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Freitag, 31. Oktober 2014

Mein Augenklinik-Jahr





























Hier hat es angefangen, ich weiß schon gar nicht mehr wann. Es war im März, denke ich, als ich zum Augenarzt ging, weil ich manchmal für kurze Zeit alles wie durch eine Milchglasscheibe sah. Glaukom, diagnostizierte dieser und gleich auch noch Katarakt, im Volksmund bekannt als grüner und grauer Star. Es sei nicht alarmierend, meinte der Arzt, man könne das eventuell mit Tropfen in den Griff bekommen. Das war am Montag oder Dienstag. Eventuell war dann am Freitag vorbei, als ich einen Glaukom-Anfall erlitt, der "Wurst Käs" (worst case) für das Auge und extrem schmerzhaft! Da meldete ich mich dann hier und ... Ja, steht alles in meinem Blog. Das Kapitel dazu, "Grau oder grün" überschrieben, mit dem alles anfängt. Veröffentlicht habe ich das am 9. April ... 
Heute ist der 31. Oktober. Gestern hatte ich einen Termin in der anderen Klinik, zu der ich wechselte, weil in der ersten ein Fernseher hoch oben an der Wand war und ich, nach 4 Tagen allein im Zimmer, einen `Zimmerkollegen´ bekommen sollte, der sich gleich bei seiner Ankunft freute, dass er dann  "Fußball kucken" könne. Noch bevor er das Gerät einschalten konnte, habe ich mich selbst entlassen ...
Zurück in die Zukunft.



























Ich war pünktlich, sogar eher zu früh, 7:40, und dachte schon, ich müsste vor verschlossenen Türen warten. Das Wartezimmer war voll! Ich nahm Platz und vor mir erstreckte sich wieder einmal die Öde eines Klinik Flurs. `Willkommen daheim.´ dachte ich.






Über das Warten in Augenkliniken habe ich schon in einem anderen Kapitel geschrieben. Daran hat sich nichts geändert, außer dass ich diesmal in dieser Klinik extrem lange warten musste, was ich nicht gewohnt war. 1 ½ Stunden bis ich in das erste Behandlungszimmer gerufen wurde, nachdem ich schon eine halbe Stunde in der Anmeldung, siehe oben, auf die obligatorischen Voruntersuchungen gewartet hatte. Es war also inzwischen 9:45.









Den Arzt kannte ich schon und er erinnerte sich sogar an mich. Mein Charisma? Kleiner Scherz. Er ist, oder wirkt zumindest, sehr jung. Ich bin in letzter Zeit immer wieder verblüfft, wie jung die Leute alle sind, die Berufe ausüben, die ich mit `Alter´ in Verbindung bringe. Mein Hausarzt ist zwar auch nicht übermäßig alt, hat aber schöne, weiße Haare. ... Der junge Herr Doktor rekapitulierte den Befund meiner Augen im Allgemeinen, nichts Neues, und meinte abschließend, dass man eine Gesichtsfeldmessung machen müsse und wir uns dann wieder sehen würden. Danke Herr Doktor.
In Shakespeare-Dramen folgt auf eine dramatische, schwere, oft eine komische, leichte Szene, um das Ganze aufzulockern. Das funktioniert sogar bei "Romeo und Julia".
Gesichtsfeldmessung ist anstrengend und dauert, gefühlt, recht lang. Danach ist man froh, wenn man wieder warten darf. Inzwischen war die Kapazität des Warteraums bis an seine Grenzen erschöpft. Sitzplätze mussten schon beinahe per Los vergeben werden. Da war man über jede/n Patient/in im Rollstuhl dankbar.



Die ältere Frau, ich schätzte sie allerdings auf Anfang 60, wurde von ihrer Tochter, so um die 35, und deren Sohn, etwa 16, begleitet. Wenn ein Migrationshintergrund vorlag, dann höchstens ein badischer. Die Kleidung war provinziell einfach und die Sprache laut und ... (Ich übersetze ins Hochdeutsche.)
Patientin zur Tochter: "Hast Du ein Bonbon?"
Tochter zur Mutter: "Nein, einen Bonbon habe ich nicht, aber einen Kaugummi. Möchtest Du einen Kaugummi?"
Mutter: "Nein, einen Kaugummi möchte ich nicht. Gibt es keinen Bonbon?"
Der Sohn der Tochter zur Mutter seiner Mutter: "Doch, da vorn in der Anmeldung gibt es Bonbons. Ich hole welche wenn ihr wollt."
Seine Mutter: "Ja, tu das. Geh shopping." Er geht.
Die Patientin, kaum dass der Sohn der Tochter fort ist: "Jetzt ist es in die Hose gegangen."
Tochter, holt tief Luft: "Warum hast Du denn nichts gesagt?!"
Ihre Mutter: "Das geht so schnell."
Anmerkung des Autors: Wo sie recht hat hat sie recht!
Tochter holt wieder tief Luft, bleibt aber sprachlos. 
Ihr Sohn kommt zurück mit Bonbons und wickelt schon eins für die Oma aus.
Tochter: "Lass das. Wir gehen jetzt erst einmal auf die Toilette. Setz Du Dich hier her und wenn wir aufgerufen werden, sagst Du, dass wir auf der Toilette sind." Sie schiebt die Mutter zur Toilette.
Es wir "Herr Piel" aufgerufen.
Die Dame neben mir: "Ja! Hier!"
Die Dame neben ihr: "Nein, das war doch Herr Piel."
Die Dame neben mir. "Ach so. ... Der gleiche Name ... Obwohl, ich heiße ja Pill. So können Verwechslungen entstehen, die verheerende Folgen haben können." 
Die Dame neben ihr: "Jaja."
Die Dame neben mir: "Es kommt auch auf die Aussprache an. ... Und wie der Name geschrieben wird. ... Der Herr könnte ja auch P i e h l heißen. ... Aber wenn es schlampig ausgesprochen wird, kann sich Piel wie Pill anhören."
Die Dame neben ihr: "Ja Frau Pill. Aber es hieß ja `Herr´ Piel."
"Herr Lang!"  wird aufgerufen. ... Ich gehe ungern.





Der junge Herr Doktor kommt mir entgegengeeilt (so ein langes Wort mit fünf "e" Buchstaben! WOW!) und sagt: "Setzen Sie sich doch bitte schon einmal in das Behandlungszimmer da vorne, links. Ich komme gleich. Und weg ist er. Ich setze mich. Auf den Monitoren sind Daten und Bilder und auf dem Tisch liegen meine Sehfeld-Aufzeichnungen. Soll ich mal ein bisschen blättern und scrollen? Bin doch ich. 


Macht man natürlich nicht! Und irgendwann kommt der Herr Doktor wieder. Jaaaaaaaa, also an Ihrem Gesichtsfeld hat sich nicht viel verändert. Genau gesagt: es hat sich gar nichts verändert. Aber sie sehen besser als vor der OP. War das die gute Nachricht? Anscheinend ja. Für den Rest möchte er den Chefarzt dazurufen. Der ist auch gleich da und bedenkt mich mit einem streifenden Blick.
Der streifende Blick von Ärzten ist wohl weltweit gleich. Ich nehme an, dass er ein Teil ihres Studiums ist. Er beinhaltet zuerst einmal allgemeines Anerkennen des Menschlichen, ohne dieses positiv zu klassifizieren. Gleichzeitig fragt der Blick: Wird der mich verklagen? und sagt synchron: Wehe Du verklagst mich.
Der Chef streift mich also mit diesem Blick, sieht dann meine Akte ein und sagt: "O Gott, das ist ..." Er erinnert sich und ich bestärke ihn in seiner Annahme, dass ich der Patient bin, zu dem er während der OP dringend gerufen wurde, nachdem der Chirurg gesagt hatte: "Das ist eine Katastrophe!" Das war immerhin schon vor beinahe zwei Monaten! Ich scheine einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Beliebt gemacht habe ich mich allerdings nicht.
Und dann kommt die schlechte Nachricht. Meine Iris ist permanent geschädigt. Beim Versuch sie wieder in den Griff zu bekommen und zu befestigen, entstanden kleine Löcher. Durch diese Perforationen fällt nun Licht in das Auge und produziert dort, neben dem Bild der Pupille, eigene Bilder. Deshalb sehe ich doppelt, oder versetzte Konturen. Auch die Strahlen und Lichtblitze werden dadurch verursacht. Und meine Pupille schließt sich nicht mehr über einen gewissen Punkt hinaus. Deshalb ist die Lichtempfindlichkeit auch unumkehrbar. Man könnte, sollte es mir wirklich, wirklich und absolut unmöglich sein, mit dieser Situation zu leben, versuchen die Regenbogenhaut zu nähen ... ABER ... Allerdings ist mein Augendruck immer noch zu hoch. Wenn ich nicht für den Rest meines Lebens meine Augen tropfen möchte, was wegen meines Tremors nicht gut möglich ist, sollte man da beide Augen noch einmal lasern ...
Ich erklärte mich damit einverstanden, unterschrieb und ließ mir Termine geben. Am 11. 11. ist der erste. Zum Glück sind wir nicht im Rheinland! Am 2. 12 wäre ich dann fertig. Da kann ich wohl mit Recht sagen: Mein Augenklinik-Jahr. Um 11:30 verließ ich die Klinik. Allerdings entschuldigte sich der junge Doktor dafür, dass es so lange gedauert hatte. 
Draußen ist Herbst und ich kann ihn sehen, was will man mehr?



Übrigens ist das mein zukünftiger Outdoor Look. Die Mütze brauche ich für die Licht- und Sonneneinstrahlung von oben. Von der Notwendigkeit gestylt kann ich da nur sagen.































Donnerstag, 11. September 2014

Das hätte in's Auge gehen können ...


Was macht Mann, wenn er ab 4 Uhr wach liegt? Er wälzt sich von Seite zu Seite, verharrt in der Rückenlage und probiert die Bauchlage und wirft das Handtuch, wenn die Uhren Fünfe schlagen. Das Waschritual erschöpft sich in zwei handvoll Wasser die ich mir locker in's Gesicht schmeiße, VORSICHT AUGE!, Kaffee machen, ein Blick durchs Fenster: Nein, die Wespen sind noch nicht aktiv. (Normalerweise werfe ich den ersten Blick frühestens um halb Acht hinaus und da sind sie schon sehr fleißig bei der Arbeit, und das bis spät abends, wenn es schon richtig dunkel ist. Kein Job für Faulpelze, das steht fest. Um 10 vor 7, als ich zur Toilette ging, war Mathilda schon da!) 
Gestern habe ich den Arbeitsbereich weg vom Fenster an die Uhrenwand verlegt und endlich einen Platz für das kleine Sofa geschaffen, das seit dem Erwerb des Stressless Sessels ein unwürdiges Wanderdasein durch die Wohnung fristete.


Selbstverständlich ging das nicht ohne andere Umstellungen ab. Die Standuhr wollte partout nicht mehr an ihren Platz passen und ich stellte sie dann neben den Durchgang zum "Fernseh- und Lesezimmer", obwohl sie sich dort nicht wohl fühlt.



























So hatte ich aber endlich genügend Freiraum für meinen "Creative Corner", wie wir Schwaben sagen, siehe unten. An der freien Wandfläche stand die Uhr (siehe oben) und dafür habe ich ein Bild gefunden "Der Distelfink", das zur Zeit gerahmt wird.




























Ich setzte mich also vor den PC, umrauscht vom Ticken und Tacken der Uhren und ihrem lauten Zeitverkünden zu jeder viertel Stunde und überlegte, welchen Einstieg ich zu diesem Kapitel finden könnte.
So viel zur Einleitung. 
Ich wollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und schreiben: die Augenoperation geriet zu einem Höllentrip. Wobei ich aber beim Thema bin.
Anmelden in der Augenklinik ist für mich ja langsam zur Routine geworden und das Warten bin ich inzwischen auch gewohnt. Mit mir wartete eine etwas ältere Frau, also älter als ich, die eine Dolmetscherin dabei hatte, Die beiden unterhielten sich in einer Fremdsprache, die ich als Russisch klassifizierte. Später erwies sich das als richtig.




























Sie lebt zwar seit über zwanzig Jahren in Deutschland, spricht aber ein Kauderwelsch (darf man das Wort noch benutzen?) aus Russisch, Deutsch und etwas das die Pflegerin als "Alemanisch" einschätzte, (da sie aber türkischen Hintergrund hat, hielt ich das nicht für überzeugend) ich aber eher Wolgadeutsch nennen würde. Wenn sich die Frau aufregte, und sie war fast immer aufgeregt, purzelten die Wörter so hastig und bunt gemischt aus ihrem Mund, dass nichts zu verstehen war außer "Bahnhof". (Sie wurde zur selben Zeit wie ich operiert und bei ihr ging alles glatt, ohne Komplikationen und wir wurden auch am selben Tag entlassen. Ich fühle mich beinahe verwandt mit ihr.)
Diesmal wurde ich in Zimmer 102 einquartiert. (Das Zimmer, in das ich beim ersten Termin gelegt werden sollte, das aber von Frauen belegt war.) Hier erlebte ich eine Überraschung: ein 4-Bett-Zimmer, in dem nur zwei Betten standen! Sogar nagelneue Betten, wie mich die einweisende Person stolz wissen ließ. Donnerwetter! Und ein eigenes Bad hatte ich auch!! Denken die etwa ich wäre privat Versichert? Aber nein, ich hatte ja mein AOK-Kärtchen vorgelegt. Wohl nur ein vorübergehender Zustand, dachte ich, vielleicht ist der Bettenhersteller mit der Lieferung im Verzug. Kein Grund zum Meckern, zumindest für mich! Siehe unten.




























Da schon fest stand, dass ich für (oder gegen?) Glaukom und Katarakt operiert werden sollte, dauerte die Voruntersuchung keine fünf Minuten. Befund wie gehabt, Augendruck rechts 17 (das ist OK), links 23 (nicht so gut) und ab in die Warteschleife.
Gefrühstückt hatte ich nur eine Tasse Kaffee und deshalb war ich froh, dass um 11:30 Uhr das Mittagessen gebracht wurde. Um 11:33 Uhr hieß es: "Herr Lang, bitte zur Operation." Ich steckte noch schnell ein Stück Salzkartoffel in den Mund und bat meinen Mitbewohner, mein Essen nicht abräumen zu lassen. Er versprach es. (Das Essen war auch noch da als ich zurück kam, mehr als eine Stunde später, zwar kalt, aber ich aß alles: panierte Putenbrust, gedämpfte Möhrchen und Salzkartoffeln mit brauner Soße, zum Nachtisch Fruchtcreme, obwohl ich während der Operation dachte: Das überlebe ich nicht!)
Die nette Pflegerin, die ich beim ersten Besuch als osteuropäisch eingeordnet hatte, die aber, wie mich die Stationsschwester später aufklärte, aus Griechenland stammt, begleitete die in ein kompliziertes Selbstgespräch verwickelte Wolgarussin und mich in das Vorzimmer zum OP. 
"Die Menschen sind so wenig hilfsbereit," sagte die Pflegerin ohne eine erklärende Einleitung, "dabei ist Helfen doch so einfach."
"Ja ja." antwortete ich, ein wenig ratlos und fügte hinzu: "Ich helfe immer, wenn ich kann."
Ach, was soll's: das mulmige Gefühl vom Vortag hatte mich nie verlassen! Zwar redete ich mir ein, dass es nicht mehr vorhanden sei, aber es rumorte in meinem Unterbewusstsein bis es schließlich mit: "... ich hab ein Unglück ahnend Herz" konkrete Gestalt annahm.
Das Prozedere der Vorbereitung verlief wie gehabt. Diesmal spürte ich aber den leichten Stich seitlich im Augenwinkel als die örtliche Betäubung gespritzt wurde. Die grünen Tücher wurden über mich gebreitet und das "Fenster" herausgeschnitten, in dem der Eingriff stattfinden würde. Das alles hatte ich bei der Operation am rechten Auge nicht mitbekommen. Auch nicht dass der Chirurg, mit Mundschutz und Haarhaube und dem Skalpell in der Hand direkt über mir stand. Ich sah wie die Hand sich senkte und ... "Un chien andalou", der Schnitt durch den Augapfel. Ich sah ihn von innen! Schmerz spürte ich nicht, die Betäubung wirkte. Dann hörte das `Sehen´ auf, nur noch Hell und  Dunkel verschwimmend. 
Und ich hörte den Chirurg sagen: "Was ist das denn?"
Übrigens hielt diesmal die Anästhesistin nicht meine Hand, was ich sehr vermisste. Das Gefühl der Sicherheit war nicht vorhanden. Und es wäre dringend nötig gewesen, denn die Operation drohte zur Katastrophe zu werden. Zumindest sagte der Chirurg: "Das ist eine Katastrophe."
Die Regenbogenhaut, die Iris, hatte sich sofort beim Schnitt gelöst und `flatterte´ nun über der zu entfernenden Linse, die zerschnitten und abgesaugt werden muss. Beim Absaugen geriet immer wieder die Iris dazwischen. Der Chirurg machte verzweifelte Bemerkungen und bat schließlich den Chefarzt, oder Oberarzt oder wen auch immer zu rufen, weil er mit seinem Latein am Ende war. All das trug nicht zu meinem Wohlbefinden bei. Außerdem wurde die Atemluft unter der Abdeckung immer knapper. Ich atmete flach und der Arzt sagte: "Entspannen Sie sich, Sie sind zu verkrampft." Jetzt wäre Meditieren angesagt gewesen, aber das kann ich ja nicht (sie das Kapitel über Meditation) also betete ich mit der Stimme meiner Seele: "Vater unser, der Du bist in dem Himmel ...", die alte Version, die ich als Kind lernte und auch beim "Gegrüßet seist Du, Maria ..." sagte ich: "Du bist gebenedeit unter den Weibern ...". Es half zumindest mich zu entspannen, ich spürte wie meine Schultern wieder Kontakt zum Operationsstuhl aufnahmen. 
Der Oberarzt kam und erteilte Ratschläge: "Ja so."
Manchmal färbte sich das Licht rot, wenn Blut austrat. Ich spürte ziehen und schieben im Auge. Einmal durchwanderte es ein so starker Schmerz, dass ich einen Miau-ton von mir gab, der in meiner Kehle erstickte. 
Ich wusste, dass ich das nicht mehr lange durchstehen konnte. Die Frage: "Ist alles in Ordnung bei Ihnen Herr Lang?", beantwortete ich zuerst gar nicht und das Nachfragen nur mit einem Laut der nicht zu interpretieren war, weil der Chirurg fragte: "War das ein ja?"
Schließlich sagte er: "Es ist bald fertig."
Allerdings konnte er nur die Linse einsetzen, den Schnitt zur Entlastung des Augeninnendrucks wagte er nicht, wegen der ramponierten Iris. Diese wieder zu befestigen, war das Schwierigste. (Später wurde das von allen Ärzten der Klinik bestätigt, die die Folgeuntersuchungen machten. Auch mein Augenarzt sagte, dass das nicht oft vorkomme und den Chirurg genau so frustriere wie den Patienten.) 
Es gibt nach diesem `einfachen Eingriff´ keine Erholungspause. Man wird aus dem OP gerollt, zieht seine Schuhe an und geht zurück auf die Station. 
"Sie waren sehr tapfer." sagte die Anästhesistin zum Abschied. 
"Danke."
Dann aß ich mein Mittagessen.




























In der Folge bekam ich extrem starke Schmerzen um das Auge. Ich formuliere das so, weil ich das Gefühl hatte, dass eine Hand in meinem Kopf das Auge zu zerquetschen versucht. (Diejenigen Leser die welche haben, müssen sich das wie einen Tritt in die Hoden vorstellen.) Der Augendruck war  extrem hoch (war ja beim rechten Auge auch der Fall, das wurde dann punktiert) aber der herbeigerufene Chirurg sagte: "Alles, nur keine Punktion. Das würde die Iris instabil machen." Man merkte ihm an, dass er heilfroh war, dass sie überhaupt noch im Auge war. Also bekam ich Tabletten zur schnellen Senkung des Augeninnendrucks, die wiederum den Urinfluss stark erhöhten, so dass ich mehr Zeit in meinem Bad als im Zimmer verbrachte. Gegen die Schmerzen, die Anfangs unerträglich waren, bekam ich eine Spritze. Eine Infusion wurde auch angeschlossen. Und der Erfolg blieb nicht aus. Der Druck verminderte sich und den Schmerz nahm ich auf mich. 
Mit `Sehen´ war natürlich nichts. Alles was ich mit dem linken Auge sah war in Nebel und Watte verpackt. Aber das kannte ich vom rechten Auge her, also: keine Panik. 
"Die Pupille im linken Auge wird nicht mehr kleiner." sagte die Chefärztin. "Aber das ist nicht schlimm." Muss ich wohl glauben. 
Das war am Mittwoch Nachmittag. 
Donnerstag Nachmittag hatte sich die Pupille, sehr zur Freude der Ärztin, doch noch verkleinert. "Wenn das so bleibt, können wir Sie morgen entlassen."
Am Freitag stand ich dann an der Omnibus Haltestelle, mit Augentropfen, Tropfplan, halbblind, aber mit der Versicherung, dass sich "das alles gibt." Muss ich wohl glauben.












Freitag Nachmittag lernte ich dann die Wespe Mathilda kennen und seither halte ich mich an meinen Tropfplan, sehe ganz geringe Fortschritte im Sehvermögen und hoffe das Beste.
Jetzt muss ich aber Zucker nachlegen! ...