Donnerstag, 19. Mai 2016

Kann Hoffnung überhaupt sterben?


Mein Hibiskus stirbt, die Wurzeln sind angefault. Trotzdem hält er seit Monaten an ein bisschen Grün fest, versucht sogar neu auszutreiben. "Grün ist die Hoffnung", er gibt sie, noch, nicht auf. Ich rede ihm gut zu, er ist mir in über 40 Jahren sehr ans Herz gewachsen! Und auch ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass er es schaffen wird.
Hoffnung. Was ist das? Ein Vertrauen auf die Zukunft? Die Zukunft ist ungewiss, also kann die Hoffnung nicht in ihr wurzeln. Ist die Hoffnung ein Gefühl? Gefühle sind unbeständig, schwankend, also auch keine Basis für Hoffnung. Ich denke, die Hoffnung ist eine Gewissheit, eine Versicherung des Unbewussten, dass nichts wirklich endet. Kann Hoffnung also jemals sterben? Ich glaube nicht. Vor der Hoffnung stirbt der Mensch.
Wie komme ich auf diese Gedanken? Ganz einfach, weil ich mir Hoffnung mache, dass ein Päckchen das vor mehr als 6 Wochen verschickt wurde und verschollen ist, doch noch ankommt. Deshalb sitze ich jeden Tag bis 14 Uhr zuhause und warte auf den Briefträger und den Paketzustelldienst. Warum liegt mir so viel an diesem Päckchen? Es enthält Bilder eines russischen Künstlers mit denen ich mich seelenverwandt fühle. Sie sind einzigartig in ihrer "Naivität" und deshalb eigentlich unbeschreibbar. Dass sie mich an Chagall erinnern, liegt an ihrer Rätselhaftigkeit, die ganz offen liegt und tausend Lösungen bereithält. Der Sog dieser Bilder ist unwiderstehlich und die Tiefen in die sie das Bewusstsein führen sind unendlich. Aber ich will hier keine Rezension verfassen, sondern schildern, warum ich die Hoffnung nicht aufgebe, dass die Bilder doch noch ankommen. Ein Beispiel der verschollenen Bilder ist der "Mittnachtvogel", der meine Träume beflügelt hat und dem ich speziell nachtrauere!
























Der Künstler heißt Arseniy Lapin. Ich habe seine Werke auf Face Book kennen und lieben gelernt. Speziell die Arbeiten auf Holz haben es mir angetan. Sie sind kleinformatig und passen auch in eine nicht sehr große Wohnung. Ihren "richtigen" Platz müssen sie im Lauf der Zeit, wenn noch mehr dazu kommen, erst finden.




























Es fällt schwer, in der Vielfalt dieser "Fantasiewelt" einen Favoriten zu benennen, vorläufig, und wahrscheinlich vorübergehend, ist es "Weißes Pferd", das mit seinen rosaroten Pegasusflügeln direkt in den taghellen Sternenhimmel abhebt an dem sich Milchstraßen mit vielen Sonnen und Monden begegnen. Die "Erde" bleibt in allen Bildern "auf dem Boden".




























Inzwischen habe ich den Künstler, der an einem Bilder-Kinderbuch arbeitet das im Herbst in Belgien erscheinen soll, gebeten mir weitere Bilder zu schicken. Und jetzt sitze ich wieder/immer noch hier und warte und hoffe, gemeinsam mit meinem Hibiskus. Sterben kann die Hoffnung nicht, sie muss sich nur in Geduld fassen.































































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