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Mittwoch, 20. April 2016

Auf dem Weg ... wohin?


Sollte es mein Ritt in den Sonnenuntergang werden, dann muss ich unterwegs noch oft das Pferd wechseln wenn man die Arzt- und Reha-Termine an meinem Türrahmen betrachtet! Na ja, so richtig Reha ist es nicht mehr, nur noch "Krankengymnastik" und "Ergotherapie", zwei Mal in der Woche.
(Übrigens kann ich anhand meiner ASS Blutverdünner genau ablesen vor wie vielen Tagen ich das Krankenhaus verlassen habe. Ein Blisterkärtchen hält 25 Tabletten, 3 habe ich "konsumiert", das 4. heute angefangen, ergo: vor 76 Tagen.)


Mein Hausarzt hat mir gleich im Anschluss an die Reha zwei Rezepte ausgestellt, je 10 mal Ergo und Physio. Das ist auch dringend nötig, weil mein Körper immer noch "die Mitte" sucht in der er sich wieder sicher fühlt und eine längere Unterbrechung der Anwendungen das Erreichte zunichte machen würde. Selbst in der Woche "Auszeit" die ich mir gegönnt habe, machte ich zuhause täglich mindestens 30 Minuten Gymnastikübungen, die ich in der Klinik gelernt habe.

"... Einschränkung der Körperhaltung, Körperbewegung und Koordination der Beweglichkeit, Geschicklichkeit, der Selbstversorgung und Alltagsbewältigung." Das trifft den Nagel direkt auf den Kopf! Wie sehr ich bei den einfachsten Tätigkeiten wie Socken und Hosen anziehen noch eingeschränkt bin demonstriert mir mein Körper jeden Alltag, inklusive Sonn- und Feiertage.  Auch meine Hals- und Schultermuskulatur scheint in eine Winterstarre verfallen zu sein, aus der die Ergotherapie sie nur langsam aufwecken kann. Allerdings muss ich sagen, dass die spürbaren Fortschritte die ich mache mich täglich ermutigen die Therapien fortzusetzen. Denn, ehrlich gesagt, irgendwann sagt der Schweinehund in mir: `Muss das sein? Bleib doch einfach zuhause vor dem Fernseher liegen, so wie früher. Das ist doch bequemer und erholsamer als diese Tortur!´ Um dem entgegen zu wirken habe ich mich letzte Woche zur Krankengymnastik und Ergotherapie angemeldet und mir die ersten Termine geben lassen. Wenn ich einen unentschuldigt (mindestens 24 Stunden vorher!) nicht einhalte, muss ich das selber bezahlen. Und das wäre nicht billig! Also war ich gestern zum ersten Mal bei Ergo. Übrigens mache ich das in der selben Klinik in der ich die Reha hatte, nur eben in einer anderen Abteilung.


Die Therapeutin bekam auch auf Anhieb den schmerzhaftesten Punkt an meinem Nacken zu fassen und meinte: "Daran müssen wir noch viel arbeiten." Als sie dann langsam aber sicher den gesamten Bereich erkundete der mich verspannt, musste ich ihr recht geben. "Es gibt viel zu tun. Also: packen wir es an!" Aber vorsichtig! 
Am Freitag geht es weiter. Da habe ich dann Physio und Ergo hintereinander. `Muss das sein? Bleib doch einfach zuhause ...´. Mal sehen ob ich dem Schweinehund Paroli bieten kann.
Auf jeden Fall bleibe  ich noch eine Weile auf dem Rücken meiner Pferde. 
Der Sonnenuntergang kann warten!

Donnerstag, 7. April 2016

"Morgen ist alles vorüber ..."




Na ja, nicht "Alles", aber die Zeit der Reha. Eine "gute" Zeit, das steht fest. Nicht immer eine "angenehme" Zeit, was die Therapien betrifft, einiges war schmerzhaft, auch noch in den Nachwirkungen, z. B. Muskelkater, aber im Endeffekt dann sehr hilfreich den Körper wieder in die richtige Spur zu leiten. Wahrscheinlich hätte "die Natur" das auch irgendwie geschafft, was ich ja in den Tagen nach dem Schlaganfall bemerkte, als ich mich zum Gehen zwang, aber sicher hätte mein Körper immer den leichtesten Weg gesucht und die weniger gute Lösung gefunden und gewählt.

Dass man Körperwahrnehmung erlernen kann, und dabei wirklich mehr "spürt" was das Körperliche ausmacht, wäre mir vorher nie in den Sinn gekommen. Schon deswegen hat es sich gelohnt die Zeit und Geduld zu investieren. Manchmal erreichte ich wirklich die Grenzen meiner Kraft, nur um beim nächsten Termin festzustellen, dass ich etwas dazugewonnen habe.
Ausdauer ist gefragt und Disziplin sich selbst gegenüber. Eine Gruppe ausfallen zu lassen, weil man eben mal zu faul ist oder sich gerade so gut unterhält, schmälert den Erfolg.
Die Therapeuten machen immer darauf aufmerksam, nicht über die eigenen, dem Körper zur Zeit zur Verfügung stehenden Möglichkeiten hinauszugehen, aber wenigstens zu versuchen die Körperpartien die es mitmachen einzusetzen, um so wieder das Hirn zu erinnern, dass da noch etwas getan werden muss. Mein linkes Bein lernt immer noch, aber meistens merke ich das gar nicht mehr. Tag für Tag kommt die Normalität zurück und dafür bin ich dankbar.




























Das Bild ist von gestern. Seit heute bin ich "frei". Und ich merke, dass mir etwas fehlt: die Gemeinschaft der Betroffenen. Anders kann ich es nicht nennen. Zu wissen dass die anderen das selbe erlebt haben, die meisten viel mehr und folgenreicher als ich, gab mir ein Gefühl der "Geborgenheit" im Mitgefühl. Ich weiß jetzt, warum sich Menschen mit den selben Symptomen zu Selbsthilfe-Gruppen zusammenschließen. Jeder von einem Leiden oder einer Behinderung heimgesuchte kennt das wohlgemeinte: "Ja, ich kann mir das vorstellen." von nicht Betroffenen und weiß, dass das nur leere, "gutgemeinte" Worte sind. Vorstellen ist nicht erleben. Da ist ein: "Das muss ja schrecklich sein." einfühlsamer als eine lapidare, gedankenlose Trostfloskel.
Und noch etwas wird mir fehlen: das zwanglose Essen mit einem Löffel aus einer Schüssel.
Ich hatte ein Bild meines Reha-Mittagessens in eine "normale" Facebook Gruppe gestellt und bekam prompt als Reaktion: "Das Essen sieht ja gut aus, aber aus einer Schüssel essen finde ich nicht gerade prickelnd." 
Prickelnd finde ich das auch nicht, aber Notwendigkeit ist selten prickelnd.


Wie geht es jetzt weiter? Den Bericht der Reha-Klinik habe ich gestern gleich bei meinem Hausarzt abgegeben. Es werden weiterführende Krankengymnastik und Ergotherapie darin empfohlen. Dass ich diese brauche ist mir klar. Noch ist meine Gangart unsicher weil es mir an Kraft in den Beinen und der notwendigen Balance fehlt. Die Schmieder Klinik hat auch eine unabhängige aber integrierte Ambulanz, in der ich die Anwendungen bekommen und dort auch die selben Geräte benutzen kann, die ich schon kenne. Für 5.50 € bekomme ich dort auch ein Mittagessen in der Schüssel ...
Am Montag Nachmittag habe ich einen Termin beim Hausarzt.
Ich bleibe dran und melde mich wieder!