Posts mit dem Label Hotel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Hotel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 14. Februar 2017

Hotel St. Georges, Beyrouth, 1958 ...


Erinnerungen sind tückisch! Sie überfallen Dich, wenn Du an etwas ganz anderes denkst. Gestern am Nachmittag, zum Beispiel. Ich wollte nur ein Foto von einem Herz aus fünfzehn Rubinen machen, für den Valentin's Tag, der ja heute ist. Das Licht fiel schräg streifend durch das Südfenster und der Staub leuchtete auf, als würden unendlich viele Galaxien geboren. Und auch das Kästchen mit meinen "Preziosen" geriet ins Flutlich ...



























Darin steckte, in eine der Falten eingeklemmt, ein Ring an den sich viele Erinnerungen knüpfen!



















































Der Heilige Georg den Drachen tötend. ... Saint Georges ... Das Hotel Saint Georges in Beyrouth, 1958, Die "erste Libanonkrise" und ich war "life" dabei. Damals schenkte mir ein Taxifahrer diesen billigen Silberring, und daran knüpfen sich sehr viele Erinnnerungen  ...


Ich war gerade mal ein halbes Jahr bei der US Navy, nicht weil ich ein militaristisch veranlagter Mensch bin, ganz im Gegentei!, aber ich hatte mich bei der Überfahrt, als ich auswanderte, auf der SS Untited States, in den Ozean verliebt! Ein Jahr nach meiner Einwanderung trat ich freiwillig in die Navy ein. (Anders war das damals gar nicht möglich. Nur in die Army konnte man "verpflichtet" werden.) Es war meine erste "Cruise" ins Mittelmeer (Kurz vor Gibraltar wurde ich so seekrank, dass ich sterben wollte! Später nie wieder. Da muss man eben durch.) Dann kam der Befehl aus Washington, dass wir dort eingestzt würden ...

Der Rest ist Geschichte. Für mich war es das erste Abenteuer, der Eintritt ins "männliche Leben". Angst hatte ich keine, ich war zu jung dafür und fand das nur aufregend, aber nicht gefährlich ... 

Aber um auf den Ring zurück zu kommen. Die Admiralität schlug ihr Hauptquartier im Hotel Saint Georges auf. Wunderbare Lage, äußerster Komfort: Herz was begehrst Du noch mehr?!

Für uns "normale" Matrosen war es natürlich strengst "Off Limits!" Als Schiffsmitglied der Admiralscrew und als gewöhnlicher "Matrosenanwärter" musste ich aber des öfteren Botengänge ins Saint Georges absolvieren. Was für eine Welt! Luxus der in Kristallleuchtern von der Decke tropfte und in dem man in orientalischen Teppichen beinah knöcheltief versank!! Es war ein Traum. Dadurch dass die Navy aber nicht als Militärpräsenz von den "Rebellen" angegriffen werden konnte, nutzte ich immer nur ein ganz gewöhnliches Taxi für meine Botengänge. Wurde natürlich von der Navy bezahlt.
Irgendwie bekam ich immer den selben Taxifahrer und es entwickelte sich eine Art Freundschaft zwischen uns ... Na ja ... sagen wir mal: er war an Amerikanischen Zigaretten interessiert und ich schmuggelte sie für ihn von Bord. Dafür fuhr er mit mir durch absolute Tabuzonen der Stadt in denen die Rebellen Barrikaden errichtet hatten und ich musste mich auf den Boden des Taxi legen ... 

Einmal brachte er mich in ein Restaurant hoch über den Hügeln der Stadt, wo ich die unglaublichsten Speisen aß, die mir vorher völlig unbekannt waren. Ich fühlte mich wirklich im Orient angekommen!  Daran und an das Hotel Saint George dachte ich, als ich den Ring sah. Ich habe es dann gegoogelt und fand dieses traurige Bild. Wahrscheinlich hat der Protest nichts genützt und es ist inzwischen längst abgerissen?

So viele Erinnerungen, die mich aus der Gegenwart in eine Vergangenheit reißen, die ich nicht vermissen möchte. Armes, reiches altes Beyrouth, wo bist Du?

Danke, namenloser Taxifahrer. Du hast mir mehr geschenkt als einen Ring!!!


















Montag, 16. September 2013

Ein Epilog der ein Prolog ist


"Alea iacta est." ... Schon hier wird es schwierig. Üblicherweise wird dieses Caesar-Zitat mit: "Der Würfel ist gefallen" übersetzt. Dabei heißt es "Der Würfel ist geworfen." Es hängt, quasi, noch alles im Ungewissen, nichts ist entschieden. Wenn der Würfel gefallen ist, weiß der Spieler, ob er gewonnen oder verloren hat. "Alea iacta est" ist also das Lateinische für "Rien ne va plus", also: "Nichts geht mehr". Caesar soll den Satz übrigens auf griechisch ausgesprochen haben und in dieser Sprache heißt es dann wörtlich: "Hochgeworfen sei der Würfel". Jetzt wissen wir wenigstens, wie in der Antike bei Griechen und Römern das Würfelspiel ausgeführt wurde: man warf den/ die, Würfel hoch und wartete. Genug davon: Ich habe eine Reise nach Venedig gebucht.
Der/die Würfel ist/sind also definitiv gefallen.

Mein Wunsch, Venedig noch einmal zu besuchen, war ja immer im Hinterkopf präsent, aber eher als eine Hoffnung, die nicht unbedingt erfüllt werden muss, so wie ein großer Lottogewinn. Aber um im Lotto zu gewinnen, muss man einen Schein abgeben und um eine Reise nach Venedig zu realisieren, muss man diese buchen. Nun neige ich ja nicht zu spontanen Entscheidungen, außer bei um Geld Bittenden auf der Straße. Ich sehe eine Person, egal ob Mann oder Frau, ob aus einem nahen oder fernen Ausland (z. B. Bayern oder Schleswig Holstein) oder aus hiesiger Gegend, und greife spontan zum Geldbeutel. Das passiert nicht oft, aber es passiert. Da endet aber meine Spontaneität auch schon. Alles andere überlege ich mir, mehr oder weniger lang und gut, ehe ich zur Tat schreite. Es ist also schon erstaunlich, dass ich am Freitag, als ich nach dem Kieser Training die Königstraße hinunter zum Hauptbahnhof bummelte, vor dem Schaufenster irgendeines Reisebüros stehen blieb, mir kurz die ausgehängten Angebote ansah, ohne sie zu lesen, und dann einfach in das Büro ging und zu einer der beiden Angestellten, die gerade nicht beschäftigt war, sagte: "Ich möchte gern für sieben Tage nach Venedig fahren." Da war der Würfel hochgeworfen.

Die Reisebürokauffrau war sehr freundlich und hilfsbereit, na ja, wie sollte sie auch anders sein, und legte mir sofort einen Katalog mit Hotels in Venedig vor. Es war ein Blättern in meinen Erinnerungen! Im Laufe der Jahre habe ich Venedig über ein dutzend Mal besucht, zu jeder Jahreszeit, mal nur für drei Tage, mal für zwei Wochen. Die Stadt zog mich an wie ein Magnet und ich musste mich immer losreißen, um sie zu verlassen. Kein anderer Ort besitzt für mich diese Magie. Eine Erklärung gibt es nicht dafür, es sei denn, ich würde an Reinkarnation glauben, daran, dass ich einst dort so glücklich war, dass ich jetzt immer wieder zurückkehren muss, um einen Abglanz dieses Glücks zu spüren. Klingt verstiegen, ist es auch und schließlich kann man das Unerklärbare eben nicht erklären. Auf jeden Fall waren mit vielen Hotelnamen persönliche Erfahrungen verbunden. Im Danieli, dem vornehmsten, und teuersten, aller venezianischen Hotels, verbrachte ich einmal fünf Tage, als Freunde aus Amerika Europa bereisten. Das war Luxus pur. Aber mehr als schlafen und im Lounge sitzen konnte man dort auch nicht. Es war nur sündhaft teuer! Viel öfter erinnere ich mich an die kleine Pension in einer der belebtesten Gassen direkt hinter der Piazza San Marco, mit nur drei Zimmern, die nach hinten lagen und den Blick in kleine, gepflegte Gärtchen öffneten. Es war ein Familienbetrieb, mit Restaurant, das immer gut besucht war. Papa kochte vorzüglich, der Sohn kellnerte, die Schwiegertochter war für die Zimmer zuständig und Mama strahlte Wärme und Wohlbehagen aus während sie alles am Laufen hielt. Ich war, es war auch im Oktober, der einzige Gast und wurde sehr verwöhnt ... Ich sehe schon, meine Erinnerungen gehen mit mir durch! Schließlich entschied ich mich für das Hotel "Bisanzio", das ich auch kenne und von dem ich weiß, dass es in einem ruhigen Gässchen nicht weit vom Markusplatz liegt. Leider war erst ab dem 18. Oktober ein Zimmer für eine Woche zu haben, aber das war mir dann egal. Ich würde am 17. den Nachtzug nehmen und an meinem Geburtstag früh morgens in Venedig ankommen.
So habe ich es dann gebucht.

Die Anreise per Bahn konnte mir die freundliche, hilfsbereite Frau im DER Reisebüro leider nicht vermitteln, nur Flugreisen. Also ging ich die paar Schritte zum Hauptbahnhof und hatte wieder das Glück, gleich einen freien Schalter zu finden, hinter dem ein sehr freundlicher, hilfsbereiter Mann saß. Er recherchierte für mich die günstigsten Preise, reservierte den Liegeplatz für Hin- und Rückfahrt und druckte alles aus während sich hinter mir eine lange Warteschlange bildete.
Glück muss man haben, sonst hat man Frust!

Jetzt habe ich also die nötigen Papiere. Habe ich aber das notwendige Gepäckstück? Die  zwei Koffer im Keller sind zu groß, selbst der kleinere von Beiden. Schließlich sind sie für Gepäck für drei oder sieben Wochen gedacht. Mein größter Rucksack ist aber nicht für normales Gepäck geeignet, er ist mehr auf Notebooks plus Zubehör angelegt. Also werde ich wohl demnächst wieder Einkaufen gehen müssen. ...

Ach ja, irgendwo liegt auch der Roman, den ich vor 40 Jahren geschrieben habe, venedigbegeistert, in einer Schublade oder einem Schrank. Er trägt den Titel "Abschied von Aschenbach" in Anlehnung an Tomas Manns "Tod in Venedig". Ich werde das Manuskript mitnehmen und versuchen die Stationen meiner damaligen Reise aufzuspüren und zu sehen, was davon übrig ist an Substanz und Gefühlen.
Ich freue mich darauf!