Na ja, nicht "Alles", aber die Zeit der Reha. Eine "gute" Zeit, das steht fest. Nicht immer eine "angenehme" Zeit, was die Therapien betrifft, einiges war schmerzhaft, auch noch in den Nachwirkungen, z. B. Muskelkater, aber im Endeffekt dann sehr hilfreich den Körper wieder in die richtige Spur zu leiten. Wahrscheinlich hätte "die Natur" das auch irgendwie geschafft, was ich ja in den Tagen nach dem Schlaganfall bemerkte, als ich mich zum Gehen zwang, aber sicher hätte mein Körper immer den leichtesten Weg gesucht und die weniger gute Lösung gefunden und gewählt.
Dass man Körperwahrnehmung erlernen kann, und dabei wirklich mehr "spürt" was das Körperliche ausmacht, wäre mir vorher nie in den Sinn gekommen. Schon deswegen hat es sich gelohnt die Zeit und Geduld zu investieren. Manchmal erreichte ich wirklich die Grenzen meiner Kraft, nur um beim nächsten Termin festzustellen, dass ich etwas dazugewonnen habe.
Ausdauer ist gefragt und Disziplin sich selbst gegenüber. Eine Gruppe ausfallen zu lassen, weil man eben mal zu faul ist oder sich gerade so gut unterhält, schmälert den Erfolg.
Die Therapeuten machen immer darauf aufmerksam, nicht über die eigenen, dem Körper zur Zeit zur Verfügung stehenden Möglichkeiten hinauszugehen, aber wenigstens zu versuchen die Körperpartien die es mitmachen einzusetzen, um so wieder das Hirn zu erinnern, dass da noch etwas getan werden muss. Mein linkes Bein lernt immer noch, aber meistens merke ich das gar nicht mehr. Tag für Tag kommt die Normalität zurück und dafür bin ich dankbar.
Das Bild ist von gestern. Seit heute bin ich "frei". Und ich merke, dass mir etwas fehlt: die Gemeinschaft der Betroffenen. Anders kann ich es nicht nennen. Zu wissen dass die anderen das selbe erlebt haben, die meisten viel mehr und folgenreicher als ich, gab mir ein Gefühl der "Geborgenheit" im Mitgefühl. Ich weiß jetzt, warum sich Menschen mit den selben Symptomen zu Selbsthilfe-Gruppen zusammenschließen. Jeder von einem Leiden oder einer Behinderung heimgesuchte kennt das wohlgemeinte: "Ja, ich kann mir das vorstellen." von nicht Betroffenen und weiß, dass das nur leere, "gutgemeinte" Worte sind. Vorstellen ist nicht erleben. Da ist ein: "Das muss ja schrecklich sein." einfühlsamer als eine lapidare, gedankenlose Trostfloskel.
Und noch etwas wird mir fehlen: das zwanglose Essen mit einem Löffel aus einer Schüssel.
Ich hatte ein Bild meines Reha-Mittagessens in eine "normale" Facebook Gruppe gestellt und bekam prompt als Reaktion: "Das Essen sieht ja gut aus, aber aus einer Schüssel essen finde ich nicht gerade prickelnd."
Prickelnd finde ich das auch nicht, aber Notwendigkeit ist selten prickelnd.
Wie geht es jetzt weiter? Den Bericht der Reha-Klinik habe ich gestern gleich bei meinem Hausarzt abgegeben. Es werden weiterführende Krankengymnastik und Ergotherapie darin empfohlen. Dass ich diese brauche ist mir klar. Noch ist meine Gangart unsicher weil es mir an Kraft in den Beinen und der notwendigen Balance fehlt. Die Schmieder Klinik hat auch eine unabhängige aber integrierte Ambulanz, in der ich die Anwendungen bekommen und dort auch die selben Geräte benutzen kann, die ich schon kenne. Für 5.50 € bekomme ich dort auch ein Mittagessen in der Schüssel ...
Am Montag Nachmittag habe ich einen Termin beim Hausarzt.
Ich bleibe dran und melde mich wieder!
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