Samstag, 11. Januar 2014

Warum? Warum ich? Warum das Leben?


Also gleich mal zum Anfang: dies ist keine dramatische Abrechnung mit meinem Leben. 
So fängt man eine Lüge an.
Um, jetzt wieder, nach Istanbul zu kommen, was ich demnächst zu erreichen hoffe, muss ein gewisser lebenszeitlicher Vorlauf stattgefunden haben. 
Das (den) bisherige/n Blog sehe ich als eine Art Ansatz im Anfang. 
Zurück zum Nabel sozusagen. 
1938, genau gesagt am 18. Oktober damals, wurde ich … was? … 
Geboren ist ein rein praktischer Begriff, der das Ausscheiden aus dem Mutterleib meint. 
Ich wurde in die Welt gebracht. 
Neugeborener Bruder zweier Schwestern, die fünf und sechs Jahre älter waren. 
Die Mutter war erst jüngst, ungefähr 2 Monate vor meiner Geburt, zur Witwe geworden. Deshalb trägt sie in diesem Bild schwarz.


Der Vater verstarb an Magenkrebs. Er war Lokomotivführer. Traum eines jeden Knaben bis Jahrgang … 

Die folgenden Jahre waren für mich unbedeutend, aber kriegsbedingt prägend. (Als ich einmal in jüngster Zeit im Urlaub in der Türkei einem Kellner gegenüber erwähnte, dass mein "essentieller Tremor" vielleicht "im Krieg" seinen Ursprung haben könnte, (eine Theorie die mein Neurologe entschieden von sich weist, weil der Körper/Geist nicht so langzeitlich reagiere … Vielleicht lernt er ja noch irgendwann dazu, der Neurologe) … fragte mich besagter Kellner, 26 Jahre jung/alt: "Welcher Krieg?") 
Na gut, eben jener Krieg, 1939 - 1945. 
Damals, als ich Kind war. 
Und … es muss ja gesagt werden um mein späteres "Da sein" zu erklären … ich wurde "missbraucht". Jetzt fragt jede/r: "Wer wurde eigentlich nicht missbraucht?"
Keine Ahnung. Sollen die sich endlich auch einmal melden!
Es war ein marokkanischer Soldat, Teil einer französischen Truppe, die damals den kleinen Ort besetzte, in den unsere Familie evakuiert worden war. Er war sehr zärtlich und forcierte nichts, obwohl er meinen Anus manipulierte. Ich habe den Vorfall völlig vergessen, bis er an einem Nachmittag im Militärgefängnis in Norfolk, Virginia, wo ich wegen des homosexuell Seins, nach beinahe vier Jahren vorbildlichen Betragens, und drei Mal in einen höheren Dienstgrad befördert werdens, interniert war und schließlich als "Undesirable" ausgestoßen wurde, in einer Art "Erinnerungsblase" als ein in diesem Moment stattfindendes Erlebnis auftauchte. 
Es war atemberaubend.
Unfassbar. 
Schön.
Bin ich deshalb schwul?
Ich habe es in  meinem Roman, verfremdet, verarbeitet.
Das Ereignis lag 22 Jahre lang unter der Asche.
Ich war nicht nur wegen meiner Homosexualität interniert, sondern weil ich kein US Staatsbürger war und während meiner Militärzeit Zugang zu "Geheimdokumenten" hatte. Na ja, was man eben so darunter verstand. Ich arbeitete als Drucker im Print Shop des Schiffes. (Ich hatte ja eine abgeschlossene Druckerlehre als ich auswanderte.) Wir waren ein "Flag Ship", hatten einen Admiral an Bord, wenn es notwendig schien, und manchal 200 Marines … ok, das war geil! Aber kein Grund für Spionage. Wir druckten nur ein einziges Mal Seekarten für ein Manöver. Völlig unbedeutend. Ansonsten druckte ich Einladungen und Visitenkarten für den Kapitän und die anderen Offiziere. Und deshalb saß ich dann drei Monate lang im Militärgefängnis in Norfolk Virginia. 
Ganz egal was man für Gefängnisfantasien hat: es war stink langweilig!
Habe ich deshalb angefangen zu schreiben? Habe ich wirklich geglaubt, ich könnte "mich befreien"? Wahrscheinlich schon, sonst würde ich hier nicht meine Seele aus dem Leib blogen.
Hier noch ein paar Bilder aus meiner "Militärzeit"



Ja, und so kam ich, mehr oder weniger, zum ersten Mal nach Istanbul.




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