Zwei Tage nach der Operation und ich sehe nur stark Verschwommenes, zumindest mit dem rechten, dem operierten Auge. Auch im Zusammenspiel mit dem linken, noch normal funktionierenden, ist es schwierig Dinge zu fokusieren. Der Augeninnendruck hat sich so um die 15 stabilisiert, im linken Auge ist er allerdings 20 und höher. Na ja, es kann nur besser werden, oder?
Wenn man Herr S. und Herr F. hört und sieht, fasst man, also ich, doch wieder Mut. Ihr Auge, das jeweils betroffene, sie hatten verrutschte Linsen, ist extrem blutgerötet und sie haben starke Bindehautschmerzen. Zumindest halte ich es dafür, nachdem sie es als "Kratzen und Brennen" beschreiben.
Am Freitag, dem 1. August, dürfen sie nach Hause. Sie sind froh darüber. Ich auch.
Jetzt habe ich ein großes Einzelzimmer und Dank dem Umstand, dass an diesem Wochenende nur eine Minimalbesetzung Dienst hat und keine neuen Patienten aufgenommen werden, bleibt es auch so. Wenn auch nur für eine Nacht, denn morgen soll ich entlassen werden. Alle Untersuchungen sind zufriedenstellend im Resultat.
Erst jetzt erkunde ich meine Umgebung weiter als nur auf den Gang hinaus. Möglich wird das auch dadurch, dass ich mich ab sofort selber "tropfen" muss, die ständige Anwesenheit auf der Station also nicht mehr nötig ist. Einen "Tropfplan", der für die kommenden Tage gilt, bekomme ich auch. Die Tropfen, Antibiotikum und Kortison, wirken entzündungshemmend.
So entdecke ich den kleinen "Park" im Innenhof des Klinikkomplexes, der einen ganzen Häuserblock umfasst.
An der Vielzahl gerader und stürzender Linien konnte ich meine Augen bestens testen, mal das linke, das alles scharf sieht, mal das rechte, das nur diffuse Bilder produziert und dessen "blinder Fleck" in der unteren Hälfte, irreversibel ist und das Gesamtbild doch sehr beeinflusst. Vielleicht wird das ja besser, wenn das linke Auge operiert ist und beide Augen danach wieder aufeinander eingestellt sind. Ich hoffe es.
Nach einem Gang durch die Grünanlage und einmal rund um den Block bin ich ganz schön müde, die Augen sind überstrapaziert. Ohne die ständige Konversation der Herren S. und F. herrscht himmlische Ruhe im Zimmer, und auf dem Gang ist kaum jemand unterwegs.
So naht die Nacht der Schreie.



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