Posts mit dem Label Flughafen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Flughafen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 8. Mai 2014

Istanbul, ich komme!


Von dem 5. auf den 6. Mai habe ich schlecht geschlafen. Ehrlich gesagt hatte ich alle möglichen Zweifel über diese Reise. Sollte ich sie überhaupt antreten? Meinen Platz im Flugzeug hatte ich zwar reserviert, 4A, gleich hinter der Business Class. Aber irgendwie hatte ich ein ungutes Gefühl. Nicht diese "Ich hab ein Unglück ahnend Herz"-Sache, aber eine verschwisterte Variante. Mir war mulmig, sagen wir mal so.
Ein bisschen Schuld war schon auch der am Vortag absolvierte Besuch beim Augenarzt. Da hatte ich ja heimlich gehofft, der würde sagen, dass alles halb so schlimm sei und ich nicht operiert werden müsse. Leider hat er mich enttäuscht. Wenigstens konnte ich aber die Klinik wechseln, in der der Eingriff durchgeführt werden soll. Ich sagte klipp und klar, dass ich in kein Zimmer wolle, in dem ein Fernseher an der Wand hängt. Das wäre ja undenkbar, dass es so etwas noch gäbe, meinte er. Hoffentlich hat er recht. Am 30. 5., zwei Tage nach meiner Rückkehr aus Istanbul soll ich dort zu einem ersten Sondierungsgespräch antreten. Und das morgens um 7:45 Uhr. Da kommen bei mir keine fröhliche Gedanken auf!
Um fünf Uhr tropfte ich meine Augen, damit die Nebenwirkungen schon ein bisschen Zeit hatten etwas nebenzuwirken. Um 6:45 stand ich auf, obwohl ich den Wecker erst auf 6:59 gestellt hatte. Wer liegt schon gern im Bett und grübelt in dunklen Gedanken? Rasieren, Duschen, 1 Tasse Kaffee trinken (obwohl ich keine trinken wollte, wegen des Müssen müssens), 4 Scheiben trockenes Knäckebrot knuspern (und das am frühen Morgen!) und einen Apfel essen. Den Apfel aß ich nur, weil er da war und sicher keine drei Wochen frisch bleiben würde. 10 vor 8 ging ich aus dem Haus.
Die Bahnen fuhren verhältnismäßig pünktlich, wenn man den Ansagen glauben durfte. Trotzdem entschied ich mich dafür, gleich die erste zu nehmen, die nach Stuttgart Vaihingen ging. Sollte etwas unvorhergesehenes mit den nachfolgenden Bahnen passieren, wäre es billiger von dort mit einem Taxi den Flughafen zu erreichen, als von der Stadtmitte. (Siehe meine Erfahrung beim Antritt der Reise für "7 Wochen Antalya".)
Zum Einchecken war ich trotzdem nur 10 Minuten zu früh dran. Das ging dann aber zügig und ich bekam meinen reservierten Platz. Bei der Kontrolle piepste nichts und auch die Passkontrolle fand nichts, das meinen Abflug verhindern konnte.
Dann hieß es eben warten. Nichts passierte, keine lustigen Zwischenfälle. Lediglich ein farbiger Mitreisender packte neben mir seinen ganzen Besitz, den er in einer Plastiktüte mitgebracht hatte in einen Koffer um und telefonierte nebenher. Danach vesperte er ein belegtes Schwarzbrot. "Neben mir sitzt ein Schwarzer der Schwarzbrot vespert." messagte ich meinem Freund. "Versteh ich nicht." kam seine Antwort. Er meinte, der esse Vollkornbrot. Nein, ganz gewöhnliches Schwarzbrot, schrieb ich zurück und wunderte mich, ob man das auch nicht mehr sagen darf, wie Neger und Zigeuner und Weib.




























Platz 4A hat mehr Fußraum und ist ein Fensterplatz. Den wollte ich ja, weil ich unbedingt Istanbul "im Anflug" erleben wollte. Wir starten pünktlich und sind bald "über den Wolken". Das Menü, ich hatte lediglich mit einem belegten Brötchen gerechnet, wie ich es von den Billigfliegern kenne, bestand aus: Räucherlachs mit Kartoffelsalat als Vorspeise, gefolgt von Aubergine gefüllt mit Huhn, dazu Reis und der Nachtisch war eine köstliche Süßspeise deren Name ich vergessen habe. Es war auf jeden Fall kein Pudding. Getränke standen zur freien Wahl, alles außer Alkohol. Ich nahm ein Sprudelwasser.




























So sah das Essen "nachher" aus, für "vorher" hatte ich zu viel Kohldampf um zu fotografieren. Es gab auch ein Brötchen und ich hätte es mit Butter oder Frischkäse bestreichen können, aber ich muss ja wegen der Gallensteine, und wegen der Figur, auf den Fettkonsum achten. Von den Verdauungs-Krackers habe ich zwei gegessen und das war gut so, weil es in meinen Innereien ganz schön zu rumoren anfing. Trotzdem schaffte ich den ganzen Flug ohne Toilettenbesuch.
Der Flug verlief sehr ruhig, ohne Turbulenzen. Die Wolkenbilder änderten sich von wenig nach mehr, mal waren es nur Tupfen, dann Watteberge. Dass wir uns überhaupt fortbewegten sah ich erst, als ein Flugzeug im Gegenverkehr in ungefähr 1000 Meter Entfernung pfeilschnell vorbeischoss. Es war sehr beeindruckend. Ich hänge ein paar "Wolkenbilder" an.


So erreichten wir dann Istanbul. Ich hatte mir vorgestellt, dass wir bei strahlendem Sonnenschein einfliegen würden und der Bosporus, links Europa, rechts Asien, und die Minarette der Blauen Moschee unter uns liegen und beinahe unsere Flügel berühren würden. Aber um das auch nur im Ansatz zu sehen, muss man auf der rechten Seite im Flieger sitzen. Ich saß links, Allerdings schien rechts die ganze Zeit die pralle Sonne herein … Ich sah also das von "Istanbul", als wir über das Marmarameer einschwebten:




Die Landung verlief glatt. Die Mitreisenden applaudierten, noch ehe der Pilot meldete, dass wir gelandet seien. 
Der Flughafen ist gigantisch!
Ich ging erst einmal aufs Klo. Ein junger Mann trank Wasser aus der Leitung, wovon eigentlicch abgeraten wird ...
Die Warteschlange zur Passkontrolle war hyperlang! Mehrere Maschinen waren beinahe gleichzeitig angekommen. Ich habe so etwas noch nie gesehen oder erlebt. Und in keinem Reisführer wird man darauf aufmerksam gemacht. Aber schließlich, nach einer Stunde! bekam ich mein gestempeltes Papierchen. Der junge Beamte sah gelangweilt aus.
Dann musste ich die Gepäckausgabe finden. Alle "meine" Mitreisenden, an denen ich mich orientieren können hätte, waren längst verschwunden. Keiner von ihnen war wohl auf dem Klo gewesen. Die Suche nach dem richtigen Förderband dauerte eine viertel Stunde. natürlich waren die Gepäckstücke aus Stuttgart längst durch. Wo war mein Koffer? Kurze Panik! Zum Glück ist dort immer freundliches Personal vor Ort, mit man man sich auf Englisch verständigen kann. Schließlich bekam ich meinen Koffer.
Wo aber ist der Eingang zur Metro? …
Ich habe ihn schließlich gefunden und saß in der Metro vom Flughafen zur Station Aksaray. Kostet übrigens nur 3 TKL.

Fremder, kommst Du nach Istanbul und weißt nicht gleich dann wo Deine Unterkunft genau lokalisiert ist, kennst also nicht den Weg dorthin, wappne Dich mit Geduld, Stehvermögen und Zeit! Hast Du diese nicht, weine, setze Dich in die Metro, fahre zurück zum Flughafen und fliege zurück nach Hause!!
Ich habe das Viertel in dem mein Apartment liegt von halb Fünf bis sieben Uhr durchwandert. Immer wieder kam ich an dem gleichen Friseur, der selben Apotheke, den Gemüseständen, den Dönerbuden, den Moscheen und einem Hamam vorbei. Ein durstender in der Wüste kann nicht frustrierter sein! Natürlich fragte ich auch Einheimische. Aber die konnten mit meinem Stadtplan und der Adresse nichts anfangen. 

Zumindest dachte ich das. Aber einige Male wurde ich schon in die richtige Richtung gewiesen, fand aber die Adresse nicht! Schließlich fragte ich einen Taxifahrer, der telefonierte mit dem Besitzer, welcher deutsch spricht, der sagte mir, am Telefon des Taxifahrers, weil ich ja kein Handy habe, ich solle mich nicht von der Stelle rühren, ich war wieder am Ausgang der Metrostation gelandet, sein Partner komme gleich vorbei und hole mich ab. Es wären nur zwei Minuten bis zum Apartment. Ich wartete dann doch etwas länger, weil ich am Ausgang B stand, er mich aber am Ausgang A suchte. Es waren dann wirklich nur zwei Gehminuten, gemütliche, bis zum Ziel. … Odysseus lässt grüßen.


Im zweiten Stock, links, ist mein Schlafzimmer. Drei Wochen Istanbul. Hoşgeldeniz, oder so ähnlich, heißt "Willkommen!"
Here I am!


Montag, 2. September 2013

Das letzte Kapitel



Sieben Wochen im Royal Wings Hotel, sieben Wochen Antalya. Eine lange Zeit? Nicht wirklich, in Anbetracht der Vergänglichkeit meiner Erinnerungen. Sie verblassen so schnell, wie die Vorfreude vom realen Ereignis eingeholt wurde. Deshalb habe ich im Hotel jeden Tag Tagebuch geführt und jetzt dieses "Tagebuch", das ja keines ist, geschrieben und bebildert. AliAli, der beste Kellner der Welt, fragte mich einmal, was ich denn immer schreiben würde. Ich erklärte es ihm. Er sah mich nachdenklich an und sagte dann: "Ich denke, in fünf Jahren wenn Du dieses lesen, dann weinen."



Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Man trauert nicht über schöne Erinnerungen, man lächelt darüber. Und über Vieles kann man sogar lachen, das vielleicht im Erleben gar nicht so amüsant war. Ich habe die Zeit genossen, wurde verwöhnt und umsorgt wie noch in keinem Urlaub zuvor. Aber ... Bin ich nicht mit allem so vertraut, dass keine Steigerung möglich ist?

Es gibt immer ein "Aber" in allen Dingen und mein Aber ist die Scheu vor der Wiederholung. Kann es noch einmal so perfekt werden? Die einzige Stadt die ich mehr als einmal im Urlaub besuchte war vor Antalya nur Venedig. Sie ist die Stadt meiner Seele. Man kann dieses Gefühl der Verbundenheit nicht beschreiben. Es hat nur bedingt mit den Äußerlichkeiten, wie dem Atmen des Lichts, dem Tönen des Wassers und dem physischen, wirklich körperlich spürbaren Erleben des Schönen zu tun. Für mich ist es die Ruhe, trotz des Lärms, die mich wie schützende Hände umhüllt, sowie ich den ersten Vaporetto betrete. Hier bin ich daheim. 

Venedig 1970

Antalya wurde für mich in einer Zeit persönlicher Verunsicherung "gefunden". Diese Zeit liegt hinter mir. Möchte ich gerne daran erinnert werden? Wohl eher nicht. Werde ich Antalya wieder sehen? ...

Was bleibt sind die Erinnerungen an eine schöne Zeit der Erholung. Ich möchte sie nicht missen und bin allen dankbar die sie gestaltet haben, weiß aber, dass sie nicht wiederholt werden kann. Der Abschied fiel mir schwer. AliAli und Meister Ali umarmten mich und als ich in den Rent-a-car einstieg fing es an zu regnen. Auf der Fahrt zum Flughafen baute sich dann ein Unwetter auf, das sich mit voller Wucht entlud als wir dort ankamen. Blitz und Donner gingen ineinander über und es goss aus Kübeln. Über der Stadt war der Himmel pechschwarz und dort hagelte es "Golfbälle", wie ich später in einem YouTube Video sah. Dramatischer hätte meine Abreise von der Natur nicht gestaltet werden können! 



Ganz am Anfang dieses Berichts habe ich geschrieben, dass ich eigentlich keine längeren Reisen mehr unternehmen wollte. An dieser Einstellung hat sich nichts geändert. Allerdings habe ich jetzt zwei Koffer im Keller stehen. Man wird sehen was die Zukunft bringt. 

Und vielleicht bin ich ja an meinem 75 Geburtstag in Venedig? ...

Montag, 6. Mai 2013

Das zweite Kapitel - Vor dem Abflug


Weiterhin der 25. Februar 2013

Um keine Verwirrung aufkommen zu lassen, nenne ich dies das 2. Kapitel, wobei es eigentlich die Fortsetzung des von mir als das erste Kapitel bezeichneten ist. Genau genommen sind es ja keine Kapitel, sondern eine fortlaufende Geschichte mit Pausen, so ähnlich wie "1000 und eine Nacht", nur der Wahrheit wesentlich näher als dem Märchen.
Ich "fahre also in der verstatteten Rede fort".
Die Langeweile vor dem Boarding wird erträglicher, wenn man die Mitreisenden beobachtet und diese keine Langweiler sind. Die meisten sind es. Das Männerpaar, das für eine Woche nach Antalya fliegt, er mittelalt, sie jung, wobei ich mich in der Rollenverteilung durchaus irren kann, unterhält sich ausschließlich über die Wetterverhältnisse vor Ort. Das iPhone App gibt Prognosen her, die nicht nur erfreulich sind. Irgendwann ist das Thema doch erschöpft, es handelt sich ja lediglich um eine Woche, und die Beiden haben keinen Gesprächsstoff mehr. Ich prognostiziere der Beziehung wenig Chancen für die Zukunft.
Sitzen werde ich im Flugzeug noch lange genug, also wandere ich hinüber zu der Snack Bar. Ein luftgefülltes Butterhörnchen, pardon: Croissant, für 4 €, Kaffee im hygienischen Pappbecher 3 €. Auf Kaffee kann ich verzichten, aber mein Magen knurrt, also setze ich mich an ein Tischchen abseits und warte. Eigentlich warte ich auf die junge Frau, die hinter dem Tresen Kleingeld in die Kasse sortiert, aber es kommt ein Ehepaar mit Kind mit exaktem Pagenschnitt, (ein hübsches Mädchen, denke ich) ungefähr vier Jahre alt, und setzt sich an das Tischchen ganz im Abseits hinter mir. 
Dann wird es spannend.
"Jonathan, was hast Du da eben getan?" fragt das männliche Elternteil.
`Jonathan?´, denke ich, `Was für ein seltsamer Name für ein Mädchen.´
"Bitte entschuldige, Vater." sagt Jonathan, der ja jetzt wohl als Junge geoutet wurde. 
Er sagt wirklich "Vater". Nicht etwa verschludert "Vadder", oder "Vati", nein, er sagt "Vater", so wie man das in "Vater unser im Himmel ..." sagt, oder "Turnvater Jahn".
Umdrehen mag ich mich nicht, aber ich würde schon gern nochmal einen Blick auf diese Familie werfen. Zum Glück befindet sich hinter dem Tresen ein großer Spiegel an der Wand, vielmehr ist die Wand ein großer Spiegel, so dass ich mich gar nicht umdrehen muss.
Der Junge Jonathan hat schulbewusst den Kopf gesenkt. Aber ich glaube, in dieser Familie sagt man zu Kopf "das Haupt".
"Ich frage Dich noch einmal was Du eben getan hast?" fragt Vater noch einmal.
"Ich habe mich vor Mutter hingesetzt." sagt Jonathan kleinlaut. Er steht wieder.
Er sagt wirklich "Mutter", nicht etwa Mudder, oder Mutti, sondern "Mutter", wie in "Mutter Theresa", oder gar "Mutter Gottes" wie die Katholiken im "Gegrüßest seist du Maria ..."
`Du gütige Unterwäsche der Mormonen´, denke ich, `aus welcher H. G. Wells Zeitmaschine oder Stephen King Horror Story hat es die denn in die eben stattfindende Wirklichkeit gebeamt? Die sind ja unrealistischer als ein schlecht synchronisierter französischer Film noir!´
"Du musst auf diese Dinge achten." ermahnt ihn Mutter gütig, die sich gesetzt hat.
"Ja Mutter, entschuldige bitte." sagt die Möwe Jonathan ... Nein!, sagt der Junge Jonathan.
Ich fange an zu halluzinieren, denke ich.
Vater hat auch Platz genommen. Ich glaube nicht, dass sich in dieser Familie jemand einfach hinsetzt, obwohl Jonathan, wenn ich mich recht erinnere, dieses Wort benutzte. Wahrscheinlich pflegt er schlechten Umgang mit weniger gut erzogenen Kindern in der Vorschule, denke ich. Jetzt nimmt Vater die Speisekarte zur Hand und sagt, während er einen prüfenden Blick darauf wirft: "Wir werden eine Kleinigkeit zu uns nehmen. Das im Flugzeug gereichte belegte Brot ist ja ungenießbar."
Wo er Recht hat, hat er Recht! denke ich. Nur Heißhunger nötigt einen zum Verzehr dieser labbrigen, feuchten, trotzdem furztrocken scheinenden Pseudo-Sandwiches. Habe ich da wirklich "nötigt" und "zum Verzehr" gedacht? Ist Vaters Ausdrucksweise etwa ansteckend? Mich schaudert!
"Ich trinke ein kleines Glas Bier." Endlich sagt Mutter, als Erste, etwas Positives, wenn auch ziemlich Prosaisches.
"Aber Vater hat noch gar nicht gesagt was er trinken wird." weist der Knabe Jonathan sie zurecht.
"Das ist zwar richtig Jonathan," sagt Vater, "aber es steht Dir nicht zu, Mutter zurecht zu weisen. Merke Dir das."
"Ja, Vater, bitte entschuldige."
"Entschuldige Dich nicht bei mir, sondern bei Mutter."
"Bitte entschuldige, Mutter."
"Du bist entschuldigt." sagt Mutter gütig.
Du lieber Himmel, denke ich, in zehn Jahren wird man in den Nachrichten hören und in den Zeitungen lesen, falls es noch solche gibt, dass ein Vierzehnjähriger während dem Mittagessen seine Eltern mit einem Beil erschlug.
Aber wer hat in zehn Jahren schon noch ein Beil, denke ich.
Vielleicht gibt es in zehn Jahren auch nichts mehr zu Essen? Man denke nur an das Bienensterben! Wenn das so weitergeht, wird außer Unkraut nichts mehr wachsen. (Manches Unkraut ist zwar essbar, aber wer isst schon etwas, das mit Un anfängt?) Ich habe einen Science Fiction Film gesehen, in dem es nichts außer Keksen zu essen gibt. Diese Kekse, das erfährt man so ziemlich am Schluss des Films, nach viel sentimentalem Gesülze über Liebe und Zuneigung und ich hab Dich zum Fressen gern, werden aus den sterblichen Resten der Verstorbenen, ach soooo geliebten und zugeneigten Menschen hergestellt. Makaber? Bitte, ich habe den Film nicht gemacht!
Während ich gedanklich abgeschweift war, hat man am Tisch hinter mir bestellt und das Essen wird schon serviert. Kleine Salate, kleine Schnitzelchen, kleines Bier. Vater trinkt ein Weizenbier, Jonathan Mineralwasser. Sein Wunsch nach einer Cola, das habe ich mit halbem Ohr mitbekommen, wurde von Vater lachend abgeschmettert. Lachend, weil die Bringperson (Bedienung sagt man nicht mehr!) dabeistand, sonst wäre es eine Rüge gewesen. 
Mich hat sie übrigens völlig ignoriert. Na schön, dann werde ich eben das labbrige, feuchte und trotzdem furztrocken scheinende Pseudo-Sandwich im Flieger essen. Selber Schuld!
Das Essen wird am Familientisch schweigend eingenommen. Vater unser, denke ich, seit wann bediene ich mich solch archaischer Sprache? Eine Mahlzeit einnehmen! Das tut kein Mensch mehr. Und überhaupt, Essen ist doch keine Medizin. Medizin nimmt man ein, aber nicht Nahrungsmittel.  Sei´s drum, ich habe eh nix zum Einnehmen, nahrungstechnisch betrachtet.
Nach dem Essen wird es noch einmal interessant. Vater erhebt sich von der Tafel, jaja, ich weiß!, und verschwindet um die Ecke.
"Wohin ist Vater gegangen?" fragt Jonathan die gütige Mutter.
Ich schätze sie auf 25, höchstens 28 Jahre, also eine Mutter die durchaus in der Realen Welt geboren wurde. Vater ist ungefähr 10 Jahre älter, allerdings würde ich sagen es sind gefühlte 100!
"Er ging wohl zur Toilette." mutmaßt Mutter.
"Ich muss auch zur Toilette." Jonathan rutscht von seinem Stuhl, ohne zu fragen, ob er "die Tafel verlassen darf".
"Dann folge Vater und klopfe an die Tür damit er Dich einlässt." 
Das ist ein Original-Dialog, ich erfinde nichts dazu!
Jonathan eilt zur Toilettentür und klopft. "Vater!" ruft er. Es bleibt still auf dem stillen Örtchen. Jonathan eilt zurück zu Mutter. "Mutter, Vater antwortet nicht!" sagt er.
Es klingt wie: "Die Titanic ist gesunken!"
"Du musst vielleicht lauter klopfen." rät Mutter ihrem Sohn.
Der wird doch jetzt nicht hier an die Scheißhaustür hämmern und "Vater! Vater!" brüllen, denke ich.
Vielleicht hätte er es getan, aber da kommt Vater schon wieder um die Ecke.
"Was ist hier los?" fragt er.
"Ich glaube, Jonathan muss austreten." antwortet Mutter.
"Ach nein," sagt Jonathan und wirkt verlegen, "eigentlich muss ich gar nicht."
In dem Moment werden wir gebeten die Maschine nach Antalya zu boarden.
Was, frage ich mich, wollte der Junge bei seinem Vater auf der Toilette, wenn er gar nicht musste?
Wir werden es nie wissen, denn ich bin nicht Scheherazade und dies ist kein Märchen aus 1000 und eine Nacht. Dies ist das wahre Leben. Man darf gespannt sein, immer wieder, an jedem neuen Tag, wie es weiter geht.

PS. Nachdem die Bringperson bei der Musterfamilie abkassiert hat, steht sie vor mir und fragt, ob ich einen Wunsch hätte.
"Eigentlich habe ich zwei Wünsche." sage ich todernst, "Erstens wünsche ich mir Weltfrieden und Zweitens uns allen Gesundheit. Das ist das Wichtigste: Gesundheit."
Die Bringperson sieht mich an, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank.
Sie wird doch, o unbefleckte Unterwäsche der Mormonen, nicht die Security auf mich aufmerksam machen und mich als Terrorverdächtigen denunzieren!
Das wäre Stoff für ein weiteres Kapitel.
Ich aber "halte in der verstatteten Rede inne".



Samstag, 4. Mai 2013

Quasi das erste Kapitel von 7 Wochen in Antalya.


25. Februar 2013

Es ist das Beste, wenn ich mich dem Ganzen von hinten nähere. Da sitzt alles noch tiefer. Ein Schuft wer Zweideutiges dabei denkt! 
Erinnerungen haben es an sich, dass sie abflachen, wie Kieselssteine die endlos auf dem Grund des Meeres hin- und hergeschoben werden, bis sie endlich irgendwo am Strand liegen, wo sie jemand aufliest, liebevoll betrachtet und entweder einsteckt oder wieder wegwirft. Es sei denn, die auflesende Person hat eine Begleitperson, zeigt dieser, voll Begeisterung und Liebe den Stein, worauf die Begleitperson einen kurzen, desinteressierten Blick wirft und sagt: "Schmeiß ihn weg." Ist die auflesende Person männlichen, die Begleitperson weiblichen Geschlechts, eventuell sogar miteinander verpartnert auf die eine oder andere Art, Ehe ist ja eher nicht mehr die gängige Lebensgemeinschaft, zum Glück für Kreuzworträtsler aber immer noch die (einzige?) mit drei Buchstaben, dann wirft er den Stein weg, um keinen Streit zu provozieren. Sollte er allerdings schon mehrmals in dieser Situation gewesen sein, hat er einen zweiten Stein in der Hand verborgen, den er dann demonstrativ in die Wellen schleudert, während der mit liebendem Blick betrachtete unauffällig in seine Hosentasche gleitet. Männer mit hautengen Badehosen sammeln keine Steine. Was nicht heißen soll, dass diese Männer keine Erinnerungen haben, sie wissen nur nicht wohin damit. So viel an dieser Stelle zum Thema "Die Natur der Erinnerungen".
Den Koffer hatte ich also am Vorabend auf dem Flughafen eingecheckt und meine Boarding Card in Empfang genommen. Geduldig war ich noch eine halbe Stunde auf der unbequemen Drahtbank herumgesessen und hatte darauf gewartet, meinen Namen über Lautsprecher aufgerufen zu hören, was bedeutet hätte, dass beim Durchleuchten meines Koffers irgend etwas auffällig gewesen wäre. Ich hängte sogar noch zehn Minuten an, um auch ja sicher zu sein, schließlich bin ich kein Vielreisender, der auch glaubt, dass man nur "ca. 20 Minuten", wie am Schalter angeschrieben, zu warten braucht. Nach einer dreiviertel Stunde ging ich schließlich in Richtung S-Bahn, mit einem halben Ohr immer  noch nach meinem Namen lauschend. (Der hat sich inzwischen geändert, Dank Facebook, aber das ist ein anderes Kapitel.) Als sich die Tür des S-Bahn Zuges hinter mir geschlossen hatte, hakte ich das Thema Einchecken ab, was hiermit auch hier geschehen ist.
Laut meinem für diese Reise sporadisch geführten Tagebuch, habe ich in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar normal geschlafen.
Normal ist nicht gut und nicht schlecht, eben normal, so wie alles was normal ist, ein bisschen gut und ein bisschen schlecht sein kann und der Rest ist eben ... Ihr habt´s verstanden. Abnormal ist die andere Hälfte von normal, so wie die Nacht die andere Hälfte vom Tag ist. Wobei man nicht sagen kann, welche Hälfte was ist, zumindest habe ich noch nirgendwo etwas darüber gehört oder gelesen. Es läuft also darauf hinaus, dass ich normal durch die Hälfte des Tages schlief, den man Nacht nennt. Sollte jemand zu diesem Thema etwas Erhellendes beitragen können, werde  ich es gern als Fußnote im Anhang unterbringen.
Mozart weckte mich nicht wirklich, ich war schon wach. Der langsame Satz aus dem Klavierkonzert Nr. 21 ist einer ganzen Generation von Kinogängern unter dem Namen "Elvira Madigan" geläufig. Viele sahen sich das Rührstück nur wegen Mozarts Musik zwei-, drei- oder nochmehrmal an. Ich selber habe den Film nicht gesehen, nur von Freunden davon gehört, die alle von dieser "himmlischen Musik" schwärmten und meinten, er, Mozart, wäre "fast so gut wie die Beatles". Mag sein, dass Mozart über diese Einordnung erfreut gewesen wäre, andererseits wäre seine Freude noch größer gewesen, wenn man ihn "besser als Bach" gefunden hätte. Wie dem auch sei, ich lasse mich gern von dieser Musik aufwecken. Sie schält mich langsam und sanft aus dem Schlaf, wie man am Sonntag-morgen ein 3-Minuten Ei aus der Schale löffelt. Aber, wie  gesagt, am 25. Februar war ich schon vor meinem iPad wach und überlegte, während ich Kaffee schlürfte, was ich wohl zu Packen vergessen haben könnte. Zu spät fiel mir ein, dass ich ja, mit Rücksicht auf meine Blase, gar keinen Kaffee trinken wollte. Wer möchte schon im Flugzeug vor dem Klo Schlange stehen, wie vor einer Bäckerei nach dem Krieg? Welcher Krieg? Vergiss es! Ich erinnerte mich genau an die schuldbewussten Blicke der die Toilette verlassenden Passagiere, die sie mit den Wartenden tauschten, hoffend dass die/der Nächste sich nicht an dem hinterlassenen Geruch stören würde. Also schüttete ich den Rest Kaffee in den Ausguss. 
Zeit war noch genug und aus purer Langeweile warf ich einen Blick aus dem Fenster. O gesegnete Unterwäsche der Mormonen! (Oder wie auch immer.) Es hatte geschneit! Nachdem ich für sieben Wochen nicht anwesend sein würde, musste ich diesen Schnee räumen, oder meine Nachbarin würde mich mit ihrem Zorn bis nach Pfingsten verfolgen. Ich kehrte also Schnee. Zum Glück war es zum Schippen zu wenig. (Eigentlich war es völlig überflüssig, aber das Gesetz verlangt es nun einmal und was tut man nicht alles, überflüssiges, als gesetzestreuer Bürger.) Dann streute ich Split und hoffte, dass dies der letzte Schnee des Winters 2012/13 sein würde. Wie wenig solche Hoffnung nützt, hat der dann erst richtig einsetzende Winter gezeigt. Meine Nachbarin ist stinksauer. Kann ich gut verstehen, aber bringen tut´s ihr nichts.
Nach der Pleite mit der Bahn bei meiner Reise im November, wo prompt am Morgen meines Abflugs "technische Störungen" alle Züge von Downtown Stuttgart zum Flughafen lahm legten, und ich schließlich von S-Vaihingen zum Airport in Leinfelden-Echterdingen ein Taxi nehmen musste, das mich 20 €uro kostete, war ich, trotz Schnee, immer noch etwas früher unterwegs, als eigentlich nötig gewesen wäre, für jemand, der seinen Koffer am Vorabend eingecheckt hatte. Aber schließlich war ich doch froh darüber, dass ich das sperrige Gepäckstück nicht in einen vom morgendlichen Berufs-verkehr überfüllten Zug quetschen musste. So kam es, dass ich reichlich Zeit hatte, vor dem Boarding die langweilige Öde des Flughafengebäudes mehrmals zu durchwandern. 
Eins steht fest: die Langeweile vor dem Abflug ist schlimmer als jede Flugangst! Sie wird nur noch von der Langeweile nach dem Passieren der Security bis zum Boarding der Maschine übertroffen. Dem Thema Langeweile denke ich hiermit genüge getan zu haben und damit schließe ich dieses Kapitel.

Abschied nehmen ... eigentlich nur Schnee zeigen ...


Sonntag, 24. Februar 2013

Der Tag vor dem ersten Kapitel

Es hat in der Nacht geschneit ...
24. Februar 2013
Irgendwann muss man Koffer packen. Aber zuerst war ich heute Früh mit Schneeräumen dran. War ja zum Glück nicht viel. Der athletische Nachbar, dessen Auto vor meinem Schlafzimmerfenster parkt, kehrte prompt den Schnee vom Autodach auf den Gehweg, den ich kurz zuvor schneefrei gemacht hatte. Als er gerade einstieg um wegzufahren, bat ich ich ihn, doch so freundlich zu sein und den Gehweg wieder sauber zu machen. Das mache er immer, sagte er und lächelte sexy. Das würde mich sehr freuen, antwortete ich und blieb am offenen Fenster stehen, bis er den Schnee beseitigt hatte. Von wegen immer, ha! Eben wollte er doch abhauen ...
Danach trank ich Kaffee und aß ein altes Brötchen. Ich darf kein Gramm zunehmen, sonst wird aus M gleich wieder L. Wenn ich an das vorzügliche Essen im Hotel denke, haben schon die Gedanken Kalorien! Da wird nur eiserne Disziplin helfen. Leider ist das nicht gerade eine meiner Stärken. ... Aber bis jetzt ist ja noch nicht einmal der Koffer gepackt.
Aufgeklappt wie ein gefräßiges Maul liegt er auf meinem Bett. (Anscheinend dreht sich an diesem Morgen alles ums Essen?!) Aus meiner Zeit in der US Navy weiß ich, dass man die zu packenden Teile rollen muss. Eng rollen, so fest, als wolle man mit der gerollten Unterwäsche jemand zu Tode steinigen. Rein theoretisch. Das garantiert optimale Befüllung. 
Wieviel Unterwäsche braucht man eigentlich für sieben Wochen? Sieben von jedem Teil? Hat Gott während der siebentägigen Schöpfung die Unterwäsche gewechselt? Ich schlage kurz in der Bibel nach, die auf meinem Nachttisch liegt. Eigentlich ist es ja eine Familienchronik von 1908 und wiegt mindestens drei Kilo. Deshalb liegt sie auf dem Nachttisch, ich habe Angst, dass das Bücherregal unter der Last zusammenbrechen würde. ... Gottes Unterwäsche findet in der Bibel keine Erwähnung und ich muss jetzt wirklich packen. Um mit der Frage nach dem Wieviel nicht noch mehr Zeit zu verschwen-den, (Okay, ich gebe es zu, ich habe nach Gottes Unterwäsche gegoogelt, hatte aber keinen direkten Treffer, nur Beiträge in denen das Wort Gott und das Wort Unterwäsche vorkommt. Z. B. "Wer das irdische Leben meistert, kann selbst ein Gott werden ... das erklärt übrigens auch die "magische Unterwäsche" der Mormonen, doch ..." Ehrlich gesagt wollte ich es nicht unbedingt so genau wissen! obwohl ...) rollte ich alle Unterwäsche die gerade nicht im Wäschekorb war. Man muss ja auch an das erlaubte Gewicht denken ...
Bei den Hemden hatte ich eher das Problem, dass einfach zu viele zur Auswahl standen. Als ich sie aber nach gebügelt und ungebügelt sortiert hatte, schien mir die Anzahl durchaus vernünftig. Koffer packen erfordert praktisches Denken. Für Senioren durchaus eine empfehlenswerte Disziplin. Man könnte in Seniorenheimen doch einmal pro Woche Kofferpacken zum Pflichthobby machen, verbunden mit Lichbildvorträgen von Ländern in die man nicht reisen wird. ...
Die Hosen überließ ich dann gleich dem Zufall. Wozu sich den Kopf zerbrechen über Kleidungsstücke, die man nachher sowieso wieder auspacken muss, weil das Gepäckstück nicht 20 sondern beinahe 30 Kilo wiegt? Allerdings hätte ich auf alle Hosen verzichtet, nur nicht die knallrote! Schließlich habe ich nur ihretwegen die knallroten Schuhe gekauft. ...
Nachdem ich in einer Hotelbewertung, in der eine Frau sich darüber mokierte, dass "die Leute immer so hohe 5-Sterne Ansprüche stellen, aber dann wie bei Hempels unterm Sofa gekleidet herumlaufen", gelesen hatte, überlegte ich kurz, ob ich mein "gutes" dunkelblaues Jackett einpacken sollte. Nach zusätzlichem kurzem Überlegen, wieviele Männer ich bei meinem letzten Besuch im Hotel Royal Wings in "guten" dunkelblauen Jacketts gesehen hatte und auf die Zahl null komme, lasse ich es im Schrank hängen. Es reicht, wenn ich in der Oper nicht wie bei Hempels unterm Sofa aussehe! ...
In den 4 Paar Schuhen brachte ich 7 Paar Hosenträger unter. Sollte es schon an Hosen mangeln, wollte ich wenigstens bei Hosenträgern aus dem Vollen schöpfen können. Mann gönnt sich ja sonst nichts. ...
Es fehlte nur noch der Kulturbeutel mit all den notwendigen Wässerchen und Cremes. Dann wiegen. 400 Gramm Übergewicht. Aftershave raus, ein paar Hosenträger weniger, die Badehose raus ... aber dann doch wieder rein. Schließlich bin ich bei 20.1 Kilo und lasse es dabei bewenden. Fertig! ...
Inzwischen ist es Drei Uhr Nachmittags. Ich versuche einen Mittagsschlaf zu halten, aber die Frage, ob ich auch nichts vergessen habe dreht Windmühlenflügel in meinem Hirn um. Also trinke ich wieder Kaffee.
Endlich ist es kurz vor Fünf und ich wuchte den sauschweren Koffer aus dem Haus. Zum Glück hat er sehr gute Rollen und einen ausziehbaren Griff, der lang genug ist, dass der Kofferkorpus nicht andauernd auf die Fersen aufläuft. Allerdings verfluche ich die Stadtplaner, die die Straßen und Gehwege mit allen möglichen Steinmosaiken "optisch auflockern". Nicht nur dass der Koffer holpert und hüpft, das Klacken und Rattern der Räder ist nervig! Da darf man sich nicht wundern, dass ich die asphaltierte Straße vorziehe, sehr zum Ärgernis von Autofahrern.
Ich fahre zum Flughafen zum Vorabend Check-In. Das finde ich sehr praktisch. Wenn ich mir vorstelle, dass ich am Montagmorgen in der Hauptverkehrszeit mit diesem Koffer eine U- und eine S-Bahn besteigen soll, bekomme ich einen Schweißausbruch! Die Bahn ist wenig besetzt. Also: "No sweat!" wie der Amerikaner sagt.
Am Schalter hat sich schon ein älteres Ehepaar eingefunden, obwohl es erst Viertel vor Sechs ist. Sie haben einen Koffer auf die Waage gestellt, damit es nachher schnell geht. Hinter mir gesellt sich ein Mann zu uns und dann noch einer. Obwohl die beiden sich nicht kennen, fangen sie sofort an sich über Dies und Jenes zu beschweren. Unpünktlich seien die hier mit der Schalteröffnung. Es ist noch nicht 18 Uhr. Und alles ist nur noch Abzocke und beim letzten Türkeibesuch wurde dem Einen der Geldbeutel geklaut und: "Ja", sagt der Andere, "die Polizei ist dort sooo korrupt" ...
Ich spiele "Free Cell" auf meinem iPad. ... 
Der Schalter wird mit fünf Minuten Verspätung geöffnet. Das sorgt für zusätzliche Kommentare, die auch von dem Ehepaar vor mir mit eifrigem Kopfnicken unterstrichen werden. Als erstes müssen sie den auf der Waage stehenden Koffer wieder vom Band nehmen. Wie soll das Gerät sonst auf Null gestellt werden? Der Ehemann fügt sich bruttelnd. Und dass man sich nach dem Einchecken noch mindestens 20 Minuten in der Halle aufhalten soll, bis die Koffer die Kontrolle passiert haben, sorgt für allgemeinen Unmut rings um mich her ...
Ich spiele"Free Cell" auf meinem iPad.
Nachdem 25 Minuten nach meinem Check-In vergangen sind und mein Namen nicht über Lautsprecher aufgerufen wurde, weil man etwas Verdächtiges beim Durchleuchten entdeckt hat, ("Meinen Koffer haben die einmal sogar aufgebrochen, obwohl nix Unrechtes drin war!" sagt der Eine hinter mir. "Schlamper, elende!" beruhigt ihn der Andere.) gehe ich auf den S-Bahn Bahnsteig. Er wimmelt nur so von angekommenen Reisenden mit Unmengen von Gepäck. Der nächste Zug fährt in 15 Minuten, der übernächste in 28. Ich gehe nochmal in die Halle hinauf und möchte etwas essen. Schließlich ist ein altbackenes Brötchen am Morgen nicht ganztägig magenfüllend. Für ein viertel Türkenbrot, mit Käse, Salatblatt und Tomatenscheibe belegt, verlangt man 6.20 €. Ich pflege meinen Hunger ein bisschen länger. ...
Der Zug nach 28 Minuten ist fast leer. Ich lehne mich zurück und freue mich, dass alles so reibungslos geklappt hat. Zwar habe ich den gewünschten Platz mit XL Legroom nicht bekommen, wobei mir nicht klar ist, warum nicht, aber was soll´s? ...
Bei "meinem Jugo" esse ich eine halbe Portion Cevapcici, dazu den vorzüglichen Djuwetschreis und einen kleinen gemischten Salat ...
Morgen Abend werde ich mir einen, oder auch zwei, vielleicht sogar drei! dieser köstlichen türkischen Nachtische gönnen! Wie heißen die doch wieder? Ach ja: BAKLAVA!
Ich kann es kaum erwarten!!!