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Mittwoch, 27. August 2014

Joghurt als Strohhalm


In einer Sendung des WDR wurde von Forschungen berichtet, die zu dem Ergebnis kamen, dass man mit Milchsäure "tote" Nervenzellen "reparieren" kann, sie also "wiederbeleben", wie mit Mund-zu-Mundbeatmung. So ähnlich. Die Methode ist ja Wurscht, das Ergebnis zählt.

"Betroffene reagieren skeptisch." Und trotzdem klammern sie sich an einen Strohhalm, an die Hoffnung "die stirbt zuletzt". Ich frage mich ganz nebenbei, wieviel Hoffnung auf Rettung ein Ertrinkender hat, der sich an einen Strohhalm klammert. Ein Wissenschaftler rückt diese Hoffnung dann wirklich in den Bereich des Strohhalms:





























Wenn er sagt: ",,, keinen positiven Einfluss auf das Risiko an Parkinson zu erkranken.", dann muss sich der schon daran Erkrankte fragen, ob er sich überhaupt noch Hoffnung machen darf. Oder soll er jetzt doch lieber auf Koffein umsteigen und täglich 10 Tassen Kaffee trinken?
Welchen Sinn haben solche Berichte? Am Ende der 2.49 Minuten wird gezeigt, dass der "Betroffene" sich linksdrehenden Joghurt und noch nicht ganz reife Pflaumen gekauft hat. Ach so, ja, "frühreifes Obst" enthält auch einen Wirkstoff der abgestorbene Zellen reaktiviert.

Und hier kommt mein großes Interesse an diesem Strohhalm ins Spiel. Bei meinem Glaukom-Anfall sind Zellen des Sehnervs abgestorben. Daran besteht kein Zweifel, ich kann es sehen. Vielmehr sehe ich, dass ich im linken unteren Bereich des rechten Auges nur noch einen grauen Fleck sehe, der das "Allgemeinsehen" dahingehend behindert, dass ich beim Fokussieren Schwierigkeiten habe und vieles nur verschwommen wahrnehme. Das verursacht Unsicherheit beim Gehen, weil der Boden unter den  Füßen "verwabert", wie eine im Hitzeflimmern verschwimmende Landschaft, und so sich der "Wahrnehmung" entzieht. Diese Unsicherheit, die sich mit der Zeit, also je länger ich gehe, sehr verstärkt, hindert mich daran längere Wanderungen zu machen und beschränkt auch die Dauer normaler Spaziergänge.
Also machte ich mich googelnd über "Griechischen Joghurt" schlau, der ist linksdrehend und das ist absolute Vorbedingung, wenn die Milchsäure die Nerven zum Wiedererwachen animieren soll. Wie auch immer man "linksdrehend" verstehen soll, wichtig dafür ist das Bacillus bulgaricus ... das ist eine lange, aber interessante, Geschichte, die man in Wikipedia unter Joghurt lesen kann. Das Wort ist übrigens türkischen Ursprungs.
Wo bekomme ich Griechischen Joghurt? In meiner Nachbarschaft leben hauptsächlich Türken. Aber, dachte ich, wenn die Türken den Joğurt mehr oder weniger erfunden haben, dann muss es doch auch in einem türkischen Supermarkt Joghurt mit Bacillus bulgaricus geben. Ich machte mich sofort auf den Weg. Leider vergaß ich eine Brille mit zu nehmen. Zwar kann ich seit meiner Augenoperation inzwischen wieder ohne Brille Zeitung lesen, oder diesen Blog schreiben, aber das "Kleingedruckte" ist dann doch nicht lesbar. (Noch nicht? Am 3. 9. wird das linke Auge operiert. Wer weiß ...) Ich griff mir also eine Joghurt Becher mit türkischem Namen. Zuerst versuchte ich noch irgendwo im Minitext ein B auszumachen, aber vergeblich. Das Mädchen an der Kasse, sie war wirklich noch keine "junge Frau" (sehr hübsch, nicht "verschleiert") half mir schließlich, konnte aber auch kein Bacillus bulgaricus entdecken, sehr zu ihrem Bedauern.
"Na ja," sagte ich voller Zuversicht, "dieser Joghurt ist doch in der Türkei hergestellt, dann wird er schon die richtigen Bazillen enthalten."
"Nein." antwortete sie. "Der Joghurt wird in Deutschland produziert."
Ich blickte überrascht und erstaunt und fragte: "Echt?"
Sie bestätigte es und konnte meine Verwunderung nicht so richtig verstehen, das sah ich ihr an. 
`Dritte Generation´, dachte ich, `die Zeit schreitet fort´.
Sie schrieb dann den Namen des Bacillus auf und versprach, den Joghurt Lieferanten bei seinem nächsten Vorbeikommen danach zu fragen. Sie würde zwar nicht da sein, aber ihrer Kollegin Bescheid sagen. Das hat mich sehr beeindruckt.
`Wenn es irgendwo in Stuttgart griechischen Joghurt gibt, dann in der Markthalle.´ dachte ich. Dort gibt es griechische, türkische, italienische, ungarische, pakistanisch-indische, französische, spanische, schweizer und deutsche Spezialitäten. Ich entschied mich gleich für den ersten Stand an dem griechische Wimpel hingen.
"Haben Sie griechischen Joghurt?" fragte ich, ein bisschen verlegen, die hübsche junge Frau hinter den Verglasungen.
"Aber ja." antwortete sie und zeigte auf eine Schüssel in der Vitrine.
Da stand ganz einfach "Joghurt" und "100g 1€" und "10% Fett". Da würde ich meinen Diätplan ändern müssen!
Ich war müde und brachte nicht die Energie auf nach dem Linksdrehen und Bacillus bulgaricus zu fragen. 
"Fünfhundert Gramm, bitte." sagte ich.
...
Ich aß ihn in drei Portionen, so viel Disziplin muss sein. Er schmeckte verrücklich gut!!!
Beim nächsten Besuch in der Markthalle verglich ich dann die Preise an zwei verschiedenen Ständen. Am griechischen waren es weiterhin 1 Euro für 100 Gramm. Das ist nicht billig! Am türkischen Stand waren es nur 65 Cent für 100 Gramm. Da schlug ich zu und kaufte gleich ein Kilo. 
Wie lange er im Kühlschrank halten würde, fragte ich.
"Ca. eine Woche." antwortete die hübsche junge Frau ... 
Ich kann nix dafür, dass sie alle jung und hübsch sind!
Er hielt natürlich keine Woche, dafür schmeckte er viel zu gut.
"Da muss Disziplin her", sagte ich mir, "auch beim Einkauf."
Zuerst durchforstete ich das Joghurt Angebot im Bonus Supermarkt um die Ecke, wo ich gewöhnlich einkaufe. Aber da waren die Bakterien nur thermophil und völlig unbulgarisch. Also ging ich zum Mutterkonzern, zu Edeka, auch nicht weit entfernt und sah mich um. Wer hätte gedacht, dass es so viele Joghurt Hersteller gibt?!
Und wer würde glauben, dass ich schon wieder keine Brille dabei hatte!? 
Warum nimmt der Produktname und der des Herstellers so viel Platz auf einem Etikett ein und warum ist das wirklich Wichtige so winzig gedruckt? Eine gute Frage, die ich vor mich hinseufzte, während ich einen Joghurt Becher in meiner Hand hin und her drehte.
"Das frage ich mich auch immer." sagte eine blonde Frau neben mir, die einen Eisbecher in der Hand hatte. Sie war weder jung noch hübsch und ob sie wirklich blond ist, wage ich in Frage zu stellen.
Ich erklärte ihr mein Dilemma mit den Bacterium bulgaricus und dem Kleingedruckten und dass ich keine Brille dabei habe.
"Ja ja" sagte sie mitfühlend, "mir geht es genau so."
Da wollte ich schon aufgeben und dann: BINGO! sprang mich das was ich suchte förmlich an. Griechischer Joghurt in Hülle und Fülle, im 200 Gramm Becher, aus Kuhmilch und aus Schafsmilch hergestellt in Griechenland! Und natürlich mit L. Bulgaricus und S. Thermophilus. Halleluja!




Jetzt hoffe ich, dass auch drin ist was drauf steht. Ich habe den Vorrat, gemischt Kuhmilch, Schafsmilch, für 8 Tage gekauft, dann muss ich ja in die Klinik ...
Der Schafsmilch-Joghurt hat übrigens nur 4,5% Fett, dafür ist er zwar weniger cremig, aber lebendiger im Geschmack. Ich werde ihn auf meinen täglichen Speiseplan setzen, auch wenn mein Sehnerv sich nicht darum kümmert. Nachdem ich  das alles hier geschrieben habe und er mitgelesen hat, weiß er auf jeden Fall Bescheid. Vielleicht klammert er sich ja an den Strohhalm?!

Samstag, 18. Mai 2013

Das siebente Kapitel handelt von Käsekuchen

Der von mir nicht benutzte Aufzug
Sprache dient der Verständigung, fraglos, aber ist Sprache immer verständlich? Zum Beispiel: siebente. Siebt das Kapitel? Ich weiß, dann würde man es mit d schreiben! Aber wer weiß das heutzutage noch? Rechtschreibung ist sowas von out, man glaubt es kaum. Dass es einen Unterschied zwischen dass und das gibt wissen nur noch ein paar Uraltdeutsche ... Aber darum geht es ja gar nicht in diesem Kapitel. Es geht um Sprache ganz allgemein, um das, was Menschen untereinander "verständlich" macht. In diesem Fall also um Türkisch.
"Merhaba." "Nasılsın?" "Iyim." Irgendwann hat der Türkeibesucher das drauf. "Hallo." "Wie gehts?" "Gut." Aber für ein Gespräch, eine Unterhaltung reicht das wohl kaum. Wenn man danach auf jedes Wort nur mit Schulterzucken reagieren kann, hätte man sich die drei Anfangshöflichkeiten auch sparen können. Oder? Gaukle ich meinem Gegenüber nicht vor, ich würde seine Sprache beherrschen, wenn ich ihn in ihr begrüße? Muss er sich nicht verarscht vorkommen, wenn sich herausstellt, dass (nicht das!) mein Wortschatz damit schon erschöpft ist? Ist es ein Zeichen von Höflichkeit, wenn ich mir ein paar Wörter aus der Sprache des Gastlandes aneigne, quasi um "guten Willen" zu signalisieren? Mir kommt es eher wie Betrug vor. Ich komme daher wie der Kaiser in seinen neuen Kleidern: stolz erhobenen Hauptes, aber, genau betrachtet, eben doch nackt.
Vielleicht ist es ja auch Bequemlichkeit, oder sogar eine Form von Faulheit, wenn ich statt "Merhaba" "Hallo" sage, oder Guten Tag, oder Hello, oder Hi ... Auswahl hat man ja genug und die Antwort beschränkt sich auch auf dieses Repertoire.
Bei "Nasılsın?" ist es schon ein bisschen diffiziler. Sicher, das Gegenüber versteht mich schon, auch wenn ich "Nasilsin" sage, die zwei stummen ı also auspreche, was allerdings bei Sprachpuristen, und Türken sind stolz auf ihre Sprache, nicht gut ankommt. Erst wenn man sich besser kennt, wird man dann über die Aussprache belehrt. Ich hatte da einen guten Lehrmeister in dem Kellner Ali Ö. (der beste Kellner der Welt, und inzwischen ein bester Freund!!) der beinahe verzweifelte, weil ich kein richtig rollendes rrrr zustande brachte in Wörtern, die man nun einmal mit rrrrrollendem R ausspricht, im Gegensatz zu anderen Worten, die mit einem flachen, sozusagen leichtfüßig daherschlurfenden r auskommen. Ich nehme an, dass es eine Fehlbildung meines Kehlkopfes, oder ein zu wenig gewölbter Gaumen ist, der die Schuld für dieses Versagen trägt. Abgesehen davon, oder eben deswegen, kann ich auch nicht pfeifen. Wenn ich die Lippen spitze, um durch umgeleitete, mit der Zunge geformte Luft melodische Töne zu produzieren, entweicht meinem Mund nur ein in Höhenlage und Lautstärke kaum variierendes fffffffffffffft. Ich kann damit leben. Lieber wäre es mir allerdings, wenn ich mein r so rollen könnte, dass mein Freund Ali nicht schmerzvoll sein Gesicht verziehen muss, wenn ich, zum Beispiel: "krmz renk"(da fehlen drei i ohne Punkt) sage. Das heißt übrigens rot.
Mit solchen Gedanken beschäftigt erreiche ich zu Fuß vom achten Stock in die große Halle gehend, eben diese. Dort wende ich mich nach rechts, durchschreite die Lobby der Sky Bar und erreiche die Patisserie, ehe ich mir überlegen kann, was Käsekuchen auf Türkisch wohl heißt. (Mein Übersetzungs-App auf dem iPad sagt Cheesecake. Aber Hallo, wo sind wir denn?!) Vor der Vitrine stehend, die mit süßen Köstlichkeiten so reichhaltig bestückt ist, dass mir so viel Wasser im Mund zusammen läuft, dass ich auf Tee verzichten kann, zeige ich einfach mit dem Finger auf das von mir Gewünschte. Ich bekomme anstandslos ein Stück ("Zwei" fragt der nette Mann hinter dem Tresen mit zwei gespreizten Fingern, der sich noch an mich vom November erinnert. Ich schüttle den Kopf in verneinender Gebärde.) Käsekuchen/Cheesecake. Na bitte, es geht auch ohne Sprache!
Käse heißt übrigens "Peynir" und Kuchen "Kek", wenn mich das iPad-App nicht verarscht. Somit würde Peynir Kek also Käsekuchen heißen. Aber wer weiß, was man im Türkischen unter dieser Wortkombination versteht? Leicht zu erlernen, das kann ich ohne Zögern behaupten, ist die türkische Sprache nicht!
PS. Inzwischen habe ich aus absolut sicherer Quelle, von Ali. G., erfahren, dass man zu Käsekuchen auf Türkisch "Peynirli pasta" sagt. ...
Vorausgesetzt man redet mit Käsekuchen ;-)

Die "Große Halle"