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Dienstag, 25. November 2014

"Love is in the air ..."


An diesen schnulzigen alten Schlager musste ich gestern Abend denken, als ich, nach dem, wieder einmal ergebnislosen, Besuch beim Augenarzt auf dem Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs stand. Es war zwar erst 17 Uhr, aber schon Kuhnacht, was auch an dem dichten Hochnebel lag, der am Nachmittag aufgezogen war. Der Himmel war "wie ein schwarzes Tuch" (Cal Orff, Der Mond) über die Stadt gebreitet.

Es gab keinen zwingenden Grund für mich, auf den Turm zu fahren, andererseits hatte ich auch nichts anderes vor ... Es war kalt. Ich wollte nur ein paar Fotos machen, wobei ich wusste, dass sie, bei den herrschenden Lichtverhältnissen mit dem iPad mini aufgenommen, nicht von bestechender Qualität sein würden. Siehe oben. Und unten.




























Hiermit habe ich geschickt ins Bild gebracht, worum es in diesem Kapitel geht. Nämlich um das Gitter, das den Turm suizidsicher macht. Seit einigen Wochen ist es nämlich Mode, daran, wie an ähnlichen Gittern in anderen Städten (Paris!), Vorhängeschlösser anzubringen, sofern man als liebendes Paar den Turm besucht. (Wenn das so weitergeht, wird man bald nur noch Schlösser sehen und keine Aussicht. Das Gitter ist sehr hoch!)
Auf der Plattform waren, außer mir, ein junger Mann und eine junge Frau, die sich auf Englisch unterhielten. Er hatte einen leichten Akzent, sie nicht. Ich stand daneben und fotografierte und konnte gar nicht anders als mitzuhören. Die Beiden hatten sich ganz offenhörig eben erst kennen gelernt. Er erklärte ihr nämlich gerade, was die Vorhängeschlösser symbolisieren. Ob seine Erklärung stimmt, kann ich nicht beurteilen, ich hielt das einfach für einen sinnlosen Gag.
Angeblich steht jedes Schloss für einen Treueschwur: Ewige Liebe - so lange das Schloss dort hängt! Folgerichtig fragte die junge Frau, sie war noch sehr jung, ob denn das Schloss entfernt werden müsse, wenn das mit der Treue nicht funktioniert habe. Eigentlich schon, antwortete er. 
Mir war aufgefallen, dass sie sich während des Gesprächs näher gekommen waren und vermutete, dass sie sich schon unten kennen lernten und er dann den Vorschlag machte, den Turm zu besuchen, um ihr die Schlösser zu zeigen. (Früher war es die Briefmarkensammlung. Jaja, die Zeiten ändern sich. Seufz.)
Plötzlich gab ein Handy Töne von sich. Ich habe keins. Es war seins. Automatisch trat er einen Schritt beiseite.
"Hallo Liebling!° rief er erfreut ... Deutsch war seine Mutterssprache.
Es folgte eine schäkernde Erklärung dass er noch "geschäftlich aufgehalten" worden sei, "ein sehr wichtiges Gespräch" und, ja, er habe daran gedacht den Fisch mitzubringen und es würde einfach ein bisschen später werden. "Küsschen ... Bis gleiheich!" Er hatte eine leichte Hinterkopfglatze, ganz so jung war er also nicht mehr.
Inzwischen war ich leicht in den Hintergrund getreten, zeigte keinerlei Interesse an den beiden und fotografierte die öde, neu entstehende Stadtlandschaft neben den durch Stuttgart 21 langsam ganz verschwindenden Gleisen. Siehe unten.


Die junge Frau verstand kein Deutsch, das wurde mir klar, als sie seine Entschuldigung und dass ein Kollege, der noch arbeite, eine Auskunft haben wollte, ohne Einwände hinnahm. Ich zog mich noch weiter in den Hintergrund zurück, der Turm bietet dazu genügend Platz und auch Winkel. Gut, ich gebe zu, das war indiskret, aber inzwischen zu interessant um einfach weg zu gehen.
Er wandte sich ihr wieder zu und, nachdem er sich unbeobachtet glaubte, trat er hinter sie. Es kam zu Körperkontakt, dem sie nicht auswich, sogar eher noch entgegenkam. Sein vorderer Unterleib rieb sich wiegend ... dann bin ich gegangen. Es war ja ganz offensichtlich, warum die zwei auf den Turm gefahren waren. Ein Schloss sah ich sie allerdings nicht anbringen.
Ich entschloss mich, nicht den Aufzug zu nehmen, sondern die lange, schmale Wendeltreppe nach unten zu gehen. Dabei dachte ich an die Kälte auf dem Turm und dass der November doch gar nicht die Zeit für Frühlingsgefühle ist, der oben erwähnte Schlager ging mir durch den Kopf und dann dachte ich, dass wahrscheinlich der Klimawandel an allem Schuld ist. 
Auf jeden Fall bestand für den Fisch in seinem Rucksack keine Gefahr!
Ich war heute noch einmal auf dem Turm und habe ein paar Bilder gemacht, nur dammit niemand glaubt ich würde das alles erfinden!























































Übrigens habe ich mich kurz mit einer sehr netten jungen Frau am Info-Desk des Turms unterhalten und sie klärte mich über den Zweck und Sinn des Gitters auf dem Turm auf. Von wegen Suizidverhinderung, das wäre das kleinere Übel, das käme so gut wie nie vor, nein: Es ist der Müll den manche Turmbesucher über die Brüstung zu entsorgen pflegten!
"Schöne neue Welt, die solche Bürger trägt!" (Shakespeare, Der Sturm, wurde am 1. November 1611 uraufgeführt)

Bald hängt ein neues Schloss am Gitter! ...

Freitag, 2. Mai 2014

Fragen die ich mir stelle

Was wurde aus meiner Neugier? Als ich fünfzehn Jahre jung war, eine meiner Schwestern "hatte einen Ami" (sie war mit einem amerikanischen Soldaten liiert ... immer mal wieder mit einem anderen, was unsere Mutter frustrierte ... andere Geschichte) fiel mir das oben abgebildete Buch in die Hände. "English" hatte ich schon in der Volksschule ein bisschen gelernt. Es war ein "freiwilliges Fach" das alle nehmen mussten. Wir waren ja "amerikanisch besetzt". Ich glaube nicht, dass sich auch nur eine/r meiner Klassenkameraden/innen (kann Deutsch noch blöder werden?) wirklich dafür interessierte und sich über "Ink in an inkpot" weiterführende, philosophische Gedanken machte, die ihr Leben verändern könnten. Ich war auch nicht so richtig bei der Sache und empfand "School is over o what fun", das wir am Ende der Unterrichtsstunde immer singen mussten, jedes mal als Befreiung. Karl Lagerfeld hat ja als sprossender Knabe freiwillig Französisch gelernt und ich glaube, zwischen seinem "freiwillig" und meinem liegt der Unterschied. Er hat es weit gebracht, im Gegenteil zu mir, deshalb trägt er auch mehr Ringe als ich. Aber ich schweife ab.
Meine mit einem amerikanischen Soldaten befreundete Schwester (später hat sie ihn, oder einen anderen, geheiratet) hatte das Buch "Forever Amber" bei sich herumliegen. Sie wohnte damals in der Hohenheimer Straße in Stuttgart und ich logierte eine Zeitlang dort bei ihr, um mir das Pendeln zwischen Waldenbuch, wo unsere Mutter wohnte (und ich auch) ... andere Geschichte. Da lag also das Buch. Warum ich angefangen habe darin zu lesen, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich aus Langeweile. Fernseher gabs ja keinen. Also las ich: THE SMALL ROOM was warm and moist.





























OK. Bis "moist". Zum Glück war das Englisch meiner Schwester auch noch nicht so firm, dass sie keine Fragen mehr hatte und deshalb lag ein "Dictionary English - German" auch so herum wie "Forever Amber". Also schlug ich "moist" nach. Heißt `feucht´, aber auch `dämpfig´ ... Und von da an ließ mich das Buch nicht mehr los. Es ist eine furchtbar kitschige Liebesgeschichte im Genre von "Vom Winde verweht", nur nicht so berühmt (wurde auch nicht verfilmt, denke ich) und ich verliebte mich in den Helden ... Na ja ...
Warum ich darauf komme? Zur Zeit lese ich




























und bin begeistert! Klar, ich bin "Harry Potter"-Fan, aber ich würde diesen Krimi auch lieben, wenn er nicht von J. K. Rowlings wäre, weil er wirklich witzig ist und nicht nur vordergründig spannend. Ja, OK, vorläufig ist er nicht wahnsinnig spannend, aber ich bin auch erst knapp hinter der Hälfte der 550 Seiten der Taschenbuchausgabe. 
"Amber" bringt es übrigens auf 652 Seiten und am Schluss steht: THE END




























Das erinnert mich an einen Aufsatz, den ich in der dritten Klasse schrieb. Das Thema war nicht sehr fordernd und ich bekam nur mit viel Mühe eine Seite im Schulheft zusammen und schrieb dann, um noch auf die nächste Seite zu kommen: Mehr weiß ich nicht, also ist dies DAS ENDE. Die Lehrerin meinte, man müsse das Offensichtliche nicht noch betonen und gab mir eine 6. Die hatte "Forever Amber" nicht gelesen!
Aber darum geht es gar nicht, sondern darum, dass sich die englische Sprache mir immer mehr entzieht. Ich lese diesen wunderbaren! Roman und stolpere immer wieder über Worte deren Bedeutung ich nicht kenne. Ich lese sie und frage mich nach ihrem Sinn, aber ich schlage nicht im Wörterbuch nach! Zugegeben, mein englischer Wortschatz ist nicht so groß wie der der Königin von England und ich habe auch vormals, als ich in den USA war, nicht jedes Wort gekannt, aber ich konnte es in den Kontext bringen und somit den Satz verstehen. Ich wäre ein miserabler Übersetzer gewesen! Jetzt aber wüsste ich gerne, was die Worte meinen. Es sind nicht viele und sie würden mir wahrscheinlich nicht unbedingt zu einem größeren Lesevergnügen helfen, aber ich denke daran, wie mich damals ein Wort wie "moist" zu anderen, ihm verwandten, führte, wie die die Sprache sich vor mir auftat als ein Wunder. 
So  habe ich Englisch gelernt ohne es zu wollen.
Ich wünsche mir die Neugier zurück und die Liebe zum Wort. 
Egal in welcher Sprache.



Dienstag, 21. Januar 2014

Manchmal denke ich,

dass nicht der Tod Gottes schlechteste Erfindung ist, sondern das Gewissen. Das Gewissen in Kombination mit der Erinnerung. Natürlich nur das schlechte Gewissen. Nachdem ich  das gedacht hatte, habe ich "Gewissen" gegoogelt, schließlich möchte ich wissen was das Gewissen ist, ehe ich darüber urteile. Wikipedia (ich habe neulich 50 Euro gespendet, also nutze ich es mit gutem Gewissen!) parenthisiert (gibt es dieses Wort im Deutschen? Wenn nicht, sollte man es einführen, es klingt so wissenschaftlich! Es bedeutet: in Klammern setzen, also so: (parenthisiert)) gleich am Anfang (lateinisch conscientia, wörtlich "Mit-Wissen/durch das Wissen") und bringt mich da gleich ins Schleudern. Conscientia? Ist das nicht die "Conscience" in der englischen Sprache und bedeutet das nicht eher "Bewusstsein"? Aber dann lese ich weiter (wird im Allgemeinen als eine besondere Instanz im menschlichen Bewusstsein angesehen) und bin jetzt völlig irritiert. Das ist der Nachteil am Zweisprachig sein, man betrachtet die Worte nicht nur aus einer Perspektive. 


Also bemühe ich meinen "Webster", der, an der Kofferwaage gewogen, ein Gewicht von 1.9 Kilo (4.2lb) hat (mein iPad Air wiegt gerade mal 478 Gramm und da ist alles Wissen der Welt drin!) obwohl mir schon eingefallen ist, dass man im Englischen ja auch zum Gewissen Conscience sagt und auch dort zwischen einer Good oder Bad Conscience unterscheidet. 
Aber ich recherchiere nun mal gern, also:



























Zerknirscht stelle ich fest, dass ich Conscience mit Conscious verwechselt habe. Na ja,  mein Englisch ist, nach ca. 50 Jahren! etwas eingerostet, da kann einem, im Eifer der rotierenden Gedanken, so ein Fehlerchen schon mal unterlaufen. Genau genommen müsste ich aber deswegen ein schlechtes Gewissenchen haben.
(Der "Webster" ist übrigens 5.5 cm dick, das iPad Air 7.5 mm dünn!)
Wie dem auch sein, zurück zum düsteren Anfang: Tod, Gewissen und Erinnerung. Ich bin der Meinung, dass ohne Erinnerung das Gewissen nicht funktionieren kann. Ist das wissenschaftlich untersucht und belegt? Oder ist das so offensichtlich, dass man keinen Gedanken daran verschwenden sollte? 
Eigentlich müsste ich jetzt wieder recherchieren, aber heute ist Kieser angesagt und ich bin schon spät dran. Also dann, bis später!