Egal wohin man geht in Venedig, man findet immer etwas zum Essen. Vom teuersten Restaurant bis zum primitivsten Kiosk ist alles vertreten. Wie gut man dort isst ist allerdings nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern des Geldbeutels, wobei der Geschmack oft auch dort zu wünschen übrig lässt, wo man tief in den Geldbeutel greifen muss.
Gestern war ich auf Torcello, ich werde dem Besuch noch ein, verdientes, Extrakapitel widmen, und hatte solchen Hunger, dass ich etwas essen musste, wenn ich nicht ohnmächtig werden wollte. Es gibt ja auf der Insel das CIPRIANI! Dort speist Gott, wenn er in Frankreich nichts mehr findet, das seinen Gaumen befriedigt. Gott muss allerdings nicht bezahlen, der Sterbliche sollte aber schon mit gefüllter Brieftasche hingehen. Im Gegensatz zu vor 30 Jahren, gibt es inzwischen noch drei Speiseplätze, die immer geöffnet sind. Die Speisekarten sind sehr verlockend, aber wenn man nur noch 25 Euro in der Tasche hat, was bei mir der Fall war, sollte man kurz durchkalkulieren, ehe man sich hinsetzt. Ich kalkulierte beim letzten Lokal, eigentlich das erste, wenn man von der Anlegestelle kommt, aber ich befand mich auf dem Rückweg, und wusste, dass mein Geld reichen würde, selbst wenn ich mich für ein Menü entschied. Ich entschied mich für das "Vegetaria" Menü, weil ich Fleisch misstraue, wenn es preiswert ist. Geschnetzelte Schuhsohlen kann ich auch in Stuttgart essen. Ich werde eine lange Geschichte kurz machen: Das Menü bestand aus einer Gemüse-Lasagne und gegrilltem Gemüseteller. Die Speisen standen in einem Schaukasten bereit und wurden in der Mikrowelle angewärmt. Angewärmt war die Lasagne, hauptsächlich schmierig zerkochte Auberginen in einem Pamp von Nudelteig, der diese Bezeichnung nicht mehr verdiente, weil man ihn mit den Zähnen nicht mehr fand, nur an der Oberfläche, innen war sie noch kalt. Das Gemüse waren Auberginen-, Zucchini- und Paprikascheiben gegrillt und auch in der Mikrowelle erhitzt. Hier stimmte die Temperatur. Aber man konnte es nicht essen! Ich bin ja nicht zimperlich, aber wenn mir etwas nicht schmeckt, dann esse ich es nicht. Basta. Dieses Gemüse schmeckte aber nicht nur nicht, es roch auch ungenießbar. Es roch nach verfaultem Wasser und das so sehr, dass mir übel zu werden drohte. Zum Glück hatte ich die Grießschnitte, die sich Polenta nannte, ohne aus Maisgries zu sein, gleich am Anfang gegessen, nachdem ich die fetttriefende Lasagne nach einem Bissen beiseite gestellt hatte, so dass wenigstens etwas in meinem Magen war. Appetit hatte ich allerdings keinen mehr. Und dieser Horror kostete sage und schreibe 13 Euro, ohne Getränk oder Brot. Ich bezahlte zähneknirschend und floh die Stätte. Wanderer, kommst Du nach Torcello, meide diese Futterstelle!
Heute Abend suchte ich eines der Lokale auf, an das ich gute Erinnerungen hatte. Das Vecio Canton, eigentlich eine Pizzeria, in der früher hauptsächlich die Venezianer speisten. Beim Eintritt ins Lokal wird der Gast heute von einem riesigen, und ich meine
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Flachbildfernseher begrüßt, auf dem, wenn er Pech hat, und ich hatte Pech, Fußball geboten wird. Man gab mir gar keine Chance, mir einen Platz auszusuchen, als Einzelgast wurde ich an einen Tisch hinter einer Wand gesetzt, die mir den Blick auf die Mitwelt verstellte. Das Fernsehgerät befand sich aber unmittelbar neben mir. Ich hätte ja wieder gehen können, aber in meiner Erinnerung, und in meinen Notizen, gab es hier die weltbeste Pizza überhaupt. Hier habe ich sogar den Pizzabäcker und einen einheimischen Gast skizziert, die sich locker unterhielten, während im Holzofen die Pizzen garten. Es war herrlich urig und heimelig. War!
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Flachbildfernseher begrüßt, auf dem, wenn er Pech hat, und ich hatte Pech, Fußball geboten wird. Man gab mir gar keine Chance, mir einen Platz auszusuchen, als Einzelgast wurde ich an einen Tisch hinter einer Wand gesetzt, die mir den Blick auf die Mitwelt verstellte. Das Fernsehgerät befand sich aber unmittelbar neben mir. Ich hätte ja wieder gehen können, aber in meiner Erinnerung, und in meinen Notizen, gab es hier die weltbeste Pizza überhaupt. Hier habe ich sogar den Pizzabäcker und einen einheimischen Gast skizziert, die sich locker unterhielten, während im Holzofen die Pizzen garten. Es war herrlich urig und heimelig. War!
Die Pizza war auch diesmal okay, aber kein Vergleich zu der, die ich am Tag meiner Ankunft beim Arsenale gegessen habe. Mit 13 Euro war sie auch ziemlich teuer, wenn man bedenkt, dass der Markusplatz nicht gerade um die nächste Ecke ist. Ich habe gegessen, bezahlt und bin gegangen. Kein Trinkgeld, denn der Service war lieblos und unaufmerksam. Da geh ich nie wieder hin und empfehlen kann ich es auch nicht!!!
So, jetzt aber zurück nach San Giorgio Maggiore und an den Tisch mit den Sperlingen. Ich hatte ein Schinken/Käse Brötchen bestellt, das in einer Art Waffeleisen erhitzt wurde, und kaum war es serviert, flatterten die ersten Gäste auf die Tafel.
Ich habe dann redlich mit ihnen geteilt, wobei es sich herausstellte, dass ich nur den Käse/Schinken Anteil bekam. Was soll´s, wir wurden alle satt.
Es empfiehlt sich, den Campanile nicht zu einer vollen Stunde zu betreten, schon gar nicht um 12 Uhr, es hämmert einem wirklich das Hirn zu Brei, wenn man nicht die Finger bis zum zweiten Glied in die Ohren steckt. Ich weiß das natürlich (leider aus Erfahrung!) und wartete den Nachmittag ab. Die Fahrt mit dem Aufzug kostet 6 Euro, was ich in Ordnung finde. Das Ding muss ja gewartet werden.
Oben angekommen erwartet den Besucher dann ein traumhafter Ausblick, nicht nur auf die in Reih und Glied stehende Front am Markusplatz und die Riva degli Schiavoni hinunter bis zu den Öffentlichen Gärten rund um das Kunst-Biennale Gelände, sondern auch zur Santa Maria della Salute, hin zum Turm der Frari Kirche, über die geschwungene Sichel der Giudecca, mit den zwei großen Kirchen direkt am Kanalufer, über die Dächer der Klosteranlage, den Kreuzgang, ihre Gärten und schließlich hinaus auf die Lagune, zum Lido und ins Uferlose. Es lohnt sich wirklich und San Giorgio ist nicht so überlaufen wie der Campanile am Markusplatz, wo man nur hinauffährt, einmal rund herum geschoben wird und wieder hinunter fährt.
Willkommen auf dem Campanile von San Giorgio Maggiore!
Und wenn der/die Besucher/in auf dem Turm das Glück, und die Stadt Venedig das Pech hat, dass gerade eine der vielen, viel zu vielen!, schwimmenden Städte ausläuft, die mit ihren Abgasen die Luft verpesten und Gebäude schädigen, und durch ihren Tiefgang den Wasserhaushalt der Lagune nachhaltig verändern, dann gelingen ihr/ihm solche Bilder. Wie man sieht, befindet sich auf der San Giorgio zugewandten Seite kein einziger Schiffspassagier, was deren begrenzte Bildung und Mentalität deutlich illustriert.
Man kann die Abgase deutlich sehen, wenn man will.
"Der Mensch strebt nach dem Größten und zerstört das Kleinste. Aber auch das Größte wird wieder klein. Holz verbrennt zu Asche, Stein zerfällt zu Staub. Das schafft die Geduld. Nur der Mensch ist fähig Geduld zu erkennen und trotzdem erkennt er nicht die Natur der Natur. Er wird nie das Größte schaffen, weil ihm die Geduld fehlt."
Zurück auf die Erde, zumindest auf die unsichere von Venedig. Vielleicht ist es ganz gut, sich ein bisschen mit der rosaroten Gigantin (Teil der Biennale) vor der Kirche zu befassen. Es ist eine luftgefüllte Kopie der Originalstatue eines englischen Künstlers ... aber alles hier nachzulesen:
Und jetzt also hier. Weil Venedig weiblich ist? La Serenissima! Behindert und nicht in der Lage sich selbst zu helfen, aber ...? Heroisch als universeller Anspruch? Na ja, schöne Bilder kann man auf jeden Fall machen.

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