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Donnerstag, 7. April 2016

"Morgen ist alles vorüber ..."




Na ja, nicht "Alles", aber die Zeit der Reha. Eine "gute" Zeit, das steht fest. Nicht immer eine "angenehme" Zeit, was die Therapien betrifft, einiges war schmerzhaft, auch noch in den Nachwirkungen, z. B. Muskelkater, aber im Endeffekt dann sehr hilfreich den Körper wieder in die richtige Spur zu leiten. Wahrscheinlich hätte "die Natur" das auch irgendwie geschafft, was ich ja in den Tagen nach dem Schlaganfall bemerkte, als ich mich zum Gehen zwang, aber sicher hätte mein Körper immer den leichtesten Weg gesucht und die weniger gute Lösung gefunden und gewählt.

Dass man Körperwahrnehmung erlernen kann, und dabei wirklich mehr "spürt" was das Körperliche ausmacht, wäre mir vorher nie in den Sinn gekommen. Schon deswegen hat es sich gelohnt die Zeit und Geduld zu investieren. Manchmal erreichte ich wirklich die Grenzen meiner Kraft, nur um beim nächsten Termin festzustellen, dass ich etwas dazugewonnen habe.
Ausdauer ist gefragt und Disziplin sich selbst gegenüber. Eine Gruppe ausfallen zu lassen, weil man eben mal zu faul ist oder sich gerade so gut unterhält, schmälert den Erfolg.
Die Therapeuten machen immer darauf aufmerksam, nicht über die eigenen, dem Körper zur Zeit zur Verfügung stehenden Möglichkeiten hinauszugehen, aber wenigstens zu versuchen die Körperpartien die es mitmachen einzusetzen, um so wieder das Hirn zu erinnern, dass da noch etwas getan werden muss. Mein linkes Bein lernt immer noch, aber meistens merke ich das gar nicht mehr. Tag für Tag kommt die Normalität zurück und dafür bin ich dankbar.




























Das Bild ist von gestern. Seit heute bin ich "frei". Und ich merke, dass mir etwas fehlt: die Gemeinschaft der Betroffenen. Anders kann ich es nicht nennen. Zu wissen dass die anderen das selbe erlebt haben, die meisten viel mehr und folgenreicher als ich, gab mir ein Gefühl der "Geborgenheit" im Mitgefühl. Ich weiß jetzt, warum sich Menschen mit den selben Symptomen zu Selbsthilfe-Gruppen zusammenschließen. Jeder von einem Leiden oder einer Behinderung heimgesuchte kennt das wohlgemeinte: "Ja, ich kann mir das vorstellen." von nicht Betroffenen und weiß, dass das nur leere, "gutgemeinte" Worte sind. Vorstellen ist nicht erleben. Da ist ein: "Das muss ja schrecklich sein." einfühlsamer als eine lapidare, gedankenlose Trostfloskel.
Und noch etwas wird mir fehlen: das zwanglose Essen mit einem Löffel aus einer Schüssel.
Ich hatte ein Bild meines Reha-Mittagessens in eine "normale" Facebook Gruppe gestellt und bekam prompt als Reaktion: "Das Essen sieht ja gut aus, aber aus einer Schüssel essen finde ich nicht gerade prickelnd." 
Prickelnd finde ich das auch nicht, aber Notwendigkeit ist selten prickelnd.


Wie geht es jetzt weiter? Den Bericht der Reha-Klinik habe ich gestern gleich bei meinem Hausarzt abgegeben. Es werden weiterführende Krankengymnastik und Ergotherapie darin empfohlen. Dass ich diese brauche ist mir klar. Noch ist meine Gangart unsicher weil es mir an Kraft in den Beinen und der notwendigen Balance fehlt. Die Schmieder Klinik hat auch eine unabhängige aber integrierte Ambulanz, in der ich die Anwendungen bekommen und dort auch die selben Geräte benutzen kann, die ich schon kenne. Für 5.50 € bekomme ich dort auch ein Mittagessen in der Schüssel ...
Am Montag Nachmittag habe ich einen Termin beim Hausarzt.
Ich bleibe dran und melde mich wieder!



Dienstag, 23. Februar 2016

Reha - Bringt das was?


Aus dem Loch, in das ich fiel als ich den Schlaganfall hatte, muss ich herauskommen, das ist klar. Nachdem ich aber wieder einigermaßen "unbehindert" gehen konnte, war die erste Hürde zur Normalität schon genommen. `Brauche ich also überhaupt Reha?´ fragte ich mich.
"Rehabilitation", das hört sich so nach `etwas Bösem bezichtigt werden und nun das Gegenteil beweisen müssen´ an. Wem soll ich denn beweisen dass ich "der Alte" bin, der vor dem Schlaganfall?
Die Antwort ist ganz einfach: Mir selber!
Letzten Donnerstag war der erste von 15, von der Krankenkasse bewilligten, Rehatagen. Dabei ging es allerdings nur um das Kennenlernen des Hauses und seiner Einrichtungen, sehr großzügig angelegt und gut überschaubar, und um die ärztliche Untersuchung. Diese war sehr gründlich und fallbezogen. Ich war sehr zuversichtlich danach und durfte dann wieder nach Hause. Dabei stellte ich fest, dass ich, wenn ich den Heimweg zu Fuß mache, 127 Stufen nach oben und 182 Stufen nach unten gehen muss. Stuttgart ist nun einmal eine "Stäffelestadt"! Insgesamt sind es 2 ½ Kilometer, die schaffe ich, trotz derzeitigem Handicap, in 20 Minuten. Morgens fahre ich allerdings mit dem Bus, sonst komme ich k o in der Klinik an, weil es dann ja 182 Stufen nach oben wären!
Am Freitag ging es dann gleich zur Sache. Die Anwendungen sind breit gefächert, von psychologischer Unterstützung, von der ich nichts halte, bis zur Klärung von sozialen Fragen. So erfuhr ich heute bei der Beratung, dass ich keinen Anspruch auf einen Behinderten-Ausweis habe, so lange ich noch so selbstständig für mich sorgen kann, wie es derzeit der Fall ist. Na, ehe ich meine Freiheit aufgebe, verzichte ich gerne auf die Vergünstigungen eines Schwerbehinderten!



































Das ist der Behandlungsplan für drei Tage dieser Woche. "Sperrzeit" ist die Zeit vor dem ersten Termin, die man zur Anreise nutzen kann/muss. Das sind bei mir ca. 20 Minuten, je nachdem wie ich den Omnibus erwische. Zu Fuß brauche ich auch 20 Minuten. "Mobilisierung" bedeutet das Nutzen von Krafttrainings-Geräten, in die man einmal eingewiesen wird und die man dann im "Eigentraining" bedient. Bei mir sind das Geräte zur Balance-Stabilisierung, Stärkung der Beine, Arme und des Rückens und zur Erhöhung der Ausdauer.  Die meisten Geräte kenne ich schon vom Krafttraining aus meiner jüngeren Vergangenheit. (Siehe die Kapitel über Kieser-Training.) Nur das "Balance-Brett" ist mir völlig neu.
Übrigens musste ich mir neue "Turnschuhe" kaufen (54.99 €, reduzierter Preis.) Auch die Hose ist neu. (Jetzt bin ich am Überlegen ob ich, nach Abschluss der Reha, nicht wieder zu "Kiesern" anfangen soll. So gerät man ganz nebenbei in einen Teufelskreis!).



Die einzelnen Therapie-Sitzungen dauern meist eine halbe Stunde. Viele, ja, die meisten, sind körperlich anstrengend. (Ich hatte schon seit Jahren keinen Muskelkater mehr, jetzt weiß ich wieder wie unangenehm er ist!) Es gibt aber auch Übungen am PC: Zur Ermittlung des Reaktionsvermögens, des Gesichtsfelds, der Assoziation und so weiter. Andere betreffen die Feinmotorik der Hände. Da der essentielle Tremor allerdings keine solche zulässt, wurden diese Übungen aus meinem "Stundenplan" gestrichen und durch "Beinarbeit" ersetzt.
Es ist also nicht so, dass man da 15 Tage lang faul herumsitzt und aufs Mittagessen wartet. Das gibt es übrigens von 12 - 13 Uhr. Es gibt 2 Menüs, eines vegetarisch, Veganer können einen großen Salatteller bekommen. Das Essen ist, für meinen Geschmack, sehr gut! Es wird in der eigenen Kantine gekocht, in die man bei der Essenausgabe Einblick hat. Hier möchte ich auch gleich einmal ein ganz großes Lob an das gesamte Personal aussprechen. Nichts von der Ruppigkeit mancher Pfleger/innen im Krankenhaus! (Wobei dort die mit Migrationshintergrund die angenehme Ausnahme bildeten!) Aus Rücksicht auf meinen Tremor, werde ich zum Essen begleitet, man trägt mein Essen (wenn sonst niemand da ist, macht es der Küchenchef persönlich), das ich auf meinen Wunsch hin in einer Schüssel serviert bekomme, an den Tisch an dem ich sitzen möchte. Das ist meist einer an dem sonst niemand sitzt. Stress vermeiden ist ein Prinzip hier! Zwar wird das Umfeld des Gebäudes zur Zeit neu gestaltet, aber zum Glück hält sich der Baulärm in Grenzen.





























Wie aus dem Wochenplan ersichtlich ist, habe ich morgen eine "Externen Arzttermin". Das heißt, dass ich morgen das Gerät zur 24 Stunden Messung von Herz und Blutdruck beim Kardiologen angelegt bekomme. Der Termin ist um 8:45 Uhr. Da lege ich jetzt eine Pause ein und gehe schlafen. Ich bin kein freudiger Frühaufsteher ...







Samstag, 14. November 2015

Der Löffel




Wie kann ich ihn abgeben, wenn ich gar keinen bekomme?! Sogar in Wikipedia steht, (siehe oben) dass er, der Löffel, zur Nahrungsaufnahme dient.
Aber bekomme ich ihn in jedem Restaurant automatisch zum Besteck? Fehlanzeige!
Der Löffel, wohl eines der Grundhandwerkzeuge menschlicher Esskultur, ist nur noch ein Beiwerk auf dem Tisch geworden!
Wer einen Löffel haben möchte, weil er ihn braucht, sollte nicht öffentlich essen gehen, es sei denn er isst eine Suppe! Sonst bekommt er keinen Löffel.


Ich leide unter essentiellem Tremor. Das heißt, dass ich zittere und dieses Zittern nicht kontrollieren kann. Wenn ich ein "Ess-Werkzeug", eine Gabel oder einen Löffel zum Mund führe, wird das darauf befindliche Lebensmittel durch den Tremor von dem Werkzeug geschleudert. Bei einer Gabel ist das problematischer als bei einem Löffel. Da bleibt wenigstens noch etwas darauf, wenn das Werkzeug am Mund ankommt.
Warum bekommt man in Restaurants keinen Löffel mehr, wenn man keine Suppe bestellt?
Warum muss ich um einen Löffel bitten, und dadurch auffällig werden? Soll ich mich mit einem "Ich leide unter essentiellem Tremor" Schild kennzeichnen? Warum kann man nicht jedem Besteck auch einen Löffel beigeben!
Sorry, das musste einmal gesagt werden!
Und sollte es um die Befüllung der Geschirrspülmaschinen gehen, dann bezahle ich gern 0,1 Cent mehr!
Übrigens heißt es nicht umsonst: "den Löffel abgeben" wenn es ums Sterben geht ... Rührt daher die kollektive Angst vor dem Löffel?

Dienstag, 21. Juli 2015

Wie es mir geht?


Eben habe ich gelesen, dass Monica Lierhaus in einem Interview sagte, dass sie, hätte sie gewusst was nach der Operation eines Aneurysmas auf sie zukomme, nämlich totale Behinderung, dann hätte sie sogar den Tod auf sich genommen, anstatt das Leben ganz von vorn wieder beginnen zu müssen. Für diese Äußerung wird sie von vielen Behinderten angegriffen. Sie habe Behinderten damit einen Bärendienst erwiesen und deren Lebenswert in Frage gestellt.
Darf ein Mensch seine Meinung äußern? Darf er/sie/es nicht, wenn sie "öffentlich bekannt" ist/sind? Darf ich meine Behinderung überhaupt thematisieren? Oder lieber nicht? Einfach so tun als wäre da nichts? Gehe ich damit meinem Umfeld auf die Nerven?
Es gibt Menschen die denken, dass Behinderte einfach "zu viel aus ihrer Behinderung machen", sich zu sehr damit beschäftigen, "das Ganze lockerer sehen müssten".
Das sind Menschen ohne Behinderung.
So habe ich früher auch gedacht.
Niemand ohne eigene Erfahrung mit einer Behinderung kann sich in die Psyche eines behinderten Menschen hineinversetzen, und wenn sie auch noch so sehr beteuern, "dass ich das verstehe". Mit einer Behinderung zu leben ist außerhalb des Verstandes eines Unbehinderten. Da hilft auch keine psychologische Schulung. Aber um das zu erkennen, muss man behindert sein. Jeder behinderte Mensch der damit leben muss, dass sein Umfeld die Behinderung erkennt, weiß dass er dafür "angesehen" wird. Ganz egal wie "tolerant" sich die Menschen geben, sie sehen die Behinderten mit anderen Augen an, als die Nichtbehinderten. Und diesen Blick "spürt" man als behinderter Mensch. Und mit diesem Spüren muss man leben. Das ist nicht einfach.
Ich habe ja "das Glück", dass meine Behinderungen nicht offensichtlich sind, es sei denn, dass man sich wundert, dass ich sogar Nachts eine Sonnenbrille trage und dass ich in Restaurants immer dunkle, dem "Publikum" abgewandte Plätze suche. Dass ich Licht nicht mehr ertrage liegt an einer verunglückten Augenoperation gegen Grauen Star, die völlig unnötig war! und einem Glaukomanfall, der verhindert werden gekonnt hätte, wäre das betroffene Auge rechtzeitig behandelt worden. Aber damit kann ich inzwischen leben, wenn auch eingeschränkt, es bleibt mir nichts anderes übrig.
Mein weitaus größeres Problem ist der essentielle Tremor für dessen effiziente Behandlung mit Medikamenten es keine Lösung gibt. Das bedeutet, dass ich nichts zum Mund führen kann, Tasse, Glas oder Besteck, ohne dass der Inhalt, das Getränk, das Essen, unweigerlich verschüttet oder verschleudert werden. Ich empfinde es als demütigend. Und wenn mir Andere beim Essen zusehen, (Kinder können das ja besonders "unauffällig.) dann steigert sich der Tremor bis hin zur Lähmung, denn nur in der Ruhighaltung der Hände ist er nicht aktiv.
Wie erlebt das mein Umfeld? Die Einen zeigen ganz offen auf mich und lachen. "Kuck Dir den Alki an." Andere sehen schnell weg, wenn ich mit ihnen Augenkontakt bekomme.
Und wie fühle ich mich dabei? Soll ich mich mehr und mehr selber ausgrenzen? Muss ich das nicht, wenn ich überhaupt noch überleben möchte?
Das einzig wirklich wirksame Mittel, das den Tremor stark reduziert, ist Alkohol. Das ist klinisch bewiesen. Aber eine "Lösung" ist das nicht. Danach ist er wieder da.
Ich trinke jetzt immer ein Viertel Wein zum Essen, so bekomme ich es wenigstens in den Mund und nicht nur auf das Tischtuch.
Es geht mir gut ...

Mittwoch, 22. April 2015

Schwäbische Spezialitäten


Es geht ums Essen, das gleich als Vorabinformation. Speziell um Maultaschen und "Saure Kuttlâ". Also Maultaschen bekommt man beinahe in jedem Lokal in Stuttgart und Umgebung, außer beim Thailänder, oder Lebanesen. Obwohl ich glaube, dass jede Küche irgend etwas ähnliches anzubieten hat.
Weil ich neulich einmal den "Kächele" testen wollte, der Maultaschen to go, oder auf die Hand, wie er das nennt, anbietet, schlenderte ich zur Calwer-Passage, wo er ansässig ist.

Nachdem er auf Facebook eifrig Reklame macht, ist er leicht zu finden. Ich machte ein Foto, siehe oben, und trat an die Glasvitrine, in der einige Variationen des Maultaschen-Menues ausgestellt sind. "Das Auge isst auch mit". Ehrlich gesagt verging meinem Auge der Appetit beim Aussehen des Dargebotenen. Die auf den Tellerchen angerichteten Variatonen sahen aus, als hätten sie schon mehrere Tage Zeit gehabt um auszutrocknen, wobei der Kartoffelsalat alle Schattierungen von gelb aufwies. Trotzdem wollte ich der Lokalität eine Chance geben, weil ich ganz einfach Hunger hatte. Im dunklen Hintergrund der Theke standen drei Damen beieinander und berieten sich. Ich versuchte Augenkontakt aufzunehmen, was mir mit einer der Diskutantinnen auch kurzfristig gelang, zumindest hatte ich den Eindruck. Er trog. Wie gesagt: ich hatte Hunger, also ging ich.
Was nun? Maultaschen strich ich für diesen Tag von meinen Begehrlichkeiten. Als Kind und Jugendlicher aß ich fürs Leben gern Schinkennudeln mit grünem Salat. ...
Einen Augenblick spielte ich also mit dem Gedanken zu "Gosch" nebenan zu gehen und Thainudeln mit Shrimps zu essen. Die kenne ich aus der Filiale im Hauptbahnhof. Aber das war mir dann doch zu maultaschenfern. ...
Vielleicht würde ich im "Paulaner" Schinkennudeln bekommen? Der liegt gleich um die Ecke. Ich schlenderte also hin. Es war der bisher  heißeste Tag des Monats, deshalb bot sich Schlendern an.
Der Andrang war groß.





























Auf der Karte fand ich nichts, das meinen Gaumen kitzelte. Schinkennudeln gibt es dort gar nicht. ...
Die Calwerstraße lud zum Schlendern ein, auf der Schattenseite, und ich beobachtete viele Menschen beim Essen, was meinen Hunger noch steigerte!




























Und plötzlich dachte ich an saure Kutteln mit Bratkartoffeln! Keine Ahnung warum! Mir lief das Wasser im Mund zusammen!! Wann hatte ich zuletzt diese, eine meiner Leibspeisen, gegessen? Das muss Ewigkeiten her sein!. Das Einzige das diesem Gericht nahe kommt, und das ich zeitnah selbst gekocht und verzehrt hatte, sind saure Kartoffelrädle.
Aber wo bekommt man in Stuttgart noch saure Kutteln? Mein Magen erinnerte sich an die "Arche", dort gab es die Besten, nachdem das "Marktstüble" geschlossen hatte und umgebaut wurde. Also auf zur "Arche"!


Mit dieser Adresse verbindet sich eine andere, weit zurück liegende Erinnerung. In den 50er Jahren war das ein Hotel (Ob es heute noch eins ist? Muss mal googeln. Tatsächlich!) in dem ich einmal übernachtete, als ich sehr früh zum Zug nach München musste, damals wohnte ich noch in Waldenbuch, um auf dem dortigen General-Konsulat die Papiere für die Auswanderung nach USA abzuholen. (Dort wurde mir zum ersten Mal in meinem Leben Blut abgezapft. Mir wurde schwarz vor Augen und ich musste den Kopf zwischen die Knie hängen, damit der Kreislauf wieder in Ordnung kam. Geht mir heute übrigens immer noch so.) Jetzt gehören Hotel und Restaurant einem griechischen Ehepaar, zumindest liest sich der Name griechisch. Es gibt viele gute Speisen auf der Karte, nicht gerade im Niedrigpreis Segment, aber Kutteln sind nicht dabei. Ich fragte im Lokal nach, ob man sie vielleicht noch manchmal, so als Tagesessen, zubereite. "Leider nicht." sagte die nette, hübsche junge Frau. (Nach Spinat mit Bratkartoffeln und Spiegelei, immer saugut!, wagte ich nicht mehr zu fragen.) Aber sie gab mir den Rat, es im "Marktstüble" gegenüber zu versuchen.







Damit war ich wieder tief in Nostalgie eingetaucht! Ach ja ... Sagt Heutzutage noch irgend jemand: Zu meiner Zeit? Zu meiner Zeit sagten das ältere Menschen statt: Früher. Man könnte auch sagen: Als die Vergangenheit noch Zukunft war ... Aber ich schweife wieder einmal ab.
Zu meiner Zeit war das Marktstüble noch genau das: ein "Stüble", klein, weiß gestrichen, ohne Schnörkel, aber mit Schwäbischen Spezialitäten vom Feinsten! Ich will hier nicht die Speisekarte aufzählen, die war sowieso nicht lang, aber durchweg genießbar. Und wenn ich genießbar sage, dann meine ich: Alles war ein Genuss! Eben auch die sauren Kutteln. Die waren richtig geschnitten, es gab da keine "Flecken" drin. An den Geschmack darf ich gar nicht denken, sonst triele ich auf die Tastatur! Die Bratkartoffeln waren himmlisch ... Apropos himmlisch. Da fällt mir etwas ein.
Betrieben wurde das Lokäle von einem Ehepaar mittleren Alters, er kochte, sie servierte. (Darf man überhaupt noch "bedienen" sagen, wenn es um das Auftragen von Speisen geht und nicht um das in Gang halten einer Maschine?) Es gab noch eine Küchenhilfe und eine zweite Speisenauftragerin, die sich mit der Chefin abwechselte.
Mindestens einmal in der Woche ging ich dort hin. Nachdem es wieder einmal die vorzüglichsten sauren Kutteln gegeben hatte, bat ich die Chefin dem Chef auszurichten, dass er wie ein schwäbischer Gott koche.
"Da ist ein Gascht der sagt Du kochscht wie ein schwäbischer Gott!" rief sie quer durch den Raum in die Küche.
"Was hat der denn gegessen, a Paar Saitenwürschtla?!" kam die nicht gerade freudige Frage von dort.
"Nein, saure Kuttla!"
Diesmal entstand eine kurze Pause, dann rief er, mit Anerkennung in der Stimme: "Dann war's a Kompliment!" Ach ja, zu meiner Zeit ...
Zurück in die Zukunft.
Auf der Speisekarte stand wirklich eine "Saure Kutteln Terrine mit Bratkartoffeln". Beim Preis von zehn €uro dreißig stutzte ich zwar kurz, (drei Mark fünfzig kostete das) hielt es dann aber für einen Druckfehler, kann ja mal passieren.
Wetterbedingt saßen die meisten Gäste draußen. Ich suchte mir drinnen einen Tisch in der hintersten Ecke. Das tat ich vorsichtshalber meines Tremors wegen. Es gelingt mir ja nicht einmal etwas auf einer Gabel, das nicht fest aufgespießt ist, zum Mund zu führen, ohne dass es wieder herunter geschüttelt wird und überall landet, nur nicht mehr auf dem Teller. Wie sollte das mit einer quasi Suppe gehen? Es war eine Katastrophe! Tisch und Tellerrand sahen nach dem Essen aus (ein paar mal wollte ich aufgeben) als wäre ein Meteorit eingeschlagen!!
Leider waren die Kutteln versalzen, der Geschmack auf salzig reduziert. Und es waren "Flecken" drin.  Kartoffeln sind Heutzutage sowieso ein Problem, manche schmecken einfach muffig. Der Preis war kein Druckfehler.
Um einige Illusionen ärmer und ein paar Erfahrungen reicher schlenderte ich nach Hause. Saure Kutteln werde ich wohl nicht so bald wieder essen.
Aber dem "Kächele" gebe ich noch eine Chance.

Freitag, 13. Juni 2014

Abflug - Bye bye Istanbul


Wie lang mag wohl das Flughafengebäude vom Atatürk Airport in Istanbul sein? Vielleicht kann man das ja googeln, aber ich schätze mal mehr  als 500 Meter. Und Gate 325 ist so ziemlich am Ende.
Wird Stuttgart so eingeschätzt?
Ich ging sicher, oder zumindest gefühlt, 10 Minuten, zuerst noch oben und dann eine Treppe tiefer. Es gab natürlich diese Personentransportbänder, aber ich bin nun einmal ein eingefleischter Fußgänger. Der lange Weg hatte den Vorteil, dass kurz nach meiner Ankunft am Gate zum Boarding aufgerufen wurde. Extra Busse gab es für die Business Class nicht. Ich nahm den zweiten Bus, der erste war gnadenlos voll. Hatten die Leute alle Angst, dass sie zurück gelassen würden? Oder dass ihr Platz fremdbestzt würde, von annektierenden Russen? 
Mein Platz war frei, dritte Reihe, rechts, wenn man reinkommt, links wenn man sitzt, Fenster, wie bestellt. Einziger Nachteil: hinter mir ging ohne wesentlichen Übergang, außer einem Vorhang, der nach dem Start zugezogen wurde, die Economy Class los und der Mann der den Platz hinter mir bekommen hatte, war gar nicht damit einverstanden, dass ich, quasi, in seinem Schoß schlief, als ich die Rückenlehne kippte. "Sein" Fenster war plötzlich auch noch meins … er trat und rüttelte an meinen Sitz ziemlich ausdauernd und ich ignorierte ihn hartnäckig. Ansonsten verlief der Flug ruhig.





















































Eigentlich bin ich nicht Business Class tauglich. Nicht nur weil ich Jeans mit Hosenträgern trage und einen Rucksack, wenn auch von Samsonite als "Kabinengepäck" mitbringe. Es ist übrigens ein eigens für den Transport von mobilen Kommunikationsgeräten konzipiertes "Backpack". Laptop und iPad, oder anderes Tabloid, haben ein extra Fach, das direkt am Rücken des Trägers aufliegt, von den Tragegurten noch extra gesichert, so dass niemand einfach mal kurz einen Reißverschluss aufmachen darf um sich zu bedienen.
Ich hatte ja keine Ahnung, dass da ein veritabler Küchenchef, komplett in Weiß, mit Mütze, mitfliegen und dann auch noch servieren würde! Schon das heiße Tuch, das er mir mit einer Zange reichte, bei der ich seltsamerweise an Geburtshilfe, nicht ans Grillen, denken musste, irritierte mich. Ich war ja intensiv mit Fotografieren beschäftigt und fühlte mich gestört durch das plötzlich neben meinem Gesicht baumelnde, dampfende Stück Frotté, das mich an ein Teil gerupfte Hühnerhaut erinnerte. Es war übrigens sehr angenehm, als ich mein Gesicht hineindrückte, als wäre es das Schweißtuch der Veronika. Dann wurde die Menuekarte gereicht, während unter mir Istanbul endgültig weit zurück blieb. Fabelwesen stiegen auf und rückten alles ins Märchenhafte. Zum Beispiel das Krokodil aus dem Meer …




















































































Aber während all diese Fabelwesen und schöne Aussichten vorbeizogen, nahm mir der Chef das Tuch ab und überreichte das Menü. Das lenkte mich von der Aussicht ab und ich bedauerte, dass ich im Lounge so viel gegessen hatte. Na ja, richtig bedauert habe ich es nicht, dafür war das Essen einfach zu gut!































































Das Angebot überwältigte mich und ich entschied mich schließlich für den gegrillten Schwertfisch, obwohl ich eigentlich dagegen bin, dass sie gefangen werden. Aber dieser war ja schon tot ... Dann blamierte ich mich, weil ich nicht nur die Vorspeisen gleich wegputzte, sondern auch die "Käseplatte" und den Nachtisch und es war mir richtig peinlich, als der Chef sagte: "Jetzt kommt aber noch der Hauptgang." Es schmeckte alles vorzüglich und danach gab es wieder ein heißes Tuch ... Ich entschied mich spontan, in Zukunft nur noch Turkish Airlines und Business Class zu buchen.





























Wie gesagt, das ist nur die Vorspeise, in der vorderen Reihe und der Nachtisch im zweiten Rang. Kurz überlegte ich, ob ich die Pfeffer- und Salzstreuerchen und das Spezial Olivenöl mit Zitrone, für den Salat, einstecken sollte als Souvenir, aber das ließ ich dann bleiben und den Wunsch, den Chef das Menü signieren zu lassen, ließ ich auch fallen. Man bedachte mich sowieso schon mit Blicken, die fragten: Haben Sie auch wirklich Business Class gebucht, oder sind Sie ein raffinierter Schwarzflieger.



Also fotografierte ich noch ein paar Wolken und einen nicht enden wollenden Fluss, von dem ich annehme, dass es die Donau ist, lehnte mich zurück, sehr zum Missfallen meines Hintersitzers, genoss den großzügigen Fuß- Beinraum und schlief bis die Maschine in Sinkflug ging und unter uns die typisch deutschgeordnete Landschaft auftauchte.


































































Ich war der Erste aus der Maschine und auf dem Klo im Ankunftgebäude. Durch die Passkontrolle war ich immerhin noch der Zweite und mein Koffer kam als dritter aufs Band gekullert.
Willkommen in Stuttgart!

Viel ist, so auf den ersten Blick, nicht übrig geblieben von drei Wochen Istanbul, aber da sind ja noch die Bilder im Hinterkopf, und auf dem PC, und die Erinnerungen ... Es war schön!


Montag, 21. April 2014

Klinikessen

Um es erst gar nicht zu Missverständnissen kommen zu lassen, weil jetzt manche denken könnten, da kann ja nichts Gutes kommen: Ich war begeistert davon. Zumindest vom Mittagessen. 



Frühstück und Abendbrot gestaltete ich mir ja sowieso eher spartanisch, also ohne Marmelade oder Käse, dafür mit fettarmen Milchprodukten und Obst. Apropos Obst. Irgendwie schien mir die Person die das Obst zuteilte ein bisschen verwirrt zu sein!















Dieser "Apfel" braucht dringend eine Rasur!














Und die "Banane" bedarf der Krümmung!


Aber das habe ich verkraftet, ohne mich zu beschweren. Eine Kiwi mit einem stumpfen Messer zu schälen ist übrigens eine Herausforderung. Man merkt dabei erst so richtig, wie saftig diese Frucht ist!
Aber jetzt zum Mittagessen. Jeden Tag gab es etwas nach meinem Geschmack, das ist schon positiv zu bewerten. Erbseneintopf, zum Beispiel, mit Saitenwürstchen. Ein bisschen skeptisch war ich da schon und hielt meine Erwartung niedrig. Welch eine Überraschung! Die Erbsen zart und noch mit leichtem "Biss" und das ganze wunderbar gewürzt, mit einer leichten Schärfe, aber nicht versalzen! Ich gab, gedanklich, sofort 5 Sterne!!





























Nach diesem gelungenen Auftakt dachte ich mir: Na ja, das war bestimmt die Ausnahme. Morgen wird es wohl das Gegenteil sein. Man stellt sich ja gern negativ ein, wenn man im Krankenhaus ist. Warum eigentlich? Die Enttäuschung blieb am nächsten Tag aus! Donnerwetter, dachte ich, zwei Ausnahmen hintereinander, gratuliere!















Vorher ...
















... Nachher


Die Bilder sprechen für sich selbst, denke ich. Im Geist küsste ich dem Kochpersonal die Hände! Auch wenn ich mich wiederhole, muss ich wieder die Würzkunst hervorheben. Beim Warten kam die Rede auch manchmal auf das Essen und der Tenor bei diesen Gesprächen war immer das Thema "Salz". Alle fanden es zu wenig. Ich nicht! Salz trägt nur zum Geschmack einer Speise bei, wenn es sparsam eingesetzt wird, ist meine Meinung. Wenn man das Salz schmecken kann, ist das Gericht nur noch Salz mit Beilage. Nochmal ein Kompliment an die Küche, die dies vermied!
















Montag
















Dienstag


Eigentlich hatte ich auch noch Mittwoch und Donnerstag eingeplant, vielmehr war mir das vom Arzt so in Vorschau gebracht worden. Auf das Essen hätte ich mich da freuen können.
Aber am Dienstag Nachmittag war es vorbei mit meinem Einzeldasein im Zweibettzimmer. Ich bekam einen "Zimmergenossen", oder wie man auch immer dazu sagen möchte. Ein großer, dicker Mensch mit lauter Stimme, der sich sofort auf die Toilette zurück zog und dort ... es war nicht leise, was er von sich gab!
"Das war jetzt dringend nötig!" röhrte er und reichte mir die Hand zum Gruß.
Ich hatte gerade auf dem iPad in der Mediathek von 3sat die "Arabella" bis zu "Mein Elemer" gehört und gesehen und  jetzt das! 
Und dann verkündete mein fröhlicher, lauter neuer Bekannter: "Heute Abend kommt ja Fußball!! Hoffentlich funktioniert der Fernseher!!"
Die nette Pflegekraft, die mich an jenem Abend (vor wie vielen Monden?) fragte: "Warum zittern sie?", hatte mir gesagt, sie nahm sich Zeit für ein Gespräch, dass die meisten Patienten bei der Ankunft auf Station fragen: "Wann gibt es Essen?" und "Funktioniert der Fernseher?"
Fußball! Ich? Fußball im Fernsehen!
Ich suchte ohne Verzögerung den Pfleger vom Dienst auf und bat um meine sofortige Entlassung. Sie wurde mir gewährt, wenn auch mit schlecht verhohlenem Unmut von Seiten des Arztes. Egal, nur weg von hier!
Es interessierte natürlich auch niemand, dass ich in Gegenwart einer zweiten Person, einem Fremden, nicht in der Lage sein würde etwas zu essen, oder auch nur ein Glas Wasser zu trinken. Mein Tremor interessierte niemand. Dass ich einfach Glück gehabt hatte, so lange alleine in einem Zimmer sein zu können, wurde mir erst jetzt bewusst. Was hätte ich getan, wenn ich von Anfang an ... Na ja, es war ja nochmal gut gegangen.
Man gab mir Tropfen mit, nebst Anleitung wann sie anzuwenden sind und ich stand schneller an der Bus Haltestelle als ich für möglich gehalten hätte. Einen Termin für eine abschließende Begutachtung durch den Chefarzt bekam ich auch noch. Für den 30. April. Vorher kann ich nicht, wegen der Ankunft der neuen Katzen in M'dorf am 24.
Als ich mich am Abend dieses Dienstags in mein Bett legte um ohne Fernsehgeflimmer zu schlafen, schaltete ich, aus Neugier, ob das Fußballspiel schon "gelaufen" sei, mein Gerät kurz ein. Es war so um die 22 Uhr. Die zweite Halbzeit wurde live übertragen. Vom Spiel waren gerade mal 54 Minuten vorbei. 54 von 90!
Ich lobte Gott und schaltete das Gerät ab. Der Schlaf fand mich prompt.

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Tischgesellschaft auf San Giorgio


Egal wohin man geht in Venedig, man findet immer etwas zum Essen. Vom teuersten Restaurant bis zum primitivsten Kiosk ist alles vertreten. Wie gut man dort isst ist allerdings nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern des Geldbeutels, wobei der Geschmack oft auch dort zu wünschen übrig lässt, wo man tief in den Geldbeutel greifen muss. 
Gestern war ich auf Torcello, ich werde dem Besuch noch ein, verdientes, Extrakapitel widmen, und hatte solchen Hunger, dass ich etwas essen musste, wenn ich nicht ohnmächtig werden wollte. Es gibt ja auf der Insel das CIPRIANI! Dort speist Gott, wenn er in Frankreich nichts mehr findet, das seinen Gaumen befriedigt. Gott muss allerdings nicht bezahlen, der Sterbliche sollte aber schon mit gefüllter Brieftasche hingehen. Im Gegensatz zu vor 30 Jahren, gibt es inzwischen noch drei Speiseplätze, die immer geöffnet sind. Die Speisekarten sind sehr verlockend, aber wenn man nur noch 25 Euro in der Tasche hat, was bei mir der Fall war, sollte man kurz durchkalkulieren, ehe man sich hinsetzt. Ich kalkulierte beim letzten Lokal, eigentlich das erste, wenn man von der Anlegestelle kommt, aber ich befand mich auf dem Rückweg, und wusste, dass mein Geld reichen würde, selbst wenn ich mich für ein Menü entschied. Ich entschied mich für das "Vegetaria" Menü, weil ich Fleisch misstraue, wenn es preiswert ist. Geschnetzelte Schuhsohlen kann ich auch in Stuttgart essen. Ich werde eine lange Geschichte kurz machen: Das Menü bestand aus einer Gemüse-Lasagne und gegrilltem Gemüseteller. Die Speisen standen in einem Schaukasten bereit und wurden in der Mikrowelle angewärmt. Angewärmt war die Lasagne, hauptsächlich schmierig zerkochte Auberginen in einem Pamp von Nudelteig, der diese Bezeichnung nicht mehr verdiente, weil man ihn mit den Zähnen nicht mehr fand, nur an der Oberfläche, innen war sie noch kalt. Das Gemüse waren Auberginen-, Zucchini- und Paprikascheiben gegrillt und auch in der Mikrowelle erhitzt. Hier stimmte die Temperatur. Aber man konnte es nicht essen! Ich bin ja nicht zimperlich, aber wenn mir etwas nicht schmeckt, dann esse ich es nicht. Basta. Dieses Gemüse schmeckte aber nicht nur nicht, es roch auch ungenießbar. Es roch nach verfaultem Wasser und das so sehr, dass mir übel zu werden drohte. Zum Glück hatte ich die Grießschnitte, die sich Polenta nannte, ohne aus Maisgries zu sein, gleich am Anfang gegessen, nachdem ich die fetttriefende Lasagne nach einem Bissen beiseite gestellt hatte, so dass wenigstens etwas in meinem Magen war. Appetit hatte ich allerdings keinen mehr. Und dieser Horror kostete sage und schreibe 13 Euro, ohne Getränk oder Brot. Ich bezahlte zähneknirschend und floh die Stätte. Wanderer, kommst Du nach Torcello, meide diese Futterstelle!

Heute Abend suchte ich eines der Lokale auf, an das ich gute Erinnerungen hatte. Das Vecio Canton, eigentlich eine Pizzeria, in der früher hauptsächlich die Venezianer speisten. Beim Eintritt ins Lokal wird der Gast heute von einem riesigen, und ich meine 
                     RIESIGEN! 
Flachbildfernseher begrüßt, auf dem, wenn er Pech hat, und ich hatte Pech, Fußball geboten  wird. Man gab mir gar keine Chance, mir einen Platz auszusuchen, als Einzelgast wurde ich an einen Tisch hinter einer Wand gesetzt, die mir den Blick auf die Mitwelt verstellte. Das Fernsehgerät befand sich aber unmittelbar neben mir. Ich hätte ja wieder gehen können, aber in meiner Erinnerung, und in meinen Notizen, gab es hier die weltbeste Pizza überhaupt. Hier habe ich sogar den Pizzabäcker und einen einheimischen Gast skizziert, die sich locker unterhielten, während im Holzofen die Pizzen garten. Es war herrlich urig und heimelig. War!


Die Pizza war auch diesmal okay, aber kein Vergleich zu der, die ich am Tag meiner Ankunft beim Arsenale gegessen habe. Mit 13 Euro war sie auch ziemlich teuer, wenn man bedenkt, dass der Markusplatz nicht gerade um die nächste Ecke ist. Ich habe gegessen, bezahlt und bin gegangen. Kein Trinkgeld, denn der Service war lieblos und unaufmerksam. Da geh ich nie wieder hin und empfehlen kann ich es auch nicht!!!

So, jetzt aber zurück nach San Giorgio Maggiore und an den Tisch mit den Sperlingen. Ich hatte ein Schinken/Käse Brötchen bestellt, das in einer Art Waffeleisen erhitzt wurde, und kaum war es serviert, flatterten die ersten Gäste auf die Tafel.

Ich habe dann redlich mit ihnen geteilt, wobei es sich herausstellte, dass ich nur den Käse/Schinken Anteil bekam. Was soll´s, wir wurden alle satt.






























Es empfiehlt sich, den Campanile nicht zu einer vollen Stunde zu betreten, schon gar nicht um 12 Uhr, es hämmert einem wirklich das Hirn zu Brei, wenn man nicht die Finger bis zum zweiten Glied in die Ohren steckt. Ich weiß das natürlich (leider aus Erfahrung!) und wartete den Nachmittag ab. Die Fahrt mit dem Aufzug kostet 6 Euro, was ich in Ordnung finde. Das Ding muss ja gewartet werden.
Oben angekommen erwartet den Besucher dann ein traumhafter Ausblick, nicht nur auf die in Reih und Glied stehende Front am Markusplatz und die Riva degli Schiavoni hinunter bis zu den Öffentlichen Gärten rund um das Kunst-Biennale Gelände, sondern auch zur Santa Maria della Salute, hin zum Turm der Frari Kirche, über die geschwungene Sichel der Giudecca, mit den zwei großen Kirchen direkt am Kanalufer, über die Dächer der Klosteranlage, den Kreuzgang, ihre Gärten und schließlich hinaus auf die Lagune, zum Lido und ins Uferlose. Es lohnt sich wirklich und San Giorgio ist nicht so überlaufen wie der Campanile am Markusplatz, wo man nur hinauffährt, einmal rund herum geschoben wird und wieder hinunter fährt. 
Willkommen auf dem Campanile von San Giorgio Maggiore!

Und wenn der/die Besucher/in auf dem Turm das Glück, und die Stadt Venedig das Pech hat, dass gerade eine der vielen, viel zu vielen!, schwimmenden Städte ausläuft, die mit ihren Abgasen die Luft verpesten und Gebäude schädigen, und durch ihren Tiefgang den Wasserhaushalt der Lagune nachhaltig verändern, dann gelingen ihr/ihm solche Bilder. Wie man sieht, befindet sich auf der San Giorgio zugewandten Seite kein einziger Schiffspassagier, was deren begrenzte Bildung und Mentalität deutlich illustriert.





Man kann die Abgase deutlich sehen, wenn man will.

"Der Mensch strebt nach dem Größten und zerstört das Kleinste. Aber auch das Größte wird wieder klein. Holz verbrennt zu Asche, Stein zerfällt zu Staub. Das schafft die Geduld. Nur der Mensch ist fähig Geduld zu erkennen und trotzdem erkennt er nicht die Natur der Natur. Er wird nie das Größte schaffen, weil ihm die Geduld fehlt."

Zurück auf die Erde, zumindest auf die unsichere von Venedig. Vielleicht ist es ganz gut, sich ein bisschen mit der rosaroten Gigantin (Teil der Biennale) vor der Kirche zu befassen. Es ist eine luftgefüllte Kopie der Originalstatue eines englischen Künstlers ... aber alles hier nachzulesen:


Und jetzt also hier. Weil Venedig weiblich ist? La Serenissima! Behindert und nicht in der Lage sich selbst zu helfen, aber ...? Heroisch als universeller Anspruch? Na ja, schöne Bilder kann man auf jeden Fall machen.