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Sonntag, 1. Februar 2015

Meine Augen - Ein Fazit


Die schlechte Nachricht zuerst?
Es gibt keine Gute!
Am Freitag hatte ich meinen Termin beim Augenarzt, acht Wochen nach dem letzten Lasern in der Augenklinik.



























So viel Zeit muss sein, um beurteilen zu können, ob der Eingriff erfolgreich war. Na schön, ich gebe zu, dass ich zumindest die gute Nachricht bekam, dass ich weiterhin keine Augentropfen anwenden muss. Ich hatte ja das Alphagan abgesetzt, nachdem die Nebenwirkungen unerträglich wurden. Mein Augeninnendruck war 16/16, also optimal für einen alten Knacker wie mich!
Es gibt einen alten amerikanischen Schlager: "Little things mean a lot" (Ist bestimmt auf YouTube.) Dem stimme ich zu, auch wenn er nichts mit meinen Augen zu tun hat.






















Am "Zustand meines Sehens" lässt sich nichts mehr ändern, es sei denn, ich wäre gewillt mich noch einer Operation zu unterziehen. In der Iris des linken Auges ist ein Riss, den man, eventuell! nähen könnte, genauso wie die kleineren Perforationen. Aber im oberen Segment ist sie sehr dünn und die Pupille kann sich nie mehr so verengen, dass der Lichteinfall "normal" ist, dass ich also nicht mehr lichtüberempfindlich bin. 
Fazit: Ich muss mich daran gewöhnen!
Ich bin Sternzeichen Waage und tendiere dadurch angeblich dazu, jeder Meinung Recht zu geben. Mag sein, aber ich verzichte deshalb nicht automatisch auf meine eigene. Im Gegenteil, ich bin der Waagebalken, der die Gleichgewichtsschalen verankert und darum fest gegründet in mir. 
Und ich weiß, dass an mir gepfuscht wurde!
Als ich mich auf die Eingriffe an meinen Augen einließ, tat ich dies mit allen Konsequenzen und unterschrieb die entsprechenden Papiere bedenkenlos, ohne mir eine Kopie des Unterschriebenen aushändigen zu lassen. 
Ich hatte volles Vertrauen!
Das war falsch. Ich hätte mir eine Kopie ausdrucken lassen müssen, um zu erfahren, was alles auf mich zukommen kann. Dann hätte ich das alles lesen  müssen und mich entscheiden ...
Andererseits dachte ich: Der Eingriff muss ja sein und die Ärzte werden schon wissen was sie tun.
Vater vergib ihnen, denn ihr Wissen ist sehr begrenzt! Und sie sollten dementsprechend handeln.
Das wurde mir nach dem Schnitt durch das Auge bewusst, als der junge Chirurg entsetzt sagte: "Was ist denn das?!" Und nach einer Pause: "Das ist eine Katastrophe!" (Ich habe das schon in einem anderen Kapitel geschildert, erwähne es hier aber noch einmal, weil mir bewusst geworden ist, dass dieser junge Chirurg keine Ahnung hatte, dass so etwas wie das Loslösen der Regenbogenhaut passieren kann.) Den Rest kann man in dem anderen Kapitel nachlesen.
Ich denke, dass dieser "Vorfall", das Loslösen der Iris, so selten vorkommt (es wurde mir ja auch bestätigt), dass die Ausbildung in dieser Hinsicht vernachlässigt, und so wie ich es erlebt habe, gar nicht darauf hingewiesen wird. 
"Was ist denn das?!" fragt niemand der weiß, dass das passieren kann.
Ich will hier nicht wiederholen, was ich an anderen Stellen schon geschrieben habe, aber eines möchte ich doch noch einmal fragen: Waren die Operationen für Grauen Star überhaupt notwendig?
Ich konnte in die Ferne einwandfrei sehen! Außer im Nahbereich. Ich brauchte eine Lesebrille, und da genügte sogar schon eine von ALDI.
Dann kommt die Diagnose "Katarakt" und man liefert sich aus. Um die Untersuchung machen zu lassen, bezahlte ich sogar 20€, die Krankenkassen übernehmen das nicht.
Dabei war mein Problem doch "Glaukom"! Grüner Star! Hier besteht die Gefahr des Erblindens, weil der Sehnerv irreparabel geschädigt wird, wenn der Augeninnendruck zu hoch ist. ... Bitte lest die Kapitel, die zu diesem ganzen Schlamassel geführt haben!
Hier muss ich aber doch noch sagen, dass der Glaukomanfall, der mich ein Viertel des Gesichtsfeldes im rechten Auge unwiederbringlich gekostet hat, wahrscheinlich verhindert werden können hätte, wenn man das Auge, das überhöhten Innendruck aufwies, punktiert hätte.?
Wie dem auch sei: vorbei ist vorbei.

Mein Rat an alle die zum Augenarzt gehen ist nun: 
Holt euch eine zweite Meinung ein!
Grauer Star ist erst ein Problem, wenn man mit Brillen nichts mehr regulieren kann. Es wird jetzt zwar Reklame für Laser Operationen gemacht, aber die bezahlt keine Krankenkasse.
Eine Lese-Brille kostet, z. B. bei ALDI; unter 5 €uro ...
Ich habe bereut, dass ich diese Operationen über mich ergehen ließ, aber: 
Die Reue kommt zu spät, 
wo Vorsicht missachtet wurde.












Freitag, 31. Oktober 2014

Mein Augenklinik-Jahr





























Hier hat es angefangen, ich weiß schon gar nicht mehr wann. Es war im März, denke ich, als ich zum Augenarzt ging, weil ich manchmal für kurze Zeit alles wie durch eine Milchglasscheibe sah. Glaukom, diagnostizierte dieser und gleich auch noch Katarakt, im Volksmund bekannt als grüner und grauer Star. Es sei nicht alarmierend, meinte der Arzt, man könne das eventuell mit Tropfen in den Griff bekommen. Das war am Montag oder Dienstag. Eventuell war dann am Freitag vorbei, als ich einen Glaukom-Anfall erlitt, der "Wurst Käs" (worst case) für das Auge und extrem schmerzhaft! Da meldete ich mich dann hier und ... Ja, steht alles in meinem Blog. Das Kapitel dazu, "Grau oder grün" überschrieben, mit dem alles anfängt. Veröffentlicht habe ich das am 9. April ... 
Heute ist der 31. Oktober. Gestern hatte ich einen Termin in der anderen Klinik, zu der ich wechselte, weil in der ersten ein Fernseher hoch oben an der Wand war und ich, nach 4 Tagen allein im Zimmer, einen `Zimmerkollegen´ bekommen sollte, der sich gleich bei seiner Ankunft freute, dass er dann  "Fußball kucken" könne. Noch bevor er das Gerät einschalten konnte, habe ich mich selbst entlassen ...
Zurück in die Zukunft.



























Ich war pünktlich, sogar eher zu früh, 7:40, und dachte schon, ich müsste vor verschlossenen Türen warten. Das Wartezimmer war voll! Ich nahm Platz und vor mir erstreckte sich wieder einmal die Öde eines Klinik Flurs. `Willkommen daheim.´ dachte ich.






Über das Warten in Augenkliniken habe ich schon in einem anderen Kapitel geschrieben. Daran hat sich nichts geändert, außer dass ich diesmal in dieser Klinik extrem lange warten musste, was ich nicht gewohnt war. 1 ½ Stunden bis ich in das erste Behandlungszimmer gerufen wurde, nachdem ich schon eine halbe Stunde in der Anmeldung, siehe oben, auf die obligatorischen Voruntersuchungen gewartet hatte. Es war also inzwischen 9:45.









Den Arzt kannte ich schon und er erinnerte sich sogar an mich. Mein Charisma? Kleiner Scherz. Er ist, oder wirkt zumindest, sehr jung. Ich bin in letzter Zeit immer wieder verblüfft, wie jung die Leute alle sind, die Berufe ausüben, die ich mit `Alter´ in Verbindung bringe. Mein Hausarzt ist zwar auch nicht übermäßig alt, hat aber schöne, weiße Haare. ... Der junge Herr Doktor rekapitulierte den Befund meiner Augen im Allgemeinen, nichts Neues, und meinte abschließend, dass man eine Gesichtsfeldmessung machen müsse und wir uns dann wieder sehen würden. Danke Herr Doktor.
In Shakespeare-Dramen folgt auf eine dramatische, schwere, oft eine komische, leichte Szene, um das Ganze aufzulockern. Das funktioniert sogar bei "Romeo und Julia".
Gesichtsfeldmessung ist anstrengend und dauert, gefühlt, recht lang. Danach ist man froh, wenn man wieder warten darf. Inzwischen war die Kapazität des Warteraums bis an seine Grenzen erschöpft. Sitzplätze mussten schon beinahe per Los vergeben werden. Da war man über jede/n Patient/in im Rollstuhl dankbar.



Die ältere Frau, ich schätzte sie allerdings auf Anfang 60, wurde von ihrer Tochter, so um die 35, und deren Sohn, etwa 16, begleitet. Wenn ein Migrationshintergrund vorlag, dann höchstens ein badischer. Die Kleidung war provinziell einfach und die Sprache laut und ... (Ich übersetze ins Hochdeutsche.)
Patientin zur Tochter: "Hast Du ein Bonbon?"
Tochter zur Mutter: "Nein, einen Bonbon habe ich nicht, aber einen Kaugummi. Möchtest Du einen Kaugummi?"
Mutter: "Nein, einen Kaugummi möchte ich nicht. Gibt es keinen Bonbon?"
Der Sohn der Tochter zur Mutter seiner Mutter: "Doch, da vorn in der Anmeldung gibt es Bonbons. Ich hole welche wenn ihr wollt."
Seine Mutter: "Ja, tu das. Geh shopping." Er geht.
Die Patientin, kaum dass der Sohn der Tochter fort ist: "Jetzt ist es in die Hose gegangen."
Tochter, holt tief Luft: "Warum hast Du denn nichts gesagt?!"
Ihre Mutter: "Das geht so schnell."
Anmerkung des Autors: Wo sie recht hat hat sie recht!
Tochter holt wieder tief Luft, bleibt aber sprachlos. 
Ihr Sohn kommt zurück mit Bonbons und wickelt schon eins für die Oma aus.
Tochter: "Lass das. Wir gehen jetzt erst einmal auf die Toilette. Setz Du Dich hier her und wenn wir aufgerufen werden, sagst Du, dass wir auf der Toilette sind." Sie schiebt die Mutter zur Toilette.
Es wir "Herr Piel" aufgerufen.
Die Dame neben mir: "Ja! Hier!"
Die Dame neben ihr: "Nein, das war doch Herr Piel."
Die Dame neben mir. "Ach so. ... Der gleiche Name ... Obwohl, ich heiße ja Pill. So können Verwechslungen entstehen, die verheerende Folgen haben können." 
Die Dame neben ihr: "Jaja."
Die Dame neben mir: "Es kommt auch auf die Aussprache an. ... Und wie der Name geschrieben wird. ... Der Herr könnte ja auch P i e h l heißen. ... Aber wenn es schlampig ausgesprochen wird, kann sich Piel wie Pill anhören."
Die Dame neben ihr: "Ja Frau Pill. Aber es hieß ja `Herr´ Piel."
"Herr Lang!"  wird aufgerufen. ... Ich gehe ungern.





Der junge Herr Doktor kommt mir entgegengeeilt (so ein langes Wort mit fünf "e" Buchstaben! WOW!) und sagt: "Setzen Sie sich doch bitte schon einmal in das Behandlungszimmer da vorne, links. Ich komme gleich. Und weg ist er. Ich setze mich. Auf den Monitoren sind Daten und Bilder und auf dem Tisch liegen meine Sehfeld-Aufzeichnungen. Soll ich mal ein bisschen blättern und scrollen? Bin doch ich. 


Macht man natürlich nicht! Und irgendwann kommt der Herr Doktor wieder. Jaaaaaaaa, also an Ihrem Gesichtsfeld hat sich nicht viel verändert. Genau gesagt: es hat sich gar nichts verändert. Aber sie sehen besser als vor der OP. War das die gute Nachricht? Anscheinend ja. Für den Rest möchte er den Chefarzt dazurufen. Der ist auch gleich da und bedenkt mich mit einem streifenden Blick.
Der streifende Blick von Ärzten ist wohl weltweit gleich. Ich nehme an, dass er ein Teil ihres Studiums ist. Er beinhaltet zuerst einmal allgemeines Anerkennen des Menschlichen, ohne dieses positiv zu klassifizieren. Gleichzeitig fragt der Blick: Wird der mich verklagen? und sagt synchron: Wehe Du verklagst mich.
Der Chef streift mich also mit diesem Blick, sieht dann meine Akte ein und sagt: "O Gott, das ist ..." Er erinnert sich und ich bestärke ihn in seiner Annahme, dass ich der Patient bin, zu dem er während der OP dringend gerufen wurde, nachdem der Chirurg gesagt hatte: "Das ist eine Katastrophe!" Das war immerhin schon vor beinahe zwei Monaten! Ich scheine einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Beliebt gemacht habe ich mich allerdings nicht.
Und dann kommt die schlechte Nachricht. Meine Iris ist permanent geschädigt. Beim Versuch sie wieder in den Griff zu bekommen und zu befestigen, entstanden kleine Löcher. Durch diese Perforationen fällt nun Licht in das Auge und produziert dort, neben dem Bild der Pupille, eigene Bilder. Deshalb sehe ich doppelt, oder versetzte Konturen. Auch die Strahlen und Lichtblitze werden dadurch verursacht. Und meine Pupille schließt sich nicht mehr über einen gewissen Punkt hinaus. Deshalb ist die Lichtempfindlichkeit auch unumkehrbar. Man könnte, sollte es mir wirklich, wirklich und absolut unmöglich sein, mit dieser Situation zu leben, versuchen die Regenbogenhaut zu nähen ... ABER ... Allerdings ist mein Augendruck immer noch zu hoch. Wenn ich nicht für den Rest meines Lebens meine Augen tropfen möchte, was wegen meines Tremors nicht gut möglich ist, sollte man da beide Augen noch einmal lasern ...
Ich erklärte mich damit einverstanden, unterschrieb und ließ mir Termine geben. Am 11. 11. ist der erste. Zum Glück sind wir nicht im Rheinland! Am 2. 12 wäre ich dann fertig. Da kann ich wohl mit Recht sagen: Mein Augenklinik-Jahr. Um 11:30 verließ ich die Klinik. Allerdings entschuldigte sich der junge Doktor dafür, dass es so lange gedauert hatte. 
Draußen ist Herbst und ich kann ihn sehen, was will man mehr?



Übrigens ist das mein zukünftiger Outdoor Look. Die Mütze brauche ich für die Licht- und Sonneneinstrahlung von oben. Von der Notwendigkeit gestylt kann ich da nur sagen.































Dienstag, 5. August 2014

Schreie in der Nacht wecken Echos aus der Kindheit


Am 30. Juli wurde ich im Charlottenklinikum für Augenheilkunde zur operativen Behandlung von  Glaukom (Grüner Star) und Katarakt (Grauer Star), am rechten Auge, stationär aufgenommen. Das linke Auge ist für Anfang September eingeplant. Die Vorgeschichte ist in anderen Kapiteln nachzulesen. Die Therapie durch Lasern im Katharinenhospital hatte sich als unwirksam erwiesen. Zwar hatte ich dann dort Termine für die chirurgischen Eingriffe bekommen, sagte diese aber ab, weil ich mir nicht vorstellen konnte, noch einmal mehrere Tage in einem der Zimmer mit Fernsehgerät an der Wand unter der Zimmerdecke mit einem Mitpatienten zu verbringen. An Schlaf ist da, selbst wenn der Andere Kopfhörer benutzt, nicht zu denken. Schon gar nicht, wenn dieser Fussball-Fan ist und das Spiel lautstark kommentiert, wobei die "Toooooor!!!"-Schreie selbst Tote aus der ewigen Ruhe reißen.
Darum geht es in diesem Kapitel allerdings nicht, auch wenn der Titel das vermuten lassen könnte. Eigentlich hat sich der Inhalt des ersten Absatzes erst beim Schreiben zufällig zwangsweise in diese Richtung entwickelt.


Diese Plastik aus rostendem Gusseisen (wann waren die doch gleich Mode?) steht neben dem Ein/Ausgang des DiakonissenKlinikums, mit dem das Charlottenklinikum im Verbund steht. Zuerst hielt ich sie für die augenfällige Darstellung einer "Kreuzigung-Pieta-Auferstehung", ehe ich erkannte, dass es die "Genesung" ist. Aber das rostende Eisen ist nicht der Grund, warum ich dieses Foto hier einfüge, sondern das helle Gebäude, das sich im Hintergrund spiegelt. Es steht auf der gegenüberliegenden Straßenseite und ist ein Teil der Berufsschule, die ich während meiner Lehre zum Buchdrucker drei Jahre lang besuchte. Schloss sich hier ein Lebennskreis?



Vielleicht fiel mir deshalb in der Nacht, in der ich die Schreie hörte, meine Kindheit ein. Es war die die dritte Nacht in der Klinik, die Nacht vor dem Tag meiner Entlassung ... Aber ich fange am Anfang  an.
Im Gegensatz zur Augenklinik im Katharinenhospital, die, was die Zimmer betrifft, in der Nachkriegszeit (ich meine den sogenannten "Zweiten Weltkrieg") stehen geblieben ist, befindet sich das gesamte Charlottenklinikum in einem Neubauzustand. Inwieweit die Bausubstanzen der beiden Kliniken übereinstimmen, kann ich nicht beurteilen. Damit will ich sagen, dass nirgendwo der Verputz bröckelt. (Man muss vorsichtig sein mit dem was man schreibt, auch wenn es nur ganz persönliche Eindrücke und Erfahrungen sind, sonst kann es sein, dass man wegen Verleumdung oder Ähnlichem verklagt wird.) 
Um 9:30 Uhr sollte ich mich "auf Station" melden. Ich war, typisch Schwabe, schon kurz nach 9 Uhr dort. Das brachte keinen Vorteil, ich musste bis neunuhrdreißig warten. 
Warten, das wusste ich ja aus dem Katharinenhospital, ist eine Grundsubstanz, wenn man es so nennen möchte, der Behandlung von Augenerkrankungen. Allerdings sind die Wartezeiten der stationär aufgenommenen Patienten im CK (Charlotten Klinikum) strikt von denen der Ambulanten getrennt, was im KH (Katharinen Hospital) nicht der Fall ist, was die Dauer des Wartens erheblich unterscheidet. Das trifft selbstverständlich nicht zu, wenn man zu früh dran ist.

Nachdem ich bei einer freundlichen Dame drei Formulare, eines davon beidseitig, unterzeichnet hatte, war ich verwaltungstechnisch erfasst. Danach wartete ich auf die eigentlich Aufnahme in ein Zimmer. 101 entschied die freundliche Dame in dem großen Glaskäfig, die mich dann einer freundlichen Schwester übergab, die mich auf das Zimmer bringen sollte, nur um plötzlich: "Halt." zu sagen und: "Auf hunderteins sind ja Frauen." Also 201.
Dort waren dann Männer, in ein lautes Gespräch verstrickt. Vier Männer! Und nur drei Betten!! Eins davon war plasikverhüllt. Die Schwester zog die Verhüllung ab und sagte, mit einem herzigen, osteuropäischen Akzent: "Das ihr Bett. Hund das ihr Schrank." Dann ging sie. Ein Dreibettzimmer also, dachte ich und war nicht begeistert. Allerdings ohne "Public Viewing Fernseher", nur winzige Monitore, kleiner als mein iPad, direkt am Bett.













Ich atmete auf. Dann gingen zwei der Männer. Zum Glück auch der mit der extrem lauten Stimme. Er war der Sohn des Patienten, dessen Bett ich übernommen hatte. Die zwei anderen stellten sich als meine "Zimmerkollegen" vor, Herr S. und Herr F., und ich packte mein Köfferchen aus. 
Willkommen im "Zauberberg"-feeling.



Fortsetzung  folgt.

Dienstag, 15. April 2014

Wer mit Allem rechnet, wird von nichts überrascht!

Aber was ist "Alles". Man kann nicht alles Wissen und deshalb auch nicht damit rechnen. Ich wusste, dass mein Augeninnendruck zu hoch ist. "Glaukom", sagte der Augenarzt, und "Grüner Star". Das war beunruhigend, Menschen mit grünem Star erblinden oft. Das will ich ja nicht! Aber der Arzt meinte ja auch, das "wir" das mit Tropfen in den Griff bekommen könnten. Siehe das vorhergehende Kapitel.
Ich "tropfte" also von Dienstag der vergangenen Woche bis zum Freitag. Alles Paletti, wie schon geschildert. Dann kam der "Schwarze Freitag" für mich. Na ja, nicht richtig schwarz, da hätte ich ja gleich voll Panik bekommen, eher weiß. Ich packte gerade meine Sachen zusammen für das Kieser Training, als ich rechts über dem Auge einen sehr starken Kopfschmerz bekam und gleichzeitig sah ich mit dem rechten Auge nichts mehr. Nur dass es hell war konnte ich sehen wenn ich das linke Auge mit der Hand bedeckte, und völlig verschwommene Konturen der Gegenstände ringsum. Ich stand, quasi, im Nebel. Der Schmerz kam im zwei Sekunden Takt pulsierend: stark, schwächer, stark ...  schwach wurde er nicht. Solche Kopfschmerzen hatte ich nie zuvor und hoffentlich nie wieder!
Was tun, wenn nichts falsches? Vielleicht geht es wieder weg, dachte ich, wenn ich ein Aspirin nehme und mich ein bisschen hinlege. Der Kopfschmerz wurde tatsächlich nach einer halben Stunde weniger, aber das Sehen verbesserte sich nicht. Also rief ich beim Augenarzt an. Freitag Nachmittag, 13 Uhr 30. Feierabend. Und jetzt? Ein Augennotfallproblem hatte ich noch nie zuvor. Ich entschied mich, meinen Hausarzt aufzusuchen, der arbeitet auch am Freitag Nachmittag noch. Zum Glück musste ich nicht lange warten. Rat wusste der Allgemeinarzt natürlich auch keinen anderen, als mir eine Überweisung in die Augenklinik im Katharinenhospital auszustellen.
An diese hatte ich keine sehr vorteilhafte Erinnerung. Mein Freund Walter hatte einmal eine Blutung im Auge, es sah schrecklich aus, als würde er jeden Augenblick Bluttränen weinen, und ich fürchtete, dass er einen Schlaganfall oder etwas ähnliches habe. Obwohl wir die einzigen Wartenden waren, dauerte es über eine Stunde, bis wir ins Behandlungszimmer gerufen wurden. Er, nicht wir. Ich motzte draußen die arme Sprechstundenhilfe an, die ja nun wirklich nichts dafür konnte. ... Es ging alles gut. Ein Äderchen war im Auge geplatzt, durch hohen Blutdruck vielleicht. Schwamm drüber.

"Hier also sind die Schreckenspforten, die Tod und Untergang mir dräun." hätte ich mit Mozarts Tamino aus der Oper "Die Zauberflöte" singen können. Aber danach war mir nicht zumute. Ich ging erst einmal einige Schritte daran vorbei, hielt mein linkes Auge zu, leider nur Nebel im rechten. Es musste also sein.

Dieser Flur war mir sogar noch in Erinnerung, aber schließlich hatte ich ja damals auch 1 ½ Stunden Zeit ihn auf mich wirken zu lassen. Beruhigendes Grün.



























Und das erwartete mich jetzt! Hatte ich mich eine unbekannte Versuchstechnik auf den Flughafen gebeamt? Was wollten alle diese Leute hier? War Besuchszeit in der Anmeldung der Ambulanz statt Sprechstunde? Und das am Freitag Nachmittag, an denen sonst nur die Züge nach Karlsruhe so voll sind. Ich war überrascht! Dass so viele Menschen Augenkrank sein können hätte ich nie gedacht. Und dass diese wirklich Beschwerden haben müssen, um sich diesem Andrang zu stellen, war mir schon klar. Niemand liefert sich ohne Not stundenlangen Wartezeiten aus.
Und es wurden Stunden!
Zuerst informierte mich allerdings die Empfangsperson, vom Stress schon etwas angenervt, dass meine Überweisung keine Gültigkeit habe. Nur ein Augenarzt, ("Sie sind doch bei einem in Behandlung?) sei ermächtigt, Patienten in eine Augenklinik zu überweisen.
Zum Glück senkte sich in diesem Moment ein Schleier undurchdringlicher Geduld auf mein Gemüt, dichter als der hinter meinem rechten Auge. Eingeschüchtert bekannte ich mich zur Unkenntnis dieser Regel.
"Dann nehme ich Sie eben jetzt als Notfall auf und sie erhalten die entsprechende Behandlung und auch eventuelle stationäre Einweisung." beschied sie mich. "Aber wenn sie zu Folgebehandlungen wieder zu uns kommen müssen, brauchen Sie eine Überweisung ihres Augenarztes, dass das klar ist."
Es war mir klar.
"Dann melden Sie sich jetzt im Behandlungszimmer an. Zimmer 3."
Ich meldete.
"Sie werden dann aufgerufen." sagte die Helferin und sah durch mich hindurch die anderen Wartenden an. 
Die müssen hier unter Sedativen stehn oder keine Nerven haben, dachte ich.
Warten will gelernt sein. Ich habe es schon als Kind gelernt, wenn ich mit dem Herr Doktor zu Krankenbesuchen auf dem Land in seinem Auto mitfahren durfte. Es war nach dem Krieg und Autos waren rar. In dem ländlichen Städtchen, in das wir evakuiert wurden als die Bomben Stuttgart immer unbewohnbarer machten, hatte nur der Herr Doktor eins. Also war ich immer glücklich, wenn ich auf dem Rücksitz mitfahren durfte. Seine Patienten waren weit verstreut auf den Bauernhöfen, und manchmal wurde es Mittagszeit und wir waren nicht zurück in der Gemeinde. Dann lud man den Herr Doktor natürlich zum Mittagessen ein und das konnte dauern! Er hatte längst vergessen, dass ich im Auto war. Aber das machte mir nichts aus. Ich wartete eben, stieg nicht einmal aus um eventuell mit den Kühen zu reden. Bei solch einer Gelegenheit meinte der Herr Doktor, als er wieder einmal feststellte, dass er einen Fahrgast hatte: "Ja Du bist ja immer noch da und wartest! Du wirst sicher einmal ein Philosoph." Er hat mich übrigens nie gefragt, ob ich denn keinen Hunger hätte. Ehrlich gesagt kann ich mich an kein Hungergefühl in diesen Stunden erinnern.
An diesen Freitag hatte ich aber nur früh morgens ein unbelegtes Croissant gegessen und zwei Tassen Kaffee mit etwas fettarmer Milch getrunken. Jetzt hatte ich Hunger. Aber die Augenklinik des Katharinen-Klinikums liegt abseits vom eigentlichen Krankenhaus, in dem sich Kiosks und eine Cafeteria befinden. Hier stand lediglich ein Automat mit Ritter Sport Schokolade, Snickers und Co. Nicht einmal ein Päcken gesalzener Erdnüsse war im Angebot. Ich zog, aus Versehen, ein Snickers, die Tafel Schokolade hatte eine andere Nummer.
Die Untersuchungen waren vielfältig, die Geräte zahlreich. 
Zwischendurch: warten. 
Augendruck messen ist immer unangenehm. Der Druck im rechten Auge war 60 mm H...
Also extrem hoch. Eigentlich hätte meine Linse quer durch den Raum katapultiert werden müssen.
Glaukom oder eine Arterienverengung? Glaukom wäre das geringere Übel. Die andere Variante ist ein entzündlicher Prozess im Schläfenbereich und muss durch eine Biopsie therapiert werden. 
"Das Dumme ist nur, dass der Arzt der sich damit auskennt nicht im Haus ist."
Man klärte mich auf, dass im Fall einer Entzündung, diese auch auf das linke Auge übergreifen könne und, im worst case, zu völligem Sehverlust führen würde.
Besorgte Gesichter vertieften den Eindruck der ernsten Lage.
Ich stimmte der, eventuellen, Biopsie zu. Das bedeutete sofortige intravenöse Gabe von hochdosiertem  Kortison und es bedeutete stationäre Aufnahme in der Klinik.
Inzwischen war es 19 Uhr. Der Hunger war mir vergangen, aber ich wollte doch noch einmal kurz nach Hause, um wenigstens etwas anderes anzuziehen. Kein Problem. Ich musste mich nur kurz auf der Station melden, damit die meine Akte schon hatten und alles vorbereiten konnten. Kein Problem. Aber ich solle dann um das Gebäude herum gehen und den Nachteingang benutzen, weil die Haupttüre demnächst abgeschlossen würde. Kein Problem.
Auf den Omnibus musste ich nur 8 Minuten warten und ich hätte ihn beinahe verpasst, weil ich solch kurze Wartezeiten nicht mehr gewohnt war.
Daheim zog ich mich um, packte noch extra Unterwäsche und Socken ein, im Fall es mehr als eine Übernachtung werden sollte. Es sollte! Dann aß ich einen Apfel, steckte zwei zu meiner Wäsche, nahm das Ladekabel für das iPad mit und, für alle Fälle, auch noch das iPad Mini. Man kann nie wissen.
Trotz meiner Beeilung war es beinahe 22 Uhr 30 als ich die Nachtglocke betätigte und die Treppe in den dritten Stock hochstieg zur Station K3.
Das nächste Kapitel ist überschrieben: Krankenhausaufenthalt. Es wird interessant. Und ganz am Ende werde ich meine wunderbare undurchdringliche Geduld verlieren ... Aber das eben ganz am Ende.

Mittwoch, 9. April 2014

Grau oder grün?

Wenn es allein um die Farbe geht, würde man sich wohl eher für grün entscheiden, weil grau ja mehr oder weniger als eine Nichtfarbe empfunden wird. "Grau, teurer Freund, ist alle Theorie", zum Beispiel. (Ist das Goethe? Faust? Muss mal kurz googeln ... Dacht ich's mir doch! Und der Rest des Zitats passt prima zum Thema: "... und grün des Lebens goldner Baum."
Nur dass mein Grün kein Baum ist, sondern ein "Star". Grüner Star also.
Da geht man ahnungslos zum Augenarzt, weil man merkt, dass irgend etwas mit dem Sehen anders ist als die siebzigplus Jahre vorher: links über die Schulter blicken, zum Beispiel, bringt nur noch verschwommene Bilder, oder die kleine Schrift im Fernsehen ist einmal gestochen scharf und dann wieder total unscharf, oder der leichte Nebel im Ringsum, wenn da gar keiner ist ... auf jeden Fall hatte ich beschlossen, dass ich zum Augenarzt müsse.
Als mich die Frau an der Rezeption (ich weiß immer noch nicht, ob man noch "Sprechstundenhilfe" sagt?) fragte, wann ich denn das letzte Mal da gewesen sei, antwortete ich: "Ooooo? ... das ist schon länger  her ... ungefähr zehn Jahre?" 
"Dann schaun wir mal im Ablage." sagte sie (sie hat Immigrationshintergrund in Richtung slawisch).
Im Computer war nichts zu finden, also zog sie Schubladen am Aktenschrank auf und, tatsächlich, wurde fündig. "Neunzehnhundertzweiundneunzig." verkündete sie. 
Wenn man die Zahl so ausgeschrieben liest, sieht man deutlich wie lange das schon her ist!
Zweiundzwanzig Jahre! Mir kamen sie wie zehn vor!! So kann man sich irren und mit diesem Irrtum versuchen sein Leben zu verlängern.
Es folgte die übliche Voruntersuchung an Geräten, um die Sehfähigkeit als solche festzustellen.
"Welche Zeile kennen Sie noch lesen?"
"Die oberste ... Bei der Zweiten hab ich schon Schwierigkeiten." Ich hätte sie  fragen können, so als Scherz, ob ich raten solle, aber das Wartezimmer war ziemlich voll. Als ich dann dort wartete, während sie pupillenerweiternde Tropfen austeilte, überlegte ich: `Was würde ich sagen, wenn ich überhaupt nicht lesen könnte?´ Gute Frage.
Sie brachte ein Formular mit einer Aufklärung über eine Vorsorgeuntersuchung für Grauen Star, für die man sich entscheiden sollte, obwohl sie von der Krankenkasse nicht bezahlt würde. Die Kosten für eventuell danach anfallende Behandlungen, sollte man grauen Star haben, übernimmt die Kasse, "selbstverständlich". Irgendwo fehlt da eine gesundheitstechnische Logik: ohne Untersuchung keine Diagnose, ohne Befund keine Behandlung. Zumindest nach der Feststellung eines negativen Befunds und daraus resultierender Versorgung, müsste doch die Untersuchung, die dazu führte, auch bezahlt werden, denke ich.
Zwei Mal bekam ich die gelben Tropfen, dann rief mich der Arzt ins Sprechzimmer. Er sah noch genau so aus wie vor zweiundzwanzig Jahren! Ich war verblüfft, sagte aber nichts. Vielleicht hätte er es ja falsch verstanden, es als Kompliment aufgefasst, wobei es doch lediglich eine Tatsache ist. Es ist nur selten, dass man nach so langer Zeit jemand gegenübersteht, dessen Äußeres sich, mit der Erinnerung verglichen, nicht verändert hat. Er ist nicht groß (Darf man "klein" sagen ohne des Diskriminierens verdächtigt zu werden?) schlank, hat einen dunklen Vollbart, jetzt mit etwas grau durchsprenkelt, und trägt eine Brille. Er könnte sein Klon sein ... 
Nach der Vorsorgeuntersuchung zum grauen Star, ("Geringfügig, aber das bekommt man leicht in den Griff.") folgte die Messung des Augendrucks. Vorher nochmal Tropfen zur Pupillenerweiterung. Sehen konnte ich inzwischen so gut wie nichts mehr. Es war, als würde ich mit offenen Augen in trübem Wasser tauchen. Schmerzhaft war es auch. Und mein Augendruck war hoch. 30. "Ideal wäre 18, normal ist ungefähr 22." (Laut Wikipedia liegt der Augeninnendruck bei "10 bis 21 mm Hg." was immer das heißen mag. 30 ist also wirklich hoch! "Es könnte allerdings auch durch die Tropfen verursacht sein." meinte der Arzt. "Haben Sie Zeit?" Zeit hatte ich. "Gehen Sie etwas essen, oder einen Kaffee trinken und kommen Sie in einer Stunde wieder. Dann messen wir noch einmal."
Die Sprechstundenhilfe sagte, dass ich selbstverständlich auch im Wartezimmer sitzen könne, wenn ich wolle. Ich entschied mich für einen Spaziergang.
















Das war ein Fehler! Ich hätte nie gedacht, dass Licht so grell und schmerzhaft sein kann!! Zu allem Pech war es auch noch ein brillanter Sonnentag!!! Meine Augen tränten. Nichts hatte feste Konturen oder eine bestimmbare Distanz. Hätte ich nicht großen Hunger gehabt, wäre ich zurück in die Praxis gegangen. So bewegte, ich ging nicht, ich mich im Schatten vorwärts. Ziellos zuerst, in der Hoffnung, dass sich meine Augen schnell wieder "normal" verhalten würden. Fehlanzeige. Plötzlich konnte ich Menschen verstehen, die sogar noch im Keller eine Sonnenbrille tragen. Das Licht war Marter pur!!!
Nach einem Krabbenbrötchen von der "Nordsee" tastete ich mich zurück in die Praxis.
Der Augendruck war zwar gesunken, aber immer noch mit 25 zu hoch. Es könne zwar sein, dass er noch sinken würde, bei manchen Menschen dauere das etwas länger ...
Ich bekam noch eine Tablette, keine Ahnung wofür oder wogegen, mit dem Hinweis, dass irgendwann meine Hände kribbeln könnten, das wäre dann eine Nebenwirkung. Sollte das eintreffen, wäre es das Beste, wenn ich eine Banane essen würde. In der Kunst nennt man solche Situationen Surrealismus! Stunden später, am Abend, fing meine rechte Hand an zu vibrieren, als würde sie von einem kleinen Motor angetrieben. Es war nicht angenehm, aber auch nicht unangenehm. Hätte mich das Gefühl unvorbereitet getroffen, wäre ich darüber erschrocken. Bananen hatte ich schon vorher gegessen ...
Eine Woche später, gestern, war dann die Nachuntersuchung. Der Augendruck war immer noch hohe 25 mm Hg. Ein Glaukom also, oder grüner Star. Ich habs gegoogelt. Interessant wie die Bezeichnung entstand ...
Der Arzt gab mir Tropfen, eine kostenlose Probepackung und meinte. Ich solle jeden Abend vor dem Einschlafen in jedes Auge einen Tropfen träufeln und in zwei/drei Wochen wieder kommen. Wenn sich gar nichts ändert muss man eben eine kleine Laseroperation machen bei der ... Aber das wäre Zukunftsmusik, meinte er abschließend.






























Selbstverständlich habe ich die Tropfen (TRAVATAN) auch gleich gegoogelt, weil kein Beipackzettel in der Packung war. Ich stieß dabei auf ein Forum, in dem sich Anwenderinnnen über die Nebenwirkungen austauschten. Es waren die reinsten Horrorstories! Brennen, Kratzen, Tränen, Schwellungen, höllische Kopfschmerzen. Sollte ich mir das antun? Skepsis übermannte mich.
Ich habe geträufelt und ... nichts! Kein Brennen, Kratzen, Tränen, Schwellen, Schmerzen, nicht einmal ein Jucken. Auch heute nicht, am Morgen danach. Vielleicht sind die Nebenwirkungen ja frauenspezifisch? Wie dem auch sei, ich hege Hoffnung, dass sie wirksam sind und mir eine Operation erspart bleibt.

Abendlied

Augen, meine lieben Fensterlein,
Gebt mir schon so lange holden Schein,
Lasset freundlich Bild um Bild herein:
Einmal werdet ihr verdunkelt sein!

Fallen einst die müden Lider zu,
Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh;
Tastend streift sie ab die Wanderschuh,
Legt sich auch in ihre finstre Truh.

Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehn
Wie zwei Sternlein,  innerlich zu sehn,
Bis sie schwanken und dann auch vergehn,
Wie von eines Falters Flügelwehn.

Doch noch wandl ich auf dem Abendfeld,
Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält
Von dem goldnen Überfluss der Welt!
                                                              Gottfried Keller