Mittwoch, 7. Dezember 2016

Warum nennt man einen Trojaner "Trojaner" und nicht "Grieche"?


Manche Fragen kommen von Ungefähr, diese nicht. Gestern erhielt ich eine eMail von PayPal die mich warnte, dass Fremde versucht hätten auf mein Konto zuzugreifen. Dann forderte mich die Mail auf mein Konto zu öffnen und Änderungen vorzunehmen, die es "sicher" machen würden. Vielleicht fälllt ja ein Internet-Neueinsteiger auf so etwas herein, aber ich nicht. Hätte ich den Anhang geöffnet und mein Passwort eingegeben, wäre mein Konto dem Absender der Mail von da ab zugänglich geworden.
Daran dachte ich heute Früh kurz nach dem Aufwachen. Und dann schweiften meine Gedanken zum "Trojaner" und dann ... Dann fragte ich mich: "Warum Trojaner"? Und schon war ich mitten in der griechischen Mythologie.
Wie war das doch gleich? Paris, ein trojanischer Prinz, fällt ein fatales Urteil, das der Göttin Aphrodite absolute Schönheit bescheinigt, nur weil ihm diese die Hand der schönsten Frau der Welt verspricht. Das war seinerzeit Helena, die Tochter der Leda und des Zeus, Schwester der Dioskuren Castor und Pollux ... die Gattin des Menelaos, König von Sparta ... Komplikationen sind da schon vorprogrammiert.
Dabei hätte Paris gar nicht leben dürfen. Seine Mutter Hekabe, ihr Mann war Priamos, König von Troja, hatte nämlich vor der Geburt des Knaben den Traum, sie würde eine brennende Fackel gebären. Der Traumdeuter Aisakos meint dann auch prompt, das Kind würde den Untergang Trojas herbeiführen. Also beschlossen die Eltern das Kind auszusetzen und übergaben es dem Sklaven Agelaos, der es auf dem Berg Ida der Natur überließ. Als er, von schlechtem Gewissen geplagt, nach einiger Zeit zurück ging, fand er den Säugling quietschfidel vor. Eine Bärin hatte ihm die Brust gereicht. (Man sieht, dass die griechische Mythologie von Namen strotzt und sehr weitläufig ist.
Das Schicksal nahm weiterhin seinen verschlungenen Lauf (Paris wächst als Hirte auf und heiratet Oinone, die er dann zugunsten Helenas verlässt ...) und es kam zum trojanischen Krieg ... aber Halt! Warum "Trojanisch"? Warum nicht "Hellenisch"? Sie war doch die Ursache des ganzen Schlamassels! (Übrigens soll Menelaos ganz froh gewesen sein, dass er Helena los wurde. Sie ging ihm mit ihrer Eitelkeit tierisch auf den Sack und kostete viel Geld!)
So weit war ich auf meinen frühmorgenlichen Gedankengängen gekommen, als mich die Überlegung ansprang, warum man einen Trojaner einen "Trojaner" nennt. 
Jetzt musste ich aufstehen um zu googeln. 
Die Erklärung ist ganz banal: Daniel Edwards bezeichnete 1972 ein theoretisches Konzept um eine besondere Rechnersicherheitsbedrohung (was für ein Wort!) zu charakterisieren als "Trojan horse", also "trojanisches Pferd". Schließlich wurde der Begriff in "Trojan" verkürzt und so heißt er jetzt auf Deutsch: Trojaner, was natürlich völlihg falsch ist! Heißt er aber zu Recht "Trojaner"?
Wie war das doch gleich nochmal damals zu Troja? Man hatte 10 Jahre lang erbittert gekämpft, viele Helden mit großen Namen und noch viel mehr Namenlose kamen ums Leben und kein Ende des Sterbens war in Sicht. Da kam Odysseus die glorreiche Idee, die Griechen zum Schein abrücken zu lassen und ein hölzernes Pferd, in dessen Hohlraum griechische Soldaten steckten, als "Geschenk" am Strand aufzustellen. (Daher stammt übrigens, im weitläufigsten Sinn, der Spruch: "Hüte Dich vor Griechen, `Danaer´, die Geschenke bringen!") Die Trojaner waren verzückt und schleppten das Ungetüm in die Stadt, entgegen den Warnrufen der Königstochter Kassandra, einer Schwester des Paris. Der war da übrigens schon lange Tod, ein vergifteter Pfeil hat ihn getroffen. Aber das ist eine andere Geschichte. (Helena soll seinen Tod sehr bejammert haben, heißt es.)
So, jetzt ist das Pferd also in Troja und der Rest ist ja bekannt. Aber: Das Pferd enthält keine "Trojaner"! Sondern Griechen!! Also dürfte die Mail die das Virus enthält zwar verkürzt "Trojan" heißen, der Virus, (ja! beide Formen sind gebräuchlich und korrekt!) also das Schadprogramm, ist eigentlich ein "Grieche", womit wir wiedder beim "Danaergeschenk" wären. ...
Ich trinke jetzt erst mal einen Kaffee.
Ach, noch etwas: Menelaos, der einzig überlebende der Griechenfürsten, abgesehen von Odysseus, nahm Helena wieder mit nach Sparta, wo das Leben ja bekanntlich entbehrungsreich war, was ihr gar nicht passte, und sie lebten mehr oder weniger glücklich bis an ihr natürliches Lebensende ... Manche haben eben kein Glück im Unglück!

  

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