bin."
Die Nacht verweht ...
und ich bin aufgewacht.
"Wohin?"


Dienstag, 29. November 2016

In einem Zimmer


Still. Ganz still und nicht bewegen.
Es ist genug dass sich die Luft bewegt,
die gestern noch auf Deiner Stirn gelegen
und sich nun sanft auf meine legt.

Die Uhren raunen an den Wänden
und schauen mich nachdenklich an -
in ihnen ist von Deinen Händen
mehr Zärtlichkeit als ich erwarten kann.

Dort hängt Dein Blick und hier ein Wimpernschlag.
Aus allen Büchern hört man die Gedanken rauschen,
die Du in sie versenkt. An ihnen liegt und lag
so vieles Dir ... Ich würde gern mit ihnen tauschen.

Ein Staubkorn fällt und glimmt im Licht,
die Weltzeit ist in ihm versammelt.
Das Uhrenschlagen schreckt uns nicht,
und nicht was Uhrenschlagen je gestammelt.

Es ist nicht viel von mir in diesem Zimmer,
nur dort und da ein Stück Papier.
Ich bliebe gerne länger, auch für immer ...
Still. Ganz still: ich war ja einmal hier!
 

 (gelang, am 17. Februar 1988)

Die Zeit verging und schrieb
was von der Liebe übrig blieb. 

gelang, am 29. November 2016

Samstag, 29. Oktober 2016

Allerseelen und warum ich daran denke


Es bedarf eigentlich nicht viel, dass man auf Gedanken kommt. Das menschliche Gehirn ist da nicht anders als das anderer Tiere. Sagt man zu einem Hund: "Leckerli", dann hat man seine ganze Aufmerksamkeit. Legt man Futter auf ein Fensterbrett, dann kommen Vögel immer wieder. Und legt man mir ein Wort in den Weg, dann komme ich immer wieder darauf zurück. Diesmal hieß das Wort "Schicksalsbrunnen". Er steht zwischen der Oper und dem Schauspielhaus im Oberen Schlossgarten und wird dort regelmäßig vom Umweltstaub geschwärzt und dann wieder gereinigt. Und weil er neulich wieder einmal in schönstem Eierschalenweiß meine Aufmerksamkeit erregte, schoß ich einige Bilder von ihm und stellte sie bei Facebook ins Internet. (Ich heiße dort Ge Jot Lang, kann man googeln.)

Eine Facebook Freundin schrieb in einem Kommentar, dass der Brunnen zum Andenken an die Opernsängerin Anna Sutter geschaffen wurde. Das wusste ich nicht. Nebulös kam mir der Name in Erinnerung, weil meine Schwester ihn bei einem Besuch auf dem Pragfriedhof erwähnt hatte. Dort soll die Künstlerin beerdigt sein. Dass sie von einem verschmähten Liebhaber erschossen wurde hatte mir meine Schwester auch noch erzählt. So weit, so gut. Warum baut man für diese Sängerin so einen Brunnen, dachte ich und googelte.



































Die Geschichte "berührte mich". Okay, ich bin sentimental, was soll's. Also googelte ich Details der Tragödie und war ein bisschen entsetzt, als ich las, dass der nicht mehr geliebte Liebhaber zwei Schüsse abgab um die Frau zu töten, aber sage und schreibe fünf Schüsse brauchte um sich anschließend selbst zu töten. Er schoß sich in die Brust, nicht in den Kopf. Er war ein gutaussehender Mann ...































Wozu Liebe doch fähig ist. Um seine Geliebte heiraten zu können, ließ er seine Ehe scheiden und dann bekam er einen Korb. Sie wollte ihn nicht heiraten. So kam es zu der Tragödie.



























So weit war ich in meiner Neugierde gekommen, als ich mich fragte, ob das Grab denn wirklich noch existieren könnte. Schließlich passierte das alles 1910 und so lange werden Grabstätten für die Normalsterblichen nicht frei gehalten. Hier muss ich erwähnen, dass Anna Sutter ein bejubeltes und sehr verehrtes Ensemblemitglied der damaligen Stuttgarter Oper war. (In meiner Zeit als Opernbesucher mit Ruth-Margret Pütz zu vergleichen, denke ich.) Auf jeden Fall wurde ihr Tod sehr betrauert und auf ihrem Grab eine Gedenkfigur errichtet. Bis in die 1960er Jahre legte dort ein anonymer Bewunderer täglich Blumen nieder! Wenn man bedenkt wie weitläufig der Pragfriedhof ist, eine schon vom logistischen her bemerkenswerte Leistung!
Wie dem auch sei, ich googelte "Anna Sutter, Begräbnisstätte" und BINGO, tatsächlich noch zu besichtigen. Ich fuhr also mit der U-Bahn 12 direkt zum Haupteingang des Gottesackers im stuttgarter Norden. Der verdankt seinen Namen allerdings nicht der Stadt Prag, was ich ja immer angenommen hatte, mir aber nicht erklären konnte, sondern leitet sich von dem Eigenschaftswort "brach" ab, weil das Gelände zur Zeit der Anlage des Friedhofs ein außerhalb der Stadt liegendes Brachland war. Zumindest steht es so in Wikipedia. Mein Vater lag dort übrigens auch begraben ...
Ich fuhr also hin. Es war ein herrlicher, sonnenstrahlender, farbensprühender Oktobertag. Da ist sogar ein Friedhof eine Augenweide!




Aber, wie gesagt, recht groß. Zwar fand ich gleich hinter dem Eingang Hinweise auf die Grabmale von Eduard Mörike, Graf Ferdinand von Zeppelin und ein paar anderen stuttgarter Größen, aber keine Anna Sutter. Na ja, dachte ich, die ist so bekannt, da bedarf es keines Hinweises. Also fragte ich gleich das erste ältere Ehepaar das mir entgegenkam, ob es mir sagen könne, wo das Grab der Anna Sutter sei. "Hm," meinte der Mann, "das ist doch diese Schauspielerin." ... Eine Niete, gleich am Eingang! Eine andere ältere Frau, die eine große Grabstätte pflegte in der die letzten Toten in den 1970er Jahren bestattet wurden, sagte sehr abweisend: "Wissen Sie, ich habe erst neulich meinen Sohn, seine und meine ganze Familie verloren, da interessieren mich andere Tote nicht." Ich drückte mein Bedauern aus, fragte mich aber schon, wo all diese Leute denn begraben liegen. Ich versuchte es weiter. Niemand konnte mir sagen, wo ich die Begräbnisstätte der Anna Sutter finden kann. Vielleicht gibt es sie gar nicht mehr? dachte ich. Eine andere ältere Frau (es gibt einem schon zu denken, wie viele ältere Frauen Gräber pflegen!) riet mir schließlich, es in der Hauptverwaltung zu versuchen, dort könne man mir bestimmt helfen. Na schön. Aber die Hauptverwaltung ist im Haupteingang untergebracht und von dem war ich inzwischen weit entfernt! Vor mir ragte das Krematorium auf, reiner Jugendstil, aber Architektur interessierte mich in diesem Moment nicht.



























Also machte ich mich auf den Rückweg zum Haupteingang. Ich traf auf eine Gruppe von Friedhofsgärtnern, die sich lachend unterhielten. Allerdings auf türkisch oder arabisch. Einen Anlauf nahm ich dann doch noch bei einem Mann der eben in einen Kleintransporter einsteigen wollte. "Können Sie mir sagen wo ich das Grab der Anna Sutter finde?" Er konnte, und zwar ganz genau, obwohl ich schon wieder weit entfernt davon war, und beschrieb mir den Weg und die Lage der Gedenkstätte. Es war alles sonnenklar und trotzdem irrte ich noch eine halbe Stunde hin und her ohne es zu finden. Von einem Foto aus dem Internet wusste ich, dass es einen Jüngling darstellt, der einen Lorbeerkranz in der einen und eine Maske in der anderen Hand hält. Außerdem sah ich dort, dass er hinter einem Busch steht. Ich schaute hinter, gefühlt, einhundert Büsche und fand ihn nicht. Schließlich wollte ich aufgeben, kehrte aber noch einmal, ein letztes Mal hatte ich mir geschworen, um und BINGO! gleich neben zwei Müllbehältern fand ich endlich was ich suchte.






























































Natürlich freute ich mich, dass ich es gefunden hatte, andererseits war ich schon ein bisschen entsetzt, in welch desolatem Zustand es sich befindet. Völlig überwuchert von Unkraut und kriechendem Efeu. Hinter dem Standbild hatte jemand eine blaue Erikapflanze abgestellt, wahrscheinlich war sie der Person doch zu schade vorgekommen um sie in den Abfallcontainer gleich daneben zu werfen. Enttäuscht ging ich weg. Das ganze Drama dieser Menschen, die sich geliebt hatten und an dieser Liebe starben, kam mir verschwendet vor ...
Heute fuhr ich dann noch einmal hin und zündete in der Bronzlampe, die ganz mit Efeu zugewachsen war, ein kleines Teelicht an. Auch die blaue Topfpflanze stellte ich vorne hin.


Ein Anfang, dachte ich, morgen gehe ich wieder hin und lege eines dieser Gestecke nieder, die zur Zeit ja Saison haben. Bald ist der 2. November, Allerseelen, der Tag der "den Todten frei" ist.