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Freitag, 10. Juni 2016

"Genug ist nicht genug" - Mehr Bilder von Arseniy Lapin



"Lunar King", Mondkönig, nennt der Künstler diese Vision. Für mich enthält dieses Bild alles was man über Nacht sagen kann. Es ist eine "zerbrechliche" Vision, Malerei die sich in Auflösung zu befinden scheint. Kreisende Atome, die nichts als der Wille des Küstlers und die Aufmerksamkeit des Betrachters zusammenhält. So entstehen Träume, so geht man in die Nacht und die ihr eigenen Bilder die uns umgeben und sich gleichzeitig entfernen. Da ist einer sehr fragwürdige Sicherheit im irdischen und ein nur flüchtiges Versprechen im kreisenden Universum. Farben sind Alles: Inhalt und Schein. Der Mondkönig und sein Hund laden ein zu einem Spaziergang in die Nacht.


In eine verwandte und doch ganz andere Welt entführt mich das Bild "Feuervögel". Die Nacht ist dunkler, nicht durchschienen vom Versprechen eines neuen Tages wie der Himmel im "Mondkönig". Und der idianisch wirkende Trommler, der einen Bergpfad beschreitet und dabei musiziert, ist nicht wirklich erdverbunden, sondern hebt ab in die Sternenwelt die sein Zuhause ist. Südamerikanisch wirkt auch der Teppich aus Feldern und Wiesen in dem die Firgur nur noch flüchtig verwurzelt ist. Und auch die "Feuervögel" auf der Trommelhaut sind unterwegs in das Universum aus dem wir kommen und in das wir gehen. Schon beim nächsten Wimpernschlag sind sie nicht mehr da. Ein Bild das Mut macht und tröstet.
Ich werde nie müde werden diese Bilder zu betrachten und freue mich schon auf die nächsten die auf dem Weg zu mir sind.
"Genug ist nicht genug! ... Genug kann nie und nimmermehr genügen!" (Conrad Ferdinand Meyer)

Dienstag, 24. Mai 2016

Peter Pan reitet auf einem Drachen ... In der Bilderwelt von Arseniy Lapin.


Ich habe es in anderen Kapiteln schon erwähnt, dass der "Peter Pan"-Film von Walt Disney zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählt, den ich mir auch heute noch immer wieder anschaue. Aber damals, als Kind, identifizierte ich mich mit dem Jungen der fliegen kann. Dass er nicht erwachsen werden wollte registrierte ich nicht.
Heutzutage dreht einem die Psychologie daraus einen Strick, nennt es "Peter Pan Syndrom" und betrachtet es als heilbar. Als ob Fliegenkönnen heilbar wäre! Und erwachsen werden ist es schon gleich gar nicht!!
Ich bin erwachsen geworden, das Leben bestand darauf, aber den Wunsch fliegen zu können habe ich nicht aufgegeben. Ein nicht erwachsener Teil von mir suchte immer die Welt in der das möglich ist. Jetzt habe ich sie gefunden: in den Bildern von Arselap! Eine Welt mit Drachen, Einhörnern, sprechenden Fischen, beflügelten Pferden, fliehenden Städten und Menschen auf Fahrrädern, Motorrädern, in Autos und Lokomotiven die nichts als Freude am Leben  haben. Eine fantastische Bilderwelt, die unheimlich nah an der Wirklichkeit liegt, mit ihr verwoben ist und den Betrachter einbezieht, so dass er auf einem Drachen oder Flügelpferd reiten kann ohne den Boden zu verlassen und ohne abzustürzen.
Kommt mit in die wunderbare Welt von Arseniy Lapin!


















































Ich habe mich gern auf diese Welt eingelassen, die uns bei Tag und Nacht inmitten der Milchstraße zeigt, umflirrt von Sternen, Kometen, Monden und Sonnen. So nah ist man dem unendlichen Universum sonst nirgendwo, sich dessen so bewusst und fühlt sich gerade deshalb auf der Erde so beheimatet. Jedes Bild sagt mir: Willkommen im Leben. Darum umgebe ich mich gern mit diesem vielfältigen Kosmos, betrachte mich als ein Teil der Fantasie des Künstlers und wünsche seinen Bildern viele abenteuerbereite Betrachter. Man kann ihn übrigens googeln. Arseniy Lapin.


Donnerstag, 19. Mai 2016

Kann Hoffnung überhaupt sterben?


Mein Hibiskus stirbt, die Wurzeln sind angefault. Trotzdem hält er seit Monaten an ein bisschen Grün fest, versucht sogar neu auszutreiben. "Grün ist die Hoffnung", er gibt sie, noch, nicht auf. Ich rede ihm gut zu, er ist mir in über 40 Jahren sehr ans Herz gewachsen! Und auch ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass er es schaffen wird.
Hoffnung. Was ist das? Ein Vertrauen auf die Zukunft? Die Zukunft ist ungewiss, also kann die Hoffnung nicht in ihr wurzeln. Ist die Hoffnung ein Gefühl? Gefühle sind unbeständig, schwankend, also auch keine Basis für Hoffnung. Ich denke, die Hoffnung ist eine Gewissheit, eine Versicherung des Unbewussten, dass nichts wirklich endet. Kann Hoffnung also jemals sterben? Ich glaube nicht. Vor der Hoffnung stirbt der Mensch.
Wie komme ich auf diese Gedanken? Ganz einfach, weil ich mir Hoffnung mache, dass ein Päckchen das vor mehr als 6 Wochen verschickt wurde und verschollen ist, doch noch ankommt. Deshalb sitze ich jeden Tag bis 14 Uhr zuhause und warte auf den Briefträger und den Paketzustelldienst. Warum liegt mir so viel an diesem Päckchen? Es enthält Bilder eines russischen Künstlers mit denen ich mich seelenverwandt fühle. Sie sind einzigartig in ihrer "Naivität" und deshalb eigentlich unbeschreibbar. Dass sie mich an Chagall erinnern, liegt an ihrer Rätselhaftigkeit, die ganz offen liegt und tausend Lösungen bereithält. Der Sog dieser Bilder ist unwiderstehlich und die Tiefen in die sie das Bewusstsein führen sind unendlich. Aber ich will hier keine Rezension verfassen, sondern schildern, warum ich die Hoffnung nicht aufgebe, dass die Bilder doch noch ankommen. Ein Beispiel der verschollenen Bilder ist der "Mittnachtvogel", der meine Träume beflügelt hat und dem ich speziell nachtrauere!
























Der Künstler heißt Arseniy Lapin. Ich habe seine Werke auf Face Book kennen und lieben gelernt. Speziell die Arbeiten auf Holz haben es mir angetan. Sie sind kleinformatig und passen auch in eine nicht sehr große Wohnung. Ihren "richtigen" Platz müssen sie im Lauf der Zeit, wenn noch mehr dazu kommen, erst finden.




























Es fällt schwer, in der Vielfalt dieser "Fantasiewelt" einen Favoriten zu benennen, vorläufig, und wahrscheinlich vorübergehend, ist es "Weißes Pferd", das mit seinen rosaroten Pegasusflügeln direkt in den taghellen Sternenhimmel abhebt an dem sich Milchstraßen mit vielen Sonnen und Monden begegnen. Die "Erde" bleibt in allen Bildern "auf dem Boden".




























Inzwischen habe ich den Künstler, der an einem Bilder-Kinderbuch arbeitet das im Herbst in Belgien erscheinen soll, gebeten mir weitere Bilder zu schicken. Und jetzt sitze ich wieder/immer noch hier und warte und hoffe, gemeinsam mit meinem Hibiskus. Sterben kann die Hoffnung nicht, sie muss sich nur in Geduld fassen.































































Mittwoch, 6. Januar 2016

Im Alter



Wenn Du Dich selbst nicht mehr erkennst,
wenn alle Jahre Dir entfliehen,
wenn Du nur gegen sie noch rennst:
Gehe mit ihnen!

Es gibt ein Wort mit viel Gewicht,
mach es Dir nicht zur Bürde,
Du must, wie alle, gehn! Doch nicht
ohne Deine Würde!

Das Leben zieht nicht nur an Dir vorbei 
in immer wieder neuen Bildern;
es reißt Dich mit! Wie dem auch sei:
Alter soll es mildern. 



















gelang 2016




Samstag, 31. Mai 2014

Und weiter mit: Ayasofya von innen - Teil 2






























Vom Dunkel ins Licht, aus der Säulenordnung in den freien Raum, so sollte man dieses Wunder betreten. Und jede Kreatur die hier hereintritt MUSS sich klein vorkommen, selbst ein Elefant. Die Dimensionen sind auch nach gut 1400 Jahren noch überwältigend!




























Trotzdem wird man von der Wucht, der Größe, nicht erdrückt oder erschlagen, weil alles zu schweben scheint, sogar die Kuppel hoch oben. Die 40 Fenster, durch die das Licht wie durch gespreizte Finger hereinbricht, nehmen ihr alles Schwere.



Es ist wirklich erstaunlich, dass die Erbauung der "Heiligen Weisheit" nur 5 Jahre und 10 Monate dauerte. Anfangs reichte die Höhe der Kuppel auf 49 Meter, aber nach mehreren leichten Erdbeben musste wegen der entstandenen Risse nachgebessert und die Stützung verstärkt werden, was dazu führte, dass die Kuppel dann sogar auf die Höhe von 56 Meter wuchs. So hat sie bis heute alle "Beben" überstanden, auch die der politisch/religiösen Veränderungen. Deren Spuren sind geblieben. Das mihrab, die nach Osten gerichtete Gebetsnische und rechts davon der minbar, die Kanzel des Imam.






















































Am auffälligsten sind allerdings die vier Schilde an den Eckpfeilern und ich finde, dass sie diesen leichten Raum belasten und "herunter ziehen". Aber man kann sie nicht entfernen, sie sind Teil des Museums, das dieser Bau ja ist. Schade.
Aus der Zeit, als die Kirche als Moschee diente, stammen die Fliesen in einem der Durchgänge und in dem Torbogen, der jetzt als Ausgang dient, ist noch ein Mosaik aus byzantinischer Zeit erhalten.

Man hat übrigens an der Wand gegenüber einen großen Spiegel angebracht, wahrscheinlich um die Besucher auf das aufmerksam zu machen was hinter ihnen liegt. Wer würde sich sonst noch einmal umdrehen?






















































Draußen habe ich ein bisschen bedauert, dass die Welt heute so ist wie sie ist, dass Kultur verloren geht um dem "Fortschritt" zu dienen und dann zu weichen. Aber diese Lawine rollt seit Anbeginn der Menschheit. Irgendwann kommt sie unten an. Das wird spannend! Aber dabei sein möchte ich nicht ...

Montag, 21. Oktober 2013

Viva Venezia! In Venezia vivere?


O Serenissima, Du wirst nie aus meinem Herz sterben können! Deine Schönheit ist zwar endlich aber unvergänglich, auch wenn Du untergehen müsstest. 
Gestern hatten wir hier jedes Wetter das es nur geben kann, außer einem Schneesturm und es war eine Offenbarung, die Veränderungen an Licht zu sehen! So langsam und so schnell, man begreift es erst, wenn es schon geschehen ist. 
Ich saß auf der Riva degli Schiavoni und tauchte ein in die Ewigkeit. Die Silhouette der Giudecca atmete Licht. In einem Moment stand sie hellblau auf seidenblauem Himmel, wie in kostbares Glas geschliffen, und nach einem Wimpernschlag war sie grau auf hellgrau gehämmert, wie angelaufenes Silber. Ich saß da und staunte, dass der Touristenstrom einfach weiter floss, dass niemand innehielt und das Wunder begriff das hier geschah. Goethes Faust hätte Schwierigkeiten gehabt, hier zu überleben, weil er zu jedem Augenblick gesagt hätte: "Verweile doch, du bist so schön:" Und er hätte es nicht bedauert, denn wer hier stirbt, stirbt direkt ins Licht. Meiner Seele würde ich das wünschen.
Wie soll man ein Wunder beschreiben? Ich werde es mit Bildern versuchen.

Santa Maria della Salute, also die Verkündigungskirche. Als ich das letzte Mal hier war und auf den Marmorstufen ausruhen wollte, standen überall Absperrungen und Schilder mit: ATTENZIONE! PERDUTI ANGELI!. Diesmal, ich war vorgestern bei Nacht dort, besteht keine Gefahr durch stürzende Engel. Das freut mich.

Hier droht die Gefahr von unten. Beinahe bei jedem Gezeitenwechsel, also bei Flut, steht der Markusplatz jetzt unter Wasser. Bei meinem letzten Besuch bedeute Aqua Alta, Hochwasser, noch die Ausnahme und war eine Attraktion, leider, aber jetzt ist das Alltag, LEIDER!


Manche Dinge kann man nur einmal kaputt machen, man sollte es also lieber erst gar nicht versuchen! Mein Venedig lebt noch!!

Mir ist schon klar, dass dies die "üblichen" Motive sind, aber es muss auch jedem klar sein, dass sie an keinem Tag, in keinem anderen Augenblick das Gleiche sind. Im Zeitalter der digitalen Fotografie ist es wunderbar, dass man zigtausend Bilder schießen kann und vielleicht einmal ein Einmaliges trifft. Ich habe Venedig beinahe 50 Jahre fotografisch begleitet, leider sind die Bilder alle verloren, aber ich habe noch kein Bild gesehen, von Niemand, von dem ich sagen könnte: Das ist Venedig! Venedig ist nicht fassbar, weder in Worten, Bildern oder Tönen. Auch Musik versagt vor dem Unvergleichlichen. Faust würde verzweifeln, wenn er sich hier für den Augenblick seines Todes entscheiden müsste. 
Ich weiß keinen Ort an dem ich lieber sterben würde.

Ich mach mal eine Pause, ehe ich zu melancholisch werde, schließlich freue ich mich ja hier zu sein! Wie sagt doch Scarlett O'Hara in "Vom Winde verweht" immer wieder?: "Ach, scheiß drauf, morgen ist auch noch ein Tag." Oder so ähnlich.