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Dienstag, 10. März 2015

Assoziationen, oder wie Rumpelstilzchen in die Bibel kommt



Heute war Herrentag in der Stadtbad-Sauna. Dienstags immer. Ich ging hin, was nicht immer der Fall ist, aber heute schmerzte mich meine rechte Schulter dermaßen, dass ich dachte, dagegen hilft sicher Wärme. Aber das ist eine andere Geschichte.
Geöffnet wird um 13:00 Uhr. Um dem ersten Ansturm zu entgehen, war ich erst 13:10 Uhr dort. Die Rechnung ging auf: kein Mensch vor mir an der Kasse. Glück muss man haben, dachte ich. Man muss dazu sagen, dass die Herren, die die Zeit haben, schon um 13 Uhr in die Sauna, oder Sonstwohin, zu gehen, meistens älter sind als 65, was sehr jung wäre, oder arbeitslos, und die können sich die Sauna nicht leisten. Deshalb staut sich manchmal an der Kasse einiges, auch wenn nur zwei Kunden vorher abgefertigt werden müssen. Aber, wie gesagt, der Weg war frei.
Ich stieg die drei Stockwerke hoch, Bewegung ist gesund.
Stille. Kein Stimmengewirr wie sonst üblich, kein Duscheplätschern. 
Nichts. 
Sollte es eine Bombendrohung gegeben haben und ich wurde aus Versehen noch eingelassen, während alle anderen im Fahrstuhl flüchteten? Unwahrscheinlich, dachte ich, zog mich aus und betrat den Saunabereich. Und da fing das mit dem Assoziieren an.
Ich empfand das Gelände öd und leer. Und diese Formulierung kannte ich aus der Bibel.








Die "Urflut" im Warmwasserbecken lag unberührt, nur von den Umwälzpumpen gekräuselt. Und der Geist Gottes ... Na, ich glaube nicht, dass der in die Sauna geht.
Aber gleich nach dem "öd und leer" Gedanken, fiel mir ein, dass es inzwischen ja wüst und wirr heißt, weil das angeblich eher dem Original "Tohuwabohu" entspricht.











Weil ich ja ein nachdenklicher Mensch bin, dachte ich jetzt: "wüst" kann ich für "öd" stehen lassen, das eine ist so übel wie das andere, aber "wirr" gegen "leer"? Was wirr ist, kann unmöglich leer sein, wo käme da die Wirrnis her? Also bitte, welche Version der Bibel wird jetzt eingestampft? 

Diese auf keinen Fall:





Ich finde, dass "laer" viel wirrer klingt als wirr.
So weit, so gut.
Inzwischen liege ich im 70°C warmen Warmluftraum und habe die Bibel im Kopf.
Dabei geriet ich, rein assoziativ an: Im Anfang war das Wort ... und da machte mein Gedankengang einen unerwarteten Schlenker und fragte mich:
"Warum heißt das Wort `Wort´? ... 
Warum heißen die Dinge überhaupt wie sie heißen?"
Dass sie irgendwie heißen müssen, ist mir schon klar, man kann nicht zu allem einfach "Dings" sagen, obwohl das viele tun, aber warum kann der Begriff für Wort nicht anders heißen? Zum Beispiel ... ich suchte einen Namen und so rutschte ich aus der Bibel in Grimms Märchen ... zum Beispiel Rumpelstilzchen! Ich denke, dass es in der gesamten Weltliteratur keinen Namen gibt, der mehr gesucht wurde als dieser! (In dem Märchen "Kalif Storch" von Wilhelm Hauff wird zwar auch ein Wort gesucht, aber nicht so weltweit wie im Märchen der Brüder Grimm. Das Wort heißt übrigens "Mutabor".)

Jetzt überlege man sich den Anfang des Johannes Evangeliums:







"Im Anfang war das Rumpelstilzchen ..." Usw.
Dann schweifte mein Assoziierungsdrang zurück in die Bibel, alles ganz sanft unbewusst, es war eine weiche Welle die mich trug. 
"Was war das erste Wort, das Gott sprach?" dachte ich.
Die Antwort (das müsste jetzt natürlich die Antrumpelstilzchen heißen, was für einiges Sprach-Tohuwabohu sorgen könnte, wegen der Mehrzahlfrage ...) lag klar auf der Hand: "Licht". (Siehe weiter oben.)
Wenn ich jetzt also schon das Wort ganz am Anfang umbenamt habe, dann müsste auch das zweite Wort anders heißen ... und sofort kam ich auf "Gold"!
Es war eine Erleuchtung! 
Natürlich! 
Die Puzzleteile fügten sich ganz von selbst ineinander. Rumpelstilzchen kann Gold spinnen! Niemand hat sich je gefragt von wem es diese Gabe hat. Es steht alles da in der Bibel!! Man muss nur die richtigen Worte finden.
Ich war von dieser Einsicht ganz benommen und schaute auf die Uhr an der Wand. Schon 25 Minuten im Warmraum! Jetzt aber raus!!! 
Das Gelände war weiterhin öd und leer. (Später kamen dann andere Gäste.)
Aber mein Kopf war wüst und wirr!







Montag, 6. Oktober 2014

Urknall - Evolution und universelles Wissen.



Eigentlich ist die "Bibel" ganz spannend. Schon allein die Wortherkunft führt weit zurück in die  antike phönizische Hafenstadt Byblos, die einmal der Hauptumschlagplatz für Bast war, der zu Papyrosrollen verarbeitet wurde und "Papierrolle" ist die Übersetzung des griechischen Wortes byblos ins Deutsche und das stammt, wie gesagt von dem Wort biblos oder byblos ab, das, wir kommen der Sache näher, Papyrusstaude oder Papyrusbast heißt, womit wir wieder in der antiken Hafenstadt angekommen sind. Auf jeden Fall verdanken wir den Griechen das Wort Papier, auch wenn sie selbiges nicht unbedingt erfunden haben. Wer genau zuerst auf die Idee kam Papier herzustellen, ist wohl nicht bekannt. Im Zweifelsfall sind es ja immer die Chinesen die etwas erfunden haben. Die Stadt Byblos, im Libanon, nördlich von Beirut, gibt es übrigens immer noch und ist eine der ältesten Siedlungen der Erde die ununterbrochen bewohnt wurde und wird.
Zurück zur Bibel und zu Genesis. Nachdem ich das 1. Kapitel noch einmal gelesen hatte und dann das 2. las, kam ich zu dem Schluss, dass das zwei Mal der selbe Bericht ist, von zwei verschiedenen Autoren. Oder aber der Autor, sofern es nur einer war, merkte, nachdem er das 1. Kapitel noch einmal gelesen hatte, dass da noch einiges fehlte und dass das mit "den Menschen" einfach nicht klar herausgearbeitet ist und ein bisschen missverständlich sein könnte. Auf jeden Fall legte er im 2. Kapitel, was den Menschen betraf, detailliert nach, auch das Material betreffend, aus dem der Mensch gemacht wurde und ließ sich auch nicht mehr auf die originale Bi-Geschlechtlichkeit dieser Kreatur ein, sondern trennte sie fein säuberlich in männlich und weiblich. Es fällt natürlich schon auf, dass der "Mensch" zuerst und aus einem "Erdenkloß" hergestellt wird und erst viel später, als das Paradies angepflanzt war, in den Gott den "Mensch" setzte, kam das Mensch dazu. Als Gott nämlich auffiel, dass sich dieser "Mensch" zu viel mit sich selbst befasste, (in Ralf Königs Bericht aus dieser Bibelepoche onaniert der "Mensch" viel und schmust heimlich mit einer Giraffe ...) gab er ihm die Namensgebung der Tiere in Auftrag und als auch das erledigt war, klonte er dann eine "Gehilfin" aus einer Rippe des "Mensch".
Ich hänge da den O-Ton Martin Luther an, dessen Sprache mich entzücket!


Jetzt muss ich einmal auf den Namen "Adam" zu sprechen kommen. Im Türkischen, und vielleicht auch in anderen Sprachen, heißt Adam "Mann". Wenn der erste Mensch sich selber Mann nennt und auf die Idee kommt, seine Gehilfin Männin zu nennen, muss das ja irgend woher kommen. Später heißen sie plötzlich Adam und Eva. Ist Eva gleich Männin? Ich sah mich wieder einmal gezwungen zu googeln und wurde, wie könnte es anders sein, in Wikipedia fündig. Man kann diese Fundgrube nicht genug lobpreisen! Ich habe auch schon dafür gespendet ... Also: Adam und Eva

Damit ist keine Frage mehr offen. So weit so gut. "Und sie waren beide nacket, der Mensch und sein Weib, und schämeten sich nicht." So wurde im Paradies FKK erfunden und praktiziert.
Jetzt muss ich aber einen doppelten Salto rückwärts machen und zum Anfang zurück kommen, siehe die Überschrift zu diesem Post.
"Es werde Licht." heißt also, dass Gott ins Dunkel, das auf ihr lag, der Erde hinein, die folglich schon existierte, diesen Befehl gab. So gab es einen "Urknall", der eine neue Galaxis entstehen ließ "und es ward Licht". Und aus dem ganzen herumwirbelnden Chaos wurde irgendwann unser Sonnensystem. Der Mond ist eine andere Geschichte. Er leuchtet ja nicht selbstständig, passt also nicht so richtig in den Schöpfungsbericht, ist aber für die Gezeiten verantwortlich, also für das Hin- und herschwappen der Ozeane, das ja auch irgend einen Sinn haben muss. Gold waschen? Wir werden es nie wissen.
Oder doch? Nachdem ich den Film "Cloud Atlas" zu Deutsch tatsächlich "Wolkenatlas", gesehen habe, finde ich meine Annahme, dass es ein "Universelles Wissen" gibt wieder einmal bestätigt. Die Idee ist, dass jeder jetzt lebende Mensch über das gesamte Erleben und Wissen der Menschheit weiß und es ausschöpfen und nutzen kann, wenn ihm der Funke Genie beigegeben ist, dessen es bedarf um das Bekannte in Neues umzuformen. So erklären sich Fortschritt und Evolution und letztendlich auch Wunder. In dem Musical Time findet das sehr schön in Wort und Musik Ausdruck:

It's in every One of us
to be wise.
Find your heart,
open up both your eyes.
We can all know everything
without ever knowing why.
It's in every One of us 
by and by.

It's in every One of us -
I just remembered
it's like I've been sleeping for years.
I'm not awake as I can be
but my seeing's better.
I can see
through the tears.

I've been realising that
I bought this ticket
and watching only half the show, 
but there is scenery and lights
and a cast of thousands
who all know what I know
and it is good
that it is so.

It's in every One of us
to be wise
find your heart
open up both your eyes
we can all know everything
without ever knowing why
it's in every one of us
by and by



Sonntag, 5. Oktober 2014

Ist der Sonntag der Sonne-Tag?


Manche Gedanken lassen mich nie, oder erst wenn sie restlos zu Ende gedacht und aufgelöst sind los. Und wenn es dann, wie gestern Abend als ich ein Selfie machen wollte, zu solch einem verkorksten Resultat kommt, siehe unten, dann drehen sich wieder einmal die Windmühlen hinter meiner Stirn.


























Und Gott sprach: "Es werde Licht". Viel Fantasie braucht man nicht, um auf diesen Vergleich zu  kommen. Der Urknall bietet sich auch an, aber weil gestern Samstag war, dachte ich doch eher an die Bibel als an Astronomie. Also holte ich das altehrwürdige Buch wieder hervor und widmete mich dem ersten Kapitel im ersten Buch Mose.


Und da steht es schwarz auf vergilbt in Vers 3 - 5:


Zweifellos, der Sonntag ist der erste Tag der Woche und weil er Sonntag heißt, muss wohl auch Sonne drin sein, dachte ich. Ein bisschen verwirrend fand ich die Formulierung "Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag". Normalerweise beginnt der Tag am Morgen und endet am Abend, oder sehe ich das falsch? Nur um sicher zu gehen, dass das nicht ein Übersetzungsfehler Martin Luther's ist, (Gott bewahre!) schlug ich noch schnell eine modernisierte Version auf, aber da heißt es eben, weniger poetisch: "Es wurde Abend, und es wurde Morgen: erster Tag.". Also das mit dem ersten Tag fand ich damit endgültig geklärt und dass mit dem Licht die Sonne gemeint ist hielt ich immer noch für logisch. Da schweifte mein Blick rein zufällig (Zufälle gibt es nicht!) von der letzten Zeile des Vers 5 "und Morgen der erste Tag." zur ersten Zeile des Vers 16 in der daneben stehenden Spalte. Und siehe da:


Kein Zweifel, mit dem "groß Licht, das den Tag regiere" kann nur die Sonne gemeint sein. Oder? Zwar hat Gott den beiden großen Lichtern keinen Namen gegeben, aber wahrscheinlich dachte er, dass mit "Tag und Nacht" alles gesagt ist. Der "SonnTag" müsste also eigentlich der vierte Tag der Woche sein!
Damit war ich wieder beim Urknall.
Aber "Urknalltag", wie hört sich das denn an? Und erst im Englischen, wo er "Big Bang" heißt, wobei mit Bang auch locker der Geschlechtsakt bezeichnet wird, so wie mit Bumsen im Deutschen. "Urbumstag" also? ...
Nachdem ich mich in diesem Zusammenhang noch kurz über das "allerlei gefiedertes Gevögel" amüsiert hatte und die Modernisierung der Sprache wieder einmal sehr bedauerlich fand, schlug ich noch schnell nach, an welchem Tag die Wespen erschaffen wurden. Die Mathildas sind schließlich immer noch aktiv vor meinem Fenster zum Hof. Zu meinem Bedauern musste ich feststellen, dass sie in der Heiligen Schrift wohl in die Kategorie "Gewürm" fallen, zusammen mit "allem Vieh das auf Erden kreucht." Dann schuf Gott den Menschen.
"Da  ward aus Abend und Morgen der sechste Tag."
Das mit "den Menschen" ist ja so eine Geschichte für sich. Da schafft Gott sie, den Menschen, als  "Mann und Frau" (moderne Version) so quasi an einem Stück "als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie." Jetzt frage ich mich aber doch, wie kann den ein sie sein? Ich kam zu dem Schluss, dass das dichterische Freiheit ist, schließlich werden Mann und Frau im 2. Kapitel der Genesis gleich noch einmal erschaffen, während es im 1. Kapitel ja offensichtlich Mann in Frau ist. Aber man soll die Bibel ja nicht all zu wörtlich nehmen und wo bliebe da die Interpretation, die doch unter Gelehrten so beliebt ist?
Ich habe mir meine eigenen Bilder vom ersten und vom sechsten Schöpfungstag gemacht. Siehe unten.

 "Es werde Licht"






Der Vollständigkeit halber füge ich noch den "Sündenfall" und die 
"Vertreibung aus dem Paradies" hinzu.





































Übrigens muss ich da doch die Araber bewundern bei denen der "Sonntag", wie schon gesagt,
Yom al ahad, also "Der Erste Tag" heißt. Da kann es zu keinen Missinterpretationen kommen.












Mittwoch, 24. September 2014

Der "heilige" Samariter - Noch ein Wort zum Sonntag


Fernsehen bildet. Sollte man denken. Das trifft für gutes Fernsehen auch zu, aber nicht für Serien. Für manche Serien. Aber auf jeden Fall für Serien in denen so hanebüchene Fehler eingebaut sind wie in  der heute auf zdf_neo ausgestrahlten Folge von "Flemming". (Ehrlich gesagt mag ich diese Serie nicht. Sie beschäftigt einen Psychologen, Flemming, damit, Kriminalfälle psychologisch zu lösen. Das ist so verkrampft, so heillos Psycho, dass es einem die Schuhe auszieht. Ich habe einmal, vor langer Zeit, versucht eine ganze Sendung durch zu stehen, vergeblich. So etwas kann man nicht anschauen, wenn man nicht selber reif für die Couch ist, oder zu blöd zum Denken. Dazu kommt noch der Darsteller des Flemming, der wie ein  ausgedienter Fußballspieler aussieht und spielt. Er macht auch so auf "raue" Männerstimme, obwohl er eher ein "Piepser" ist. Aber das ist meine persönliche Meinung.)























Heute war ja wieder nur Schrott im TV. Weil aber fürs Lesen meine Augen immer noch nicht taugen, ich es mir deshalb für die halbe Stunde vor dem Einschlafen im Bett reserviere, zappte ich eben. So landete ich auch bei "Flemming" und ausgerechnet in dem Augenblick, als er den andächtig Lauschenden vom "Heiligen Samariter" erzählte. Ein Irrtum, dachte ich, der Schauspieler hat seinen Text verplappert. Und dann kam, als Beispiel eines psychologischen Beweises, der Hammer: "Eine Gruppe Theologiestudenten wurde an einer Unfallstelle vorbei gefahren, an der ein hilfloser Mann lag und sie kümmerten sich nicht um ihn, obwohl ihnen die Aufgabe gestellt war, eine Predigt über der heiligen Samariter zu schreiben." (Kein wörtliches Zitat bis auf den "heiligen Samariter".) Ich dachte: Mein Gott, wie kann ein Autor so etwas schreiben und keine Redaktion das bemerken? Wie kann ein Mensch so ungebildet sein, dass er das Gleichnis vom "barmherzigen Samariter" nicht kennt und Drehbücher schreiben? 
Und dann dachte ich: das Wort Barmherzigkeit ist ausgemerzt worden! Deshalb konnte der, sicher sehr junge, Autor nichts damit anfangen und ersetzte es mit "Heilig". ... Eigentlich wunderte mich am meisten, dass der Darsteller des Flemming diesen Text so problemlos über die Lippen brachte. Und dann dachte ich, wenn der erste Tag der Woche der Montag ist und GOTT am Sonntag ruhte, dann gibt es inzwischen sicher auch den Heiligen Samariter.
Wenn nicht, verlange ich meine Rundfunkgebühren zurück!


Montag, 22. September 2014

Geduld und andere Tugenden


Man sollte, wenn man einen essentiellen Tremor hat, nicht versuchen gerade Linien, Kreise und Spiralen zu malen. Das geht schief, vielmehr wird wellig. Siehe oben.
Das sollte die "Goldene Faden Maschine" darstellen, die mir als Traumbild zum Thema geduldiges Warten (siehe das entsprechende Kapitel) durch den Kopf geisterte. Ging gehörig daneben. Jetzt fällt mir lediglich auf, dass sie einer liegenden Sphinx ähnelt. Oder einer Schnecke? Wobei ich bei der Geduld angekommen bin. (Da stellt sich natürlich die berechtigte Frage, ob Schnecken sich als geduldig empfinden, oder ständig mit ihrer Langsamkeit hadern.)
Die Geduld ist eine Tugend. Wobei dieses Wort von taugen abgeleitet ist ... aber das ist eine längere,   zwar auch spannende aber eben andere Geschichte. 
Es gibt sieben christliche Tugenden, die einerseits auf die biblischen Zehn Gebote, andererseits auf Jesus' Bergpredigt zurück gehen. Die Geduld steht bei den sieben in der Mitte. Typisch und logisch! Geduld ist der Mittelpunkt eines geduldigen Menschen, oder etwa nicht? (Man bewundert ja die Geduld von Katzen, die einer Maus auflauern, aber ich denke, dass sie eher ungeduldig sind, weil sie spielen wollen, oder schlichtweg Hunger haben.) 
Es gibt auch noch drei göttliche (theologische) Tugenden, deren mittlere die Hoffnung ist.
Seit beinahe vier Wochen hoffe ich, dass mein linkes Auge sich normalisiert und ich endlich wieder gut sehen kann!
Und mein Augenarzt sagt: "Geduld. Das kann auch sechs Wochen dauern." Jetzt soll ich also eine Tugend aufbringen, die den meisten Menschen nicht liegt. Womit ich geduldiges Warten meine. Normale Geduld? OK, kein Problem. Ich kann mit Sekundenkleber gut arbeiten. ("Scheiße!" artikuliere ich nur, wenn der zu klebende Gegenstand auseinander fällt, meine Finger aber innig verbunden sind.) 
Jetzt bleibt mir also nur noch die Hoffnung (die bei Sekundenkleber wenig taugt), die keinen all zu guten Ruf hat, von wegen sie stirbt. Zwar zuletzt, aber tot ist tot.
Soll ich mich zu Tode hoffen?
Dazu fehlt mir die Geduld!
Ich sehe schon: Ich bin ein wenig tugendhafter Mensch. Aber damit kann ich leben. Zumindest die nächsten zwei Wochen ...

Freitag, 19. September 2014

Jakob ringt mit dem Engel (Gen. 32, 23 - 31)



Ich suchte Dich nicht. Aus Paradiesesfernen
kamst Du zu mir. Unter den hohen Feuersternen
liegen wir Brust an Brust, Liebenden gleich.

Deine Haut ist weich ...

"Ich suchte Dich nicht, ich wurde gesandt
von Gott." sagst Du und hast Dich abgewandt.
Du bist keiner den man leicht gehen lässt.

Ich halte Dich fest ...

Wir suchten uns nicht und haben uns doch gefunden.
Ich ringe mit Dir und in den langdurchwachten Stunden 
werde ich überwunden ...

Du hast mich verletzt.
Segne mich ... Jetzt!

(gelang, 1988)

Sonntag, 14. September 2014

Ein Wort zum Sonntag

Eigentlich bin ich ja kein Prinzipienreiter, aber irgendwo ziehe ich doch Grenzen. Zum Beispiel beim ersten Tag der Woche. 
Wie komme ich darauf? 
Dank arte
Der Sender ist ja ganz OK, man bekommt darauf mehr andersländische Menschen zu sehen als auf jeder Hauptstraße der Welt und das ist meinetwegen auch gut so. Es gibt ja andere Sender, wenn man nicht immer zuschauen möchte, wie sich die Leute in Indien, der Mongolei oder in Afrika ihr Essen zubereiten oder ihr, an westlichem Standard gemessen, ärmliches Leben fristen. Schließlich ist man schon sehr daran interessiert zu erfahren, wie Menschen ohne Kühlschrank und Fernsehgerät es schaffen zu überleben und es ist faszinierend zuzuschauen wenn sich Kinder in Jauchebrühe waschen ... Aber das ist nicht mein Anliegen.
Es geht um den ersten Wochentag!
Zur Zeit beschäftigt sich arte locker vom Hocker und Cool vom Stuhl mit den 7 Todsünden und treu der Maxime der etwas andere Sender zu sein, fängt man von hinten an, mit der Faulheit. Dagegen ist nichts einzuwenden, Jeder wie er kann, kein Problem. Auch daran, dass man Beispiele heranzieht um Faulheit richtig zu definieren ist nichts auszusetzen. Und ich bin sicher, dass Gott nichts dagegen hat, dass man die Schöpfungsgeschichte zum Beispiel nimmt und das Ausruhen als Gegensatz zu der Faulheit zur Diskussion stellt. Alles im grünen Bereich. Bis zu dem Punkt an dem man Seine Arbeit am Montag beginnen lässt und behauptet, Er habe am Sonntag geruht. Also bitte! Auch wenn man nichts von Gott etc. hält, arte sitzt ja in Strasbourg, France, könnte man doch wissen, dass der Sonntag der erste Tag der Woche war und ist. 
Die 7-Tage-Woche ist babylonischen Ursprungs und wurde von den Griechen und Römern übernommen und bereits ab Gaius Julius Ceasar ist eine Berücksichtigung der Sabbatwoche belegt. Das heißt, dass der 7. Tag der Woche der Ruhetag ist. Dass die Christen den Auferstehungstag, den Sonntag, zum Feier- und Ruhetag machten, ändert nichts an der Tatsache, dass der Sonntag der erste Tag der Woche ist. 
Erst ab den 1970er Jahren änderte man kalendarisch die `biblische´ Woche zur `Business Week´, zur `Geschäftswoche´ und seither wird, zumindest in Deutschland, der Kalender so gedruckt, dass der Montag am Anfang und der Sonntag am Ende der Woche steht. 
Vielleicht widmet arte ja diesem Thema einmal eine seiner kurzweiligen und, wenn gut recherchiert, lehrreichen Glossen?!
In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Sonntag.

Nachbemerkung:
Der Sonntag heißt auf arabisch yom al ahad und das heißt wörtlich übersetzt: der erste Tag.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Gideon, Barbara und ich, die Zweite ... uuund Action!


Programmbüchlein zur Stuttgarter Inszenierung
Das Leben ist ein "Traumspiel", davon bin ich inzwischen überzeugt. Strindberg hat in wenigen Worten auf den Punkt gebracht was in der Zeit lange dauert. Das weiß ich heute, bezweifle allerdings, dass ich das als junger Mensch begriffen hätte. Da stellt sich die doppelsinnige Frage: Wozu das  ganze Theater? Ich warte auf Antwort.

Gideon
Der Name war mir nur als amerikanische Bezeichnung für eine Bibel geläufig. Diese fand man in jedem Hotel entweder auf dem Nachttisch oder in dessen Schublade. Ich habe erst darin gelesen als ich, achtzehnjährig, wegen meiner "Sünde" wieder in großer seelischer Bedrängnis war. Kurz zuvor war ich in die US Navy eingetreten und geriet durch die geballt auftretende Männlichkeit ringsum eben auch in körperliche Bedrängnis, was sich schließlich zu einem Problem auswuchs, das in einem Suizidversuch mündete. Enden tat es dort nicht. 
Auf jeden Fall hatte ich beim katholischen Seelsorger, ohne das Kind Homosexualität zu nennen, quasi einen Hilferuf abgesetzt und erwähnt, dass ich in der Bibel gelesen hätte. "Um Gottes Willen! Doch nicht etwa in der evangelischen!" war seine entsetzte Reaktion. "Katholiken lesen den Katechismus, sonst nichts." Ich war belehrt, aber nicht geholfen (entschuldige Verona Pooth, geb. Feldbusch). Dass der Name Gideon in der Bibel auch anderweitig als auf dem Titelblatt vorkommt war mir nicht bekannt. Und das sollte noch sehr lange so bleiben. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle auf ihn eingehen.





























Seine Geschichte steht in drei Kapiteln im Buch der Richter, nach Debora und vor Abimelech. Sie lesen sich spannend, wie ein Comic und genauso fantastisch. Was mich daran fasziniert ist die Tatsache, dass Gideon nicht glauben will, dass GOTT ihn beauftragt Israel zu retten, was man durchaus nachvollziehen kann, wenn man sich die Situation vergegenwärtigt, und von dessen Engel, also indirekt von IHM, einen Beweis seiner Identität und Absicht verlangt. Und das nicht nur ein- sondern dreimal. Er bekam seine Beweise.





























Aber nicht genug damit, dass der Engel Gideon einen heiligen Schreck einjagt, indem er Feuer aus dem Fels schlägt, das das ausgebreitete Opfer verzehrt und damit SEINE Gegenwart beweist, zweifelt Gideon weiter daran, dass der HERR es ernst mit ihm meint. Man muss dazu sagen, dass er nicht zur gebildeten Oberschicht gehört und nur durch die Umstände schließlich dazu gezwungen wird diese zu führen. Vorher stellt er GOTT aber noch zwei Mal auf die Probe, nicht ohne sich jedes Mal vorher für seine Zweifel zu entschuldigen. Man kann ja nie wissen ...















Man muss SEINE Geduld bewundern! Auf jeden Fall gelingt es Gideon, mit nur 300 Männern und unglaublichen "Waffen", 120 000 Midianiter zu besiegen und Israel zu befreien. ER veranstaltet dieses ganze Theater zwar nur um SEIN Volk von der Götzenverehrung abzubringen und wieder IHM zu opfern, aber das erweist sich schon vor Gideons Tod als Fehlschlag. 



























Was hat das alles mit mir zu tun? Ich will versuchen es zu erklären, aber die Erklärung ist kompliziert  und ich muss dazu etwas anderes schildern. Bei Gideon geht es mir darum, dass dieser praktisch GOTT gezwungen hat SEINE Existenz zu beweisen, während ER Gideon zwang SEINE Existenz anzuerkennen.
Und die Frau, Barbara, des Ratsherrn Tidemann Gripen zwang Gott zu etwas das Unrecht war, durch ihren Glauben. Ihre Geschichte folgt.

Vorher mache ich wieder eine Pause.

Gideon, Barbara und ich


Das wird ein weiter Bogen, den ich hier schlagen möchte, von Gideon im Buch der Richter in der Bibel, über die Ehefrau Barbara in der Werner Bergengruen Novelle "Die Feuerprobe" bis zu meinem Glauben an Gott. Es ist eine längere Geschichte, die nicht Jede/n interessieren wird. Aber wen interessiert schon alles, was andere zu erzählen haben und es wird trotzdem erzählt?
Anfangen will ich mit einem Zitat aus Strindbergs "Traumspiel". Die Mutter sagt zum Offizier, ihrem Sohn: "Hadere nicht mit Gott."
Hätte sich die Situation ergeben, könnte das meine Mutter zu mir gesagt haben, aber das war nicht der Fall. Ich haderte zwar mit Gott im Stillen während meiner ganzen Jugend, wegen der "Sünden des Fleisches", die man sogar nur in Gedanken begehen konnte und die man sogar nach Häufigkeit beichten musste. "Wie oft?" Sollte ich lügen? Das war ja auch eine zu beichtende Sünde. Den Trick, dass ich erst die fleischlichen Verfehlungen beichtete und danach erst, dass ich gelogen habe, hat der Priester wahrscheinlich durchschaut. Aber der war nur an jungen Männern interessiert, nicht an zarten Knaben. Er engagierte sich sehr für die Zusammenführung von Flüchtlingsfamilien, deren Söhne als Soldaten irgendwo in fremden Ländern festsaßen und zu jung waren um eingefleischte Nazis zu sein. Es gelang ihm auch mehrfach. Trotzdem musste er bei Nacht und Nebel in die Schweiz fliehen, als seine "Neigung" bekannt wurde und sein Bemühen nicht nur altruistischer Natur war. Das geschah so um 1946/47/48 herum. Ich war zirka zehn Jahre alt. Mein "Gottesbild" war also von Anfang an eher negativ besetzt. Aber IHN anzuzweifeln, SEINE Gerechtigkeit und alles Drum und Dran, oder gar SEINE Existenz, hätte ich nie gewagt. Da wäre ich doch gleich vom Blitz getroffen worden und tot umgefallen!
Als ich dann mit meiner Homosexualität konfrontiert und allein gelassen wurde, konnte ich mich auch nicht an IHN wenden, weil das doch IHM ein Greuel war/ist. So überliefern das unsere Religionen in den Büchern, die angeblich von IHM, oder SEINEN Engeln diktiert wurden. Wer's glaubt wird selig. Das meine ich heute ironisch. Damals glaubte ich es und lebte, mehr schlecht als recht, "in Sünde". IHM etwas Positives abzugewinnen gelang mir nicht. Um mein Leben etwas aus diesem Schatten heraus zu rücken, fing ich an, ganz leicht und heimlich, an IHM zu zweifeln. Nicht an der Existenz, Gott bewahre!, aber an der Gerechtigkeit. Und natürlich hatte ich Angst, dass das bestraft würde mit Lepra, oder Blindheit oder anderen Schrecken. 
Das Leben erleichtert hat es nicht, eher im Gegenteil.
Wegen meiner Homosexualität wurde ich 1961 aus der US Navy als "Undesirable" entlassen und ihretwegen wurde mir 1963 die Wiedereinreise in die USA verweigert. Nicht dass ich "auffällig" gewesen wäre, aber ich wurde von einem anderen Matrosen denunziert, den ich abgewiesen hatte und   hatte nicht den Mut meine "Schuld" vor einem Militär Gericht zu bekennen, was natürlich auch den Ausschluss aus der Navy bedeutet hätte, aber es wäre mir möglich gewesen vor ungefähr fünfzehn Jahren die Entlassung in eine ehrenhafte revidieren zu lassen. So wurde mir lediglich mitgeteilt, ich hätte ja auf das Court Martial verzichtet und deshalb kein Anrecht auf Revision. In Anbetracht meiner wirklich inbrünstigen Bitten um göttliche Intervention und deren Nichterfüllung in all diesen Jahren und Angesichts des Krebsleidens meiner Mutter, die felsenfest daran festgehalten hatte, dass ihr Glaube sie vor Krebserkrankung bewahren würde, beschloss ich schließlich, dass es IHN nicht gibt. Basta!
Die Mutter starb zwar trotzdem und mein Leben wurde durch meinen Nichtglauben nicht plötzlich besser. Auch nicht verständlicher. Die ewige Frage: Warum? stand weiterhin im Raum und blieb unbeantwortet. Wer hätte sie jetzt aber auch noch beantworten können? (Inzwischen ist es ja Mode geworden diese Frage öffentlich mit Lichtern und Pappschildern darzustellen, wennimmer etwas Unfassbares geschehen ist. Die Antwort wird dann in der Presse veröffentlicht, sobald man eine/n Schuldige/n festnageln konnte.) Aber mein Leben wurde leichter. Die Last der "Sünde" drückte mich nicht mehr ... na ja, nur noch ein bisschen, mehr aus Aberglaube.
Konsequenterweise trat ich aus der Kirche aus. Da ahnte ich noch nicht, dass man zwar aus der Kirche, aber nicht aus IHM austreten kann.

Ich mache mal eine Pause.