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Samstag, 13. Dezember 2014

Mein linkes Auge ist ein Tunnel ins Nirgendwo

Willkommen im fragmentierten Sehen. 
Die Welt besteht aus Bildern, so habe ich das bisher gesehen, aber Bilder sind Schein. Wenn man die Funktion des Auges genau betrachtet, wird einem das sofort klar. Nur will das niemand so sehen. 
Was man sieht ist ein Bild, nicht die Wirklichkeit!
Mein linkes Auge ist nach einer Operation sehgeschädigt. Ich sehe damit zwar noch, aber das Gesehene ist aufgesplittert, zerfällt in Einzelteile. Ich habe das Gefühl, dass Alles von mir Gesehene fragmentarisch in einen Tunnel eingelagert wird ... Vielleicht sehe ich die Bilder nie wieder?

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Gesundheit!


Ab welchem Lebensjahr wünscht man sie dem Jubilar, die grundsätzliche, nicht teuer genug einzuschätzende, ewig währende GESUNDHEIT? Und seit wann ist dieser alle anderen Segenswünsche übersteigende Wunsch so hoch im Kurs? Das frage ich mich wirklich. Seit es alles zu kaufen gibt was man sich vorstellen kann? "Das höchste Gut ist Gesundheit!" Unbezahlbar ... Genau! Wer zahlen kann ist gesünder als der, dem das Geld dazu fehlt. Zumindest kann der Wohlhabende sicher sein, dass man seine Gesundheit zu schätzen weiß.
Das nur so als Denkanstoß.
Meine Krankenversicherung, AOK, (Nennt sich gerne "Gesundheitskasse".) ist in Ordnung, denke ich. Dass sie keine Brillen mehr bezahlt, außer Brillengläser-Festbeträge für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, finde ich zwar absolut unverständlich, aber Fakt ist halt Fakt und Brillen sind teuer. Und beinahe Jede/r braucht irgendwann einmal eine Brille. Niemand "möchte" eine Brille, so wie man einen Schirm möchte wenn es regnet. Regen passiert halt, Sehen ist Leben. Und wenn ich eine Brille brauche um sehen zu können, dann ist das doch ein Teil meiner Gesundheit.
Es heißt ja Archimedes habe die Brille und nicht nur sie, sondern auch den Namen dafür erfunden, indem er einen Bergkristall (Beryll = Brille) schliff und in ein Gestell fasste, das er auf der Stirn trug. Wohl eher ein Vorläufer des Monokels, aber ... "wir werden es nie wissen"! Wie auch immer, es zeigt, dass Brillen ein Teil gelungenen Lebens sein können.
So redet man um den heißen Brei herum. 
Fakt ist, dass mein Sehen nicht mehr als gelungen bezeichnet werden kann. Eher als Zumutung. Mit der ich Leben muss ... ? Am 30. Oktober habe ich wieder einen Termin in der Klinik in der ich operiert wurde. Mein Augenarzt hatte zum "Zustand" meines linken Auges nichts zu sagen (die Sprechstundenhilfe bezeichnet es inzwischen salopp als "ihr Problemauge"), verwies mich an die Klinik. 
Jetzt mache ich eine Rückblende. Ich hatte Ende März manchmal Sehstörungen, einen weißen Nebel über allem. Obwohl ich das mit meinem Tremor in Verbindung brachte, der auch das Sehen beeinflussen kann, ging ich trotzdem zum Augenarzt. Sinn der Sache war, im Vorfeld zum Besuch beim Neurologen, alle anderen Möglichkeiten zu prüfen und zu eliminieren. Als erstes bekam ich ein Formular ausgehändigt, auf dem auf die Gefahr des "Grauen Star" hingewiesen wird "eine Gefahr für das Auge, die, früh genug erkannt und behandelt, abgewendet werden kann. Die Krankenkasse bezahlt das nicht. Kosten: 20€." Das kann man unterschreiben.
Der alte Mensch (ob diese Bezeichnung "politisch korrekt" ist oder nicht, ist mir scheißegal!) misstraut seinem Organismus mehr als er ihm vertraut. Die Natur hat da ihre eigene Meinung. Mein Misstrauen kostete mich 20€. Ich unterschrieb.
Die Untersuchung ergab, dass ich Grauen Star habe. Punkt.
Die Untersuchung, derentwegen ich da war, ergab, dass ich auch Grünen Star habe.
(Ich habe den Unterschied schon beschrieben. Wer nicht in meinem Blog zurück blättern möchte, kann googeln.)
Der Graue Star bedeute "vorläufig" kein Problem und den Grünen Star müsse man beobachten, könne ihn aber mit Tropfen wahrscheinlich in den Griff bekommen. Der Arzt gab mir Tropfen mit, ich brauchte nicht einmal ein Rezept. 
"Kommen Sie in 14 Tagen wieder."
"Vielen Dank Herr Doktor. Auf Wiedersehen."
Das war am Montag. Ein paar Tage später, am Freitag, hatte ich einen Glaukom Anfall. Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt und wie es sich manifestiert. Man kann das in den entsprechenden Kapiteln nachlesen. Der Sehnerv meines rechten Auges ist seither permanent geschädigt, mir fehlt ein viertel des Sehfeldes im rechten Auge unten, links.
Meine Erlebnisse bei diesem ersten Besuch einer Augenklinik habe ich ja detailliert geschildert.
Auch die nachfolgende Schmerzensreise ist bekannt. 


  Meine Überlegung ist jetzt nur: War das alles nötig? 

Ich hatte mit dem Sehen vorher keinerlei Schwierigkeiten. Zum Lesen kaufte ich eine "Lesehilfe" im Supermarkt. In die Ferne sah ich einwandfrei scharf. Nicht "gesund" war das Glaukom, der Grüne Star
Ich weiß nicht, ob es eine Behörde gibt, die sich darum kümmert, ob Operationen wirklich nötig sind. Wenn nicht, dann sollte sie schnellstens geschaffen werden!
Beim Beheben des Grauen Star wurde mein linkes Auge so geschädigt, nicht durch Verschulden des Chirurgen, sondern durch die Unberechenbarkeit eines Eingriffs in die Natur, dass ich jetzt erhebliche Sehstörungen habe. Ich bin unsicher beim Gehen, was meine Mobilität einschränkt, und ich sehe unscharf (doppelt) und verschwommen, wie durch ein schmutziges Glas.
Dabei ist mein Hauptleiden, der Grüne Star, an diesem Auge noch gar nicht behandelt! Es war unmöglich, nach den Komplikationen beim austauschen der Linse um den Grauen Star zu beseitigen.
Gesundheit heißt Geld!
Operationen bringen Geld, also werden sie gemacht.
Ich glaube, dass die Operationen des Grauen Star bei mir nicht dringend nötig waren!
Am 30. Oktober habe ich einen Termin in der Augenklinik. Mir geht es dabei darum, mein "normales Sehen" wieder zu erlangen. Kann der Grüne Star dann operiert werden? Wie lange muss ich noch tropfen? Fragen über Fragen. 
Wie heißt es im Fernsehen? "Wir werden die Antworten nie wissen."
Mal sehen. Bis bald.
PS. Wünscht also nicht nur Gesundheit zum Geburtstag oder Neujahr, sondern zumindest genausoviel Geld um sie sich leisten zu können!






Montag, 22. September 2014

Geduld und andere Tugenden


Man sollte, wenn man einen essentiellen Tremor hat, nicht versuchen gerade Linien, Kreise und Spiralen zu malen. Das geht schief, vielmehr wird wellig. Siehe oben.
Das sollte die "Goldene Faden Maschine" darstellen, die mir als Traumbild zum Thema geduldiges Warten (siehe das entsprechende Kapitel) durch den Kopf geisterte. Ging gehörig daneben. Jetzt fällt mir lediglich auf, dass sie einer liegenden Sphinx ähnelt. Oder einer Schnecke? Wobei ich bei der Geduld angekommen bin. (Da stellt sich natürlich die berechtigte Frage, ob Schnecken sich als geduldig empfinden, oder ständig mit ihrer Langsamkeit hadern.)
Die Geduld ist eine Tugend. Wobei dieses Wort von taugen abgeleitet ist ... aber das ist eine längere,   zwar auch spannende aber eben andere Geschichte. 
Es gibt sieben christliche Tugenden, die einerseits auf die biblischen Zehn Gebote, andererseits auf Jesus' Bergpredigt zurück gehen. Die Geduld steht bei den sieben in der Mitte. Typisch und logisch! Geduld ist der Mittelpunkt eines geduldigen Menschen, oder etwa nicht? (Man bewundert ja die Geduld von Katzen, die einer Maus auflauern, aber ich denke, dass sie eher ungeduldig sind, weil sie spielen wollen, oder schlichtweg Hunger haben.) 
Es gibt auch noch drei göttliche (theologische) Tugenden, deren mittlere die Hoffnung ist.
Seit beinahe vier Wochen hoffe ich, dass mein linkes Auge sich normalisiert und ich endlich wieder gut sehen kann!
Und mein Augenarzt sagt: "Geduld. Das kann auch sechs Wochen dauern." Jetzt soll ich also eine Tugend aufbringen, die den meisten Menschen nicht liegt. Womit ich geduldiges Warten meine. Normale Geduld? OK, kein Problem. Ich kann mit Sekundenkleber gut arbeiten. ("Scheiße!" artikuliere ich nur, wenn der zu klebende Gegenstand auseinander fällt, meine Finger aber innig verbunden sind.) 
Jetzt bleibt mir also nur noch die Hoffnung (die bei Sekundenkleber wenig taugt), die keinen all zu guten Ruf hat, von wegen sie stirbt. Zwar zuletzt, aber tot ist tot.
Soll ich mich zu Tode hoffen?
Dazu fehlt mir die Geduld!
Ich sehe schon: Ich bin ein wenig tugendhafter Mensch. Aber damit kann ich leben. Zumindest die nächsten zwei Wochen ...

Samstag, 20. September 2014

Im Nebel - Augenblick



"Es kann vier bis sechs Wochen dauern." sagte der Augenarzt. 
"Ich sehe alles wie im Nebel." hatte ich ihm erklärt.
"Die Hornhaut ist noch nicht ganz geglättet." erläuterte er, mit dem Hinweis, dass es eine schwierige Operation gewesen sei.
Das wusste ich. Mir machte mein geringes Sehvermögen Sorgen, schließlich lag die Operation schon zwei Wochen und einen Tag zurück.
"Das wird schon. Kommen Sie Ende nächster Woche wieder." tröstete er mich abschließend.
Das war Anfang dieser Woche und so sehe ich jetzt mit dem linken Auge, dessen Hornhaut nicht geglättet ist.

Mit dem rechten Auge sehe ich zwar scharf, aber das untere, linke Drittel ist nur noch grauer Nebel durch den keine Konturen oder Farben sichtbar sind. Dieser Schaden des Sehnervs, eine Folge des Glaukomanfalls im April, ist nicht zu beheben.