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Mittwoch, 26. Februar 2014

7 Wochen Antalya - 7 Wochen Royal Wings Hotel


So hat mein Blog angefangen. Heute ist der 25. Februar 2014 und am 25. Februar im vergangenen Jahr traf ich in Antalya ein und verbrachte dort einen der schönsten und sicher den längsten Urlaub meines Lebens. Kein Wunder, dass ich nostalgisch werde und mich in Erinnerungen sonne.


































Als ich hier ankam, zog in Deutschland gerade erst der Winter ein. Am Vorabend fiel der erste Schnee und dann wurde es dort bitter kalt, es schneite und gefror und meine Nachbarin war stinksauer, weil ich niemand engagiert hatte zum Schnee räumen. Na ja, sie hat es überlebt und ich hatte ja manchmal ein schlechtes Gewissen wenn ich im Net die Live Cam vom Stuttgarter Schlossplatz öffnete  und sah, dass dort immer noch und schon wieder Schnee lag. Und ich erfreute mich des Frühlings.







































Es gab allerdings auch stürmische Tage, Tage an denen der Regen aus der Kuppel in die aufgestellten Gefäße in der Halle tropfte.


Das Meer schwemmte Unmengen von Sand an und Tonnen von Kieselsteinen, die ich sammelte und fotografierte. Zumindest kam es mir wie Tonnen vor.


































Am schönsten war der Strand morgens, bei Sonnenaufgang, wenn der frisch angeschwemmte Sand noch unberührt und weich war und unter den Füßen nachgab, so dass ich bei jedem Schritt meinte, das Ufer habe eine eigene Strömung, die mich wegträgt. Die Berge wirkten wie zart auf den Himmel getuscht und die Sonne übergoss schließlich alles mit Honiggelb.

























































Ich finde, dass diese Übergangszeit vom Winter in den Frühling die schönste in Antalya ist. Kein Tag ist wie der andere und das Wetter kann sich von einem Augenblick zum nächsten total ändern. Der peitschende Wind, der die Palmen zu zerfetzen versucht, die sintflutartigen Regengüsse, die manchmal wie eine massive Wasserwand herunterstürzen, die Rückkehr des Lichts danach sind überwältigend und die Wellen, die auf den Strand donnern, bringen die Erde zum beben. Das ist  Natur zum Anfassen mit allen Sinnen.


Auch die Stadt Antalya habe ich immer wieder gerne besucht, selbst wenn die Fahrt mit dem Dolmuş kein Vergnügen war. Aber es war Teil des Erlebnisses und bleibt eindringlich in Erinnerung.

Aber am liebsten erinnere ich mich doch an die Menschen. Hauptsächlich an Ali Ali, Turgay Ali und Meister Ali. 

Wenn ich wieder geboren werden sollte, möchte ich einen Sohn wie Ali Özcan haben und im Leben danach, einen Vater wie ihn!
Leider ist die Sprachbarriere so hoch, dass ich den Kontakt verloren habe. Aber aus meinen Gedanken verliere ich ihn nicht.








Das gilt auch für Ali Gölpınar, den Personal Trainer, dem ich meine Kondition und mein jetzt konstantes Gewicht verdanke.





Ihnen und allen  anderen, Turgay und Mehmet, Hasby Dere und Selda Bülbül, die meinen Aufenthalt im Hotel Royal Wings zu einem wirklichen "Wellness Erlebnis" machten, bin ich sehr dankbar. 


Werde ich sie wieder sehen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, wie oft ich noch eine größere Reise machen werde. Der Tremor wird immer mehr zum Problem, was Essen und Trinken betrifft. 
Im Mai werde ich Istanbul besuchen. Ich habe dort ein Apart Hotel gebucht. Dann habe ich eine kleine Kochnische, wo ich mir das Frühstück selber zubereiten kann und auch andere kleine Mahlzeiten. In Venedig habe ich nur zwei Mal im Hotel gefrühstückt, weil ich nicht in der Lage war, mir den Kaffee einzuschenken und mein Brot mit Butter zu bestreichen ...

Apropos Venedig. Das nächste Kapitel widme ich wieder der Serenissima.

Montag, 27. Mai 2013

Das elfte Kapitel ist dem Dolmusch gewidmet



Dolmusch LC38 auf der Fahrt nach Antalya, 15km
Dolmusch, der oder das? Kommt ganz darauf an ob ich es als "Bus" oder "Sammeltaxi" übersetze. Genau betrachtet ist es beides. Das Wort (Dolmuş, wobei das ş ein kleines Schwänzchen nach unten hat und im Türkischen "sch" gesprochen wird) bedeutet wörtlich übersetzt "vollgestopft". Eine bessere Bezeichnung dafür gibt es nicht! Der Deutsche würde das Negative betonen, seiner Weltanschauung entsprechend, indem er "überfüllt" sagt. Meistens trifft beides zu. Nun könnten Frauenfeinde sagen,  durchaus wohlmeinend, dass die beiden genannten Zustände, oder Eigenschaften eher weiblich sind und Dolmusch daher eine "die" ist. Ich würde vorschlagen, dass jede/r selbst entscheidet, nachdem sie/er das Fahrzeug einmal  benutzt hat.
Dolmusche sind öffentliche Verkehrsmittel, kleine Omnibusse japanischer Herkunft, die Ortschaften und Stadtteile miteinander verbinden. Es gibt Zusteigmöglichkeiten an beinahe jeder Straßenecke und wer sich nicht gerade an einer der mit einem großen, blauen D gekennzeichneten Haltestellen befindet, tritt einfach an den Straßenrand und signalisiert dem Fahrer den Wunsch zuzusteigen. Das funktioniert immer. Na ja, bis auf die Ausnahmen wenn sich zwei Fahrer beim Überholen ein Rennen liefern, weil jeder gerne den nächsten Fahrgast bei sich an Bord holen möchte. Da hilft dann kein Winken oder Auf- und Abhüpfen, die Bussle rasen in halsbrecherischem Tempo vorbei. Ich habe das erlebt, es ist also nicht nur ein von Reiseveranstaltern entworfenes Horrorszenarium, die den neu ankommenden Gästen dringendst von der Benutzung des Dolmuschs abraten.


Wer gegenüber dem Hotel Royal Wings einsteigt, hat meistens das Glück einen Sitzplatz zu bekommen, weil die meisten Hotels weiter in Richtung Stadt liegen. Wer keinen Sitzplatz ergattert, muss sich auf eine beinahe einstündige Fahrt in sehr, SEHR unbequemen Umständen einstellen. Große Menschen werden Schwierigkeiten mit dem Kopfraum haben, die Busse sind wohl auf den japanischen Klein-Bürger genormt und der ist nicht so groß wie der durchschnittliche Schwede. Die Federung der Fahrzeuge ist auf das Notwendigste beschränkt und der rasante Fahrstil der Chauffeure trägt viel dazu bei, dass man geschüttelt, nicht gerührt, in Antalya quasi aus der Tür fällt. Menschen die mit Klaustrophobie geschlagen sind dürften in den Stoßzeiten nicht Dolmusch fahren, es sei denn sie wollen Panikattacken erleiden. Wer gerne mit den Mitmenschen auf engste Tuchfühlung geht liegt da aber genau richtig. Umfallen und sich etwas brechen kann auf jeden Fall keiner. Aber Vorsicht! Es zieht!!! Meistens ist die Tür beim Fahrer vorn geöffnet, das spart Umstände und Zeit, und es ist ganz selten, nur bei extremem Regenwetter, dass die Schiebefenster geschlossen sind. Wer auf der rechten Seite auf der Rückbank sitzt, den eisigen Fahrwinden ungeschützt ausgesetzt, bekommt hundertprozentig eine üble, schmerzhafte Nierenbeckenentzündung, zusätzlich zu einer grippalen Erkältung und Bindehautentzündung in beiden Augen. Da reicht dann eine Woche Urlaub nicht, um das auszukurieren. Ich hatte ja sieben Wochen und alle oben beschriebene Krankheiten ...
Die meisten Urlauber fahren nur einmal mit dem Dolmusch in die Stadt. Und die meisten erkundigen sich nicht vorher im Hotel oder einem Tourismuscenter nach dem Fahrpreis. So steigen fast alle mit einem fragenden Blick und der Hand voll Kleingeld ein und bezahlen dann einen Euro oder einen Dollar, je nachdem ob es Westeuropäer oder Russen sind. Dabei kostet eine Fahrt, ganz gleich wie weit, aber ohne Umsteigen (es gibt keine Fahrscheine), nur 1 Lira und 75 Kuruş, das ş wieder mit Schwänzchen, sprich also Kurusch. 1 Euro ist ungefähr 2,30 Lira wert, den Dollarkurs kenne ich nicht. Eigentlich müsste sich jeder Busfahrer freuen, wenn er mit Ein- oder Zwei-Euromünzen bezahlt wird, aber leider ist es beinahe unmöglich in der Türkei dieses Hartgeld umgetauscht zu bekommen. Banken nehmen es unter keinen Umständen an. Deshalb werden Touristen oft von allen möglichen Menschen angesprochen, die Euromünzen gegen Euroscheine tauschen möchten, ob im Dolmusch, im Hotel oder im Restaurant.
Schwarzfahren gibt es nicht! Jede/r Fahrgast bezahlt entweder beim Einsteigen oder, wenn der Bus so voll ist, dass nur noch ein Blatt Seidenpapier zwischen die Passagiere passt, aber trotzdem sich noch jemand am hinteren Einstieg hereinquetscht, kommt dieser beim Aussteigen außen am Bus zum Fahrer gelaufen und bezahlt. "Nicht bezahlen ist stehlen." Diese "Moral" sähe ich gern in Deutschland!
Und noch etwas fällt dem älteren Fahrgast angenehm auf: jüngere Mitreisende stehen auf und bieten ihm den Sitzplatz an. Man erkennt so unschwer junge Touristen: sie bleiben sitzen und schauen gelangweilt weg wenn eine ältere türkische Frau, oder ein Mann oder ein/e Tourist/in zusteigen.
Die Fahrt von den großen Hotels nach Antaly zieht sich. 15 Kilometer sind lang, zumindest für manche Fahrgäste. Überhaupt auf dem Weg zurück zum Hotel.
"Bist Du sicher, dass wir im richtigen Bus sind?"
"Aber ja doch, LC38."
"Ja fährt der denn zu unserem Hotel?"
"Es gibt keinen anderen!"
"Wir fahren jetzt aber schon ziemlich lange."
"Es ist eben weit!"
"Aber so weit? ... Frag doch mal den Fahrer, ob der zum Hotel Concorde fährt."
"Ich denk nicht dran!"
"Hallo! Fahrer! Fahren sie zum Hotel Concorde?!!" (Oder "Terra City" bei der stadteinwärts Tour.)
Wie oft habe ich diesen Dialog bei meinen zahlreichen Fahrten stadtein- und stadtauswärts gehört? Auf beide Geschlechter gleichmäßig verteilt, mal ist sie die Fragende, mal ist er der Ängstliche.
Angekommen sind alle, aber einige Übervorsichtige oder der Auskunft Mistrauende stiegen viel zu früh aus und hatten noch einen langen Fußmarsch zum Ziel vor sich. Na ja, ich fühlte mich nach der zweiten Fahrt im Dolmusch schon wie ein Einheimischer und konnte über die unwissenden Touristen nur mitleidig den Kopf schütteln.
Übrigens wurden kurz vor meiner Abreise auch große Busse auf der Strecke eingesetzt, und seltsamer Weise waren die immer fast leer! Ich will nicht hoffen, dass man sie deshalb wieder abgezogen hat!!



Mittwoch, 8. Mai 2013

Das fünfte Kapitel - Vertrauen und Zweifel ...


Gott, die Engel und fehlerlos funktionierende Technik lassen uns sicher, sogar 10 Minuten vor der geplanten Ankunftszeit in Antalya landen.
"Wegen Rückenwind", sagt der Mann am Fenster. 
Seine Frau flüstert, nachdem die Maschine abgebremst hat und das letzte "O lieber Gott" über ihre Lippen kam: "Mich bekommen keine zehn Teufel mehr in so ein Ding."
Damit hat sie endgültig den Himmel verlassen und den einen Gott gegen zehn Teufel getauscht und außerdem den Rest des Urlaubs für den Mann versaut.
Der sagt mit männlicher Endgültigkeit: "Der Rückflug ist gebucht und bezahlt."
Sie sagt: "Dann hast Du sinnlos Geld  zum Fenster hinausgeschmissen."
Ich denke: O lieber Gott!
Dann gelingt es mir zum Glück, meinen Rucksack zu angeln und mich in die dicht gedrängt und  drängelnd entbordenden Passagiere einzureihen.
"Aufwiedersehn." sagt die Flugbegleiterin mit dem selben Lächeln, mit dem sie das labbrige Pseudo-Sandwich servierte und die 2.50 €uro für den Kaffee mit Trockenmilch im Pappbecher kassierte. Ich lächle zurück und sage: "So Gott will.", was sie mit dem kurzzeitigen Zusammenbruch ihres Lächelns quittiert. 
Hinter mir höre ich eine Kinderstimme sagen: "Vater, der Mann hat den Namen Gottes missbraucht."
Ich bin der Erste bei der Passkontrolle!
Als Wenig- oder höchst selten ins reisepasslandpflichtige Auslandreisender bekomme ich meine gestempelte Einreisebescheinigung und verstaue sie sorgfältig hinter meinem Personalausweis. Es kann, angeblich, höchst unangenehme Folgen haben wenn man sie verliert. Der Busbegleiter bei meinem Besuch im November sagte, scherzhaft?, "Wenn sie die nicht haben, bekommen sie eine mehrwöchige Verlängerung ihres Aufenthalts auf Staatskosten." Und Jeder weiß, seit dem Film "Midnight Express" (Deutscher Titel, wer hätte das gedacht, nicht etwa "Verschollen und vergessen im türkischen Gefängnis", sondern "Mitternachtsexpress") dass der Aufenthalt in türkischen Gefängnissen kein Honigschlecken ist, außer für Hardcoremasochisten! 
Mein auffälliger Koffer, extra so gekauft, um ihn von Weitem zu erkennen, rollt als einer der ersten vom Band. Das werte ich als gutes Omen. Denn ...
Hier wird ein Rückblende dringend nötig.
"Wenn der Rest der Menschheit vertraut, zweifelt der Deutsche." Sollte es dieses Zitat noch nicht geben, meinetwegen auch in abgewandelter Form, möchte ich es hiermit in den Raum stellen. Der Deutsche ist der geborene Zweifler. Deshalb macht er so viele historische Fehler. Er zweifelt an Wotan und wird Christ. Er zweifelt an sich selbst und wird Faschist. Keins von Beiden hat ihn auf eine höhere menschliche, oder kulturelle Stufe gehoben, nur seine Zweifel bestätigt und vergrößert, und ihn als unzuverlässig abgestempelt. Wer sich umfassender mit diesem Thema befassen möchte, wird im Net viel darüber finden. Mir geht es, ehrlich gesagt, am Arsch vorbei, ich brauchte nur einen Einstieg in das was mir eigentlich ein bisschen peinlich ist.
Ich zweifelte, noch bei der Ankunft in Antalya, an der Bonität meiner Reservierung.
Diese war, wie irgendwo in einem der vorherigen Kapitel kurz angesprochen, spontan während meines Aufenthalts im Royal Wings Hotel im Vorjahr, im Dezember, zustande gekommen. Spontan deshalb, weil ich eigentlich gar nicht wusste, ob ich noch einmal und für längere Zeit in die Türkei kommen wollte. ... Aber das ist wirklich nicht mehr von Belang.
Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich ein extrovertierter Mensch bin, der auf die Dinge zugeht, sie anpackt und zurechtbiegt. Im Gegenteil, ich warte ab, trinke nicht einmal Tee dabei, aus Angst ich könnte ihn verschütten, und lasse die Dinge sich selbst zurechtbiegen. Sie tun es dann auch immer, auf die eine oder andere Art und ich frage mich dann schon, warum ich mich anstrengen soll, wenn sowieso alles von sich aus geschieht. Zen funktioniert, glaube ich, so oder so ähnlich.
Meiner Natur zum Trotz fragte ich eines Tages an der Rezeption, ob es möglich wäre, direkt vor Ort eine Reservierung für einen Aufenthalt im nächsten Jahr zu buchen. Das wurde positiv beantwortet und mir der Name eines Gesprächspartners genannt, den ich am nächsten Morgen kontaktieren könne. Dieser Gesprächspartner war am nächsten Morgen nicht zu erreichen, dafür ...
Also gut, ich trug mein Anliegen dem Front Office Manager vor und wir einigten uns auf Zeitdauer, 49 Tage, und Preis, ... geht niemand was an, und ich hatte eine Reservierung. Bona fide. Aber ohne Beleg oder Dokument. Einfach so, vom Mund zum Ohr.
Das ist der Orient, sagte mein an Tausend und eine Nacht geschulter kosmopolitischer Geist.
Das ist absolut nicht Ernst zu nehmen, sagte der Deutsche in mir.
Ich hatte noch nicht einmal das Büro des netten Front Office Managers verlassen, als ich schon zweifelte. Man hatte mir einen Ausdruck mit Bankverbindungen ausgehändigt, damit ich eine Anzahlung machen könnte, wenn es mir denn mit der Reservierung wirklich Ernst wäre ... Einerseits empfand ich diese Leichtigkeit des Seins sehr erfrischend, menschenfreundlich und glaubhaft, andererseits belastete mich die unterschriftenlose Ungewissheit mehr als ich jetzt zugeben möchte.
Ich zweifelte auf hohem Niveau. Was wenn ...? Dass ich, so bald ich in Deutschland war, den mündlich vereinbarten Gesamtbetrag sofort auf eines der mir genannten Konten überwies, geschah nur in der Hoffnung, dass ich dann eine schriftliche Bestätigung unseres "Vertrags" erhalten würde. Fehlanzeige. Es sei alles in Ordnung, wie besprochen, bekam ich als freundliche Antwort auf meine von unterdrückter Panik diktierter E-Mail Anfrage.
Ich wagte nicht, dies meinen Freunden mitzuteilen, die immer wieder fragten: "Hast Du auch alles schriftlich?"
"Ja. Ich habe die Bestätigung per E-Mail bekommen." antwortete ich. Das war ja nicht gelogen. Aber war diese Bestätigung etwas wert? Ich zweifelte.
Auch der Transfer vom Flughafen zum Hotel, ich reiste ja "privat" an, wurde mir vom FOM (Front Office Manager) per Rent-a-car arrangiert und zugesichert. Konnte ich dem glauben? Ich zweifelte und schickte ein Konterfei, heute heißt das Pic, von mir, damit man es dem Rent-a-car Fahrer, falls es diesen wirklich geben sollte, aushändigen konnte. Ich zweifelte.
Eine Zeitlang habe ich ja an Gott gezweifelt, sogar bis zu dem Punkt, dass ich aus der Kirche austrat. Es muss IHN sehr gekränkt haben.
So sehr zweifelte ich nun an dem Zustandekommen meines Aufenthaltes im Royal Wings Hotel. Sogar noch in dem Augenblick als ich meinen Koffer hoffnungsvoll auf den menschenleeren Vorplatz des Flughafens hinaus rollte. Und ich fand alle meine Zweifel bestätigt! Es war niemand da der mich abholen wollte!
Ich kenne Panikattacken aus intensivster eigener Erfahrung. Ich bekam keine. Warum nicht? Keine Ahnung. Ich dachte nur: Warte halt noch ein Weilchen. Und dann kam dieser gutaussehende junge Mann auf mich zu, in einer Hand einen DIN-A4 Zettel mit ROYAL WINGS HOTEL aufgedruckt und in der anderen, im selben Format, mein Passbild, das ich gemailed hatte und auf dem ich wenig vorteilhaft aussehe.
Alle Zweifel waren umsonst gewesen. Die türkische Art die Dinge zu erledigen, ist einfach nur geradliniger als die deutsche, weniger bürokratisch, dafür direkt auf den Mensch bezogen. Vielleicht irre ich mich ja, aber ich mag es glauben.
Die Sonne schien, es waren 23 Grad im Windschatten, die Palmen rauschten mit ihren verstaubten, graugrünen Blattwedeln ... Na ja, ich hörte kein Rauschen, bilde es mir jetzt aber ein. Das ist das gute an Erinnerungen, sie können so schön falsch und trotzdem wahr sein.
Ab hier ist alles schön, wahr und falsch, wie im Märchen. So habe ich es erlebt und so soll es sein!
Ich war ja erst zum dritten Mal im Hotel Royal Wings, aber als ich die Eingangshalle betrat, mit dem Flügelmotiv auf dem Fussboden, war mir, als käme ich heim. Hätte ich eine schöne Sopranstimme, wäre sicher Elisabeths: "Dich teure Halle grüß ich wieder" aus Richard Wagners "Tannhäuser" aus mir herausgebrochen. Diese Peinlichkeit blieb allen Beteiligten erspart!
Man erkannte mich noch von meinem letzten Besuch an der Rezeption. Der Empfang war herzlich, wenn auch nicht überschwänglich. Ich war ja schließlich in Antalya und nicht in Wien.
Das Zimmer war perfekt: 8. Stock, Meerblick. Ich zog die Vorhänge zurück, öffnete die Balkontür und atmete tief durch:
SIEBEN WOCHEN IN ANTALYA!
Dann musste ich auf die Toilette.

Der Blick vom Balkon




Samstag, 4. Mai 2013

Quasi das erste Kapitel von 7 Wochen in Antalya.


25. Februar 2013

Es ist das Beste, wenn ich mich dem Ganzen von hinten nähere. Da sitzt alles noch tiefer. Ein Schuft wer Zweideutiges dabei denkt! 
Erinnerungen haben es an sich, dass sie abflachen, wie Kieselssteine die endlos auf dem Grund des Meeres hin- und hergeschoben werden, bis sie endlich irgendwo am Strand liegen, wo sie jemand aufliest, liebevoll betrachtet und entweder einsteckt oder wieder wegwirft. Es sei denn, die auflesende Person hat eine Begleitperson, zeigt dieser, voll Begeisterung und Liebe den Stein, worauf die Begleitperson einen kurzen, desinteressierten Blick wirft und sagt: "Schmeiß ihn weg." Ist die auflesende Person männlichen, die Begleitperson weiblichen Geschlechts, eventuell sogar miteinander verpartnert auf die eine oder andere Art, Ehe ist ja eher nicht mehr die gängige Lebensgemeinschaft, zum Glück für Kreuzworträtsler aber immer noch die (einzige?) mit drei Buchstaben, dann wirft er den Stein weg, um keinen Streit zu provozieren. Sollte er allerdings schon mehrmals in dieser Situation gewesen sein, hat er einen zweiten Stein in der Hand verborgen, den er dann demonstrativ in die Wellen schleudert, während der mit liebendem Blick betrachtete unauffällig in seine Hosentasche gleitet. Männer mit hautengen Badehosen sammeln keine Steine. Was nicht heißen soll, dass diese Männer keine Erinnerungen haben, sie wissen nur nicht wohin damit. So viel an dieser Stelle zum Thema "Die Natur der Erinnerungen".
Den Koffer hatte ich also am Vorabend auf dem Flughafen eingecheckt und meine Boarding Card in Empfang genommen. Geduldig war ich noch eine halbe Stunde auf der unbequemen Drahtbank herumgesessen und hatte darauf gewartet, meinen Namen über Lautsprecher aufgerufen zu hören, was bedeutet hätte, dass beim Durchleuchten meines Koffers irgend etwas auffällig gewesen wäre. Ich hängte sogar noch zehn Minuten an, um auch ja sicher zu sein, schließlich bin ich kein Vielreisender, der auch glaubt, dass man nur "ca. 20 Minuten", wie am Schalter angeschrieben, zu warten braucht. Nach einer dreiviertel Stunde ging ich schließlich in Richtung S-Bahn, mit einem halben Ohr immer  noch nach meinem Namen lauschend. (Der hat sich inzwischen geändert, Dank Facebook, aber das ist ein anderes Kapitel.) Als sich die Tür des S-Bahn Zuges hinter mir geschlossen hatte, hakte ich das Thema Einchecken ab, was hiermit auch hier geschehen ist.
Laut meinem für diese Reise sporadisch geführten Tagebuch, habe ich in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar normal geschlafen.
Normal ist nicht gut und nicht schlecht, eben normal, so wie alles was normal ist, ein bisschen gut und ein bisschen schlecht sein kann und der Rest ist eben ... Ihr habt´s verstanden. Abnormal ist die andere Hälfte von normal, so wie die Nacht die andere Hälfte vom Tag ist. Wobei man nicht sagen kann, welche Hälfte was ist, zumindest habe ich noch nirgendwo etwas darüber gehört oder gelesen. Es läuft also darauf hinaus, dass ich normal durch die Hälfte des Tages schlief, den man Nacht nennt. Sollte jemand zu diesem Thema etwas Erhellendes beitragen können, werde  ich es gern als Fußnote im Anhang unterbringen.
Mozart weckte mich nicht wirklich, ich war schon wach. Der langsame Satz aus dem Klavierkonzert Nr. 21 ist einer ganzen Generation von Kinogängern unter dem Namen "Elvira Madigan" geläufig. Viele sahen sich das Rührstück nur wegen Mozarts Musik zwei-, drei- oder nochmehrmal an. Ich selber habe den Film nicht gesehen, nur von Freunden davon gehört, die alle von dieser "himmlischen Musik" schwärmten und meinten, er, Mozart, wäre "fast so gut wie die Beatles". Mag sein, dass Mozart über diese Einordnung erfreut gewesen wäre, andererseits wäre seine Freude noch größer gewesen, wenn man ihn "besser als Bach" gefunden hätte. Wie dem auch sei, ich lasse mich gern von dieser Musik aufwecken. Sie schält mich langsam und sanft aus dem Schlaf, wie man am Sonntag-morgen ein 3-Minuten Ei aus der Schale löffelt. Aber, wie  gesagt, am 25. Februar war ich schon vor meinem iPad wach und überlegte, während ich Kaffee schlürfte, was ich wohl zu Packen vergessen haben könnte. Zu spät fiel mir ein, dass ich ja, mit Rücksicht auf meine Blase, gar keinen Kaffee trinken wollte. Wer möchte schon im Flugzeug vor dem Klo Schlange stehen, wie vor einer Bäckerei nach dem Krieg? Welcher Krieg? Vergiss es! Ich erinnerte mich genau an die schuldbewussten Blicke der die Toilette verlassenden Passagiere, die sie mit den Wartenden tauschten, hoffend dass die/der Nächste sich nicht an dem hinterlassenen Geruch stören würde. Also schüttete ich den Rest Kaffee in den Ausguss. 
Zeit war noch genug und aus purer Langeweile warf ich einen Blick aus dem Fenster. O gesegnete Unterwäsche der Mormonen! (Oder wie auch immer.) Es hatte geschneit! Nachdem ich für sieben Wochen nicht anwesend sein würde, musste ich diesen Schnee räumen, oder meine Nachbarin würde mich mit ihrem Zorn bis nach Pfingsten verfolgen. Ich kehrte also Schnee. Zum Glück war es zum Schippen zu wenig. (Eigentlich war es völlig überflüssig, aber das Gesetz verlangt es nun einmal und was tut man nicht alles, überflüssiges, als gesetzestreuer Bürger.) Dann streute ich Split und hoffte, dass dies der letzte Schnee des Winters 2012/13 sein würde. Wie wenig solche Hoffnung nützt, hat der dann erst richtig einsetzende Winter gezeigt. Meine Nachbarin ist stinksauer. Kann ich gut verstehen, aber bringen tut´s ihr nichts.
Nach der Pleite mit der Bahn bei meiner Reise im November, wo prompt am Morgen meines Abflugs "technische Störungen" alle Züge von Downtown Stuttgart zum Flughafen lahm legten, und ich schließlich von S-Vaihingen zum Airport in Leinfelden-Echterdingen ein Taxi nehmen musste, das mich 20 €uro kostete, war ich, trotz Schnee, immer noch etwas früher unterwegs, als eigentlich nötig gewesen wäre, für jemand, der seinen Koffer am Vorabend eingecheckt hatte. Aber schließlich war ich doch froh darüber, dass ich das sperrige Gepäckstück nicht in einen vom morgendlichen Berufs-verkehr überfüllten Zug quetschen musste. So kam es, dass ich reichlich Zeit hatte, vor dem Boarding die langweilige Öde des Flughafengebäudes mehrmals zu durchwandern. 
Eins steht fest: die Langeweile vor dem Abflug ist schlimmer als jede Flugangst! Sie wird nur noch von der Langeweile nach dem Passieren der Security bis zum Boarding der Maschine übertroffen. Dem Thema Langeweile denke ich hiermit genüge getan zu haben und damit schließe ich dieses Kapitel.

Abschied nehmen ... eigentlich nur Schnee zeigen ...


Samstag, 23. Februar 2013

Der Prolog zu 7 Wochen Antalya, sieben Wochen Royal Wings Hotel

Prolog (siehe oben)

"Time waits for nobody"
Von Urlaub kann keine Rede sein.
Ich bin seit 12 Jahren Rentner, daher Dauerurlauber.
Also doch Urlaub? ... 
Eigentlich hatte ich ja auch nicht vor noch irgendwelche große Reisen zu unternehmen, schließlich werde ich in diesem Jahr 75! Aber mein Freund P. lag mir schon letztes Jahr so lange in den Ohren: "Gönn Dir doch mal was!" "Es wird Dir gut tun! Du warst schon ewig nicht mehr weg!", und dergleichen, bis ich, schon um der Ruhe Willen, schließlich für eine Woche nach Antalya flog. Mit meinem Freund P., alleine wollte ich einfach nicht, basta.
Genau genommen machte ich die Reise nur mit, weil P. immer behauptete, ich hätte Flugangst. Er hat auch immer behauptet, und tut es heute noch, ich würde keinen Spinat mögen. (Spinat habe ich in seiner Gegenwart inzwischen so oft gegessen, und immer laut "Mmmmmmmmm!" gesagt, dass er von diesem Irrglauben abgekommen sein müsste, was nicht der Fall ist ... Ich nehme an, er will mich nur ärgern!) Also flogen wir im Mai 2012 nach Antalya. Im Flugzeug sah ich mir den Zeichentrickfilm "Yellow Submarine" auf meinem iPad an und summte die Beatles-Songs laut genug mit, dass er es hören konnte, bis er schließlich sagte: "Okay okay, Du hast keine Flugangst. Würdest Du jetzt, bitte, mit der verdammten Summerei aufhören!"
"Danke." stöhnte der Mann auf dem Fensterplatz neben mir, "Ich wollte ihn eben erwürgen."
Antalya im Mai ist sehr schön! Selbst das Unkraut  in den Gehwegritzen hat mediterranen Flair! Und das Hotel Royal Wings, eine Zufallsbuchung, erwies sich als sehr ansprechend.


Zugegeben, es ist ein extrem kinderfreundliches Hotel, was den Lärmpegel automatisch bis in die oberen Dezibel treibt, aber es gibt Ausweichmöglichkeiten genug. Ein bisschen nervig ist auch die Lautstärke der Musik, die aus der Arena direkt in die Zimmer schallt. Bis ein Uhr nachts ... Die Bässe aus dem Tanzschuppen in Strandnähe wummern sogar bis drei Uhr herüber und ich habe dabei das Gefühl, mein Magen müsse im nächsten Moment explodieren und ein Alien gebären. Wer den Film gesehen hat, weiß was ich meine!


Die Hellhörigkeit der Zimmer ist auch nicht problemlos, weil man nicht gerne zuhört wenn der Nachbar, oder die Nachbarin, nachts um zwei eine halbe Stunde lang in die Kloschüssel reihert ... Aber zu meckern gibt es überall etwas, wenn man meckern möchte!
Das Essen war fantastisch!!! Mehr will ich dazu nicht sagen, weil sonst ein Roman aus diesem ersten Beitrag wird. 
Zimmer mit Meerblick, geräumiges Bad mit Wanne ... einfach alles einwandfrei. Der Service ... super,
"All inclusive" eben. Das war die Schnupperwoche. Ich wollte mehr!
Dank widriger "Umgebungsumstände" nahm ich von April bis Oktober 20 Kilo ab, was meiner wenig geforderten Kondition sehr zugute kam. Allerdings ist der Faltenwurf der geschrumpften Haut enorm! Das nur als Nebenbei-Information. 
Das eigentliche Problem war danach meine Garderobe. Nichts passte mehr. Der Unterschied zwischen XL und S ist, in jedem Fall, gewaltiger als man denkt! Inzwischen bin ich M und bin bestrebt das auch zu bleiben. Es wird sonst einfach zu teuer! Ich erhöhte den Jahresumsatz von P&C (nicht zu verwechseln mit C&A!) um beinahe 5000 €uro!!! Dass ich eine Gutschrift von 150 €uro für meine diesjährigen Einkäufe bekam fand ich ganz in Ordnung.
Also war ich von Ende November bis kurz vor Weihnachten wieder für drei Wochen im Royal Wings, diesmal alleine. Anfangs meckerte ich an manchem herum. Der Service schien mir zu unaufmerksam, weil ich mehrmals einfach von den herumwuselnden Kellnern und Kellnerinnen nicht gesehen wurde. Die Klobürste zerfiel während der Benutzung in drei Einzelteile, so dass das Wasser  mir ins ... Na ja, was ältere Herren eben denken beanstanden zu müssen. 
In der zweiten Woche fing ich an mich wohl zu fühlen. Alles war plötzlich perfekt. Das Personal fand ich jetzt superfreundlich, nicht weil sie es vorher nicht waren, sondern weil ich die Freundlichkeit zu mir durchdringen ließ. Wenn ich in der Lobby saß und auf meinem MacBook Air Tagebuch führte, war ich froh, dass nicht jeden Augenblick jemand fragte, ob ich etwas zu trinken wünsche. Und die Klobürste war von einem gut aussehenden Servicemitarbeiter sofort ausgetauscht worden …
Nicht dass jetzt der Eindruck entsteht, dass ich drei Wochen lang das Hotel nicht verlassen habe. Ganz im Gegenteil! Ich war beinahe jeden Tag in Antalya. Ich hatte schon im Mai das Hamam für mich entdeckt, das "Türkische Bad", und war begeistert von den Massagen. Jetzt besuchte ich verschiedene Hamams und testete die Masseure. Jeder hatte seine eigene Methode, die Knoten in meinem Körper zu lösen. Dass ich so viele habe, wurde mir da erst so richtig (schmerzhaft!) bewusst.
Ich will hier nicht die Sehenswürdigkeit und die Sehenswürdigkeiten Antalyas beschreiben, sonst bleibt nichts mehr übrig für die Kapitel die folgen sollen. Dies ist ja nur der Prolog, siehe oben.
Auf jeden Fall war ich so begeistert von diesem "All Inclusive" von seelischem und körperlichem aus-geglichen sein, dass ich mich für einen längeren Aufenthalt "einloggen" ließ. Sieben Wochen! Vom 25. Februar bis zum 15. April!!!
Am Montag ist Abflug. Die Flugbestätigung habe ich. Bekleidung, von der ich meinte, dass ich sie noch brauche, habe ich eingekauft. (Der Bonus von 150 €uro hat nicht ausgereicht!) Einen größeren Koffer musste ich mir auch zulegen ... Gestern habe ich Hemden gebügelt, viel mehr als ich mitnehmen kann ... Morgen werde ich Koffer packen und ihn am Abend einchecken, dann muss ich Montagfrüh nicht so bald am Airport sein ... Wünscht mir einen streikfreien Tag und guten Flug!