| Programmbüchlein zur Stuttgarter Inszenierung |
Das Leben ist ein "Traumspiel", davon bin ich inzwischen überzeugt. Strindberg hat in wenigen Worten auf den Punkt gebracht was in der Zeit lange dauert. Das weiß ich heute, bezweifle allerdings, dass ich das als junger Mensch begriffen hätte. Da stellt sich die doppelsinnige Frage: Wozu das ganze Theater? Ich warte auf Antwort.
Gideon
Der Name war mir nur als amerikanische Bezeichnung für eine Bibel geläufig. Diese fand man in jedem Hotel entweder auf dem Nachttisch oder in dessen Schublade. Ich habe erst darin gelesen als ich, achtzehnjährig, wegen meiner "Sünde" wieder in großer seelischer Bedrängnis war. Kurz zuvor war ich in die US Navy eingetreten und geriet durch die geballt auftretende Männlichkeit ringsum eben auch in körperliche Bedrängnis, was sich schließlich zu einem Problem auswuchs, das in einem Suizidversuch mündete. Enden tat es dort nicht.
Auf jeden Fall hatte ich beim katholischen Seelsorger, ohne das Kind Homosexualität zu nennen, quasi einen Hilferuf abgesetzt und erwähnt, dass ich in der Bibel gelesen hätte. "Um Gottes Willen! Doch nicht etwa in der evangelischen!" war seine entsetzte Reaktion. "Katholiken lesen den Katechismus, sonst nichts." Ich war belehrt, aber nicht geholfen (entschuldige Verona Pooth, geb. Feldbusch). Dass der Name Gideon in der Bibel auch anderweitig als auf dem Titelblatt vorkommt war mir nicht bekannt. Und das sollte noch sehr lange so bleiben. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle auf ihn eingehen.
Seine Geschichte steht in drei Kapiteln im Buch der Richter, nach Debora und vor Abimelech. Sie lesen sich spannend, wie ein Comic und genauso fantastisch. Was mich daran fasziniert ist die Tatsache, dass Gideon nicht glauben will, dass GOTT ihn beauftragt Israel zu retten, was man durchaus nachvollziehen kann, wenn man sich die Situation vergegenwärtigt, und von dessen Engel, also indirekt von IHM, einen Beweis seiner Identität und Absicht verlangt. Und das nicht nur ein- sondern dreimal. Er bekam seine Beweise.
Aber nicht genug damit, dass der Engel Gideon einen heiligen Schreck einjagt, indem er Feuer aus dem Fels schlägt, das das ausgebreitete Opfer verzehrt und damit SEINE Gegenwart beweist, zweifelt Gideon weiter daran, dass der HERR es ernst mit ihm meint. Man muss dazu sagen, dass er nicht zur gebildeten Oberschicht gehört und nur durch die Umstände schließlich dazu gezwungen wird diese zu führen. Vorher stellt er GOTT aber noch zwei Mal auf die Probe, nicht ohne sich jedes Mal vorher für seine Zweifel zu entschuldigen. Man kann ja nie wissen ...
Man muss SEINE Geduld bewundern! Auf jeden Fall gelingt es Gideon, mit nur 300 Männern und unglaublichen "Waffen", 120 000 Midianiter zu besiegen und Israel zu befreien. ER veranstaltet dieses ganze Theater zwar nur um SEIN Volk von der Götzenverehrung abzubringen und wieder IHM zu opfern, aber das erweist sich schon vor Gideons Tod als Fehlschlag.
Was hat das alles mit mir zu tun? Ich will versuchen es zu erklären, aber die Erklärung ist kompliziert und ich muss dazu etwas anderes schildern. Bei Gideon geht es mir darum, dass dieser praktisch GOTT gezwungen hat SEINE Existenz zu beweisen, während ER Gideon zwang SEINE Existenz anzuerkennen.
Und die Frau, Barbara, des Ratsherrn Tidemann Gripen zwang Gott zu etwas das Unrecht war, durch ihren Glauben. Ihre Geschichte folgt.
Vorher mache ich wieder eine Pause.
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