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Samstag, 18. Oktober 2014

Torcello



Noch einmal quält ein schmaler Streifen Land
den müden Horizont zurück ins Leben,
fordert Beachtung, ohne viel zu geben,
nur flache Farben, Schilf und Sand.


Hier dürfte, außer Himmel, nichts mehr sein
als eine Stille, atemlos und blau,
die Meeresferne ungenau. ...
Und doch ist noch so vieles Stein.


Trotzdem ist keine Härte in den Dingen.
Durchsichtig wie Opal zittert das Licht.
Warum zerbersten diese Steine nicht
bei einem Glockenton, am Vogelsingen?


So wird zum Rätsel jeder neue Tag, 
die Stunden weigern sich Vernunft zu tragen,
und Jahre haben gar nichts mehr zu sagen,
wo selbst die Ewigkeit nur schweigen mag.

Doch wenn das einstürzt und vergeht,
 vom Licht ganz aufgelöst, ein Teil der Fluten,
wird dieser Horizont noch lange bluten,
der jetzt im Zeichen großer Schmerzen steht.


gelang 1975






Donnerstag, 24. Oktober 2013

Torcello ... die traurig Einsame.

Wer nach Torcello möchte, muss zum Fondaco Nove, eigentlich Nuove, aber die Venezianer haben ihre eigene Sprache und da geht mancher Buchstabe verloren, oder ändert seine Aussprache, so dass ein "italiener" nicht unbedingt versteht was gesagt wird. Aber das regelt sich notfalls mit Händen und Füßen. Aber das ist jetzt unwichtig. Zur Anlegestelle des Vaporetto (Dampfschiff) kann man entweder einen Vaporetto nehmen, der den Reisenden rund um das "Schwanzende" des Fisches führt, und Venedig hat nun einmal die Form eines Fisches. die Fahrt ist lang und nicht unbedingt sehenswert, oder er geht zu Fuß, kommt an Zanipolo vorbei und kann gleich noch eine Sehenswürdigkeit mitnehmen.

Es ist übrigens nicht billig, die Öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen und wenn man eine Woche in Venedig  ist und mal hier- mal dorthin fahren möchte, lohnt sich die 7-Tage Karte für 50 Euro allemal. In Venedig ist NICHTS billig, sogar die Benutzung der Öffentlichen Toiletten kostet 1.50 Euro. Allerdings finde ich das gerechtfertigt. Die Stadt ist ja nur noch ein riesiges Museum und eigentlich müsste jeder Besucher, der nur für einen Tag kommt, 100 Euro bezahlen müssen, damit hier kostendeckend gewirtschaftet werden kann. Die Reisenden, die auf den Kreuzfahrtschiffen hier an Land gehen, sollten diese Gebühr schon im Voraus bezahlen, plus Abgaben für Luftverschmutzung und Schädigung der Umwelt. Venedig geht an Überbesuchung zugrunde! Geld ruiniert die Welt!!!




Die Fahrt nach Torcello, mit Halten in Murano und Mazorbo (Burano) dauert ungefähr eine dreiviertel Stunde. Ich habe sie im Oktober mitgemacht, da herrschten, hin und zurück, ganz schönes Gedränge und die Luft im Innenraum war für normale Erdbewohner tödlich, nicht nur weil Knoblauch hier gern gegessen wird. Bei meinen vorhergehenden Venedigbesuchen, (vor 30 Jahren und weiter zurückliegend) verkehrte der Vaporetto von San Zaccaria zum Fondaco Nove via dem Arsenale, eine Fahrt von fünf Minuten, mehr oder weniger, und die Vaporetti nach Torcello waren doppelstöckig und luftig ... Na ja, das war einmal. Ich darf nicht daran denken, sonst muss ich heulen! Es war besser und schöner, VERDAMMT NOCHMAL!
Aber Auch Torcello war anders, ursprünglicher, dem Leben der Lagune angepasst. Klar, hier ist das `Cipriani´, ein Spitzen-Speiselokal, wo das Essen so gut schmeckt soviel es kostet. Und es kostet viel, ist es aber wert. Vielmehr: War es wert, ich hatte ja diesmal keine Gelegenheit und kein Geld um mein positives Vorurteil zu bestätigen. Das Lokal hatte geschlossen (Ruhetag?) und ich hatte kein Geld, siehe das vorhergehende Kapitel.



Wen interessiert es schon, dass Ernest Hemingway hier einige Zeit wohnte und den Roman "Über den Fluss und in die Wälder" schrieb? Wer liest so etwas überhaupt noch? Torcello ist "renoviert" aber es wird seine Bedeutung nicht erhalten können. Hier gibt es einfach nichts "Außergewöhnliches".
Vor vierzig oder noch mehr Jahren schrieb ich: "Hier ist Marmor der gewöhnlichste Stein, der einem buchstäblich auf Schritt und Tritt, nämlich unter  den Füßen, begegnet."
Nichts ist mehr übrig davon, es wurde aufgeräumt, geglättet. Das beste Beispiel ist die Anlande, siehe das Bild ganz oben.
Der Platz vor der Kathedrale und der Rundkirche Santa Fosca ist noch "unordentlich" wie früher, aber irgendwie hat er an Charme verloren, zumindest für mich.









Man hat den "Attilas Sessel" umgedreht, jetzt sieht man Santa Fosca wenn man sich darauf setzt, früher blickte man in Richtung Kanal, zum Zugang auf den Platz. ... Ich erspare mir weitere Nostalgie.
Die Kathedrale ist ein Museum, für den Kunstinteressierten sehr empfehlenswert, gut beleuchtet, aber: Bitte kein Foto. Es herrschte Dunkel hier, nur von der Sonne erhellt ... Ich werde nicht mehr hier her kommen.


Der Rest ist Schweigen. Die Lagune stirbt. Überall ist Müll angeschwemmt. Man  kann die Natur nicht renovieren. Sie wird sich selbst helfen, gegen die Menschen. Geduld!























































Vor mehr als vierzig Jahren stand vor diesem Haus diese Statue. Sie war, und ist, aus reinstem, weißem Marmor. Ich habe damals eine beinahe identische Aufnahme von diesem Gesicht gemacht. Es war von makelloser Schönheit. So sieht es heute aus.



"Sie haben das Gesicht von Venedig fotografiert." sagte ein junger Italiener zu mir, dem ich das Bild zeigte. Er lebt und arbeitet hier. Er muss es wissen. Traurig, aber wahr!




Donnerstag, 17. Oktober 2013

Souvenirs


Torcello, Keimzelle Venedigs, meine Lieblingsinsel.
Heute ist endlich der Tag der Abreise und ich sitze hier, klammere mich an Erinnerungen und zerre alte Souvenirs hervor. Was ist los mit mir? Hat mich Fridolin Asche endlich eingeholt, Anti-Held meiner Midlife-Crisis? Er war ein Paradebeispiel an Handlungsunfähigkeit, ließ sich von den Ereignissen treiben, wie Müll im schwappenden Gezeiten-hin-und-her auf dem trüben Wasser der Kanäle.
Eigentlich müsste ich ja meinen Koffer packen, aber selbst die Entscheidung was ich mitnehmen soll habe ich noch nicht getroffen. Ist es mein anstehender Geburtstag der mich lähmt? Geburtstage sind keine Tage die ich feiere, man feiert sie für mich, wie wahrscheinlich für jede/n andere/n auch. Gestern war mein Namenstag. ... Es ist der Geburtstag meiner Mutter und, treu einer alten, inzwischen vielleicht vergessenen bayerischen Tradition, wurde ich auf den Namen des Heiligen getauft, dessen Gedächtnis an diesem Tag  gefeiert wird. Das ist der Heilige Gerhard Maiella, kein spektakulärer Wundertäter, ein einfacher Schneider, den seine Mitmenschen aber schon zu Lebzeiten `den Heiligen´ nannten. Ob das als Kompliment gemeint war kann man bezweifeln. Er starb am 16. Oktober 1755. So weit mir bekannt ist, war er nie in Venedig. ...

                         Diesen Krug kaufte ich in einem Antiquitäten-Laden auf Torcello.

Das Haus stand, in einem wunderbar verwilderten Garten, wo Marmorstatuen sich im Gebüsch zu verstecken schienen, hinter dem kleinen Museum, früher der "Bischofspalast" (Bischöfe waren im 5. Jahrhundert wesentlich bescheidener, als der Bischof von Limburg unserer Tage!) vor dem malerisch verstreut zerbrochene Säulen und Kapitelle lagen und ein Marmorstuhl, der Bischofs-Sessel genannt. Man sieht ihn auf dem alten Stich oben. (Im Volksmund heißt er auch Attilas Sessel, es ist allerdings zweifelhaft, dass dieser jemals auf der Insel war.) Damalige Besucher der Insel, also vor 30 und mehr Jahren, ließen sich gern in ihm fotografieren. ...
Ich hoffe sehr, dass sich wenigstens dort nicht viel verändert hat!

Ein kleines Ölbildchen, vom Künstler auf dem Markusplatz verkauft.

Und Venedig? Erst vor ein paar Tagen wurden die ersten Schleusentore eingeweiht, die die Stadt vor den verheerenden Hochwassern schützen sollen. Aber wer schützt sie vor den gigantischen Kreuzfahrt-Schiffen, die mehr Schaden anrichten als jedes Aqua Alta, auch durch ihre unvorstellbaren Mengen an Abgasen? Man kann eine Ertrinkende nicht retten indem man sie an einem Haar aus dem Wasser zu ziehen versucht. Arme zerbrechliche Serenissima!

 Murano-Glas, ein MUSS für jeden Venedigfan!



Ehe ich jetzt endgültig in Depression schwelge, werde ich doch lieber den Koffer packen. Die rote Hose, in der ich in Antalya wie ein Paradiesvogel unter Krähen wirkte, nehme ich auf jeden Fall mit, obwohl ... 
Da fällt mir der ältere Herr aus den USA ein, der an einem Käse-Ausflug in Amsterdam teilnahm und einen zitronengelben Anzug (Jacke und Hose!) trug. Er erregte bei der, wegen der Touristen, in Trachten gekleideten Bevölkerung des Dörfchens großes Aufsehen und Heiterkeit, und als einer der Holzschuhträger schließlich rief: "Excuse me Sir, are you the Yellow Rose Of Texas!?", wollte das Gelächter nicht mehr aufhören. Mir war das peinlich. Dem älteren Herrn auch 
... Ob ich die Hose nicht doch lieber hier lasse? Ich möchte ja nicht von einem japanischen Touristen, die meistens schwarze Anzüge tragen, gefragt werden, ob ich der Storch im Salat bin.

Ein Krug aus Opalglas auf Murano gesehen und gekauft.


Die Zeit läuft, das Gepäck steht bereit. (Die rote Hose ist dabei.)