Freitag, 2. Mai 2014

Fragen die ich mir stelle

Was wurde aus meiner Neugier? Als ich fünfzehn Jahre jung war, eine meiner Schwestern "hatte einen Ami" (sie war mit einem amerikanischen Soldaten liiert ... immer mal wieder mit einem anderen, was unsere Mutter frustrierte ... andere Geschichte) fiel mir das oben abgebildete Buch in die Hände. "English" hatte ich schon in der Volksschule ein bisschen gelernt. Es war ein "freiwilliges Fach" das alle nehmen mussten. Wir waren ja "amerikanisch besetzt". Ich glaube nicht, dass sich auch nur eine/r meiner Klassenkameraden/innen (kann Deutsch noch blöder werden?) wirklich dafür interessierte und sich über "Ink in an inkpot" weiterführende, philosophische Gedanken machte, die ihr Leben verändern könnten. Ich war auch nicht so richtig bei der Sache und empfand "School is over o what fun", das wir am Ende der Unterrichtsstunde immer singen mussten, jedes mal als Befreiung. Karl Lagerfeld hat ja als sprossender Knabe freiwillig Französisch gelernt und ich glaube, zwischen seinem "freiwillig" und meinem liegt der Unterschied. Er hat es weit gebracht, im Gegenteil zu mir, deshalb trägt er auch mehr Ringe als ich. Aber ich schweife ab.
Meine mit einem amerikanischen Soldaten befreundete Schwester (später hat sie ihn, oder einen anderen, geheiratet) hatte das Buch "Forever Amber" bei sich herumliegen. Sie wohnte damals in der Hohenheimer Straße in Stuttgart und ich logierte eine Zeitlang dort bei ihr, um mir das Pendeln zwischen Waldenbuch, wo unsere Mutter wohnte (und ich auch) ... andere Geschichte. Da lag also das Buch. Warum ich angefangen habe darin zu lesen, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich aus Langeweile. Fernseher gabs ja keinen. Also las ich: THE SMALL ROOM was warm and moist.





























OK. Bis "moist". Zum Glück war das Englisch meiner Schwester auch noch nicht so firm, dass sie keine Fragen mehr hatte und deshalb lag ein "Dictionary English - German" auch so herum wie "Forever Amber". Also schlug ich "moist" nach. Heißt `feucht´, aber auch `dämpfig´ ... Und von da an ließ mich das Buch nicht mehr los. Es ist eine furchtbar kitschige Liebesgeschichte im Genre von "Vom Winde verweht", nur nicht so berühmt (wurde auch nicht verfilmt, denke ich) und ich verliebte mich in den Helden ... Na ja ...
Warum ich darauf komme? Zur Zeit lese ich




























und bin begeistert! Klar, ich bin "Harry Potter"-Fan, aber ich würde diesen Krimi auch lieben, wenn er nicht von J. K. Rowlings wäre, weil er wirklich witzig ist und nicht nur vordergründig spannend. Ja, OK, vorläufig ist er nicht wahnsinnig spannend, aber ich bin auch erst knapp hinter der Hälfte der 550 Seiten der Taschenbuchausgabe. 
"Amber" bringt es übrigens auf 652 Seiten und am Schluss steht: THE END




























Das erinnert mich an einen Aufsatz, den ich in der dritten Klasse schrieb. Das Thema war nicht sehr fordernd und ich bekam nur mit viel Mühe eine Seite im Schulheft zusammen und schrieb dann, um noch auf die nächste Seite zu kommen: Mehr weiß ich nicht, also ist dies DAS ENDE. Die Lehrerin meinte, man müsse das Offensichtliche nicht noch betonen und gab mir eine 6. Die hatte "Forever Amber" nicht gelesen!
Aber darum geht es gar nicht, sondern darum, dass sich die englische Sprache mir immer mehr entzieht. Ich lese diesen wunderbaren! Roman und stolpere immer wieder über Worte deren Bedeutung ich nicht kenne. Ich lese sie und frage mich nach ihrem Sinn, aber ich schlage nicht im Wörterbuch nach! Zugegeben, mein englischer Wortschatz ist nicht so groß wie der der Königin von England und ich habe auch vormals, als ich in den USA war, nicht jedes Wort gekannt, aber ich konnte es in den Kontext bringen und somit den Satz verstehen. Ich wäre ein miserabler Übersetzer gewesen! Jetzt aber wüsste ich gerne, was die Worte meinen. Es sind nicht viele und sie würden mir wahrscheinlich nicht unbedingt zu einem größeren Lesevergnügen helfen, aber ich denke daran, wie mich damals ein Wort wie "moist" zu anderen, ihm verwandten, führte, wie die die Sprache sich vor mir auftat als ein Wunder. 
So  habe ich Englisch gelernt ohne es zu wollen.
Ich wünsche mir die Neugier zurück und die Liebe zum Wort. 
Egal in welcher Sprache.



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