Posts mit dem Label Geduld werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Geduld werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 25. Januar 2016

Über Ärger und Geduld


"Bestelle nie etwas im Internet, wenn Du Dich nicht ärgern willst!"
Das würde ich jede/r/m empfehlen ... wobei ich das jetzt schon einschränken muss ...
BESTELLE NICHTS DAS ZUGESTELLT WIRD!
Egal ob DP, DPD, NPD, UPS oder HERMES. Sie sind alle gleich Scheiße!
Zu diesem Schluss komme ich aus folgender Begebenheit. (Die Begebenheit wo es um die Hose meiner Schwester geht überspringe ich.)
Ich bin Rentner seit 13 Jahren (mehr oder weniger ... eher bald mehr ...), also bin ich viel zuhause. Ich wohne beinahe "ebenerdig" und kann Kommen und Gehen auf dem Gelände vor meinem Zuhause gut beobachten. Besonders dann wenn es sich um Zustellungsfahrzeuge der entsprechenden Zusteller handelt. Die sind meistens hoch und versperren mir die Aussicht ... nicht dass die gerade spektakulär wäre ... es sei denn dass Bauarbeiter tätig sind.

Die installieren zur Zeit flächendeckend Parkuhren im gesamten Stadtgebiet, in der Hoffnung dass in Zukunft jede/r Parkende/r für sein Parkrecht bezahlt ...
Auf jeden Fall fällt mir alles Parkende auf, ganz besondre weil die meisten im "Absoluten Halteverbot" meinen ihr Parkrecht ausüben zu dürfen, speziell in der Feuerschutzzone. Haben Autofahrer ein Gewissen? Ich veröffentliche hier keine Fotos, weil bisher noch kein Feuer in unserer Straße ausgebrochen ist ...
Außerdem hat es mit meinem Anliegen nichts zu tun, oder eben nur insoweit, dass ich die parkenden Autos beobachten kann.
Ich hatte bei Amazon einige DVDs alter Filme bestellt. Man bekommt sie ja sonst nirgendwo mehr her. Also keinen Shitstorm weil ich Amazon benutze.
Die Zustellung war für den 16. Januar angekündigt und weil man sich eigentlich darauf verlassen kann, dass dann zugestellt wird, hielt ich mein Augenmerk auf parkende Zulieferaspiranten, bzw. deren Fahrzeuge. So gegen 12 Uhr sah ich gegenüber ein HERMES-Fahrzeug, allerdings ein kleines, also mehr ein Pkw für eine Person. Hätte es nicht das HERMES-Logo gehabt, wäre es mir nicht aufgefallen. Ein Fahrer war nicht in Sicht. Es wurde bei mir auch nicht geklingelt. Das Auto parkte dort ziemlich lange für einen Zulieferer, mindestens eine viertel Stunde lang fiel es mir auf, jedes Mal wenn ich einen Blick aus dem Fenster warf. Ich dachte mir nichts dabei.
Dann fuhr an den Fenstern der Querstraße ein DP Auto vor und ich konzentrierte mich darauf. Aber es war blinder Alarm. Der Bote stellte im Haus gegenüber zu. Nichts für mich dabei. Langsam wurde ich ungeduldig!
Schließlich war auch das HERMES Fahrzeug weg, als ich wieder zum anderen Fenster hinaussah. Es war weggefahren während der DP-Bote zustellte. Den Fahrer, den HERMES, sah ich überhaupt nicht. "Schon wieder auf dem Olymp." dachte ich. (Man hat schließlich Allgemeinbildung und weiß, dass Hermes der Götterbote der Antike ist. Die Bibel nennt ihn Gabriel ... Ist der deshalb modern? ...)
Es wurde später und später, mein Geduldsfaden dünner und dünner und als meine Nachbarin ihre Wohnung verließ, ging ich auch hinaus.
"Da hängt ein Zettel für Dich an der Haustür." sagte sie.
Mir war er auch sofort aufgefallen. So sah er aus:


Ich sah ROT!
Da sitze ich stundenlang in meiner Wohnung und warte dass es klingelt und dann das?
"Aber ich war doch die ganze Zeit da!?" sagte ich zu der Nachbarin.
"Ja ich auch." antwortete sie. Und: "Es hat niemand geklingelt."
"Bei mir auch nicht." sagte ich lahm.
Wie reagiert man in solch einer Situation? Wird man sofort depressiv? Melancholisch? Manisch? Flippt man aus und rennt schreiend und sich die Haare raufend durch die Straßen? 
Ich habe keine Haare, also forget it.


Nachdem das Paket in der Böblinger Str.11 "zugestellt" war, machte ich mich dorthin auf den Weg. Das sind zehn Minuten zu Fuß. Kein Problem. Zwar kochte es in mir immer noch, aber schon auf kleiner Flamme.
Die Paketstation war in ein kleines Damenmodengeschäft integriert, geführt von einem jungen, gutaussehenden Türken. (Junge Türken sind meist gutaussehend ... Das nur am Rande.) Sein Haarschnitt wie aus dem Bilderbuch, der drei-Tage-Bart keinen Tag älter und sein Lächeln so voll perfekter weißer Zähne ... Aber ich schweife ab.
Ich präsentierte meine Benachrichtigung und schilderte die Situation ausführlich, eben darauf hinweisend, dass ich die ganze Zeit zuhause war, das Auto sah nicht aber den Fahrer, aber weder bei mir noch bei meiner Nachbarin geklingelt wurde, dafür aber dieser Zettel an der Haustür hing! ...
Es war ein Schuss in den Ofen.
Nicht dass der junge, gutaussehende ... ich wiederhole mich ... nicht hilfreich war, er durchwühlte einen Haufen wild gestapelte Pakete im Hintergrund seines Ladens, wurde aber nicht fündig. Es tue ihm Leid, der Fahrer bringe erst am Abend die Lieferungen die nicht geliefert werden konnten. ... Ich bezähmte meinen Zorn und verabschiedete mich.
"Kommen Sie morgen wieder vorbei." sagte der junge, gutaussehende, mit Gel im Haar brillierende und mit unheimlich vielen weißen Zähnen blitzende junge Mann.
"Morgen ist Sonntag." antwortete ich.
"Das tut mir Leid." meinte er.
Manchmal laufen Dialoge wirklich ins Leere.
Nichtsdestotrotz besuchte ich ihn am Montag Abend wieder. Den Abend hatte ich zuhause abgewartet, in der Hoffnung, dass der Bote die Zustellung an diesem Tag bewerkstelligen könnte. Er konnte nicht.
Mir fiel auf, dass das Hinweisschild auf eine HERMES Station nicht mehr den Gehweg behinderte, dachte mir aber nichts dabei.
Der junge Mann diskutierte mit einer jungen Frau hinter der Ladentür, als ich dort ankam. Er sah irritiert aus und als ich ihm von draußen, zur Erinnerung, die HERMES Benachrichtigung zeigte, winkte er ab, als wolle er mich von seiner Schwelle verjagen.
`Das Leben konfrontiert uns of mit surrealen, kafkaesken Situationen.´ denke ich jetzt im Nachhinein. Damals dachte ich nur: `O Gott! Noch mehr Ärger!´
Also betrat ich den Laden trotzdem und merkte sofort, dass der Disput den der Mann mit der Frau führte, (beide jung und gutaussehend ...) um eine HERMES Lieferung ging, die nicht erfolgt war und dass das Paket auch nicht hier zur Abholung bereit lag.
Sie verabschiedeten sich mit Floskeln wie: 
Er: "Ja, versuchen sie das." 
Sie: " Ja. Ich werde das mal versuchen." 
So etwas führt immer zu nichts!
"Aaahhhh Herr Lang, richtig?" begrüßte er mich und wir bewunderten beide aufrichtig sein gutes Gedächtnis für eine Weile. Schließlich waren wir in keiner Phase intimer als dass ich ihm die Benachrichtigungskarte überreicht hatte und das war am Samstag gewesen! 
Intimer wurden wir auch nicht.
Er teilte mir sein aufrichtiges Bedauern mit, dass meine Lieferung nicht zur Abholung bereit sei. "Wissen Sie, ich habe das HERMES aufgegeben. Der Fahrer tut so als würde er die Sachen ausliefern und dann bringt er sie am Abend zu mir und hier stapelt sich das alles. Das kann ich nicht brauchen."
Wie viel Geduld hat ein Mensch? Ich bewahrte meine ..., was mich wundert!
Er war so nett und rief den Fahrer an, um zu fragen, ob "eventuell" noch "irgendetwas" in seinem Kofferraum läge. Die Antwort war negativ. 
Ich solle doch die Hotline anrufen, ließ er mir ausrichten ...
Er: "Ja, versuchen Sie das."
Ich: "Ja ... Ich werde das versuchen."
Ich verließ den Laden.
Das Leben ist nur absurd, sonst gar nichts!
Als nächstes informierte ich Amazon über den undurchschaubaren Status meiner Sendung und drohte mit Stornierung der Zahlung. Keine Reaktion. Schließlich ging es um 29.60€. 
Ab 29 Euro ist der Versand kostenlos ...
Ich versuchte die HERMES Hotline-Nummer. Mein Telefon stürzte zwei mal ab!
...
Am 21. 01. 2016 kam das Päckchen nachmittags an, von Hermes ausgeliefert.
Ich war so aufgewühlt, ich hätte den Boten umarmen können! 
Aber der hatte es eilig. 
Na ja, bei den Verzögerungen! ...


Montag, 22. September 2014

Geduld und andere Tugenden


Man sollte, wenn man einen essentiellen Tremor hat, nicht versuchen gerade Linien, Kreise und Spiralen zu malen. Das geht schief, vielmehr wird wellig. Siehe oben.
Das sollte die "Goldene Faden Maschine" darstellen, die mir als Traumbild zum Thema geduldiges Warten (siehe das entsprechende Kapitel) durch den Kopf geisterte. Ging gehörig daneben. Jetzt fällt mir lediglich auf, dass sie einer liegenden Sphinx ähnelt. Oder einer Schnecke? Wobei ich bei der Geduld angekommen bin. (Da stellt sich natürlich die berechtigte Frage, ob Schnecken sich als geduldig empfinden, oder ständig mit ihrer Langsamkeit hadern.)
Die Geduld ist eine Tugend. Wobei dieses Wort von taugen abgeleitet ist ... aber das ist eine längere,   zwar auch spannende aber eben andere Geschichte. 
Es gibt sieben christliche Tugenden, die einerseits auf die biblischen Zehn Gebote, andererseits auf Jesus' Bergpredigt zurück gehen. Die Geduld steht bei den sieben in der Mitte. Typisch und logisch! Geduld ist der Mittelpunkt eines geduldigen Menschen, oder etwa nicht? (Man bewundert ja die Geduld von Katzen, die einer Maus auflauern, aber ich denke, dass sie eher ungeduldig sind, weil sie spielen wollen, oder schlichtweg Hunger haben.) 
Es gibt auch noch drei göttliche (theologische) Tugenden, deren mittlere die Hoffnung ist.
Seit beinahe vier Wochen hoffe ich, dass mein linkes Auge sich normalisiert und ich endlich wieder gut sehen kann!
Und mein Augenarzt sagt: "Geduld. Das kann auch sechs Wochen dauern." Jetzt soll ich also eine Tugend aufbringen, die den meisten Menschen nicht liegt. Womit ich geduldiges Warten meine. Normale Geduld? OK, kein Problem. Ich kann mit Sekundenkleber gut arbeiten. ("Scheiße!" artikuliere ich nur, wenn der zu klebende Gegenstand auseinander fällt, meine Finger aber innig verbunden sind.) 
Jetzt bleibt mir also nur noch die Hoffnung (die bei Sekundenkleber wenig taugt), die keinen all zu guten Ruf hat, von wegen sie stirbt. Zwar zuletzt, aber tot ist tot.
Soll ich mich zu Tode hoffen?
Dazu fehlt mir die Geduld!
Ich sehe schon: Ich bin ein wenig tugendhafter Mensch. Aber damit kann ich leben. Zumindest die nächsten zwei Wochen ...

Dienstag, 15. April 2014

Wer mit Allem rechnet, wird von nichts überrascht!

Aber was ist "Alles". Man kann nicht alles Wissen und deshalb auch nicht damit rechnen. Ich wusste, dass mein Augeninnendruck zu hoch ist. "Glaukom", sagte der Augenarzt, und "Grüner Star". Das war beunruhigend, Menschen mit grünem Star erblinden oft. Das will ich ja nicht! Aber der Arzt meinte ja auch, das "wir" das mit Tropfen in den Griff bekommen könnten. Siehe das vorhergehende Kapitel.
Ich "tropfte" also von Dienstag der vergangenen Woche bis zum Freitag. Alles Paletti, wie schon geschildert. Dann kam der "Schwarze Freitag" für mich. Na ja, nicht richtig schwarz, da hätte ich ja gleich voll Panik bekommen, eher weiß. Ich packte gerade meine Sachen zusammen für das Kieser Training, als ich rechts über dem Auge einen sehr starken Kopfschmerz bekam und gleichzeitig sah ich mit dem rechten Auge nichts mehr. Nur dass es hell war konnte ich sehen wenn ich das linke Auge mit der Hand bedeckte, und völlig verschwommene Konturen der Gegenstände ringsum. Ich stand, quasi, im Nebel. Der Schmerz kam im zwei Sekunden Takt pulsierend: stark, schwächer, stark ...  schwach wurde er nicht. Solche Kopfschmerzen hatte ich nie zuvor und hoffentlich nie wieder!
Was tun, wenn nichts falsches? Vielleicht geht es wieder weg, dachte ich, wenn ich ein Aspirin nehme und mich ein bisschen hinlege. Der Kopfschmerz wurde tatsächlich nach einer halben Stunde weniger, aber das Sehen verbesserte sich nicht. Also rief ich beim Augenarzt an. Freitag Nachmittag, 13 Uhr 30. Feierabend. Und jetzt? Ein Augennotfallproblem hatte ich noch nie zuvor. Ich entschied mich, meinen Hausarzt aufzusuchen, der arbeitet auch am Freitag Nachmittag noch. Zum Glück musste ich nicht lange warten. Rat wusste der Allgemeinarzt natürlich auch keinen anderen, als mir eine Überweisung in die Augenklinik im Katharinenhospital auszustellen.
An diese hatte ich keine sehr vorteilhafte Erinnerung. Mein Freund Walter hatte einmal eine Blutung im Auge, es sah schrecklich aus, als würde er jeden Augenblick Bluttränen weinen, und ich fürchtete, dass er einen Schlaganfall oder etwas ähnliches habe. Obwohl wir die einzigen Wartenden waren, dauerte es über eine Stunde, bis wir ins Behandlungszimmer gerufen wurden. Er, nicht wir. Ich motzte draußen die arme Sprechstundenhilfe an, die ja nun wirklich nichts dafür konnte. ... Es ging alles gut. Ein Äderchen war im Auge geplatzt, durch hohen Blutdruck vielleicht. Schwamm drüber.

"Hier also sind die Schreckenspforten, die Tod und Untergang mir dräun." hätte ich mit Mozarts Tamino aus der Oper "Die Zauberflöte" singen können. Aber danach war mir nicht zumute. Ich ging erst einmal einige Schritte daran vorbei, hielt mein linkes Auge zu, leider nur Nebel im rechten. Es musste also sein.

Dieser Flur war mir sogar noch in Erinnerung, aber schließlich hatte ich ja damals auch 1 ½ Stunden Zeit ihn auf mich wirken zu lassen. Beruhigendes Grün.



























Und das erwartete mich jetzt! Hatte ich mich eine unbekannte Versuchstechnik auf den Flughafen gebeamt? Was wollten alle diese Leute hier? War Besuchszeit in der Anmeldung der Ambulanz statt Sprechstunde? Und das am Freitag Nachmittag, an denen sonst nur die Züge nach Karlsruhe so voll sind. Ich war überrascht! Dass so viele Menschen Augenkrank sein können hätte ich nie gedacht. Und dass diese wirklich Beschwerden haben müssen, um sich diesem Andrang zu stellen, war mir schon klar. Niemand liefert sich ohne Not stundenlangen Wartezeiten aus.
Und es wurden Stunden!
Zuerst informierte mich allerdings die Empfangsperson, vom Stress schon etwas angenervt, dass meine Überweisung keine Gültigkeit habe. Nur ein Augenarzt, ("Sie sind doch bei einem in Behandlung?) sei ermächtigt, Patienten in eine Augenklinik zu überweisen.
Zum Glück senkte sich in diesem Moment ein Schleier undurchdringlicher Geduld auf mein Gemüt, dichter als der hinter meinem rechten Auge. Eingeschüchtert bekannte ich mich zur Unkenntnis dieser Regel.
"Dann nehme ich Sie eben jetzt als Notfall auf und sie erhalten die entsprechende Behandlung und auch eventuelle stationäre Einweisung." beschied sie mich. "Aber wenn sie zu Folgebehandlungen wieder zu uns kommen müssen, brauchen Sie eine Überweisung ihres Augenarztes, dass das klar ist."
Es war mir klar.
"Dann melden Sie sich jetzt im Behandlungszimmer an. Zimmer 3."
Ich meldete.
"Sie werden dann aufgerufen." sagte die Helferin und sah durch mich hindurch die anderen Wartenden an. 
Die müssen hier unter Sedativen stehn oder keine Nerven haben, dachte ich.
Warten will gelernt sein. Ich habe es schon als Kind gelernt, wenn ich mit dem Herr Doktor zu Krankenbesuchen auf dem Land in seinem Auto mitfahren durfte. Es war nach dem Krieg und Autos waren rar. In dem ländlichen Städtchen, in das wir evakuiert wurden als die Bomben Stuttgart immer unbewohnbarer machten, hatte nur der Herr Doktor eins. Also war ich immer glücklich, wenn ich auf dem Rücksitz mitfahren durfte. Seine Patienten waren weit verstreut auf den Bauernhöfen, und manchmal wurde es Mittagszeit und wir waren nicht zurück in der Gemeinde. Dann lud man den Herr Doktor natürlich zum Mittagessen ein und das konnte dauern! Er hatte längst vergessen, dass ich im Auto war. Aber das machte mir nichts aus. Ich wartete eben, stieg nicht einmal aus um eventuell mit den Kühen zu reden. Bei solch einer Gelegenheit meinte der Herr Doktor, als er wieder einmal feststellte, dass er einen Fahrgast hatte: "Ja Du bist ja immer noch da und wartest! Du wirst sicher einmal ein Philosoph." Er hat mich übrigens nie gefragt, ob ich denn keinen Hunger hätte. Ehrlich gesagt kann ich mich an kein Hungergefühl in diesen Stunden erinnern.
An diesen Freitag hatte ich aber nur früh morgens ein unbelegtes Croissant gegessen und zwei Tassen Kaffee mit etwas fettarmer Milch getrunken. Jetzt hatte ich Hunger. Aber die Augenklinik des Katharinen-Klinikums liegt abseits vom eigentlichen Krankenhaus, in dem sich Kiosks und eine Cafeteria befinden. Hier stand lediglich ein Automat mit Ritter Sport Schokolade, Snickers und Co. Nicht einmal ein Päcken gesalzener Erdnüsse war im Angebot. Ich zog, aus Versehen, ein Snickers, die Tafel Schokolade hatte eine andere Nummer.
Die Untersuchungen waren vielfältig, die Geräte zahlreich. 
Zwischendurch: warten. 
Augendruck messen ist immer unangenehm. Der Druck im rechten Auge war 60 mm H...
Also extrem hoch. Eigentlich hätte meine Linse quer durch den Raum katapultiert werden müssen.
Glaukom oder eine Arterienverengung? Glaukom wäre das geringere Übel. Die andere Variante ist ein entzündlicher Prozess im Schläfenbereich und muss durch eine Biopsie therapiert werden. 
"Das Dumme ist nur, dass der Arzt der sich damit auskennt nicht im Haus ist."
Man klärte mich auf, dass im Fall einer Entzündung, diese auch auf das linke Auge übergreifen könne und, im worst case, zu völligem Sehverlust führen würde.
Besorgte Gesichter vertieften den Eindruck der ernsten Lage.
Ich stimmte der, eventuellen, Biopsie zu. Das bedeutete sofortige intravenöse Gabe von hochdosiertem  Kortison und es bedeutete stationäre Aufnahme in der Klinik.
Inzwischen war es 19 Uhr. Der Hunger war mir vergangen, aber ich wollte doch noch einmal kurz nach Hause, um wenigstens etwas anderes anzuziehen. Kein Problem. Ich musste mich nur kurz auf der Station melden, damit die meine Akte schon hatten und alles vorbereiten konnten. Kein Problem. Aber ich solle dann um das Gebäude herum gehen und den Nachteingang benutzen, weil die Haupttüre demnächst abgeschlossen würde. Kein Problem.
Auf den Omnibus musste ich nur 8 Minuten warten und ich hätte ihn beinahe verpasst, weil ich solch kurze Wartezeiten nicht mehr gewohnt war.
Daheim zog ich mich um, packte noch extra Unterwäsche und Socken ein, im Fall es mehr als eine Übernachtung werden sollte. Es sollte! Dann aß ich einen Apfel, steckte zwei zu meiner Wäsche, nahm das Ladekabel für das iPad mit und, für alle Fälle, auch noch das iPad Mini. Man kann nie wissen.
Trotz meiner Beeilung war es beinahe 22 Uhr 30 als ich die Nachtglocke betätigte und die Treppe in den dritten Stock hochstieg zur Station K3.
Das nächste Kapitel ist überschrieben: Krankenhausaufenthalt. Es wird interessant. Und ganz am Ende werde ich meine wunderbare undurchdringliche Geduld verlieren ... Aber das eben ganz am Ende.

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Tischgesellschaft auf San Giorgio


Egal wohin man geht in Venedig, man findet immer etwas zum Essen. Vom teuersten Restaurant bis zum primitivsten Kiosk ist alles vertreten. Wie gut man dort isst ist allerdings nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern des Geldbeutels, wobei der Geschmack oft auch dort zu wünschen übrig lässt, wo man tief in den Geldbeutel greifen muss. 
Gestern war ich auf Torcello, ich werde dem Besuch noch ein, verdientes, Extrakapitel widmen, und hatte solchen Hunger, dass ich etwas essen musste, wenn ich nicht ohnmächtig werden wollte. Es gibt ja auf der Insel das CIPRIANI! Dort speist Gott, wenn er in Frankreich nichts mehr findet, das seinen Gaumen befriedigt. Gott muss allerdings nicht bezahlen, der Sterbliche sollte aber schon mit gefüllter Brieftasche hingehen. Im Gegensatz zu vor 30 Jahren, gibt es inzwischen noch drei Speiseplätze, die immer geöffnet sind. Die Speisekarten sind sehr verlockend, aber wenn man nur noch 25 Euro in der Tasche hat, was bei mir der Fall war, sollte man kurz durchkalkulieren, ehe man sich hinsetzt. Ich kalkulierte beim letzten Lokal, eigentlich das erste, wenn man von der Anlegestelle kommt, aber ich befand mich auf dem Rückweg, und wusste, dass mein Geld reichen würde, selbst wenn ich mich für ein Menü entschied. Ich entschied mich für das "Vegetaria" Menü, weil ich Fleisch misstraue, wenn es preiswert ist. Geschnetzelte Schuhsohlen kann ich auch in Stuttgart essen. Ich werde eine lange Geschichte kurz machen: Das Menü bestand aus einer Gemüse-Lasagne und gegrilltem Gemüseteller. Die Speisen standen in einem Schaukasten bereit und wurden in der Mikrowelle angewärmt. Angewärmt war die Lasagne, hauptsächlich schmierig zerkochte Auberginen in einem Pamp von Nudelteig, der diese Bezeichnung nicht mehr verdiente, weil man ihn mit den Zähnen nicht mehr fand, nur an der Oberfläche, innen war sie noch kalt. Das Gemüse waren Auberginen-, Zucchini- und Paprikascheiben gegrillt und auch in der Mikrowelle erhitzt. Hier stimmte die Temperatur. Aber man konnte es nicht essen! Ich bin ja nicht zimperlich, aber wenn mir etwas nicht schmeckt, dann esse ich es nicht. Basta. Dieses Gemüse schmeckte aber nicht nur nicht, es roch auch ungenießbar. Es roch nach verfaultem Wasser und das so sehr, dass mir übel zu werden drohte. Zum Glück hatte ich die Grießschnitte, die sich Polenta nannte, ohne aus Maisgries zu sein, gleich am Anfang gegessen, nachdem ich die fetttriefende Lasagne nach einem Bissen beiseite gestellt hatte, so dass wenigstens etwas in meinem Magen war. Appetit hatte ich allerdings keinen mehr. Und dieser Horror kostete sage und schreibe 13 Euro, ohne Getränk oder Brot. Ich bezahlte zähneknirschend und floh die Stätte. Wanderer, kommst Du nach Torcello, meide diese Futterstelle!

Heute Abend suchte ich eines der Lokale auf, an das ich gute Erinnerungen hatte. Das Vecio Canton, eigentlich eine Pizzeria, in der früher hauptsächlich die Venezianer speisten. Beim Eintritt ins Lokal wird der Gast heute von einem riesigen, und ich meine 
                     RIESIGEN! 
Flachbildfernseher begrüßt, auf dem, wenn er Pech hat, und ich hatte Pech, Fußball geboten  wird. Man gab mir gar keine Chance, mir einen Platz auszusuchen, als Einzelgast wurde ich an einen Tisch hinter einer Wand gesetzt, die mir den Blick auf die Mitwelt verstellte. Das Fernsehgerät befand sich aber unmittelbar neben mir. Ich hätte ja wieder gehen können, aber in meiner Erinnerung, und in meinen Notizen, gab es hier die weltbeste Pizza überhaupt. Hier habe ich sogar den Pizzabäcker und einen einheimischen Gast skizziert, die sich locker unterhielten, während im Holzofen die Pizzen garten. Es war herrlich urig und heimelig. War!


Die Pizza war auch diesmal okay, aber kein Vergleich zu der, die ich am Tag meiner Ankunft beim Arsenale gegessen habe. Mit 13 Euro war sie auch ziemlich teuer, wenn man bedenkt, dass der Markusplatz nicht gerade um die nächste Ecke ist. Ich habe gegessen, bezahlt und bin gegangen. Kein Trinkgeld, denn der Service war lieblos und unaufmerksam. Da geh ich nie wieder hin und empfehlen kann ich es auch nicht!!!

So, jetzt aber zurück nach San Giorgio Maggiore und an den Tisch mit den Sperlingen. Ich hatte ein Schinken/Käse Brötchen bestellt, das in einer Art Waffeleisen erhitzt wurde, und kaum war es serviert, flatterten die ersten Gäste auf die Tafel.

Ich habe dann redlich mit ihnen geteilt, wobei es sich herausstellte, dass ich nur den Käse/Schinken Anteil bekam. Was soll´s, wir wurden alle satt.






























Es empfiehlt sich, den Campanile nicht zu einer vollen Stunde zu betreten, schon gar nicht um 12 Uhr, es hämmert einem wirklich das Hirn zu Brei, wenn man nicht die Finger bis zum zweiten Glied in die Ohren steckt. Ich weiß das natürlich (leider aus Erfahrung!) und wartete den Nachmittag ab. Die Fahrt mit dem Aufzug kostet 6 Euro, was ich in Ordnung finde. Das Ding muss ja gewartet werden.
Oben angekommen erwartet den Besucher dann ein traumhafter Ausblick, nicht nur auf die in Reih und Glied stehende Front am Markusplatz und die Riva degli Schiavoni hinunter bis zu den Öffentlichen Gärten rund um das Kunst-Biennale Gelände, sondern auch zur Santa Maria della Salute, hin zum Turm der Frari Kirche, über die geschwungene Sichel der Giudecca, mit den zwei großen Kirchen direkt am Kanalufer, über die Dächer der Klosteranlage, den Kreuzgang, ihre Gärten und schließlich hinaus auf die Lagune, zum Lido und ins Uferlose. Es lohnt sich wirklich und San Giorgio ist nicht so überlaufen wie der Campanile am Markusplatz, wo man nur hinauffährt, einmal rund herum geschoben wird und wieder hinunter fährt. 
Willkommen auf dem Campanile von San Giorgio Maggiore!

Und wenn der/die Besucher/in auf dem Turm das Glück, und die Stadt Venedig das Pech hat, dass gerade eine der vielen, viel zu vielen!, schwimmenden Städte ausläuft, die mit ihren Abgasen die Luft verpesten und Gebäude schädigen, und durch ihren Tiefgang den Wasserhaushalt der Lagune nachhaltig verändern, dann gelingen ihr/ihm solche Bilder. Wie man sieht, befindet sich auf der San Giorgio zugewandten Seite kein einziger Schiffspassagier, was deren begrenzte Bildung und Mentalität deutlich illustriert.





Man kann die Abgase deutlich sehen, wenn man will.

"Der Mensch strebt nach dem Größten und zerstört das Kleinste. Aber auch das Größte wird wieder klein. Holz verbrennt zu Asche, Stein zerfällt zu Staub. Das schafft die Geduld. Nur der Mensch ist fähig Geduld zu erkennen und trotzdem erkennt er nicht die Natur der Natur. Er wird nie das Größte schaffen, weil ihm die Geduld fehlt."

Zurück auf die Erde, zumindest auf die unsichere von Venedig. Vielleicht ist es ganz gut, sich ein bisschen mit der rosaroten Gigantin (Teil der Biennale) vor der Kirche zu befassen. Es ist eine luftgefüllte Kopie der Originalstatue eines englischen Künstlers ... aber alles hier nachzulesen:


Und jetzt also hier. Weil Venedig weiblich ist? La Serenissima! Behindert und nicht in der Lage sich selbst zu helfen, aber ...? Heroisch als universeller Anspruch? Na ja, schöne Bilder kann man auf jeden Fall machen.