Posts mit dem Label Augenklinik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Augenklinik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 10. Februar 2016

Schlaganfall - Ende der Geschichte?


Kurz vor sieben Uhr wurden immer Blutdruck, Puls und Temperatur gemessen und als Abschluss folgte der Pieks in den Bauch mit der Anti-Trombose Spritze. Dann konnte man entweder noch ein Weilchen schlafen oder sich frisch machen. Frühstück kam nie vor 8 Uhr, eher gegen halb 9.
Danach hieß es warten auf die Visite der Stationsärztin. Das konnte sich schon hinziehen.
Am Montag sollte ich in den Kernspintomographen, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Da ich bei der Aufnahme angegeben hatte, dass auch meine Augen betroffen seien, indem ich unten links im Augenwinkel, also nie richtig im Blickfeld, seltsame Form- und Farberscheinungen hatte. Es fing mit einer hell schimmernden Pfütze an, die sich wie Quecksilber bewegte und auch so aussah. Sie war mit schwarzen Arabesken bedeckt oder mit geraden schwarzen Linien, die sich auch ständig bewegten und veränderten. Dann stiegen aus der inzwischen sehr vergrößerten Pfütze grellbunte Blasen auf, die schwer wirkten, als wären sie aus Öl. Auch diese änderten ihre Form unaufhörlich, wurden zu dicken, vielfarbigen Linien oder dünnen Strichen und lösten sich wieder in Luft auf während andere sich aus dem Quecksilber lösten. Wenn ich die Augen schloss, konnte ich dieses Farbenspiel minutenlang beobachten, bei geöffneten Augen verschwand es kurzfristig bei einem Wimpernschlag und fing dann wieder von neuem an. Es war irritierend auf Dauer, aber auch sehr schön! Wegen dieser "Phänomene" (Ich nannte sie für mich "Fata Morgana") wollte die Stationsärztin eine Augenuntersuchung machen lassen und da diese nur in einer Fachklinik durchgeführt werden konnte und sie in einer solchen gleich einen Termin bekam, saß ich kurz darauf im Taxi und wurde quer durch Stuttgart kutschiert.
Ausgerechnet in das Klinikum in dem vor wenig mehr als einem Jahr mein linkes Auge, im Zuge einer Katarakt-Operation, dauerhaft geschädigt wurde. Dazu gibt es mehrere Kapitel hier im Blog.
Die Wartezeiten waren wieder endlos. Die Untersuchungen (Gesichtsfeld) ergaben "keine Veränderung seit der letzten Messung". Vier Stunden später saß ich wieder im Taxi zum Krankenhaus. Man wärmte mir mein Mittagessen auf und das war's dann an diesem Tag.



Am Dienstag kam ich in the Kernspintomographen. Ich kannte das Gerät von eine früheren Untersuchung, bei der festgestellt wurde dass ich nicht an Parkinson sondern an essentiellem Tremor leide. Dieses Gerät macht sehr laute, unterschiedliche Geräusche, weshalb man Kopfhörer aufgesetzt bekommt über die Musik eingespielt wird. Allerdings war die so leise, dass ich mich fragte wozu das gut sein soll. Die Geräusche der Maschine erinnerten mich sehr an die minimal Musik von Philip Glass. Die Untersuchung dauerte 20 Minuten. Hier wurde mir auch Kontrastmittel gespritzt, das aber keine Hitzewelle verursachte.
Es folgten noch Untersuchungen mit Ultraschall und Elektrizität. Allerdings weiß ich nicht mehr an welchem Tag. Langsam verlor ich das Zeitgefühl.
Am Mittwoch kam der Oberarzt zur Morgenvisite und sagte mir dass der Verdacht auf Schlaganfall bestätigt worden sei. Damit hätte ich Anspruch auf Reha. Der Soziale Dienst des Krankenhauses würde mit mir in Verbindung treten. Abschließend werde man bei mir noch eine Langzeitmessung, EKG und Blutdruck, durchführen. Das Gerät würde mir heute noch angelegt und dann könnte ich morgen nach Hause gehen.
Ich wartete den Rest des Tages auf das Gerät, fragte auch mal auf der Station nach, aber als die Schwester am Abend Blutdruck maß und die tägliche Frage nach dem Stuhlgang stellte, war ich noch nicht verkabelt. Natürlich war es da schon zu spät. Die Pflegerin war entsetzt.
"Dann gehe ich eben ohne heim." schlug ich vor.
Sie schüttelte besorgt den Kopf und sagte: "Sie MÜSSEN das haben."
Am nächsten Morgen war auch die Stationsärztin erstaunt, dass man mich nicht am Vortag verkabelt hatte. Sie rief die Station an, die für das Gerät verantwortlich ist. "Das Gerät ist kaputt."  sagte man ihr. Die Reparatur würde sich verzögern.
Ja, und dann wurde ich doch entlassen mit dem Auftrag die Messung ambulant beim Hausarzt zu machen.  Ich wäre um 11 Uhr weg gewesen, hätte ich nicht 3 ½ Stunden auf die Vertreterin vom Sozialen Dienst warten müssen! Na ja, wenigstens bekam ich so das zuvor erwähnte gute Mittagessen. Dann kehrte ich dem Krankenhaus den Rücken. Mir kam es vor als wäre ich einen Monat drin gewesen.



























Ich ging direkt in die Praxis meines Hausarztes, wo man mir sagte, dass man kein solches Gerät habe, dazu müsste ich einen Kardiologen aufsuchen. Ich bekam eine Überweisung. Am nächsten Tag begab ich mich zur nächstgelegenen Kardiologenpraxis, ohne große Hoffnung dass ich einen Termin bekommen würde. Aber das Schicksal meinte es gut mit mir: Am 24. 02. werde ich verkabelt ... Irgendwann fängt auch die Reha an ... und am 07. 07 habe ich einen Termin in der Neurologie Ambulanz des Krankenhauses zur Ultraschall- Nachuntersuchung der Halsschlagadern, die nicht ganz in Ordnung sind. Es könnte sein, dass der Schlaganfall dort seine Ursache hatte ... Wer weiß wie es dann weiter geht?

Freitag, 31. Oktober 2014

Mein Augenklinik-Jahr





























Hier hat es angefangen, ich weiß schon gar nicht mehr wann. Es war im März, denke ich, als ich zum Augenarzt ging, weil ich manchmal für kurze Zeit alles wie durch eine Milchglasscheibe sah. Glaukom, diagnostizierte dieser und gleich auch noch Katarakt, im Volksmund bekannt als grüner und grauer Star. Es sei nicht alarmierend, meinte der Arzt, man könne das eventuell mit Tropfen in den Griff bekommen. Das war am Montag oder Dienstag. Eventuell war dann am Freitag vorbei, als ich einen Glaukom-Anfall erlitt, der "Wurst Käs" (worst case) für das Auge und extrem schmerzhaft! Da meldete ich mich dann hier und ... Ja, steht alles in meinem Blog. Das Kapitel dazu, "Grau oder grün" überschrieben, mit dem alles anfängt. Veröffentlicht habe ich das am 9. April ... 
Heute ist der 31. Oktober. Gestern hatte ich einen Termin in der anderen Klinik, zu der ich wechselte, weil in der ersten ein Fernseher hoch oben an der Wand war und ich, nach 4 Tagen allein im Zimmer, einen `Zimmerkollegen´ bekommen sollte, der sich gleich bei seiner Ankunft freute, dass er dann  "Fußball kucken" könne. Noch bevor er das Gerät einschalten konnte, habe ich mich selbst entlassen ...
Zurück in die Zukunft.



























Ich war pünktlich, sogar eher zu früh, 7:40, und dachte schon, ich müsste vor verschlossenen Türen warten. Das Wartezimmer war voll! Ich nahm Platz und vor mir erstreckte sich wieder einmal die Öde eines Klinik Flurs. `Willkommen daheim.´ dachte ich.






Über das Warten in Augenkliniken habe ich schon in einem anderen Kapitel geschrieben. Daran hat sich nichts geändert, außer dass ich diesmal in dieser Klinik extrem lange warten musste, was ich nicht gewohnt war. 1 ½ Stunden bis ich in das erste Behandlungszimmer gerufen wurde, nachdem ich schon eine halbe Stunde in der Anmeldung, siehe oben, auf die obligatorischen Voruntersuchungen gewartet hatte. Es war also inzwischen 9:45.









Den Arzt kannte ich schon und er erinnerte sich sogar an mich. Mein Charisma? Kleiner Scherz. Er ist, oder wirkt zumindest, sehr jung. Ich bin in letzter Zeit immer wieder verblüfft, wie jung die Leute alle sind, die Berufe ausüben, die ich mit `Alter´ in Verbindung bringe. Mein Hausarzt ist zwar auch nicht übermäßig alt, hat aber schöne, weiße Haare. ... Der junge Herr Doktor rekapitulierte den Befund meiner Augen im Allgemeinen, nichts Neues, und meinte abschließend, dass man eine Gesichtsfeldmessung machen müsse und wir uns dann wieder sehen würden. Danke Herr Doktor.
In Shakespeare-Dramen folgt auf eine dramatische, schwere, oft eine komische, leichte Szene, um das Ganze aufzulockern. Das funktioniert sogar bei "Romeo und Julia".
Gesichtsfeldmessung ist anstrengend und dauert, gefühlt, recht lang. Danach ist man froh, wenn man wieder warten darf. Inzwischen war die Kapazität des Warteraums bis an seine Grenzen erschöpft. Sitzplätze mussten schon beinahe per Los vergeben werden. Da war man über jede/n Patient/in im Rollstuhl dankbar.



Die ältere Frau, ich schätzte sie allerdings auf Anfang 60, wurde von ihrer Tochter, so um die 35, und deren Sohn, etwa 16, begleitet. Wenn ein Migrationshintergrund vorlag, dann höchstens ein badischer. Die Kleidung war provinziell einfach und die Sprache laut und ... (Ich übersetze ins Hochdeutsche.)
Patientin zur Tochter: "Hast Du ein Bonbon?"
Tochter zur Mutter: "Nein, einen Bonbon habe ich nicht, aber einen Kaugummi. Möchtest Du einen Kaugummi?"
Mutter: "Nein, einen Kaugummi möchte ich nicht. Gibt es keinen Bonbon?"
Der Sohn der Tochter zur Mutter seiner Mutter: "Doch, da vorn in der Anmeldung gibt es Bonbons. Ich hole welche wenn ihr wollt."
Seine Mutter: "Ja, tu das. Geh shopping." Er geht.
Die Patientin, kaum dass der Sohn der Tochter fort ist: "Jetzt ist es in die Hose gegangen."
Tochter, holt tief Luft: "Warum hast Du denn nichts gesagt?!"
Ihre Mutter: "Das geht so schnell."
Anmerkung des Autors: Wo sie recht hat hat sie recht!
Tochter holt wieder tief Luft, bleibt aber sprachlos. 
Ihr Sohn kommt zurück mit Bonbons und wickelt schon eins für die Oma aus.
Tochter: "Lass das. Wir gehen jetzt erst einmal auf die Toilette. Setz Du Dich hier her und wenn wir aufgerufen werden, sagst Du, dass wir auf der Toilette sind." Sie schiebt die Mutter zur Toilette.
Es wir "Herr Piel" aufgerufen.
Die Dame neben mir: "Ja! Hier!"
Die Dame neben ihr: "Nein, das war doch Herr Piel."
Die Dame neben mir. "Ach so. ... Der gleiche Name ... Obwohl, ich heiße ja Pill. So können Verwechslungen entstehen, die verheerende Folgen haben können." 
Die Dame neben ihr: "Jaja."
Die Dame neben mir: "Es kommt auch auf die Aussprache an. ... Und wie der Name geschrieben wird. ... Der Herr könnte ja auch P i e h l heißen. ... Aber wenn es schlampig ausgesprochen wird, kann sich Piel wie Pill anhören."
Die Dame neben ihr: "Ja Frau Pill. Aber es hieß ja `Herr´ Piel."
"Herr Lang!"  wird aufgerufen. ... Ich gehe ungern.





Der junge Herr Doktor kommt mir entgegengeeilt (so ein langes Wort mit fünf "e" Buchstaben! WOW!) und sagt: "Setzen Sie sich doch bitte schon einmal in das Behandlungszimmer da vorne, links. Ich komme gleich. Und weg ist er. Ich setze mich. Auf den Monitoren sind Daten und Bilder und auf dem Tisch liegen meine Sehfeld-Aufzeichnungen. Soll ich mal ein bisschen blättern und scrollen? Bin doch ich. 


Macht man natürlich nicht! Und irgendwann kommt der Herr Doktor wieder. Jaaaaaaaa, also an Ihrem Gesichtsfeld hat sich nicht viel verändert. Genau gesagt: es hat sich gar nichts verändert. Aber sie sehen besser als vor der OP. War das die gute Nachricht? Anscheinend ja. Für den Rest möchte er den Chefarzt dazurufen. Der ist auch gleich da und bedenkt mich mit einem streifenden Blick.
Der streifende Blick von Ärzten ist wohl weltweit gleich. Ich nehme an, dass er ein Teil ihres Studiums ist. Er beinhaltet zuerst einmal allgemeines Anerkennen des Menschlichen, ohne dieses positiv zu klassifizieren. Gleichzeitig fragt der Blick: Wird der mich verklagen? und sagt synchron: Wehe Du verklagst mich.
Der Chef streift mich also mit diesem Blick, sieht dann meine Akte ein und sagt: "O Gott, das ist ..." Er erinnert sich und ich bestärke ihn in seiner Annahme, dass ich der Patient bin, zu dem er während der OP dringend gerufen wurde, nachdem der Chirurg gesagt hatte: "Das ist eine Katastrophe!" Das war immerhin schon vor beinahe zwei Monaten! Ich scheine einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Beliebt gemacht habe ich mich allerdings nicht.
Und dann kommt die schlechte Nachricht. Meine Iris ist permanent geschädigt. Beim Versuch sie wieder in den Griff zu bekommen und zu befestigen, entstanden kleine Löcher. Durch diese Perforationen fällt nun Licht in das Auge und produziert dort, neben dem Bild der Pupille, eigene Bilder. Deshalb sehe ich doppelt, oder versetzte Konturen. Auch die Strahlen und Lichtblitze werden dadurch verursacht. Und meine Pupille schließt sich nicht mehr über einen gewissen Punkt hinaus. Deshalb ist die Lichtempfindlichkeit auch unumkehrbar. Man könnte, sollte es mir wirklich, wirklich und absolut unmöglich sein, mit dieser Situation zu leben, versuchen die Regenbogenhaut zu nähen ... ABER ... Allerdings ist mein Augendruck immer noch zu hoch. Wenn ich nicht für den Rest meines Lebens meine Augen tropfen möchte, was wegen meines Tremors nicht gut möglich ist, sollte man da beide Augen noch einmal lasern ...
Ich erklärte mich damit einverstanden, unterschrieb und ließ mir Termine geben. Am 11. 11. ist der erste. Zum Glück sind wir nicht im Rheinland! Am 2. 12 wäre ich dann fertig. Da kann ich wohl mit Recht sagen: Mein Augenklinik-Jahr. Um 11:30 verließ ich die Klinik. Allerdings entschuldigte sich der junge Doktor dafür, dass es so lange gedauert hatte. 
Draußen ist Herbst und ich kann ihn sehen, was will man mehr?



Übrigens ist das mein zukünftiger Outdoor Look. Die Mütze brauche ich für die Licht- und Sonneneinstrahlung von oben. Von der Notwendigkeit gestylt kann ich da nur sagen.































Mittwoch, 22. Oktober 2014

Gesundheit!


Ab welchem Lebensjahr wünscht man sie dem Jubilar, die grundsätzliche, nicht teuer genug einzuschätzende, ewig währende GESUNDHEIT? Und seit wann ist dieser alle anderen Segenswünsche übersteigende Wunsch so hoch im Kurs? Das frage ich mich wirklich. Seit es alles zu kaufen gibt was man sich vorstellen kann? "Das höchste Gut ist Gesundheit!" Unbezahlbar ... Genau! Wer zahlen kann ist gesünder als der, dem das Geld dazu fehlt. Zumindest kann der Wohlhabende sicher sein, dass man seine Gesundheit zu schätzen weiß.
Das nur so als Denkanstoß.
Meine Krankenversicherung, AOK, (Nennt sich gerne "Gesundheitskasse".) ist in Ordnung, denke ich. Dass sie keine Brillen mehr bezahlt, außer Brillengläser-Festbeträge für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, finde ich zwar absolut unverständlich, aber Fakt ist halt Fakt und Brillen sind teuer. Und beinahe Jede/r braucht irgendwann einmal eine Brille. Niemand "möchte" eine Brille, so wie man einen Schirm möchte wenn es regnet. Regen passiert halt, Sehen ist Leben. Und wenn ich eine Brille brauche um sehen zu können, dann ist das doch ein Teil meiner Gesundheit.
Es heißt ja Archimedes habe die Brille und nicht nur sie, sondern auch den Namen dafür erfunden, indem er einen Bergkristall (Beryll = Brille) schliff und in ein Gestell fasste, das er auf der Stirn trug. Wohl eher ein Vorläufer des Monokels, aber ... "wir werden es nie wissen"! Wie auch immer, es zeigt, dass Brillen ein Teil gelungenen Lebens sein können.
So redet man um den heißen Brei herum. 
Fakt ist, dass mein Sehen nicht mehr als gelungen bezeichnet werden kann. Eher als Zumutung. Mit der ich Leben muss ... ? Am 30. Oktober habe ich wieder einen Termin in der Klinik in der ich operiert wurde. Mein Augenarzt hatte zum "Zustand" meines linken Auges nichts zu sagen (die Sprechstundenhilfe bezeichnet es inzwischen salopp als "ihr Problemauge"), verwies mich an die Klinik. 
Jetzt mache ich eine Rückblende. Ich hatte Ende März manchmal Sehstörungen, einen weißen Nebel über allem. Obwohl ich das mit meinem Tremor in Verbindung brachte, der auch das Sehen beeinflussen kann, ging ich trotzdem zum Augenarzt. Sinn der Sache war, im Vorfeld zum Besuch beim Neurologen, alle anderen Möglichkeiten zu prüfen und zu eliminieren. Als erstes bekam ich ein Formular ausgehändigt, auf dem auf die Gefahr des "Grauen Star" hingewiesen wird "eine Gefahr für das Auge, die, früh genug erkannt und behandelt, abgewendet werden kann. Die Krankenkasse bezahlt das nicht. Kosten: 20€." Das kann man unterschreiben.
Der alte Mensch (ob diese Bezeichnung "politisch korrekt" ist oder nicht, ist mir scheißegal!) misstraut seinem Organismus mehr als er ihm vertraut. Die Natur hat da ihre eigene Meinung. Mein Misstrauen kostete mich 20€. Ich unterschrieb.
Die Untersuchung ergab, dass ich Grauen Star habe. Punkt.
Die Untersuchung, derentwegen ich da war, ergab, dass ich auch Grünen Star habe.
(Ich habe den Unterschied schon beschrieben. Wer nicht in meinem Blog zurück blättern möchte, kann googeln.)
Der Graue Star bedeute "vorläufig" kein Problem und den Grünen Star müsse man beobachten, könne ihn aber mit Tropfen wahrscheinlich in den Griff bekommen. Der Arzt gab mir Tropfen mit, ich brauchte nicht einmal ein Rezept. 
"Kommen Sie in 14 Tagen wieder."
"Vielen Dank Herr Doktor. Auf Wiedersehen."
Das war am Montag. Ein paar Tage später, am Freitag, hatte ich einen Glaukom Anfall. Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt und wie es sich manifestiert. Man kann das in den entsprechenden Kapiteln nachlesen. Der Sehnerv meines rechten Auges ist seither permanent geschädigt, mir fehlt ein viertel des Sehfeldes im rechten Auge unten, links.
Meine Erlebnisse bei diesem ersten Besuch einer Augenklinik habe ich ja detailliert geschildert.
Auch die nachfolgende Schmerzensreise ist bekannt. 


  Meine Überlegung ist jetzt nur: War das alles nötig? 

Ich hatte mit dem Sehen vorher keinerlei Schwierigkeiten. Zum Lesen kaufte ich eine "Lesehilfe" im Supermarkt. In die Ferne sah ich einwandfrei scharf. Nicht "gesund" war das Glaukom, der Grüne Star
Ich weiß nicht, ob es eine Behörde gibt, die sich darum kümmert, ob Operationen wirklich nötig sind. Wenn nicht, dann sollte sie schnellstens geschaffen werden!
Beim Beheben des Grauen Star wurde mein linkes Auge so geschädigt, nicht durch Verschulden des Chirurgen, sondern durch die Unberechenbarkeit eines Eingriffs in die Natur, dass ich jetzt erhebliche Sehstörungen habe. Ich bin unsicher beim Gehen, was meine Mobilität einschränkt, und ich sehe unscharf (doppelt) und verschwommen, wie durch ein schmutziges Glas.
Dabei ist mein Hauptleiden, der Grüne Star, an diesem Auge noch gar nicht behandelt! Es war unmöglich, nach den Komplikationen beim austauschen der Linse um den Grauen Star zu beseitigen.
Gesundheit heißt Geld!
Operationen bringen Geld, also werden sie gemacht.
Ich glaube, dass die Operationen des Grauen Star bei mir nicht dringend nötig waren!
Am 30. Oktober habe ich einen Termin in der Augenklinik. Mir geht es dabei darum, mein "normales Sehen" wieder zu erlangen. Kann der Grüne Star dann operiert werden? Wie lange muss ich noch tropfen? Fragen über Fragen. 
Wie heißt es im Fernsehen? "Wir werden die Antworten nie wissen."
Mal sehen. Bis bald.
PS. Wünscht also nicht nur Gesundheit zum Geburtstag oder Neujahr, sondern zumindest genausoviel Geld um sie sich leisten zu können!






Montag, 11. August 2014

Schreie in der Nacht ... der Tag davor.


Zwei Tage nach der Operation und ich sehe nur stark Verschwommenes, zumindest mit dem rechten, dem operierten Auge. Auch im Zusammenspiel mit dem linken, noch normal funktionierenden, ist es schwierig Dinge zu fokusieren. Der Augeninnendruck hat sich so um die 15 stabilisiert, im linken Auge ist er allerdings 20 und höher. Na ja, es kann nur besser werden, oder?







Wenn man Herr S. und Herr F. hört und sieht, fasst man, also ich, doch wieder Mut. Ihr Auge, das jeweils betroffene, sie hatten verrutschte Linsen, ist extrem blutgerötet und sie haben starke Bindehautschmerzen. Zumindest halte ich es dafür, nachdem sie es als "Kratzen und Brennen" beschreiben. 
Am Freitag, dem 1. August, dürfen sie nach Hause. Sie sind froh darüber. Ich auch.
Jetzt habe ich ein großes Einzelzimmer und Dank dem Umstand, dass an diesem Wochenende nur eine Minimalbesetzung Dienst hat und keine neuen Patienten aufgenommen werden, bleibt es auch so. Wenn auch nur für eine Nacht, denn morgen soll ich entlassen werden. Alle Untersuchungen sind zufriedenstellend im Resultat.
Erst jetzt erkunde ich meine Umgebung weiter als nur auf den Gang hinaus. Möglich wird das auch dadurch, dass ich mich ab sofort selber "tropfen" muss, die ständige Anwesenheit auf der Station also nicht mehr nötig ist. Einen "Tropfplan", der für die kommenden Tage gilt, bekomme ich auch. Die Tropfen, Antibiotikum und Kortison, wirken entzündungshemmend.





So entdecke ich den kleinen "Park" im Innenhof des Klinikkomplexes, der einen ganzen Häuserblock umfasst.




















































An der Vielzahl gerader und stürzender Linien konnte ich meine Augen bestens testen, mal das linke, das alles scharf sieht, mal das rechte, das nur diffuse Bilder produziert und dessen "blinder Fleck" in der unteren Hälfte, irreversibel ist und das Gesamtbild doch sehr beeinflusst. Vielleicht wird das ja besser, wenn das linke Auge operiert ist und beide Augen danach wieder aufeinander eingestellt sind. Ich hoffe es.
Nach einem Gang durch die Grünanlage und einmal rund  um den Block bin ich ganz schön müde, die Augen sind überstrapaziert. Ohne die ständige Konversation der Herren S. und F. herrscht himmlische Ruhe im Zimmer, und auf dem Gang ist kaum jemand unterwegs.
So naht die Nacht der Schreie.


Sonntag, 27. April 2014

Augenklinik - Die Aussicht

Dies ist nicht auf meine Augen, sondern auf das zu Sehende bezogen. Also auf den Blick vom Zimmer auf die Umgebung. Im 3. Obergeschoss gelegen, ist das Panorama durchaus sehenswert ... Das "Lied des Türmers" von, wie könnte es anders sein? Goethe! drängt sich da richtiggehend auf. Ich gebe es hier wieder, in der Hoffnung, kein Urheberrecht zu verletzen. Falls doch, so ist das unbeabsichtigt!
Lynceus des Türmers

Zum Sehen geboren,
zum Schauen bestellt,
dem Turme geschworen
so seh ich die Welt.

Ich blick in die Ferne,
ich seh' in der Näh'
den Mond und die Sterne,
den Wald und das Reh.


So seh' ich in allen
die ewige Zier,
und wie's mir gefallen,
gefall' ich auch mir.

Ihr glücklichen Augen,
was je ihr gesehn,
es sei, wie es wolle,
es war doch so schön!

Das mit dem Reh ist, in meinem Fall, nur poetisches Beiwerk, der Rest trifft aber durchaus zu. Wenn man einmal, sei es auch nur vorübergehend, nichts gesehen hat, weiß man die Augen plötzlich zu schätzen und sie glücklich zu nennen! Also: Vorsorge ist besser als das Nachsehen haben!


Die Patientenzimmer sind alle Richtung Süden gelegen. Ein langer Balkon verbindet draußen mit drinnen.




























Gibt es heutzutage noch einen Blick aus einem Fenster, der nicht von einem Kran dominiert wird? In Stuttgart wohl kaum! Also muss man Krane wegdenken ...




























Oder daran vorbeischauen.




























Hauptsache: Die Augen funktionieren!





Dienstag, 15. April 2014

Wer mit Allem rechnet, wird von nichts überrascht!

Aber was ist "Alles". Man kann nicht alles Wissen und deshalb auch nicht damit rechnen. Ich wusste, dass mein Augeninnendruck zu hoch ist. "Glaukom", sagte der Augenarzt, und "Grüner Star". Das war beunruhigend, Menschen mit grünem Star erblinden oft. Das will ich ja nicht! Aber der Arzt meinte ja auch, das "wir" das mit Tropfen in den Griff bekommen könnten. Siehe das vorhergehende Kapitel.
Ich "tropfte" also von Dienstag der vergangenen Woche bis zum Freitag. Alles Paletti, wie schon geschildert. Dann kam der "Schwarze Freitag" für mich. Na ja, nicht richtig schwarz, da hätte ich ja gleich voll Panik bekommen, eher weiß. Ich packte gerade meine Sachen zusammen für das Kieser Training, als ich rechts über dem Auge einen sehr starken Kopfschmerz bekam und gleichzeitig sah ich mit dem rechten Auge nichts mehr. Nur dass es hell war konnte ich sehen wenn ich das linke Auge mit der Hand bedeckte, und völlig verschwommene Konturen der Gegenstände ringsum. Ich stand, quasi, im Nebel. Der Schmerz kam im zwei Sekunden Takt pulsierend: stark, schwächer, stark ...  schwach wurde er nicht. Solche Kopfschmerzen hatte ich nie zuvor und hoffentlich nie wieder!
Was tun, wenn nichts falsches? Vielleicht geht es wieder weg, dachte ich, wenn ich ein Aspirin nehme und mich ein bisschen hinlege. Der Kopfschmerz wurde tatsächlich nach einer halben Stunde weniger, aber das Sehen verbesserte sich nicht. Also rief ich beim Augenarzt an. Freitag Nachmittag, 13 Uhr 30. Feierabend. Und jetzt? Ein Augennotfallproblem hatte ich noch nie zuvor. Ich entschied mich, meinen Hausarzt aufzusuchen, der arbeitet auch am Freitag Nachmittag noch. Zum Glück musste ich nicht lange warten. Rat wusste der Allgemeinarzt natürlich auch keinen anderen, als mir eine Überweisung in die Augenklinik im Katharinenhospital auszustellen.
An diese hatte ich keine sehr vorteilhafte Erinnerung. Mein Freund Walter hatte einmal eine Blutung im Auge, es sah schrecklich aus, als würde er jeden Augenblick Bluttränen weinen, und ich fürchtete, dass er einen Schlaganfall oder etwas ähnliches habe. Obwohl wir die einzigen Wartenden waren, dauerte es über eine Stunde, bis wir ins Behandlungszimmer gerufen wurden. Er, nicht wir. Ich motzte draußen die arme Sprechstundenhilfe an, die ja nun wirklich nichts dafür konnte. ... Es ging alles gut. Ein Äderchen war im Auge geplatzt, durch hohen Blutdruck vielleicht. Schwamm drüber.

"Hier also sind die Schreckenspforten, die Tod und Untergang mir dräun." hätte ich mit Mozarts Tamino aus der Oper "Die Zauberflöte" singen können. Aber danach war mir nicht zumute. Ich ging erst einmal einige Schritte daran vorbei, hielt mein linkes Auge zu, leider nur Nebel im rechten. Es musste also sein.

Dieser Flur war mir sogar noch in Erinnerung, aber schließlich hatte ich ja damals auch 1 ½ Stunden Zeit ihn auf mich wirken zu lassen. Beruhigendes Grün.



























Und das erwartete mich jetzt! Hatte ich mich eine unbekannte Versuchstechnik auf den Flughafen gebeamt? Was wollten alle diese Leute hier? War Besuchszeit in der Anmeldung der Ambulanz statt Sprechstunde? Und das am Freitag Nachmittag, an denen sonst nur die Züge nach Karlsruhe so voll sind. Ich war überrascht! Dass so viele Menschen Augenkrank sein können hätte ich nie gedacht. Und dass diese wirklich Beschwerden haben müssen, um sich diesem Andrang zu stellen, war mir schon klar. Niemand liefert sich ohne Not stundenlangen Wartezeiten aus.
Und es wurden Stunden!
Zuerst informierte mich allerdings die Empfangsperson, vom Stress schon etwas angenervt, dass meine Überweisung keine Gültigkeit habe. Nur ein Augenarzt, ("Sie sind doch bei einem in Behandlung?) sei ermächtigt, Patienten in eine Augenklinik zu überweisen.
Zum Glück senkte sich in diesem Moment ein Schleier undurchdringlicher Geduld auf mein Gemüt, dichter als der hinter meinem rechten Auge. Eingeschüchtert bekannte ich mich zur Unkenntnis dieser Regel.
"Dann nehme ich Sie eben jetzt als Notfall auf und sie erhalten die entsprechende Behandlung und auch eventuelle stationäre Einweisung." beschied sie mich. "Aber wenn sie zu Folgebehandlungen wieder zu uns kommen müssen, brauchen Sie eine Überweisung ihres Augenarztes, dass das klar ist."
Es war mir klar.
"Dann melden Sie sich jetzt im Behandlungszimmer an. Zimmer 3."
Ich meldete.
"Sie werden dann aufgerufen." sagte die Helferin und sah durch mich hindurch die anderen Wartenden an. 
Die müssen hier unter Sedativen stehn oder keine Nerven haben, dachte ich.
Warten will gelernt sein. Ich habe es schon als Kind gelernt, wenn ich mit dem Herr Doktor zu Krankenbesuchen auf dem Land in seinem Auto mitfahren durfte. Es war nach dem Krieg und Autos waren rar. In dem ländlichen Städtchen, in das wir evakuiert wurden als die Bomben Stuttgart immer unbewohnbarer machten, hatte nur der Herr Doktor eins. Also war ich immer glücklich, wenn ich auf dem Rücksitz mitfahren durfte. Seine Patienten waren weit verstreut auf den Bauernhöfen, und manchmal wurde es Mittagszeit und wir waren nicht zurück in der Gemeinde. Dann lud man den Herr Doktor natürlich zum Mittagessen ein und das konnte dauern! Er hatte längst vergessen, dass ich im Auto war. Aber das machte mir nichts aus. Ich wartete eben, stieg nicht einmal aus um eventuell mit den Kühen zu reden. Bei solch einer Gelegenheit meinte der Herr Doktor, als er wieder einmal feststellte, dass er einen Fahrgast hatte: "Ja Du bist ja immer noch da und wartest! Du wirst sicher einmal ein Philosoph." Er hat mich übrigens nie gefragt, ob ich denn keinen Hunger hätte. Ehrlich gesagt kann ich mich an kein Hungergefühl in diesen Stunden erinnern.
An diesen Freitag hatte ich aber nur früh morgens ein unbelegtes Croissant gegessen und zwei Tassen Kaffee mit etwas fettarmer Milch getrunken. Jetzt hatte ich Hunger. Aber die Augenklinik des Katharinen-Klinikums liegt abseits vom eigentlichen Krankenhaus, in dem sich Kiosks und eine Cafeteria befinden. Hier stand lediglich ein Automat mit Ritter Sport Schokolade, Snickers und Co. Nicht einmal ein Päcken gesalzener Erdnüsse war im Angebot. Ich zog, aus Versehen, ein Snickers, die Tafel Schokolade hatte eine andere Nummer.
Die Untersuchungen waren vielfältig, die Geräte zahlreich. 
Zwischendurch: warten. 
Augendruck messen ist immer unangenehm. Der Druck im rechten Auge war 60 mm H...
Also extrem hoch. Eigentlich hätte meine Linse quer durch den Raum katapultiert werden müssen.
Glaukom oder eine Arterienverengung? Glaukom wäre das geringere Übel. Die andere Variante ist ein entzündlicher Prozess im Schläfenbereich und muss durch eine Biopsie therapiert werden. 
"Das Dumme ist nur, dass der Arzt der sich damit auskennt nicht im Haus ist."
Man klärte mich auf, dass im Fall einer Entzündung, diese auch auf das linke Auge übergreifen könne und, im worst case, zu völligem Sehverlust führen würde.
Besorgte Gesichter vertieften den Eindruck der ernsten Lage.
Ich stimmte der, eventuellen, Biopsie zu. Das bedeutete sofortige intravenöse Gabe von hochdosiertem  Kortison und es bedeutete stationäre Aufnahme in der Klinik.
Inzwischen war es 19 Uhr. Der Hunger war mir vergangen, aber ich wollte doch noch einmal kurz nach Hause, um wenigstens etwas anderes anzuziehen. Kein Problem. Ich musste mich nur kurz auf der Station melden, damit die meine Akte schon hatten und alles vorbereiten konnten. Kein Problem. Aber ich solle dann um das Gebäude herum gehen und den Nachteingang benutzen, weil die Haupttüre demnächst abgeschlossen würde. Kein Problem.
Auf den Omnibus musste ich nur 8 Minuten warten und ich hätte ihn beinahe verpasst, weil ich solch kurze Wartezeiten nicht mehr gewohnt war.
Daheim zog ich mich um, packte noch extra Unterwäsche und Socken ein, im Fall es mehr als eine Übernachtung werden sollte. Es sollte! Dann aß ich einen Apfel, steckte zwei zu meiner Wäsche, nahm das Ladekabel für das iPad mit und, für alle Fälle, auch noch das iPad Mini. Man kann nie wissen.
Trotz meiner Beeilung war es beinahe 22 Uhr 30 als ich die Nachtglocke betätigte und die Treppe in den dritten Stock hochstieg zur Station K3.
Das nächste Kapitel ist überschrieben: Krankenhausaufenthalt. Es wird interessant. Und ganz am Ende werde ich meine wunderbare undurchdringliche Geduld verlieren ... Aber das eben ganz am Ende.