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Samstag, 28. Januar 2017

Was ist ein Augenblick im Angesicht der Ewigkeit?


Diese Frage stellte sich heute meiner Seele, als ich die "Eisskulpturen" vor meinem Küchenfenster, in den vergangenen kalten Nächten gefroren und von mir am nächsten Morgen spontan gestaltet, beim Schmelzen beobachtete.
Und dann kam mir der Gedanke, dass selbst die Ewigkeit in solchen Augenblicken den Atem anhalten muss.



























Und von selbst landete ich mit diesen Erinnerungen wieder bei Goethe, Faust: "... wenn ich zum Augenblicke sage: `Verweile doch, Du bist so schön´." So arbeiten die Gedanken eben, zumindest bei mir: vernetzt mit meinem erinnerten Leben und dem was ich weiß.
Aber was weiß ich von der Ewigkeit? Nicht "über" sie, keine wissenschftliche Erkenntnis, sondern "von" ihr, was teilt sie mir persönlich über sich mit? Die Antwort liegt in diesen Bildern sich minimalst verändernder Eiskristalle. Ich sehe nicht in ihre Strukturen, ihren von Anfang an sehr zerbrechlichen, der Temperatur anvertrauten Aufbau, ich erkenne nur ihren Zerfall in den langsam fallenden Tropfen.



























Wie lange wird dieses hauchdünne Netzwerk aus Kristallen noch in der Lage sein die Last ihrer Gestalt zu tragen?
Und in diesen Prozess des Vergehens hineinversetzt frage ich mich, wann wohl der "Augenblick" gekommen sein wird, an dem ich die Ewigkeit bitte den Atem kurz anzuhalten.

Was weiß ich jetzt von der Ewigkeit? Nichts was ich nicht schon vorher über sie wusste: dass ich ihr anvertraut bin und sie mir. Wir tropfen gemeinsam!





















































Der Tropfen ist gefallen ...

Samstag, 10. Januar 2015

Verfrühtes Tauen


Plötzlich war ich wach!
Ohne zu wissen was mich weckte ...
Ungewohnt war es und lange vor Morgengrauen.

`Vielleicht ist es das Kissen´, dachte ich
und schüttelte es auf. 
Aber das war es nicht.
Ich  machte Licht.

Fünf Uhr!
Was hatte ich nur?
Was konnte es sein das mir in den Schlaf ...

Dann wusste ich was dahinter steckte:
Dieses stete Klopfen,
Rinnen,
Tropfen
am Dach hinunter ...
Jetzt wurde ich munter
und wusste, ich hatte nicht hinausgeschaut:
Es taut!

Als dann endlich Licht ins graue Aquarell des Tages floss,
und dieser mürrisch den spiegelnden Bach
in die weidengeflochtenen Hände nahm,
war es zu sehen:

Die Wiesen waren wieder da.
Zuerst nur angedeutet durch hervorbrechende Maulwurfshügel.
Bald wurde es mehr.
Gelblichgrüne Dreiecke,
bräunliche Kreise,
Quadrate, Rhomboide, Oktagone, Pyramiden ...
kurz:
ein Buch der Geometrie ward aufgeschlagen und
umgeblättert ...
Oft sah ich die schwierigsten Figuren nur hinskizziert
und wieder wegradiert in Sekunden ...
Oder Stunden
zogen einen einzigen Strich
wo der Schnee nur ungern wich.

Langsam schmolz das Licht,
das von unten her den grauen Tag erhellte.
Aufgesogen von der Erde,
weggerollte Wassertropfen,
abgewischt,
ausgewrungen,
schwand er mit dem Schnee.

Schwarz liegen am Abend die Felder,
schwarz die Wiesen.

Nur aus tiefen Mulden schimmert es noch weiß ...

Doch in dieser Nacht wird es kalt!

Und am folgenden Morgen,

Heute
klirrt die Welt unter Eis!


gelang 1968