Endlose Flure sind typische Krankenhausmerkmale. Sie eignen sich vorzüglich zur Erhaltung der Beinmuskulatur bei längeren Aufenthalten. Ihre Wirkung ist aber immer einschüchternd oder sogar beängstigend, finde ich.
"Um elf Uhr ist ihre Operation eingeplant." hatte die freundliche Frau im Glaskäfig gesagt und: "Noch vor dem Mittagessen." hinzugefügt, als wäre das eine besondere Vergünstigung. Es wurde nichts daraus. Das Mittagessen kam um 11:30. Es war genießbar, bis auf das panierte Putenschnitzel. Das war so zäh und trocken, dass ich vermute, dass der Vogel hundertjährig an Altersschwäche verendete. (Frühstück und Abendbrot sind wohl in allen Krankenhäusern gleich. Langweilig. Beim Mittagessen ist zwar der Speiseplan auch sehr ähnlich, aber in Zubereitung und Geschmack kann die Küche des CK der des KH nicht das Wasser reichen! Dem Essen im KH habe ich ein ganzes Kapitel gewidmet, hier breite ich den Mantel des Schweigens darüber.)
Irgendwann kam dann die freundliche Schwester mit dem süßen Akzent und fur mit mir im Aufzug zur OP Ebene. "Mechten Sie noch auf Tolette?" fragte sie während wir auf den Aufzug warteten, und fügte hinzu: "Unten ist keine."
Ich befragte meine Blase, die, wie man weiß, nicht gerade unproblematisch ist und sie gab mir grünes Licht. `Hoffentlich hat sie mich nicht angelogen.´, dachte ich.
Die Vorbereitung zur OP ging zügig vor sich, außer mir wurden noch mehrere andere Patienten "zurechtgelegt". Blutdruck messen, Kanüle für die Beruhigungsspritze legen, mehrmals die Frage nach eventuellen Allergien verneinen, auf meinen Tremor hinweisen, der ja auch den Kopf betrifft ... und schon wurde ein grünes Tuch über mein Gesicht gebreitet: "Keine Angst, es wird Sauerstoff darunter gepumpt." Danke.
Die Operationen, es wurde die Linse heraus genommen und mit einer neuen, aus Kunststoff, ersetzt (Katarakt) und gleich danach ein Kanal für den besseren Druckausgleich zwischen innerer und äußerer Augenkammer gelegt, oder so ähnlich (Glaukom). Man kann das googeln, sollte aber den Abschnitt über eventuelle Komplikationen lieber nicht lesen. Während der ganzen Zeit hielt die Anästhesistin meine rechte Hand, die sie manchmal leicht drückte, was ich als sehr angenehm empfand. Der Chirurg sagte immer wieder: "Schauen Sie ins Licht. Das ist sonst schwierig zu machen" Anscheinend wanderte mein Blick, sofern man das was mein Auge da tat noch so nennen kann. Ich "sah" ja nichts mehr außer Licht". Gottseidank! Das sagte ich, außer dem Gottseidank!, nach dem Eingriff dem Doktor, aber ich glaube nicht, dass er das hören wollte. Mir kam es vor, als habe der ganze Eingriff nur 10 Minuten gedauert, wahrscheinlich irre ich mich da. Auf jeden Fall wurde ich in den Vorraum gerollt, in Sitzposition gebracht und gebeten, mich in einen daneben stehenden Rollstuhl zu setzen. Fünf Minuten später kam schon die nette ... "Kennen Sie aufstehen?" fragte sie. Ich konnte. Sie begleitete mich in den 3. Stock. "Sie finden Zimmer?" ... Und das war´s.
Vielleicht kennt noch jemand außer mir den Film "Ein andalusischer Hund" von Luis Bunuel und Salvador Dali. Er wird nur noch selten in kleinen Programm-Kinos gezeigt und kleine Programm-Kinos werden immer seltener. Es ist ein ungefähr 16 Minuten kurzer, surrealistischer Film, der auf zwei Träumen basiert. Bunuel träumte von einer langezogenen Wolke, die den Mond durchschnitt "wie ein Rasiermesser ein Auge". Ich habe das gegoogelt.
Auf Wikipedia kann man eine Kopie des Films in guter Qualität sehen. Auf jeden Fall hatte ich diese Szene des "Augenschnitts" lebendig vor meinem bandagierten, inneren Auge! Manche Bilder vergisst man eben nie.
Schmerzen hatte ich keine, zumindest nicht am Auge. Später kam allerdings in der rechten, oberen Kopfhälfte ein Schmerz auf, mit leichtem Druck im Auge. Ich bat die Schwester um ein Kopfschmerzmittel. Sie ließ sich den Schmerz beschreiben und sagte, dass sich "die Ärztin das besser einmal anschaut." Die Ärztin war dann ziemlich, ja erstaunlich schnell auf der Station und maß den Augendruck. 60! SECHZIG! Das ist alarmierend hoch! So hoch war er, als ich bei dem Anfall in die Notaufnahme kam. Da hilft nur eines: Kammerwasser ablassen durch Punktion der Vorderkammer. Ich hatte keine Zeit in Panik zu geraten: es piekste zwei mal ein bisschen am Auge, Wasser floss ab und danach war der Druck auf 10 mmHg, also an der unteren Grenze von "normal".
"Manchmal steigt der Druck nach einer Operation." erklärte die Ärztin.
Der Kopfschmerz war weg. Der Druck normalisierte sich dann und blieb im Normwert. Weitere Krisen hatte ich nicht. (Einen Tag später sah ich einen Patienten, dessen Auge sich entzündet hatte. Sein Gesicht sah aus wie für einen Horrorfilm geschminkt!)
Es began die Zeit des Tropfens und Wartens. Jede Stunde je ein Tropfen Antibotikum und ein Tropfen Kortison, zur Vermeidung von Infektionen. Man konnte das Zimmer nicht verlassen, wenn man nicht Gefahr laufen wollte, einmal nicht getropft zu werden. Herr S. nutzte die Zeit indem er Herrn F. in Wortbäder eintauchte. Er redete und redete und redete! Zauberbergfeeling.
Ich lag auf dem Bett und döste vor mich hin. Später spielte ich dann einäugig "Free Cell" auf meinem iPad. Zauberbergfeeling.
Beim Warten auf das Augendruckmessen, 4 mal am Tag, traf man dann immer auf die selben Personen, die am selben Tag operierten worden waren. Man tauschte "Seherfahrungen" aus, zum Beispiel die unterschiedliche Wahrnehmung von Farben mit dem operierten Auge verglichen mit dem nicht operierten. Den Fortschritt des wieder scharf Sehenkönnens ... Zauberbergfeeling.
Ansonsten änderte sich nur der Verband, je nach Pflegerin.
Fortsetzung folgt.
Vielleicht kennt noch jemand außer mir den Film "Ein andalusischer Hund" von Luis Bunuel und Salvador Dali. Er wird nur noch selten in kleinen Programm-Kinos gezeigt und kleine Programm-Kinos werden immer seltener. Es ist ein ungefähr 16 Minuten kurzer, surrealistischer Film, der auf zwei Träumen basiert. Bunuel träumte von einer langezogenen Wolke, die den Mond durchschnitt "wie ein Rasiermesser ein Auge". Ich habe das gegoogelt.
Auf Wikipedia kann man eine Kopie des Films in guter Qualität sehen. Auf jeden Fall hatte ich diese Szene des "Augenschnitts" lebendig vor meinem bandagierten, inneren Auge! Manche Bilder vergisst man eben nie.
Schmerzen hatte ich keine, zumindest nicht am Auge. Später kam allerdings in der rechten, oberen Kopfhälfte ein Schmerz auf, mit leichtem Druck im Auge. Ich bat die Schwester um ein Kopfschmerzmittel. Sie ließ sich den Schmerz beschreiben und sagte, dass sich "die Ärztin das besser einmal anschaut." Die Ärztin war dann ziemlich, ja erstaunlich schnell auf der Station und maß den Augendruck. 60! SECHZIG! Das ist alarmierend hoch! So hoch war er, als ich bei dem Anfall in die Notaufnahme kam. Da hilft nur eines: Kammerwasser ablassen durch Punktion der Vorderkammer. Ich hatte keine Zeit in Panik zu geraten: es piekste zwei mal ein bisschen am Auge, Wasser floss ab und danach war der Druck auf 10 mmHg, also an der unteren Grenze von "normal".
"Manchmal steigt der Druck nach einer Operation." erklärte die Ärztin.
Der Kopfschmerz war weg. Der Druck normalisierte sich dann und blieb im Normwert. Weitere Krisen hatte ich nicht. (Einen Tag später sah ich einen Patienten, dessen Auge sich entzündet hatte. Sein Gesicht sah aus wie für einen Horrorfilm geschminkt!)
Es began die Zeit des Tropfens und Wartens. Jede Stunde je ein Tropfen Antibotikum und ein Tropfen Kortison, zur Vermeidung von Infektionen. Man konnte das Zimmer nicht verlassen, wenn man nicht Gefahr laufen wollte, einmal nicht getropft zu werden. Herr S. nutzte die Zeit indem er Herrn F. in Wortbäder eintauchte. Er redete und redete und redete! Zauberbergfeeling.
Ich lag auf dem Bett und döste vor mich hin. Später spielte ich dann einäugig "Free Cell" auf meinem iPad. Zauberbergfeeling.
Beim Warten auf das Augendruckmessen, 4 mal am Tag, traf man dann immer auf die selben Personen, die am selben Tag operierten worden waren. Man tauschte "Seherfahrungen" aus, zum Beispiel die unterschiedliche Wahrnehmung von Farben mit dem operierten Auge verglichen mit dem nicht operierten. Den Fortschritt des wieder scharf Sehenkönnens ... Zauberbergfeeling.
Ansonsten änderte sich nur der Verband, je nach Pflegerin.
Fortsetzung folgt.




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